Ein Tag, wie er war und wie er endete

Wir Menschen, wir Menschen, was sind wir nur für Menschen? Ich kann gar nicht beschreiben, was wir für Menschen sind. Wie wir uns töten und zum Schweigen bringen, schaden und zu selten nur noch die richtigen Fragen stellen, passende Antworten geben. Zeit und Raum finden und Sein lassen. Was ist passiert. Menschen sind die schlechteren Tiere.

Vielleicht so.

Manchmal, jetzt, möchte ich mich übergeben vor Erschöpfung.

Was machst Du da. Was machst Du denn da.
Und: wann hört es endlich auf.
Beliebter: Reicht es nicht langsam?

-Als hätte ich mir die Gewalt, die mich einst fand, selbst ausgesucht.
-Als hätte ich mir die Gewalt, die ihr mir antatet, selbst zugefügt.

So stehen sie da, mit skeptischem Blick.
Hände irgendwie so in Hüftgegend gestemmt, eingeknickt auch.
Arme und Ambitionen. Alles eingeknickt, nichts fließt.
Kein Wunder, kein Wunder.
Wir verstehen nicht, sagen sie so, was machst Du da.
Eine ewige Wiederholung. Langweilt sie Euch nicht?
Irgendwann werde ich das umdrehen, vielleicht.
Ich verstehe nicht, werde ich dann so sagen, was macht ihr da.

Ich emanzipiere mich, das mache und sage ich dann auch. Meistens leise und milde lächelnd auch, weil ihr es ja sehr wahrscheinlich doch nicht versteht. Ich sage das dann, vllt. mit etwas in der einen Hand spielend, sinnlich ich, verlegen sometimes, nicht jetzt.
Das zu erklären, mich zu erklären, kostet Kraft, die ich für das Vollstrecken brauche, restlos.
Ich weiß, bei Euch funktioniert das meist andersrum aber deswegen bin das hier ja auch ich und das da, das seid ihr. Oder so. Von den Narrativen emanzipiert erziehe ich mich, so, als wäre ich mein eigenes Kind, sage ich.

Nicht verstanden, ihr, die fragtet, oder.
Seltsam. Grade ihr, denen ich doch alles erklärte, versteht nicht. Vllt. aber auch logisch, weil, ja.

Ich erkläre mich nicht mehr.
Ich habe mich damit abgefunden könnt ihr das auch tun bitte danke.

Ich erkläre mich nicht mehr. Ich werde verstanden stattdessen.

Ständig irgendwas irgendwohin tragen. Immer nur tragen. Ich bin eine Tragende.

Plötzlich, plötzlich sind sie da.
So viele Kinder. Woher kommen sie. Bin ich denn dafür schon bereit, ängstlich, skeptisch, diesmal ich, einerseits. Ja, sagen die Erzeuger, sie sind sich sicher damit, denn es sind auch ihre Kinder, unsere Kinder.

-Erhol dich, sagst Du.

Derweil stumm im Wochenbett liegend: ich.

Ich kann Beziehungen mitgestalten.
Ein Satz und eine Möglichkeit, Dinge, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existieren.

Ich weiß nicht, woran soll ich mich erinnern.
Ich weiß nicht, woran kann ich mich erinnern.
Ich weiß nicht, woran will ich mich erinnern.

Manchmal fällt es mir schwer, raus zu gehen. Es ist mir noch peinlich, wie Menschen auf mich reagieren. So, als wären sie ständig erstaunt von mir. So extrem manchmal meine ich. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich selbst so viel weniger extrem geworden bin. So viel leichter und leiser, so viel selbstverständlicher. Einfach da jetzt.
Und dass die Menschen, viele Menschen, auch immer Fragen zu einem haben, deren Antworten ie nichts angehen, mitten auf der Straße, dem Flur, dem Campus stehend.

