Eigentlich heute

Those thousand questions
[Und eine der Stimmen]
Which spread a bound
[Die Enge als Zeit
Es dreht sich um mich]
Bring in the end
[Unnütze Fakten spricht]
Those thousand questions
[Diese tausend Fragen
die sich verzweigen]
Which spread a bound
Bring in the end 
Bring in the end
drunkenness
and madness
intoxication and madness
Those thousand questions
bring in the end
only intoxication
drunkenness and madness
madness and intoxication
 
[Keine Sachen machen, keine Worte denken. Grenzenlose Liebe wird mein Herz beschenken –

Diese tausend Fragen 
Die sich verzweigen
 

 
Ich finde Sie ein bisschen verrückt. (nicht heute)
Ich bitte Sie, wissen Sie denn nicht: Es interessiert mich nicht, was Sie finden. (heute)

Auch heute: Oh, guck mal! Ein Zitronenfalter! 
 
Nina, Nina, ich bin so stolz auf Dich.
Sieh Dich nur an, sieh Dich nur um! (heute)
Nein, denke ich, nein, zu lang habe ich mir die Hände vor das Gesicht geschlagen. Ich bin erblindet, erblindet ob der Schön- und Hässlichkeiten dieses Lebens.
Es ist etwas anderes, was ich sehe.
 
Ich sehe mich in allen Spiegeln.
Ich spiegel‘ mich in allen Scheiben.
Ich bin da! 
Wer bin ich, wenn mich niemand spiegelte?
 
Hör doch mal auf zu denken! (nicht heute)
Ein Wesen, das sich keine Gedanken macht, ist das ein Mensch oder ein Tier, frage ich. (heute)
 

 
Du bist wunderschön, ich schwör’s Dir!, ruft ein Mann der Frau hinterher. Sie aber geht weiter und dann flucht er. Doch die Worte, sie wurden gesagt, sie wurden gehört. Ich kann es versichern, das möchte ich dem fremden Mann tröstend in die Arme legen. Ich habe gehört, was Du sagtest. Die Worte waren da. Du bist da. Ich war da.
 

 
Frag Menschen, die Freude in Dir sahen! Frag Menschen, die Freude in Deinem Gesicht sahen, als Du dich mit jemandem austauschen konntest. Bei Jemandem, der sah, was Du einst sahst. 
Wie kann man es auch sonst erklären.  
 


Ihr seid vom Leben gezeichnet und ich werde vom Leben geschrieben. 
Ha! Und nun sagt mir, womit habe ich das verdient?
 

 
Du kannst Dich nicht trennen von Deinem Früher. Deine Art zu lieben ist in Deinen Fingerspitzen. Wie sie berühren und wie lang sie es halten, dort steht es, Deine Fingerspitzen, sie werden es verraten. 
 
Nein, denke ich, Panik ergreift mich, ich weiß es. Ich kann darüber gehen, ich weiß, wie ich liebe. Anders als ihr. 
 

 
Guck mal, ich habe ein Symbolbild meiner Kindheit gefunden.
Willst Du es sehen? (heute)
Ich frage das fast fröhlich, denn es ist wahrlich ein Grund zur Fröhlichkeit. 
Denn endlich, endlich ist er da, ein erster Beweis. 
Oh ja, antworten sie, so unbefangen und neugierig wie sie sind, wie Kinder, bis sie sehen, wo ich war.
 
Die Eine schlägt ihre Hände vor das Gesicht. 
Jetzt weiß ich auch, woher ich das habe, es ist natürlich. 
Die Andere beginnt spontan, die Erwachsene auf dem Bild zu beschimpfen.
 
Du hast meine Mutter beschimpft, sage ich atemlos.
Danke für die Anerkennung, sage ich anerkennend.
 
Zweifel: Kann das Heilung sein? 
 

 
Und dann fragte mich mal jemand, ob man von Zufall sprechen könne wenn eine Tür zufalle. 
 

 
Power in the arms, flexibility in the mind 
Power in my arms, flexibility in my mind
 
„Wir mögen Dich so, wir mögen Dich so. Sieh Dich nur um. Look around.“ (heute)
 

 
Ich habe Schuld übernommen und dann modifizierte sie sich. 
Denn es war ja anders. Du hast mir das angetan, und ich habe es benannt. „Nina, nein! Lass Dir das nicht sagen! Nur weil jemand sagt, dass es draußen regnet, hat er den Regen nicht gemacht.“ (heute) Ja, stimmt, denke ich, ja, stimmt. Du hast es getan und ich hab es benannt. Du hast mir das angetan und ich habe es lediglich benannt. 
 

 
Wie Du dort gesessen hast, so friedlich. Und als wir wieder kamen, begannen Deine Schmerzen.
Aber ihr wart doch meine Eltern, Vater, das wart ihr doch, oder etwa nicht? (nicht heute)

Dann sage ich: so viele Glasflaschen hier. 
Ich seh‘ die Kindheit vor lauter Flaschen nicht mehr.
Bin ich noch da.
 
Anecken
Anecken
Man ist eben anders jetzt, im gleichen Raum noch.
Wie soll das gehen?
 

 
Ihr habt Schuld. Ihr habt Schuld. I see guilty people. (heute)
I – see guilty people.
Ist es nicht so? Ist es nicht so. 
 
Menschen lächeln mich an.
Wie werde ich mich je einem Mann erklären können?
Ich müsste krank sein.
 

 
Geh‘ nach Prag, girl. Geh nach Prag. Es ist schön dort, es wird Dir gefallen. Lass uns nach Marrakesch, girl, Lass uns nach Marrakesch, wir würden solch einen Spaß haben!
 
Deine Mutter wollte auch immer nach Prag. Wieso ausgerechnet Prag?
 
Berlin, Breslau, Cottbus 
Oppeln, Meissen, Dresden.
 
Meine Heimat ist da, wo ich Brot backe, behauptest Du.
Hör auf so einen Mist zu erzählen, wage ich zu denken, nervös die Hände vor den Mund legend. Du hast in Deinem Leben noch nicht ein einziges Mal ein Brot gebacken. 
 
Es mag Dinge geben, die sind auch in der Kunst nicht zu bewältigen
 

 
Perspektivwechsel
Wie anders die Stadt aussieht, wenn man sie beobachten kann.

Meine Heimat ist da wo ich Brot backe.
 
Stiefel, Mantel, Mütze (heute)
Nina, denk daran, was Du alles geschafft hast. Sieh dich doch nur um. (heute)
Die Sonne, die Sonne. (heute)
 
Menschen lachen, ich lache.
Es gibt so eine Zeit, in der man von Glück sprechen kann. 
(eigentlich heute)

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Auf einem Konzert

Hallo hier spricht Ich Ich muss sich krankmelden.


Ja ach Du Arme Ja klar das geht ja auch rum und ja kein Problem wir machen das schon gute Besserung.

Äh ja danke aber ich glaub, ihr habt nicht richtig verstanden es geht nie wieder vorbei meine ich es ist doch nicht zu übersehn.

Von Menschen überholt werden. So langsam nach Hause schleichen, dass die Anderen einen schon fragend ansehen. Guckt nicht so, denke ich, ich geh jetzt so! Ich hab’ Schmerzen. Ich hab’ Brüche. Ich hab’ Schwäche. Ok? Oh man ey. Naja.

