Was ich so an manchen Tagen mache: 2

Ich sitze in einem Zug, den ich nicht anhalten kann. Ich sitze in einem Zug und ich weiß nicht wen ich meine als ich frage Wohin fährst Du? Und die einzige Hoffnung ist ein Blick, er gleitet über ein Feld und am Ende die aufgehende Sonne und wie immer ist dann die Sehnsucht nach Fallenlassen da. Aussteigen, losgehen, hinlegen. Die Erde, die Sonne, der Nebel. Mann wird mich nicht sehen. Und ich werde endlich wieder atmen können. Frei atmen. Mir liegt alles schwer auf der Brust.

Marie ist freundlich. Und Marie erzählt gern Dinge über sich. Marie will mal in die Theaterpädagogik und Marie wundert sich, wie sehr Kinder abstürzen, wenn sie bspw. ihre Eltern verlieren, oder auch nur ein Elternteil. Über Marie werden Lieder geschrieben.

Aussteigen, einsteigen, aussteigen. Da sitze ich und da steht sie. Niemand von uns auf einem Feld, eine von uns Frau Dr., nicht ich. Und die Frau, die weiß viel, das merkt man, wenn man zuhört. Sie weiß sogar mehr noch, als nötig wäre, denn wenn sie von sich selbst spricht, dann sagt sie: „Ich Trottel“/ „Ich bin ja auch bescheuert“ / „Ich kann halt nicht schön schreiben.“ / “Ich bin eben manchmal ein bisschen doof”

Broken heart disease, ganz plötzlich. Auch anders, Wut vielleicht. Und dann denke ich an das Mädchen, welches sagte: Kennst Du Frauen, die sich nicht klein machen? Und dann denke ich darüber nach, ob ich schon einmal einen Mann vor Publikum so über sich habe sprechen hören und dann denke ich an den Tweet einer Frau: „Ich wünschte, ich hätte das Selbstbewusstsein eines durchschnittlichen weißen Mannes“

Hi. Endlich habe ich es geschafft. Spät, aber nicht zu spät.
Mantel über die Stuhllehne. Ich will über dieses Vergehen nicht nur schreiben, ich will es anzeigen!, sage ich.
Ok, ok. Gut.
Stille Stille und so alte Telefone habe ich ja noch nie gesehen und alles wird hier analog weitergegeben. Das hier ist eine Polizeidienststelle und ich werde geduzt, weil wir uns ein bisschen kennen. Wenn Du viele Menschen kennst, kann Dir nichts passieren, sagte mal jemand. Mir ist immer so viel passiert, ich habe irgendwann angefangen, viele Leute kennen zu wollen.

Stille Stille und dann einmal erhebst Du dich und gehst in das Nebenbüro, von wo aus ich Dich sprechen höre: „Verwendung verfassungsfeindlicher Zeichen, unter welcher Kategorie, welcher Paragraph…“
§ 86a StgB. Ich studiere Soziale Arbeit, unter anderem, ich weiß das, unter anderem.
„Und einen Strafantrag willst Du auch stellen?“
Ja, richtig.
„Du bist ledig, oder?“
Ja
Da sieht mich der Polizeibeamte an und sagt: „Warum eigentlich, Du bist doch so eine gutaussehende Frau.“

Hinter uns eine Geborgenheit aus Stille, vor uns dann die Weite des Wassers, so haben Sie es sich gewünscht, um ein wenig sprechen zu können. Um ein paar Rätsel lösen zu können, die im Kopf sind. Zwischen so vielen Fragen ein kleines bisschen Mut finden.
„Er sagt, er ist nicht mehr bei mir, weil er mich liebt, sondern nur noch, weil er mich zerstören will.“ Sie sehen auf das Wasser und dann sehen Sie mich an und sagen: „Das ist doch keine Liebe, oder?“

