Das Mädchen: Flirten, Sex, Spazierengehen, Angst

Ha, wie schön!

Das Mädchen klatscht in die Hände und mit glänzenden Augen sieht es mich an. Genau so muss das sein! Genau so muss das sein! Ha!
Und: Zelebrieren sagt sie, man muss es zelebrieren, das Flirten, genau so, wie Du es beschrieben hast. Ja!, sagt sie, und ballt die Faust. Sehr gut!

Aber ja / aber nein, sage ich, denn in meinem Fall, da ist die Summe gleich Tragik. Und sowieso damit der Rest sage ich und lege meine Stirn auf den Tisch. Atmen. Atmen.
Sieht das denn echt niemand?, frage ich.

– Wen eigentlich?

Aber. Egal. Denn:
Mädchen geht es in diesem Fall nicht um den Ausgang einer Geschichte, sondern um mich und Mädchen findet mich lediglich, was ich nicht abwertend meine, gut. Da ich jedoch stets sehr viel finde, finde ich mich eher etwas peinlich und ich finde, es geht schon darum und ich finde auch, es gibt einen Unterschied, also sage ich das auch.

Es gibt einen Unterschied!, sage ich, zwischen gucken und gaffen. Das weißt Du doch! Ich zum Beispiel will nicht angegafft werden! Und Du willst das auch nicht! Und er will das sicher genauso wenig. Und ich will nicht, dass er sich zum Objekt degradiert fühlt, nur, weil ich nicht aufhören kann auf Mund, Schlüsselbein und Schoß zu starren. Manchmal kann ich gar nicht anders. Das ist doch…”, meine ich. Mädchen lacht.

Ich auch ganz kurz.
Weil unkontrollierbar und voller Hitze das eigene Begehren.

Das Mädchen und ich, das ist wie eine seltsame Symbiose, die perfekt passt, weil einerseits aus gleichem Material, andererseits mit ganz anderen Erfahrungen. Und beide akzeptieren den Aggregatzustand der Anderen. Und dann schmiegt sich das, wie Yin und Yang, wie Essig und Öl, und wird Vinaigrette.

“Wir sind ja schon nicht unsexy, Nina.“ Das sagt das Mädchen wenig später wie als wäre das eine Warnung an mich und das ganze Universum auch und mit offenen und stummen Augen kaue ich weiter auf einem Stück Artischocke um Mädchen zu signalisieren Fahr fort und sie sagt: Wir müssen auch aufpassen, darauf nicht reduziert zu werden. Und klar machen, dass man auch Intellekt hat und ein Mensch ist. “Das muss man den Männern ganz deutlich machen!”, sagt sie. Währenddessen quillt Polenta, backt Brot und zieht Aioli. In der ganzen Zeit, die wir nun bereits zusammen sind, durfte ich
– eine Avocado filetieren
– ‎Pilze schneiden
– ‎eine Zitrone auspressen

Es ist wie immer (zu wenig), stöhne ich gedanklich in mich hinein.
Nie darf ich hier was tun, währenddessen Geschirr auf der Spüle für alle sichtbar zu einem Keramikmassiv wird.

Pflanz‘ dich einfach hierhin und blätter‘ da rum, hat das Mädchen bestimmt und mir daraufhin ein Kochbuch vorgelegt. Wäre ich nicht so verzweifelt aufgrund meiner ausweglosen Liebessituation gewesen, ich hätte über die bescheuerte Wortwahl sicher sehr albern lachen müssen aber so…

Aber so weiß ich halt auch nicht.
Ok, dann eben nochmal zum Thema Sex und Orgasmus und: Ja, mag sein.
Nachdenken und dann lege ich mich sanft in einen Lachanfall und schlage erst eine flache Hand auf meine Oberschenkel, um mich kurz darauf hinter beiden Händen zu verstecken.

Vielleicht,
vielleicht weiß ja das Unterbewusstsein bereits vorher,
welcher Mensch es wirklich … Also so wirklich vorher vorher.
Stell Dir mal vor, wie absurd das auf vielerlei Ebene wäre.
Ich lache und werde dann plötzlich, wie aus Schock, so plötzlich oder als hätte ich etwas Grundlegendes verstanden, ganz ernst und sage:

Glaubst du wirklich, das geht?
Mädchen. Glaubst Du das?

Verwirrung im Plenum.

Neue Gedanken.
Nachdenklichkeit.
Und dann: Zweifel, wie immer.
Es ist so vorhersehbar.

Stell Dir mal vor, das ginge und dann passiert es auch so, wie es ginge und wie besprochen, und dann ist es so schön und da es so schön ist, erleide ich einen Schock und dann sterbe ich.
Stell Dir das doch jetzt mal vor bitte!

Wäre das mehr Tragik oder mehr Komik was meinst Du wirklich?

Mädchen sagt “Nina”, wie man es sich nur wünschen kann und dann: “Deine Träume bereiten Dich doch vor.
Du stirbst also auf keinen Fall.”

Ach so meinst Du das.
Ok, das habe ich so noch nicht gesehen.

Irgendwann ist später und dunkel dann auch und es ist auch ein Spaziergang im Wald und da führt mich das Mädchen, während ich Texte rezitiere und dabei statt auf Erde auf Papier sehe (Vertrauensübung) und plötzlich sind wir wieder in der Stadt und vorbei gehen wir an der Tür einer verflossenen Liebe und ich weiß gar nicht, was mir angenehmer gewesen wäre: Die Liebe hätte da plötzlich gestanden oder einfach nicht. Mädchen sagt irgendwas Wertschätzendes diese Stadt, diese Stadt und ich denke früher, da habe ich das auch oft gesagt, aber mittlerweile ist dieser Wohnort eigentlich nur noch eine Wohnung und alles begrenzt und besetzt besetzt mit Erinnerungen.

Es ist das Mädchen, welches sagt: Ich habe festgestellt, dass ich jeden Tag mindestens einmal einen Moment habe, den ich als Krise beschreiben würde und auch festgestellt habe ich, dass ich jeden Tag einen Kampf führen muss.

Stille und dann: Also jeden Tag halt.

Ich bin stumm und Stille und erkenne mich wieder und trotzdem es sich dumm dabei vorkommt sagt mein lösungsorientiertes Ich erst nichts und dann:
Der Weg aus der Angst ist der Weg durch die Angst, das weißt Du doch.

Dennoch. Angst ist Angst. Das weißt Du doch antworten Mädchen und Ich. Wer weiß das jetzt eigentlich besser?

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