“War nichts Wichtiges. Habe gerade Pause und wollte mich nur melden und Dir nette Sachen sagen.
Deine Nachrichten klingen, als ob Du das gebrauchen könntest.“

Das Bett und ich und der Vorhang, der Vorhang, romantisch, wie er sich bewegt und mit jedem Windstoß zur Seite gleitet. Ich möchte ihn anfassen, denke ich, und schon schlage ich die Decke zur Seite und stehe, aber das Spiel, das Windspiel, dann wäre es vorbei. Vielleicht verstehen das viele Menschen nicht, behaupte ich, und meine damit nicht, dass ich es verstanden hätte. Man kann nicht einfach alles so anfassen. Beherrschen wollen. Außer sich selbst vielleicht. Aber das ist doch auch kein Leben. Dennoch stelle ich mich dahin, beherrsche mich und meine Materie für kurze Zeit, ansehen, eine Schale Müsli dazu wäre nicht schlecht, zusehen halt, ein Schleier umspielt mich. Augen zu. Man braucht keine Angst haben.

Stunden später, wieder und immer noch: liegend.

Ein Hemd über dem Türrahmen. Wie wäre es wohl, wenn das Dir gehörte?

progress, not perfection: Lena Dunham

Ständig irgendwas irgendwohin tragen. Immer nur tragen. Ich bin eine Tragende.
Ich bin eine tragende Komödie. Ich bin eine Tragödie.

Ich möchte jetzt ein Kleid anziehen und mich mit nackten Füßen auf die Straße stellen.
Es soll regnen, regnen, down on me. Und dann balle ich die Fäuste und schreie.

Aber dieses Kleid, das besitze ich nicht mehr und da draußen, da ist Trockenzeit. Ich brauche einen Monsun. Was mache ich nur.

Ich möchte frisch gepressten Granatapfelsaft. Wer presst mir einen Granatapfel, wenn ich es nicht selbst mache.
So liege ich da und warte. Schwach, weil was habe ich heute zu mir genommen.

Der Nachbar singt iranische Lieder. Vor Menschen, die singen, braucht man keine Angst haben, oder so, vielleicht sollte ich den Nachbar fragen. Knock knock knockin on neighbours door. Hi äh. Hi. Also. Hast Du, hast Du vllt. zufällig einen Granatapfel, momentan ist Saison, deswegen frag ich, falls ja, würdest Du, könntest Du, also wenn man ihn durchschneidet, den Granatapfel, in der Mitte, und in die Hand nimmt, dafür braucht man jedoch große Hände, zeig mal Deine erstmal – oh. Hm nee, reichen nicht aus denke ich, nachher gibt das noch eine riesige Sauerei und kostet nur Kraft und übrig bleibt keine Energie und ach. Egal. Ok ciao.

Mir doch egal was die Nachbarn hier denken.

Ich habe angefangen zu bluten jetzt auch. Vllt sollte ich mein eigenes Wasser trinken.
Wieder dahin zurückgehen, mich selbst zu nähren, doch genau das ist der Fehler in einem System, denke ich.
Man war schon immer zu zweit, man war noch nie allein, von der Empfängnis zum Sterbebett.
Immer ist man mindestens zu zweit. Man ist ein Gemisch. Wann habe ich angefangen, etwas anderes zu glauben.

Es soll Nacht mit Dir an einem See sein und ich möchte mich ausziehen, denn es soll eine Mutprobe sein.
Aber nicht mutig, weil ausziehen, sondern mutig, weil in einen See hinein gehen.
Und das ausziehen, das gehört dazu, wenn man sich der Angst stellt. Alles legt man ab, man geht ohne Ausrüstung.
Weil Ängste sind nur eine Illusion und man bekämpft keine Illusionen, jeder Schlag geht ins Nichts, das kostet Kraft, so werden wir also mit Nichts in diesem See sein und der Mond ist vielleicht auch da, wie letztes Mal, und langsam, langsam,
so wie Kreise, die aus unseren Bewegungen heraus am Ufer ihr Ende finden, so langsam, so langsam,
verliert auch die Angst ihr Interesse an mir.

Es gibt so viel, was du noch nicht über mich weißt. Es gibt so viele Tränen, die noch nicht in unsere Hände fielen.

Es ist ein Ankommen auf Zeit
Zeit ist ein dehnbarer Begriff.

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