Es ist sehr viel später, als ich sage, Wie wäre es mit einem Kaffee.
Ja gut ok, sagen Sie, Und dann geht es ein wenig darum, was sie wohl sonst so tun könnten, abgesehen von dem Denken, welches nicht immer alles besser macht.
„Was machen Sie eigentlich so den ganzen Tag?“, möchte ich wissen.
„Mich anpassen“, sagen sie und lächeln, unsicher darüber, ob das so ankommt, wie Sie meinen. Ich denke schon, und lächele zurück. Charming.
„Na gut, ok. Und wie sieht‘s aus mit der Gruppentherapie. Läuft‘s?“
„Ich will da nicht mehr hin. Die haben zu mir gesagt, ich soll in mich gehen. Ich war in mir und bin schreiend wieder raus gelaufen! Ich will da nicht mehr hin!“
„Ok alles klar war nur eine Frage.“

So viele Rückwege, und doch komme ich nicht richtig an. Und da sehe ich sie, Sessel und Stühle an einem Straßenrand, chsrmant gestapelt und das ist echt nicht ok! Und immer habe ich Mitleid und Faszination zugleich und ich suche und drehe und hebe und wende und dann habe ich mich entschieden und bin zu einer Tragenden geworden, noch bevor ich wusste, ob ich mir das leisten kann.

„Kann ich Ihnen helfen?“
Kommt mir da ein Mann entgegen? Mir kommt ein Mann mit Hund entgegen!
Ich lasse mir Gepäck abnehmen und sage: Aber Vorsicht, schwer!
Hier muss er rein, der Sessel, ergänze ich noch.
Der Mann nickt und versucht und ist dann auch versucht zu sagen Das geht nicht, während ich denke:
Das geht! und hätte ich mal besser allein…
Ok Moment, sagt der Mann, geht in sein Haus und lässt den Hund bei mir (gute Idee?) welcher derweil in mein Auto steigt (süß!) (Regen!) (Er will es auch!) und schnürt kurze Zeit später den Sessel fest.
„Brauchen Sie denn den Gurt nicht mehr?“, frage ich.
„Nein, den schenke ich Ihnen.“
„Kool danke“ sage ich und blicke auf ein Geschöpf in meinem Auto.
Du kannst das nicht fragen, denke ich, lass es jetzt!
„Ok, meinen Sie, das hält?“ sage ich stattdessen etwas verlegen aufgrund des Gedanken.
„Ja, Sie müssen nur sehen, wie Sie es nachher wieder aufbekommen, nämlich so.“
Ich so mit Blick auf das Fell zwischen meinen Fingern: „Ja ok alles klar danke.“

Angekommen dann fehlt mir ein Hund, und wie war das nochmal mit dem Gurt ich weiß nicht mehr. Erstmal rütteln denke ich aber nichts und wie kann es sein dass… Erstmal der Frau Schneiderin eine Schachtel Merci durch die Tür geben. Weil Sie immer die Pakete annehmen und so vielen Dank.

Und dann stehe ich weiter vor einem Gurt, einer Absperrung genau genommen. Vielleicht hätte ich den Sessel doch nicht… Ok erstmal überlegen jetzt, aber ich weiß nicht, was ich überlegen soll. Ich bin ja keine Ingenieurin. Was überlegt man so überlege ich, als da ein Mann vorbei kommt. „Hallo!“, sage ich. „Hallo!“ so der Mann, und freut sich. „Entschuldigung, könnten Sie mir helfen?“ „Aber sicher“, antwortet der Mann und stellt seine Aktentasche auf den Boden. Der Mann trägt Anzug und Krawatte und sieht schön aus. Ob ich mir dafür den Richtigen… „Da haben Sie sich aber den Richtigen ausgesucht“, sagt er ironisch, mit Blick auf mein Problem. „Ja das passiert mir öfters“ sage ich und lache und dann heule ich, während der Mann werkelt. Ja, das passiert mit öfters, und am Ende, da hat er es tatsächlich geschafft. Ich möchte den Mann belohnen. „Möchten Sie ihn haben, den Gurt?“ frage ich. „Danke“, sagt der Mann, „aber ich glaube, Sie transportieren öfters, oder?“ „Wie bitte?“ „Naja, wissen Sie es denn nicht mehr. Als Sie hier einzogen, da habe ich Ihnen mit dem Fahrrad geholfen.“

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