Alle haben eine Mutter, nur ich habe keine. Alle haben eine Mutter, nur ich habe keine. Mantra vor mich hin. Nochmal Glück gehabt, unter diesen Umständen.


Endlich, endlich. Auf den Boden legen. Am Boden sein.

Und die Flasche, die vor mir steht, ist halb leer. Nicht halb voll. Halb leer ist sie. Ich seh das doch! 
Nicht! Halt! Voll!



Und dann ein Klingeln an der Tür. Gehört diese Tür zu mir? 

Ich gehe ja tagtäglich dadurch, das gebe ich hier zu, aber gehört sie wirklich mir, bin ich gemeint, meine ich, ich weiß nicht, vielleicht klingelt da ja nur jemand, der es mir nachmachen will, the best way out is through.

Hey! 
Hey!
Ein Lächeln. 
Hi.
Ich hab mich mit der Bahn vertan. Darf ich rein kommen, nur auf 1 Zigarette.

Ja sicher, hier, ein Lächeln.

Bitte. Rauch‘ doch in der Küche, bitte. Mir ist alles egal jetzt weil einsam grade ich kann nicht denken. 

Was redest Du denn, Du magst das doch gar nicht. Komm, wir gehen vor die Tür.

Welche Tür und wie viele davon habe ich. Welche kann ich passieren, welche ist begehbar.

Wer trägt mich.

Es scheint mir wie eine unüberwindbare Schwelle.



Guck mal!, rufe ich ganz erstaunt und fast fröhlich aus, da ist der Mond!, um dann festzustellen: Selbst der Mond ist halb voll. Mein G*tt, wann hört das auf. 


Ich muss mich setzen. Ich muss mich auf die Mauer setzen, an welcher Du rauchend lehnst. 

Schweigen erstmal. Es ist so schön.

Du bist nicht einsam, sagst Du. Nicht?, frage ich lächelnd, Was dann?

Es fühlt sich immer nach Einsamkeit an, weil man trotz aller Gedanken und dem Mitgefühl doch allein in und mit seinem Schmerz ist. Aber Du wirst geliebt und bist wertvoll für die Menschen. Und das bedeutet, dass Du nicht einsam bist.

Schweigen und dann

Danke. Morgen gehe ich übrigens auf ein Konzert. Ehrlich gesagt, ich wünsche mir bereits jetzt wäre schon morgen. Wünschst Du dir das eigentlich auch manchmal sag ehrlich Du kannst es mir sagen wirklich ich sag‘s auch Niemandem

SMS: Ich komm jetzt gleich, Mädchen, pünktlich wahrscheinlich. Mädchen, schreibe ich, ich fürchte ich bin ein bisschen aufgestylt aufgrund dessen mir ein Kleid hervorragend steht und mich im besten Licht erscheinen lässt und Mädchen, hast Du eine Sicherheitsnadel?


– Warte ich muss gucken.
Ja habe ich bis gleich

Bitte mach die Autotür vorsichtig auf, Mädchen, Du weißt es doch. Aber in den Händen hält es gefährliches Werkzeug, stolz zeigt mir das Mädchen sein gefährliches Werkzeug.

Mädchen!, sage ich fast ungläubig. Das sind doch keine Sicherheitsnadeln! Das sind Stecknadeln. Stecknadeln! Wo soll ich mir die denn hinstecken? Ich brauche Sicherheit, Sicherheit. Ach man scheiße, grade fühlt sich diese Kleinigkeit an wie das ganze Leben scheiße. scheiße. scheiße.

Oh ja tut mir leid und jetzt seh‘ ich auch grade dass sie vor lauter Schreck alle ausgekippt sind in meiner Tasche scheiße. scheiße. scheiße.

– – –

Ach es ist so schön Mädchen alles ist so schön ich freu mich auch so dass es Dir gefällt und alles hier funkelt und glitzert wie die Sicherheitsnadeln in Deiner Tasche Mädchen weiß Du noch und falls ja dann nimm die Hände jetzt hoch

– – –

In der Küche, wieder in der Küche, alles beginnt immer an einem Anfang, in den Hörer hinein sage ich es leise:

Du kannst Dir nicht vorstellen, wie schlimm es war, sage ich, den Kopf haltend. Und wirklich, alles was ich sage, ist wahr. 

– Ich kann Dir kaum zuhören, aber ich trage Deinen Schmerz, ich verstehe Deinen Schmerz. Ich liebe Dich wirklich so sehr. Wie kannst Du nur so gut geworden sein, wenn doch alles um Dich herum so schlecht war.

Oh it must be growth by dying.

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Im Museum

Seit ein paar Stunden, eigentlich, seitdem ich wieder zu Hause bin, habe ich Angst, mir den Fußknöchel zu brechen.
 

 
So viele Regeln. Ist das der richtige Ort, gegen den Strom zu schwimmen? Gibt es etwas, zu dem man zurückkehren kann?
 
Die Vergangenheit ist nicht die Vergangenheit.
Ein Zuschauer ist ein Zuschauer.
Sag, was Du willst.
A walk (with the boy)
 
Und am Ende dann die wichtige Einbindung der Besuchenden in die Ausstellung. „Möchtest Du?“, frage ich den boy. „Ich weiß nicht“, sagt er. „Erstmal will ich nur wissen, wie schwer das Material ist.“ Und so gehen wir doch in ein Bad aus kleinen Einzelheiten, Aluminiumklötze. Menschen bauen Häuser und Straßen, legen Schienen und Grenzen. Auch wir sind part of the art, doch eher laufen und sichten, manchmal drehen wir einzelne Teile, nur, um zu sehen, dass darunter nicht sehr viel mehr ist. „Ich nehme Teil an dem Geschehen. Ich verändere die Gesellschaft“, sage ich dann, eher zu mir, und mit Blick auf die Anderen zu dem boy: „Es ist gut, dass Menschen das machen, dass sie wieder lernen, zu spielen“, während dessen lege ich Stein auf Stein, aber es langweilt mich auch ein wenig, ich gebe das zu und sage weiter „dass sie lernen, Dinge sinnfrei und nicht leistungsorientiert zu…“
„Girl ich hab irgendwie Lust, das alles zu zerstören“, sagt der boy unvermittelt mit Blick in das Geschehen. So, wie er da am Rand steht, mit verschränkten Armen, sieht er aus, als würde er sich einen Überblick verschaffen wollen, als wäre das alles im Kopf bereits ein Schlachtfeld. Ich bin so verwundert, es war wie heute Morgen, als der boy ausnahmsweise mal in mein Auto stieg und ich sagte: „Hey na wie geht’s, hier, das ist ein roter Smoothie, für Dich. Bitte sehr!“ „Ach, das gibt’s doch gar nicht“, sagte da der boy, und dann „Hier!, das ist der Smoothie, den ich eben für Dich gemacht habe. Er ist grün.“ 
 
„Boy das ist ja sehr interessant dass Du das sagst“, sage ich dann kniend vor Plastiken, „mich packt die gleiche Zerstörungswut. Seltsam. Aber ich glaube, das darf man nicht, obwohl es ja Kunst im eigentlichen Sinn wäre. Es wäre kraftvoll und produktiv, explosiv nicht implosiv. Es wäre ganz neu. Das ist es ja, was Kunst eigentlich auch will. Die Dinge neu machen und neu betrachten. Ok boy, lass und hier raus gehen bevor wir noch…“
„Ok. Aber erst trage ich mich jetzt ins Gästebuch ein. Ich lese auch, was die Anderen hier so…“
Ok ok, mach mal –

„Entschuldigung, ich habe eine Frage, und zwar, diese Steine, man soll mit ihnen arbeiten und sie verrücken, aber wir beide, wir hatten seltsamerweise die ganze Zeit Lust, das alles zerstören zu wollen, alles, was bisher gelegt wurde, zu zerstören. Alles neu machen, sozusagen. Dürfen wir das?“ Die Frau hinter dem Museumsempfang verliert wirklich ganz plötzlich das totale Lächeln, das war fast absurd und dann sieht sie aus, als wüsste sie weder, wovon ich, noch, wovon sie spricht, als sie sagt: „Eh nein! Sie sollen sich zwar einbringen, aber es geht darum, die Dinge anders zu legen und zu verschieben und nicht zu schmeißen. Die Steine sind recht schwer und es wäre zu laut, das geht nicht!“
„Ah ok danke“, sage ich und drehe mich um.
 
