Mädchen 1: go ahead girl

Es fing an mit einem Nachmittag, an dem alle über Dinge redeten, die substanzlos waren und endete damit, dass man sich gegenseitig Küchengeräte vorführte.
“Sorry aber ich bin maximal unterfordert”, sagte ich und ging.

Ich ging und die journey endete vor einer verschlossenen Wohnungstür, das aber nicht allein und das war ja das Gute daran. Denn da draußen, da saßen wir nun und drinnen, auf dem Beistelltisch, da lag ein Schlüsselbund.

Weißt Du, H., sagte ich, ich sitze lieber mit Dir auf diesem Boden und warte auf den Schlüsseldienst, als mit anderen Menschen auf Stühlen, denn die warten auf das Leben und darauf, dass sie jemand abholt. Aber auf kaltem Flurboden sitzen und der Dunkelheit zuhören, mit angezogenen Beinen das Atmen des Anderen verstehen, das ist Leben. Auf jeden Fall ist es das. Weil man es anfassen kann. Verstehst Du.

Ja klar, sagt das Mädchen. Aber so, als würde ich nicht verstehen und geht daraufhin in eine Yoga-Pose. Selbst ein müdes Lächeln ist mir da zu anstrengend, weil alles so echt und klar ist. Das ist bestimmt Liebe.

Als der Schlüssel einige Zeit später endlich wieder in die Hand des Mädchens fällt, gehen wir los, und das könnte auch als Metapher verstanden werden und als ich vor einem Regal mit Marzipanrohmasse stehe und mich fühle, als wäre ich verwirrt, kommt tatsächlich ein Mann mit einem weißen Kittel und fragt Kann ich ihnen helfen? und kurz erschrecke ich mich aber dann sehe ich die gelb-blaue Aufschrift und ich sage Nee, danke, seh ich so verwirrt aus oder was und er sagt Nee, im Gegenteil und das habe ich nicht verstanden.
Da bist Du ja!, ruft das Mädchen aus, so, als wäre ich ihr bereits mehrmals verloren gegangen, was hältst Du von Shiitake Pilzen und Risotto und Radicchio? Ich habe keinen Appetit, bedaure ich, aber wäre dennoch bereit, mir Mühe zu geben.

Kurze Zeit später, im Rücken eine riesige Drehtüre, stehen wir vor einer Wand aus dunkler Nacht und Regen und ich freue mich darüber so sehr, aber Mädchen nicht. Wir laufen trotzdem durch den Regen und ich warte immer, bis Mädchen wenige Meter weiter ist und dann springe ich in Pfützen und das Mädchen, das lacht und das Lachen, das ist wie Mühe geben, auch wenn man keinen Appetit hat.

Hinter der Wohnungstür dann nasse Haare und sich der eigenen Schönheit, eigentlich Erotik, aber das liest sich hier nicht so stolperfrei, bewusst sein und fragen und bedauern, warum ist diese Leichtigkeit nie mit Mann möglich und Oh, Du hast Kaffee gemacht. Lecker, danke. Und dann ein Glas Rotwein und Schokolade mit Salz und Beine an den Bauch ziehen.

„Ich glaub, ich bin verliebt.“
„Letzte Woche hattest Du noch eine Angststörung.“
„Ist das nicht das Gleiche?“

Ha ha, we are so funny, ha ha.

Stille. Atmen hören. Verrücktsein akzeptieren. Das ist des Mädchens Appell an mich.
Akzeptier das endlich, dass Du so bist! Und so ist das, wenn man fühlt. Nach Appell streckt Mädchen die Beine aus und sagt mit Blick auf die Decke: „Eigentlich müssten wir langsam die Pilze braten und das Risotto kochen, aber ich lieg’ hier so.“
Bleib doch so, sage ich.

Ich denke mal, ich werde C wieder schreiben, sagt das Mädchen. Okay, sage ich. Okay? fragt sie. Ja weiß ich jetzt auch nicht, aber was würde es bedeuten, wenn ich sagte es wäre nicht okay, das wäre ja Blödsinn total weil woher soll ich das wissen und wer bin ich überhaupt um das zu bewerten. Stille und Schweigen.

Ich habe mir überlegt, einfach nur die Pilze zu braten, ohne das Risotto zu kochen.

Ja, auch okay, antworte ich. Liegenbleiben und irgendwie schwer atmen.

Auf die Uhr schauen und ach ja, ich vergaß, auf der Uhr des Mädchens ist es immer 5vor12, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit und für Nachrichten auf meinem Smartphone fühle ich mich nicht gewappnet also lasse ich das alles sein und eigentlich, eigentlich fühlt sich gar nichts hier an wie 5vor12. Ich bleib hier liegen.

Du musst lernen, laut zu denken, rät das Mädchen. Das kann Dich total befreien und dann sagt sie, erzähl mal von Deiner Angst, wir können bestimmt die Ursache finden.

Du H., wir sind schon wieder sieben ganze Stunden zusammen.
Das fühlt sich für mich nicht so an, sagt das Mädchen.
Für mich tut es das auch nicht, aber ich bin müde, so müde, sage ich und schlage den nassen Schal um das, was von mir noch übrig ist. Ich schaue auf die Uhr und kann ich dich denn um diese Uhrzeit alleine lassen? Ja klar, sagt das Mädchen, ich habe noch fünf Minuten for ever and always. Das kann doch kein Zufall mehr sein.

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