Ich

Was ist es denn?
Das das?

Das, was Ich Kopfschmerzen bereitet, immerzu nur Schmerzen im Kopf. Zittern auf der Haut, Kälte hinter der Stirn, schwebender Druck, Ich und ihren Weg begleitend. Mit dem Rad, zu Fuß, in der Bahn, egal.

Was ist es denn?
Das, was sich Leben nennt und Sterben meint. Sterben, immer wieder täglich, Sterben für alles Schöne, was Ich über das Herz und die Haut läuft, aber niemals stehen bleibt.

Was ist es denn?
Das, über welches Leute betreten schweigen, wenn sie höflich sind. Sind Sie es nicht (meistens), so prasseln Ratschläge auf das beschädigte Dach, verpackt in dem Nichtaushaltenkönnen einer objektbezogenen Unsicherheit. Dann wird mitgerissen, abgerissen, nicht die Unsicherheit, nein, viel gemeiner, denn das, wovon Ich sich kurz zuvor noch zu emanzipieren versucht hatte. Was bleibt denn da und wie kann Ich diese ewige Wiederholung aushalten.

Zeit, denkt Ich, Zeit.
Und Luft, Luft auch.
Raum. Okay.

Guckt mal!
Ich kann auf ihren Fingern stehen.
Finger, nicht Hände. Ha!

Ha ha habt
ihr so etwas schon einmal gesehen?
Und Ich redet jetzt nicht von Instagram.

Was ist es denn?
Fragt Ich.
Das das.

Das, was alle zur Verzweiflung und Ich zum Staunen bringt. Weil es eben kompliziert und damit so schön und scheiße zugleich ist. Kompliziert. Kommt das von Kompliment, fragte mal ein Mann mit fragendem Blick an Ich gerichtet. Kompliziert, weil es eben differenziert zu betrachten und nur mutig zu verstehen ist. Weil genau das eben Ichs Forderung ist. Genau wie die Forderung lautet, sich zu geben wie Ich ist, und zwar ohne das Wohlgefallen der Anderen damit zu provozieren. Müde sein, weil Ich eben müde ist. Schweigsam sein, weil Ich eben jetzt ruhig ist und weil Ich endlich mal etwas erzählt oder vorgelesen bekommem möchte. Etwas über Franz Kafka zum Beispiel. Etwas von Franz Kafka zum Beispiel.

Ich kennt auch jemanden, der ihr etwas vorspielen könnte, auf einem Instrument. Davon redet Ich.

Naja, was ist es denn?
Das, abgesehen von Verzweiflung und oben Genanntem, denn glücklich ist Ich ja auch, weil Ich es irgendwie auch schon immer war, trotz des ganzen Unglücks und niemand behauptet, dass Glück nicht auch in der Melancholie zu finden ist. Ja, das wäre dann wohl ein Ankommen, würde Ich es annehmen.

Aber damit vorbei wären dann auch die Wanderjahre, von denen Ich mal jemand während eines Mittagessens erzählte (bei dem Ich kaum aß, eher zusah) und von denen Ich bis dahin nicht gewusst hatte. Danach fühlte Ich sich weniger allein und war durch Teilhabe plötzlich satt so satt. Jemand hatte Ich etwas Interessantes erzählt und Ich hatte das einfach so gereicht.

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