„Boy, hast Du gehört, was die Frau gesagt hat?“
„Ja, habe ich. Lass uns gehen.“
„Boy, ich hab zwar Zerstörungswut, krasse Aggression grade in mir, ich weiß nicht, woher das kommt, aber ich hab auch die ganze Zeit während ich da drin war aufgehört zu denken. Seltsam oder“
„Jaja. Ich auch girl, ich auch girl.“
 

 
Ich gehe über das Leben in das Leben, über das Leben in die Existenzberechtigung. Nicht über den Erwerb und auch nicht über die Gebärmutter meiner Mutter.

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Was ich so an manchen Tagen mache: 3

Ein Kaffeehaus. Ein Kaffeehaus und hier riecht es wie Zuhause, nach Wärme, Romantik und Geborgenheit. Nach Leben und auch nach Entschleunigung. Am gleichen Ort: stehen, staunen, hören.

„Ganz ehrlich, ich würd‘ wieder die AfD wählen. Was hier los ist in Deutschland, das ist doch nicht mehr normal!“

Laut.


Dass die da vorne so über die AfD sprechen, ist das normal?

Leise.


Ja und schrecklich!, sagt die Frau hinter der Kaffeeverkaufstheke. Jeden Tag geht das so! Sie glauben gar nicht, was die für einen Blödsinn erzählen. Und wir dürfen hier ja nichts sagen. Aber die Theke haben sie uns weiter nach hinten gebaut, damit hören wir sie wenigstens nicht mehr.

Die Theke weiter nach hinten gebaut.
Die Theke weiter nach hinten gebaut.

Hinter mir ein freundlich blickender Mann. Ich nehme einen Kaffee für Jetzt. So hatte ich das nicht geplant, fühle ich mich doch noch nicht fertig genug für Kaffee in einer Welt, aber ich setze mich. To-go das Getränk, ich mag es nicht besonders, dafür gibt es viele Gründe, aber im Notfall kann ich damit eben wieder gehen. Die Möglichkeit zu haben mag ich schon. Ich sitze an einem langen hohen Tisch, der Blick legt sich nach draußen. Da ist das Leben, da ist das Leben. Hinter einer Glasscheibe sitze ich. Da sitze ich. Da sitze ich. Die vierte Wand. Auf welche Seite gehöre ich. Neben mir der Mann, der die AfD wählt. Der freundlich lächelnde Mann setzt sich dazu und sagt Guten Tag. Guten Tag, sage ich. Kann ich hier meinen Kaffee abstellen, fragt der AfD-Mann. Ja sicher, antworte ich. Es ist genug Platz für alle da. Sind das Ihre Freunde?, frage ich den freundlich Lächelnden. Nein, eher entfernte Bekannte, wieso frage Sie das. Na weil sie die AfD wählen, sage ich und dann beginnen wir, uns zu unterhalten, es ist früh am Morgen. Wann sind Sie denn geboren?, frage ich. 1932 antwortet der Mann. Das sieht man Ihnen gar nicht an, sage ich.

Gestern ein Bick, den ich auch heute noch schwer auf meinen Schultern trage. Denn irgendwie habe ich mir mich selbst ganz anders vorgestellt. Denn so, wie ich dort stehe, weiß ich nicht, ob ich was sagen soll, und falls ich was sagen soll, was. Wenn man frei ist, soll man dann nicht auch frei sprechen? Ich jedoch soll hier stehen und ich soll was sagen und ich weiß nicht was, also frei sieht auf jeden Fall anders aus, das weiß ich, und ich will nicht s(t)ehen, wo ich bin und wo genau ich stehen soll weiß ich auch nicht. Halb-frei gibt es nicht, es ist eine Katastrophe und die Katastrophe steht mir ins Gesicht geschrieben. Katastrophe steht da Katastrophe. Holt jemand bitte die Notärztin. 

Frau Notärztin hallo ich hab Schmerzen. Aber wo, das kann ich nicht sagen. Überhaupt: Bin ich Ärztin oder Patientin? Wie kann man den Schmerz beschreiben eines Individuums, welches kann und will und nicht darf. Oder welches darf und will und noch nicht kann. So? Und ich bin mit mir selbst nicht zufrieden, wie könnt ihr es dann sein, aber das ist kein Grund für Vorwurf, sondern für Verständnis. Verständnis. Ständnis. Stehen. Alle sehen mich an und manchmal auch Niemand aber alle wissen es: You don’t belong here, you don’t belong here, es ist ein Sprechchor, oder? Bilde ich mir das nur ein? Aber eins bilde ich mir nicht ein, denn da ist er, ein Blick, ein Blick. Er bohrt sich durch meine Haut, mein Herz, mein Selbst und durch alles, was ich glaubte, zu dürfen. Ich kriege kaum Luft und meine Haut ist mir zu dünn.

Stopp jetzt!
Augen schließen.
Niemals mehr soll mich jemand so ansehen.

Perspektivwechsel.

Sich gegenseitig blöd ansehen. Ja, warum denn auch nicht könnte man sich fragen. Was soll ich denn sonst tun, könnte sich der blödguckende Mensch fragen. Sag doch mal jetzt, was könnte ich sonst tun, abgesehen von blöd gucken. Ich kann nur das. Ich kann nur so.

Doch das kann nicht die Lösung sein und das ist auch nicht mein Schmerz. 

Gesprächswertig ist ein anderes Wort für reißerisch. Das ist ihre Meinung.

Antwort.
Stunden vergehen.
Es ist so viel passiert.
Gegenfrage: Ich kann es nicht sehr gut ertragen, unter Niveau zu bleiben. Sag mal, ist das gut oder ist das schlecht.



Mensch, sitzen Sie etwa die ganze Nacht hier draußen?
Nee, erst seit halb 6, antworten Sie. Ich hab Stress mit dem Amt. Danke, sagen Sie später.

Es muss, sagen Sie. Es muss.

Gestern habe ich mit ihm geschlafen, obwohl ich nicht wollte.
Wieso haben Sie das getan?, frage ich leise und bin erschrocken. 
Sie glauben nicht, was dann passiert wäre.
Aber wenigstens hat es nicht lang gedauert.
Aber wenigstens hat es nicht lang gedauert.

Stand ich wirklich am gleichen Tag noch woanders und war so viel schlechter als jetzt?

