Recht.

Was war zuerst da, Du oder die Musik, welche mich wieder an Dich erinnerte.
 

 
Klagen Sie, sagen Sie ganz ruhig. Sie sollten klagen, immer klagen!, meinen Sie. Kein Problem, ergänzen Sie. Und lachen ein bisschen schelmisch. Vielleicht so, wie es Juristen in meinem Fall oft tun. Aber so genau weiß ich das auch gar nicht.
 
Klagen, wiederhole ich stumm und sehe aus dem Zimmer heraus in eine verunglückte Welt. 
 

 
Aber ich klage doch schon, denke ich, während ich auf die Unterlippe beißend eine Treppe nach unten schleiche, nachdenklich der eigenen wahrnehmenden Möglichkeiten wegen abwägend. Bin ich auf Abwegen? Ich bin des Klagen zählens müde geworden, wieso hört mich keiner, überlege ich und erinnere gleichzeitig einen besonderen Tag, an welchem ich die Hände auf eine Mauer in Jerusalem legte. „Please do not turn your back to the wall, it’s forbidden“, they said later on. „Excuse me for causing trouble“, I replied, kaufte sehr viel später eine Papierrolle und hängte sie an eine andere Wand. Klagemauer schrieb ich an den Anfang des Dokumentes.
 

 
Es ist möglich, für sich selbst zu kämpfen, wenn man für die anderen kämpfen kann.
Oder ist es genau anders herum, erwäge ich heute, leise und versunken in meinem eigenen Fall. Immer mit etwas in Händen spielend.

Es ist mittlerweile wichtig geworden, Recht zu bekommen.
 


Was glaubt er eigentlich, wer er ist, frage ich mich Wege kreuzend. 
Was glaubt er eigentlich, wer ich bin, frage ich mich, dem Regen zusehend. 
 
Wichtiger, fällt mir ein: Was glaube ich eigentlich, wer ich bin?
Da bin ich, denke ich.


 
Hierfür haben Sie sich die falsche Person ausgesucht, sage ich kurze Zeit später drohend, und meine es so. Es gibt Situationen, da beweise ich Nerven aus Drahtseilen, warne ich, und diese ist so eine. Wie kommen Sie dazu, sich über geltendes Recht zu stellen und Ihre eigenen Gesetze zu schreiben. Und das hätten Sie wohl nicht gedacht, ganz leise lächelnd. Das hätten Sie wohl nicht gedacht.
 
Gut ist: Damit sind Sie ja nicht allein.  
 

 
Menschen auf den Geschmack kommen lassen. Jeder Erfolg hinterlässt in ihnen eine berechtigte Sucht nach mehr.
Anerkennung. Recht. Selbstwirksamkeit. 

Ab jetzt kämpfe ich für mich selbst, aber eigentlich auch für alle anderen. 
 

 
Wie kann es sein, wettere ich nur wenig später in den Lautsprecher eines Telefons, dass nicht jedem sein Recht zugestanden wird. Dass jeder für das Recht, welches ihm zusteht, zuvor erst zu kämpfen hat. Ich frage das fast so naiv, wie es klingt. So leise überrascht und so, als hätte ich zuvor noch nie ein Gefecht geführt.

„Ich habe Dich selten so wütend erlebt“, sagt die Frau, welche mich schon in vielen Emotionen verstrickt sah, stumm und ganz bestürzt. „Ich bin nahezu blind vor Wut“, sage ich, und fast stimmte es. „Ich kann nicht mehr sprechen“, sage ich, „aber Worte habe ich. Ich habe Worte.“
 

 
Ich hatte bereits zuvor rhetorische Feuer begeistert entflammt und auch genährt. Beschwörend, betend und jubelnd Tänze und Kämpfe geführt, als wären Sie meine eigenen gewesen. Nicht mehr aufzuhalten war ich, fiebrig suchend nach dem systematischsten aller Angriffe. Unberechenbarkeiten berechnend. Unerbittliche Runden drehend. Rasend, beharrlich, unerschütterlich. 
 
„Haben Sie keine Angst?“, fragte man mich immer mal wieder. „Nein“, sagte ich, „wovor denn?“ Mit geballten Fäusten, entschlossenem Blick und bebender Stimme sagte ich es: Das hier ist Ihr Recht! Und ich möchte, dass Sie lernen, für sich selbst zu kämpfen! Ich möchte, dass Sie sich das Recht, welches Ihnen zusteht, nehmen und erhalten. Ich möchte, dass Sie lernen, für sich selbst zu stehen! Schämen Sie sich nicht, rief ich aus. Schämen Sie sich nicht!
 
Wer sagt mir das jetzt?
 

 
Lonelieness has always been a friend of mine, denke ich wenig später, während ich erschöpft des ersten Schachzugs wegen an einer Supermarktkasse stehe und mich kaum mehr halten kann. 
 
Möchtest Du auf einen Tee bleiben?, fragt sie anschließend.
Ich weiß nicht, sage ich, stehend an ihrem Küchentisch, den Stuhl umklammernd.
Du tust mir leid, sagt sie.
Aber wieso denn, flüstere ich.
Du siehst aus, als hättest Du Schmerzen, antwortet sie. 
 
Lustschmerz, sage ich, doch noch lächelnd, Lustschmerz. 

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