Verdiente ich wirklich sehr viel mehr Geld damit, über Nebensächlichkeiten zu diskutieren und dabei sehr schlecht zu argumentieren?

Mit dem Gedanken an einen Blick einschlafen und mit dem Gedanken und mit dem Schmerz wieder aufwachen. Heute. Kaffeehaus. Stumm sein. Stimmt, hier bin ich, hier bin ich. Keine richtigen Worte finden, nicht für die Welt und nichtmal für mich selbst. Aber mich ohrfeigen wollen dafür, das schon. 

Ja, so ist es wohl, wenn man sich selbst sucht – eigentlich findet.

Stumme Schmerzen und laute Zweifel. Hinter den Zweifeln, irgendwo, liege ich.

Beiseite räumen. 
Darunter liege ich. 

Es ist wie eine Überraschung, dass ich da bin, und so soll es auch betont werden.

Ach da liege ich! 
Ach so!
Da liege ich also!

Hatte mich bisher immer (wo-)anders vermutet. 

Was macht Mensch, wenn er eine Krise hat. An sich aber eigentlich an der Welt. Krise=Kraft würde Beuys vielleicht auf eine Tafel schreiben. Das habe ich jetzt jedenfalls gesagt.



*„Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ (WMDEDGT) ist ein Projekt von Frau Brüllen.

An jedem fünften eines Monats fragt sie Bloggerinnen und Blogger, was sie so erlebt haben, an diesem einen Tag im Monat. Dabei ist es nicht wichtig, ob es Montag, Dienstag, Mittwoch, kalt, warm, regnerisch oder stürmisch draußen oder im Herzen ist. Wer antworten will, findet Antworten.

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Einigkeit und Recht und Freiheit

Alles ist erleuchtet.
Tatsächlich.

Lieber allein einsam als mit der Familie einsam dachte ich dann so,
bei Abendbrot und Tee.

Alles ist erleuchtet.
Tatsächlich.

Und das wird auch Mann A das erste Jahr in Freiheit sehen können und wer weiß, vielleicht wird er es ja versuchen, aber keine Chance, keine Chance.

Mann B – man ist sich noch unschlüssig. Jedoch sehr wahrscheinlich ist, dass Mann B zu spät zum Feste kommen wird, unter der großen Jacke für Alternative wird er möglicherweise ein Geschenk wissen, eins für die Schwester und nur für diese. Leise wird er es mit den Spitzen seiner Finger in ihre Richtung über den Tisch aus Holz bewegen. Heimlich, und so, dass es keiner und doch wieder Jeder sieht. Denn eigentlich möchte er ja bewundert werden für seine Großzügigkeit. Mann B wird möglicherweise kurz an Frau denken, möglicherweise wird er ihr spät spät abends eine Nachricht zukommen lassen. Vieles wäre möglich.

Mann C wird mit den Händen gestützt seinen Kopf halten und in dieser Enklave brüten brüten brüten. Über Versäumnisse und Übertriebenheiten. Er wird kurz die Frage denken, die man ihm stellte, nämlich wie er fähig sein kann, so groß zu denken und so zögerlich nur zu sprechen. Aber dann wird er beschließen: alles Blödsinn! und sich fest vornehmen: Beim nächsten Mal, da werde ich es nicht so weit kommen lassen! Ich werde mir einen Platz in dem Leben der Frau erobern. Um siegreich mein noch begrenztes Land zu verlassen, werde ich dies nicht mit Hilfe großer Gedanken, sondern leise, vorsichtig, berechnend systematisch und zurückhaltend geschickt wie mein Sprechen vollziehen. Ich werde mich in das Leben der Frauen reden, nicht mehr dort herausdenken lassen. Jetzt werde ich es tun, ich werde!
Aber vorher, noch einmal vorher, muss ich wissen: Frau, sag, bist Du dir wirklich sicher, dass es uns nicht geben kann? Und bitte Frau, sag, bist Du sicher, dass wir nicht alles nur geträumt haben.

Frau wird in einem großen Bett erwachen, zu sehen werden mehr Haare als Hände sein. Frau wird einen Gedanken denken, der mit einem Oh nein beginnt.

Frau wird in die Zukunft gehen, Mauern einreißen und sometimes noch gegen solche rennen. Frau wird Zweifel haben und erhaben das Jetzt sehen und mit Kopfschütteln die Vergangenheit betrachten. Wann hört es auf, wird sie sich noch ab und zu fragen, aber mehr noch Wann fängt es an und wichtiger: Kommst Du mit Mann, kommst Du mit jetzt bitte!, das wird die wichtigste Frage für Jetzt und auch für das kommende Jahr sein. Kommst Du mit, ewig verehrter Mann, der noch nicht viel von seinem Glück weiß.

Der ewig verehrte Mann wird mit einem schelmischen Lächeln und mehr ruhig als laut an einem großen Tisch sitzen, mit vielen Schwestern und lustigen Eltern und einem Glas zwischen den zarten und schmalen Händen. Abwägende Denkerhände. Ein wenig wird er sich nähren, aber mehr noch wird er schweigen, staunen, lachen über viele Nichten und Neffen. Über die ganze Welt wird er kopfschüttelnd Thesen aufstellen und – ja, was?

Ähnlich wie Er durch ein Leben geht, nämlich vorsichtig, und doch beschwingt sowie entschlossen, leise und elegant, wie ein Wolf im Wald, wird Er sich weiter in das Leben einer Frau schleichen. Ein Stück näher gen Zentrum, vorerst fremd in einer für ihn unnatürlichen Umgebung, aber wer war zuerst da, hm? Wer war zuerst da.

Ähnlich wie Jemand, der schon alles weiß, nur das noch nicht, was weit im verbotenen Verborgenen liegt, wird er der Frau ab und zu Fragen stellen zu einem Zauber, an den er noch nicht glaubt, einfach, weil er ihn noch nie gesehen hat, einfach, weil er noch nie dort war, wie es so oft ist, und mehr noch ihr leise von der Ferne aus in die Augen sehen und sich in Anbetracht ihrer Existenz (sie lebt!) auch kaum merkbar verneigen, als ein Beweis der Anerkennung auf weiter Flur wird er ihr zulächeln, um dann den Blick wieder gen Boden zu legen, denn was nicht sein darf darf nicht sein. Wer wenn nicht Er wüsste das besser.

Eines Tages wird der ewig verehrte Mann von der Frau zu einem Tisch begleitet. Eines Tages wird der ewig verehrte Mann der Frau zu Gerechtigkeit verhelfen. Ganz leicht am Arm wird er sie dabei berühren. Wer wenn nicht eine Frau, die ihr Leben in Geschichten schreibt, wüsste das besser.

Sobald die Menschen wissen, dass ich Jurist bin, haben sie ein juristisches Problem, wird er sagen. Ja?, wird ein Richter fragen, der keiner ist, und dann: Interessant, inwiefern?, um sich damit wie selbstverständlich von der Regel ausgmzunehmen, sieht er sich als Normsprechender doch fast naturgesetzlich über den Dingen. Und die Art wie ein Selbsternannter das fragen würde, würde die Frau an einen anderen Dialog erinnern, der in der Vergangenheit liegt und dort auf Vergeltung wartet: Wir sind uns doch einig, sagte er, dass wenn ein normaler Mann Dein Leben betritt, – er kann sich doch nur umdrehen und gehen.

Einig?, fragte die Frau.

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The ballad of bird and fox

Ein Kind in meinen Armen in der Nacht, und während des Schaukelns zittern mir die Knie. Was, wenn ich es nicht schaffe, dieses Kind sowie mich zu beruhigen.
So, wie es auch nie jemand schaffte, sich oder wenigstens mich zu beruhigen.
Was dann.

-They say that we can’t do it.
Let’s prove them wrong tonight-

Es ist nicht nur ein wimmerndes Kind, es ist nicht nur ein wütendes Kind, es ist eine Bewährungsprobe. Wimmernd, das Kind, vielleicht aufgrund der Träume, die nachts durch einen viel fantasievolleren Geist jagen, als wir es uns je erträumen könnten. Wütend, weil eigentlich will es doch nichts anderes als: schlafen.

Peaceful is the bird in the morning
Grateful is the fox in the evening
Gotta wake ‘em up!
Gotta wake that bird up!
Gotta wake ‘em up!
Gotta wake that fox up!

Ich singe.
Und während ich singe, denke ich auch kurz an Dich, der mir stets zu sagen pflegte: Ich glaube schon, dass Du Musik kannst.

So singe ich vom Aufwachen und meine damit Einschlafen.
Diese Ambilvalenz, sie ist mir so bekannt, sie ist so voller nicht erstrebenswerter Eintönigkeit, Durchsichtigkeit, dass sie selbst das Kind in meinen Armen erst zum Gähnen und dann zum Einschlafen bringt.

Wie lange stand ich hier, auf diesem Boden, in meinem Leben, und habe mit einem Kind im Arm einen Kampf geführt. Kinder gehören nicht in den Krieg gezogen. Ich habe meine Waffen niedergelegt, und mich friedlich frei getanzt.

„Ich finde Dich logisch“
Bitte wie?

Es macht keinen Sinn
Augenränder bis zum Kinn
Mein Körper völlig am Ende doch mein Kopf will grade beginnen

Ein anderer Tag, eine andere Nacht.
Und da sehe ich mich um halb vier Uhr morgens lehnend an der Küchenzeile Knoblauch schälen. Und während ich mir immer wieder sage, dass es darin Sinn geben muss, alles passiert zum Besten, alles passiert zum Besten, denke ich auch: Frieden mit den Männern schließen heißt Frieden mit Männern schließen
Was mache ich, wenn das stimmt.
Was dann.

Schuldgefühle, die mich in der Mitte auseinanderreißen
Manchmal möchte ich mir die Hände vor das Gesicht legen,
und so weiter leben for ever.

Es wird nie so sein, denke ich, dass Menschen verstehen, was sie nicht verstehen wollen.
Endlosschleife.
Durchgeschnitten.
Mir ein neues Leben eröffnet.

Knoblauch hacken, um viertel vor vier Uhr morgens. Teufelsaustreibung betreiben.
An Indien denken und dann an Dich.
Hold your body, not your breath, sagtest Du.
Hold your body, not your breath.

Ein Dialog

Ach du Schande, ach du Schande!
[Die Zuschreibungen der Anderen sind die Zuschreibungen der Anderen]
Wie, Schande? Wie kommst Du jetzt da-rauf?
Du kannst doch nicht ewig so weiter machen!
Ewig nicht, vermutlich hast Du recht… Aber nur für Sicherheit – womit denn eigentlich?
Ja mit diesem Leben.
Meinst Du damit, dass ich irgendwann sterben muss? Meinst Du das?
Nein, ich meine, so wie Du lebst.
Wie, wie ich lebe?
Ja, so.
Wie, so. Lebst Du etwa – anders?
Ja, siehst Du doch.
Nicht so richtig irgendwie. Versteh ich auch grade nicht, was Du meinst. Versteh ich echt nicht! Erklär mal bitte.
[Antwort in meinem Kopf: Ich verstehe eigentlich auch nicht und eine Antwort habe ich ebenfalls nicht aber das tut nichts zur Tatsache]
Du kannst damit jedenfalls nicht ewig weitermachen!
Aber – wieso nicht?
Ja – also ir.gend.wann muss man ja mal fertig sein [Zähnezusammengebissensehrfest]
Fertig sein womit? – Und bist Du schon fertig?
[Antwort: ausgeblieben]

Davon abgesehen: Ich will überhaupt nicht fertig sein und bin es gleichzeitig ja leider doch, man, Du kannst Dir nicht vorstellen wie sehr, aber das ist eine andere Geschichte ha-ha naja.

-Gespräche mit einem Toten
kein Ende, jenseitig:

„Ich habe dem dann gesagt „Sie wissen wohl nicht, mit wem Sie hier sprechen!“
Ja vielleicht wusste er wirklich nicht ich meine mit wem hat er denn gesprochen?
„Ich habe den sowas von zusammengefaltet das kannst Du dir nicht vorstellen. Und zusammenfalten, das kann ich!“ (stolz)
Stille.
„Ich weiß, dass Du das kannst.“
[Teetasse zwischen Handflächen: warm]

Wenn ein normaler Mann bei Dir rein kommt, der kann sich ja nur umdrehen und gehen
Jacke über Stuhllehne / Gardinen auf Boden / Matratze ebenso

Wann machst Du mal was Vernünftiges?
Ich bin enttäuscht von Dir!
Ich bin enttäuscht von Dir!
Ich bin enttäuscht von Dir!

„Ich will Dich nicht anhimmeln, aber es passiert(e). Einfach so.
Ich finde Dich so unfassbar spannend.“

Ich kann nicht mehr unfassbar sein, es tut mir weh.
Ich bin auf Spannung so sehr, was ich brauche ist in eine Nische legen, bestenfalls aus Mann bestehend.

Männer sind nicht gleich Männer, hier ist er doch, der erste Beweis.
Wieso glaubt der Kopf das nicht.

Verliebtheit und Verstand / Aggression und Aversion. In meinem Kopf fickt es sich gut.

Hast Du noch Fragen?
Ja, tausende.
Nein, Verzweiflungsgedanken hatte ich heute nicht.

Mann: Wachstum und Willenskraft

Mädchen: Was ist denn an dir bitte crazy das würde ich gern mal wissen

Frau: Du lernst immer so Männer kennen.
Ich: Ja aber ich bin auch so eine Frau.

Konsequenzen ziehen.
Aber doch hoffentlich nicht vermischen, das Kind auf den Armen mit dem Kind aus den Erinnerungen, der Mann von damals mit dem Mann von heute. Von weiter weg sieht man besser, näher dran werden Dinge oft kleiner. Letzteres hast Du mir gesagt und damit Angst gemeint. Aber vielleicht war ich schon zu weit weg, unerreichbar liebend lachend zweifelnd leidend schmerzend auf einer Matratze liegend, mit der Schwester sprechend.

Hat irgendwer nach mir gefragt?
Nein Schwester, niemand.
[atmen, wirklich ruhig]
Es ist doch gut. Ich werde nicht vermisst. Es ist doch gut.
Ich werde keine Vermisstenanzeigen aufgeben müssen
Ich werde nicht gefunden werden müssen
Ich werde mich nicht mehr verstecken müssen.

Die Wahrheit ist simpel

In meinem Leben stehe ich auf Zehenspitzen

Alles = ich. Ich = alles, was ich zu sein vermag. Ich = endlich. Endlich.

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ISBN 978-349-230-7178

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Was ich so an manchen Tagen mache: 2

Ich sitze in einem Zug, den ich nicht anhalten kann. Ich sitze in einem Zug und ich weiß nicht wen ich meine als ich frage Wohin fährst Du? Und die einzige Hoffnung ist ein Blick, er gleitet über ein Feld und am Ende die aufgehende Sonne und wie immer ist dann die Sehnsucht nach Fallenlassen da. Aussteigen, losgehen, hinlegen. Die Erde, die Sonne, der Nebel. Mann wird mich nicht sehen. Und ich werde endlich wieder atmen können. Frei atmen. Mir liegt alles schwer auf der Brust.

Marie ist freundlich. Und Marie erzählt gern Dinge über sich. Marie will mal in die Theaterpädagogik und Marie wundert sich, wie sehr Kinder abstürzen, wenn sie bspw. ihre Eltern verlieren, oder auch nur ein Elternteil. Über Marie werden Lieder geschrieben.

Aussteigen, einsteigen, aussteigen. Da sitze ich und da steht sie. Niemand von uns auf einem Feld, eine von uns Frau Dr., nicht ich. Und die Frau, die weiß viel, das merkt man, wenn man zuhört. Sie weiß sogar mehr noch, als nötig wäre, denn wenn sie von sich selbst spricht, dann sagt sie: „Ich Trottel“/ „Ich bin ja auch bescheuert“ / „Ich kann halt nicht schön schreiben.“ / “Ich bin eben manchmal ein bisschen doof”

Broken heart disease, ganz plötzlich. Auch anders, Wut vielleicht. Und dann denke ich an das Mädchen, welches sagte: Kennst Du Frauen, die sich nicht klein machen? Und dann denke ich darüber nach, ob ich schon einmal einen Mann vor Publikum so über sich habe sprechen hören und dann denke ich an den Tweet einer Frau: „Ich wünschte, ich hätte das Selbstbewusstsein eines durchschnittlichen weißen Mannes“

Hi. Endlich habe ich es geschafft. Spät, aber nicht zu spät.
Mantel über die Stuhllehne. Ich will über dieses Vergehen nicht nur schreiben, ich will es anzeigen!, sage ich.
Ok, ok. Gut.
Stille Stille und so alte Telefone habe ich ja noch nie gesehen und alles wird hier analog weitergegeben. Das hier ist eine Polizeidienststelle und ich werde geduzt, weil wir uns ein bisschen kennen. Wenn Du viele Menschen kennst, kann Dir nichts passieren, sagte mal jemand. Mir ist immer so viel passiert, ich habe irgendwann angefangen, viele Leute kennen zu wollen.

Stille Stille und dann einmal erhebst Du dich und gehst in das Nebenbüro, von wo aus ich Dich sprechen höre: „Verwendung verfassungsfeindlicher Zeichen, unter welcher Kategorie, welcher Paragraph…“
§ 86a StgB. Ich studiere Soziale Arbeit, unter anderem, ich weiß das, unter anderem.
„Und einen Strafantrag willst Du auch stellen?“
Ja, richtig.
„Du bist ledig, oder?“
Ja
Da sieht mich der Polizeibeamte an und sagt: „Warum eigentlich, Du bist doch so eine gutaussehende Frau.“

Hinter uns eine Geborgenheit aus Stille, vor uns dann die Weite des Wassers, so haben Sie es sich gewünscht, um ein wenig sprechen zu können. Um ein paar Rätsel lösen zu können, die im Kopf sind. Zwischen so vielen Fragen ein kleines bisschen Mut finden.
„Er sagt, er ist nicht mehr bei mir, weil er mich liebt, sondern nur noch, weil er mich zerstören will.“ Sie sehen auf das Wasser und dann sehen Sie mich an und sagen: „Das ist doch keine Liebe, oder?“

Es ist sehr viel später, als ich sage, Wie wäre es mit einem Kaffee.
Ja gut ok, sagen Sie, Und dann geht es ein wenig darum, was sie wohl sonst so tun könnten, abgesehen von dem Denken, welches nicht immer alles besser macht.
„Was machen Sie eigentlich so den ganzen Tag?“, möchte ich wissen.
„Mich anpassen“, sagen sie und lächeln, unsicher darüber, ob das so ankommt, wie Sie meinen. Ich denke schon, und lächele zurück. Charming.
„Na gut, ok. Und wie sieht‘s aus mit der Gruppentherapie. Läuft‘s?“
„Ich will da nicht mehr hin. Die haben zu mir gesagt, ich soll in mich gehen. Ich war in mir und bin schreiend wieder raus gelaufen! Ich will da nicht mehr hin!“
„Ok alles klar war nur eine Frage.“

So viele Rückwege, und doch komme ich nicht richtig an. Und da sehe ich sie, Sessel und Stühle an einem Straßenrand, chsrmant gestapelt und das ist echt nicht ok! Und immer habe ich Mitleid und Faszination zugleich und ich suche und drehe und hebe und wende und dann habe ich mich entschieden und bin zu einer Tragenden geworden, noch bevor ich wusste, ob ich mir das leisten kann.

„Kann ich Ihnen helfen?“
Kommt mir da ein Mann entgegen? Mir kommt ein Mann mit Hund entgegen!
Ich lasse mir Gepäck abnehmen und sage: Aber Vorsicht, schwer!
Hier muss er rein, der Sessel, ergänze ich noch.
Der Mann nickt und versucht und ist dann auch versucht zu sagen Das geht nicht, während ich denke:
Das geht! und hätte ich mal besser allein…
Ok Moment, sagt der Mann, geht in sein Haus und lässt den Hund bei mir (gute Idee?) welcher derweil in mein Auto steigt (süß!) (Regen!) (Er will es auch!) und schnürt kurze Zeit später den Sessel fest.
„Brauchen Sie denn den Gurt nicht mehr?“, frage ich.
„Nein, den schenke ich Ihnen.“
„Kool danke“ sage ich und blicke auf ein Geschöpf in meinem Auto.
Du kannst das nicht fragen, denke ich, lass es jetzt!
„Ok, meinen Sie, das hält?“ sage ich stattdessen etwas verlegen aufgrund des Gedanken.
„Ja, Sie müssen nur sehen, wie Sie es nachher wieder aufbekommen, nämlich so.“
Ich so mit Blick auf das Fell zwischen meinen Fingern: „Ja ok alles klar danke.“

Angekommen dann fehlt mir ein Hund, und wie war das nochmal mit dem Gurt ich weiß nicht mehr. Erstmal rütteln denke ich aber nichts und wie kann es sein dass… Erstmal der Frau Schneiderin eine Schachtel Merci durch die Tür geben. Weil Sie immer die Pakete annehmen und so vielen Dank.

Und dann stehe ich weiter vor einem Gurt, einer Absperrung genau genommen. Vielleicht hätte ich den Sessel doch nicht… Ok erstmal überlegen jetzt, aber ich weiß nicht, was ich überlegen soll. Ich bin ja keine Ingenieurin. Was überlegt man so überlege ich, als da ein Mann vorbei kommt. „Hallo!“, sage ich. „Hallo!“ so der Mann, und freut sich. „Entschuldigung, könnten Sie mir helfen?“ „Aber sicher“, antwortet der Mann und stellt seine Aktentasche auf den Boden. Der Mann trägt Anzug und Krawatte und sieht schön aus. Ob ich mir dafür den Richtigen… „Da haben Sie sich aber den Richtigen ausgesucht“, sagt er ironisch, mit Blick auf mein Problem. „Ja das passiert mir öfters“ sage ich und lache und dann heule ich, während der Mann werkelt. Ja, das passiert mit öfters, und am Ende, da hat er es tatsächlich geschafft. Ich möchte den Mann belohnen. „Möchten Sie ihn haben, den Gurt?“ frage ich. „Danke“, sagt der Mann, „aber ich glaube, Sie transportieren öfters, oder?“ „Wie bitte?“ „Naja, wissen Sie es denn nicht mehr. Als Sie hier einzogen, da habe ich Ihnen mit dem Fahrrad geholfen.“

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Man, Mann, Männer. Ein Gedicht.

Ich lerne Männer kennen
Ich lerne, Männer zu kennen
Sag mal Mann, kenn ich Dich?

Der Mann sagt nichts.

Ist sich wohl unschlüssig oder unangenehm aufgrund des intensiven Interesses an ihm nur ihm doch sowohl nur als auch als Mensch. Mann wird sehen.

Ist vielleicht verlegen oder hat die Worte verlegt, als er in den Wald verschwand.
Ich bin weg jetzt, sagte er.
Ja ok sagte ich. Bis bald dann.

Ich lerne Männer kennen
Ich lerne, Männer zu kennen
Sag mal Mann, kennen wir uns?

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59 – 65

59

Als ich ein Kind war, träumte ich immer wieder den gleichen Traum:
ein Hochhaus würde einstürzen, und mittendrin: ich.
Als ich ein Kind war, durchdachte ich immer wieder das gleiche Szenario:
Wo wäre die Chance, diese Katastrophe zu überleben, wohl am größten, in einem der oberen Stockwerke (tiefer Fall) oder in einem der niedrigen Stockwerke (tiefe Schlucht)?

Wie lang habe ich darüber gebrütet und konnte meinen eigenen Tod doch nicht entscheiden?
Mein Kindheitsrätsel.
Andere Kinder spielten Gesellschaftsspiele, ich spielte Überlebenskämpfe.

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Heutzutage sind die Nächte Überlebenskämpfe. Und mittendrin: ich, wie Kafka und Schlaf und Fieber, mein Körper, wie er aufbegehrt, gegen sich selbst kämpft, sich nährt und gebärt, sich schüttelt und in Wallung gerät. Noch unkontrollierbar zwischen Sein und Nichtsein schwankt und sich dabei Haare, Nägel und Zähne ausreißt.

61

Manchmal, wenn ein Mann über Nacht zu Besuch ist, dann fühle ich mich, als wäre ich gänzlich hundertprozentig. Spirituell.

62

Ich habe eine Schwäche für Männeruhren.
Das Romantische an ihnen ist, wie gut sie über das Gemüt ihrer Träger Bescheid wissen. Ihnen entgeht kein Pulsschlag. Wie konstant in Korrespendenz sie dabei mit dem Objekt der Begierde sind. Innenpolitik.

Vielleicht ist es auch lediglich die Nähe. So nah wie all die Uhren wollte ich all den Männern auch immer sein. Selbst dem ewig verehrten Mann blicke ich immer mal wieder heimlich auf die Uhr. Und meistens seufze ich dann kurz. Vor Erleichterung, vor Spannungsabbau vor allem.

Der Unterschied zwischen Dir und dem ewig verehrten Mann ist, dass ich Dich bereits kennengelernt habe. Das ist es, was heute vieles in einem anderen Licht erscheinen lässt. Eine Garantie dafür, einen Traum zu zerstören, ist seine Erfüllung. Oder so ähnlich. Nachdenken darf ich darüber nicht. Aus dieser Verzweiflung käme ich nicht wieder lebend heraus.

[Dein Vater hat Dich vergöttert, sagen sie mir, am Küchentisch sitzend schwören sie das in ihre verzweifelten Hände hinein. Dein Vater hat Dich vergöttert. Bitte glaub uns das.
-Wer versteht wen oder was nicht?]

Für den Vorgang des Uhrausziehens hege ich ebenfalls Faszination, für den Vorgang des Legens: Metall auf Holz. Erstarrt bleiben dabei beobachtend dann all meine Herzen stehen, so ernst ist mir das.

Alles fiel mir auf, als Du noch in Meditation versunken und in Laken verhüllt saßst und ich von Morgenromantik umarmt vor dem Holztisch stehend aus das Werkzeug betrachtete, auf dem unsere Zeit (ab-)lief. Da nahm ich es in die kalten und zarten Hände und das Utensil war mein Gegenteil, nämlich warm, weich und schwer. Wie konnte das sein? Nachdenklich kippte ich Materie von einer auf die andere Handaußenseite. Dabei baute sie eine Brücke zwischen Dir und mir.

Verloren war ich, mehr noch als gestern, nur leiser, beim langsamen Entblößen einer Mandarine, beim Schälen all ihrer Häute, und ich meine: all ihrer Häute, bis nur noch Fischlaich übrig blieb, als Du neben mir liegend fordernd sprachst: Was findest Du so erotisch daran, sag es mir. Erzähl mir eine Geschichte, antwortete ich leise, so erschöpft wie ich war, und Du begannst, mir eine Geschichte zu erzählen, und noch eine und noch eine. Es geschahen Wunder für mich.

63

Sag mir, sagst Du, wie Du so plötzlich vor mir, Tisch und Uhr stehst, womit kann ich Dir eine Freude machen.

Was?

Stille // und wenig später nur schwebt Wasser aggregativ vielseitig durch Papier, sucht sich Wege, die nach Rom führen, extra fein gemahlen. Gestern noch hattest Du mir die Reifen meines Fahrrads aufgepumpt und den Backofen repariert. Gestern.

Und plötzlich denke ich an Nebensächlichkeiten, daran, dass als es noch ein damals gab ich Dir immer nur Fragen stellte.
Wie schwer trägst Du, hm?
Geht es darum, Dinge zu tragen?, antwortetest Du, falls ja, dann 9.
Nein, darum geht es nicht.
Ach so, ok. Aber ich bleibe trotzdem bei 9. Ich bin schließlich auch groß.
Einmeterneunzig bin ich groß sagtest Du damals und ich war geschockt.
Was, wie groß bist Du, einmeterneunzig?
Ja.
Auch manche Deiner Worte, mögen sie noch so klein sein, irgendwie sind auch sie einmeterneunzig groß und als Du es sagtest, wusste ich plötzlich, warum ich stetig zusammenzuckte, sah ich Männer, die einmeternenunziggroß an mir vorbei gingen und sich bewegten, wie Du es tust.

Heute die Frage: Kann ich Dir je wieder entgegenkommen, ohne Vorsicht? Ohne mich zu erschrecken? Kann da je wieder Wärme zwischen uns entstehen?
Immerhin. Mein Bett konnte ich schon immer gut mit Dir teilen.
Erwachsenenrätsel.

Und dann erinnere ich mich an das erste Mal, und daran, dass wir wenig später gemeinsam an einem Tisch saßen und ich trug ein Kleid und darunter trug ich nichts, wusstest Du das. Aber ich fühlte und fühle mich nicht so, weißt Du das. Du strecktest damals die Arme in die Luft und alles legte sich mit kurzen Geräuschen wieder in Position. Das will ich auch können, habe ich dann zu Dir gesagt, fast habe ich es geflüstert, und Du antwortetest: Dann mach das doch einfach auch mal. Das war eine Metapher für mich. Eine Öffnung aller Kanäle. Und dann habe ich so vieles auch einfach mal gemacht. Mach das doch einfach auch mal, hast Du mir gesagt. Das implizierte Wachstum, für welches ich bereit war.

Irgendwann dann wurde alles Schöne verlässlich schlimm. Als gäbe es uns nicht mehr.
Ich habe eine Frau getroffen, sagtest Du, die ich interessant finde.
Du meintest nicht mich.
Ich denke, sie ist zu intelligent für mich, sagtest Du.
Du meintest nicht mich.

-Bist Du noch normal?

Und während ich so stehend an meinem neuen Backofen lehne, höre ich mich sprechen: Du hast mir bereits Freude gemacht, und denke dann weiter an was eigentlich und plötzlich da sehe ich wie der Wind dort draußen aus einem weißen Sonnenschirm ein weißes Gespenst macht, welches sich

Hallo träumst Du?

Was?
Nein!

Und schon möchte ich Dir in deinen wartenden Blick schauen, aber da stehst Du nicht mehr vor mir, schon bist Du woanders, aber immer noch bei mir, und beginnst meine Fenstervorsteher zu mustern. Alles hängt schief bei mir, alles hängt so schief, dass es vielleicht auch wieder gerade ist, und ich sage „Lass ruhig, lass ruhig, es ist nicht mehr reparabel und längst habe ich mich auch dran gewöhnt“, obwohl ich mich eigentlich nie daran gewöhnte, aber Du nimmst Dein Werkzeug, ein Taschenmesser in rot, und beginnst, Stahl zu schneiden, Kordel zu fädeln und Plastik zu formen und etwa eine Viertelstunde später stehe ich vor Parallelen und Du beginnst schweigend, das zweite Fenster zu richten und dann das dritte und plötzlich fällt Sonne auf meinen Lebensmittelpunkt. Aber das hat nichts mehr mit mir zu tun, denke ich. Danke, sage ich, und meine es so. Mein Herz tankt Licht und da fragst Du: Was kann ich noch tun, damit Du dich freust, und dann fallen mir Dinge ein und Du machst Dinge und immer wieder fragst Du: Hast Du denn noch eine halbe Stunde? Wenn Du noch eine halbe Stunde hast, sage ich. Wäre Dein Ego kleiner, würdest Du mich sogar noch länger aushalten, sagst Du und trägst das Lächeln, welches ich gerne habe. Und als wir uns verabschieden, da stehen wir erstmal da und als wir uns loslassen, da küsst Du mich auf die Wange, so, wie ich Dich auf die Wange geküsst hätte, aber Du bist mir zuvor gekommen.
Danke, sagst Du.
Ja, ich danke auch, sage ich.

64

An einem anderen Tag in einem Secondhandgeschäft hängen sie, große, schwere Herrenmantel.
Genau so, denke ich.
„Du siehst aus wie ein Anwalt“, sagt mir die fremde mich duzende Frau. „Anwältin“, korrigiere ich und denke natürlich an den ewig verehrten Mann. Ich will keine Frau Anwältin sein. Ich will eine Frau sein. Heute will ich eine Frau in einem Herrenmantel sein, denke ich.

Das hier ist ein ganz spezielles Soziotop, wirklich wahr, denn hier trifft sich Hinz mit Kunz und so treffe ich einen Mann, der „Wow“ sagt, als ich aus der Umkleidekabine trete, obwohl er mich nicht kennt. Und fast ist es mir peinlich, aber nach „Wow“ fügt er sachlich hinzu: „Schicker Mantel!, ist der nicht für Herren?“, was dann die schüchterne Sache rettet.
„Ich denke so nicht“, antworte ich und füge großzügig hinzu, „aber wenn es so gemeint war, kannst Du ihn gern auch einmal anprobieren.“ Der Mann sagt wirklich „Ok“ und so tauschen wir unsere Kleider und tatsächlich: er kauft zwar nicht diesen, aber so einen Herrenmantel, wie ich ihn zuvor trug. Der Mann trägt jetzt einen Damenmantel. „Danke“, sagt er, und geht wehend seines Weges. Wow, denke ich.

„Ba!“, sagt jemand anders, reißt mich aus dem Traum heraus und meint dabei mich.
„Sie sehen aus wie ein Grufti!“
Was, ich? Ich: was?

Was ich alles nach Meinung der anderen in einem Mantel bin: erstaunlich. Dabei urteilt doch jeder eigentlich nur aus seiner eigenen Kleidung heraus.

„Vielleicht bin ich ja ein Grufti“, lächle ich aus einem schwarzen Schmuckstück heraus.
„Grufti Grufti“ sagt jemand anders, während sie sich an mir vorbei schleicht, „Grufti Grufti!“

Gekauft, sage ich, und lege zwei Scheine auf den Tisch.
Durch Herrenmantelgravitation noch mehr erschwert schleife ich mich und meine Beute nach Hause. So warm kann nur ein Männermantel sein denke ich und dann verlasse ich die romantische Ebene und habe Wut auf die Welt, denn so warm im Winter war mir noch nie und ich denke Frauen sollen wohl systematisch frieren, damit sie Schutz suchen in den Mänteln (Armen) der Männer! Und wo gibt es schon Männermäntel ohne Männer, ha!, denke ich, Menschen emanzipieren sich, und dieser Mantel gehört jetzt mir, ich schütze mich selbst. Hallo.

65

Und als hätte mich einer der guten Männer schimpfen gehört, so schreibt er Neuigkeiten, so gute Neuigkeiten, und ich überschütte ihn mit meiner Freude für ihn und meinem Lob und am Ende dann schreibt er Wie geht es Dir.

Es geht so, sage ich, verwirrt sitzend an einem zu kleinen Tisch, meine Geister, meine Geister, ein Kampf im Kopf. Aber es lohnt sich, ich weiß das. Das schreibe ich.

Hör mal, sagt eine ehemals große Liebe, ich glaube an Dich. Ich glaube an Dich, Du warst immer eine starke Frau und so wirst Du auch weiterhin sein.

Danke, sage ich, vielen Dank.

Immer habe ich Männer vermieden, und plötzlich sind sie alle da. Wie eine Familie, so langsam gebaren auch sie sich selbst in mein System.

Zuvor war es fast so: ab- und verkannt werden, zweifeln bis zum Existenzminimum, die Blutgruppe ändern, einen eigenen Weg finden und endlich, endlich: frei sein. Fast.

Die Männer, die nun zu meiner Familie gehören, haben mich eigentlich viel mehr geheilt als dass sie mir geschadet haben.

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Was ich so an manchen Tagen mache: 1

Ein Moment des schmerzlichen Wachwerdens.
Manchmal ist das Aufstehen zermürbend, so aufreißend. Dann ist es so, als könne ich liegen bleiben, obwohl ich mich zuvor eigentlich gar nicht hingelegt hatte. Wie passt das zusammen? Notizen von diesem Morgen fielen mir heute in die Hand.

Aufstehen. Bringt ja doch nichts.
Chai aufsetzen
Frühstück machen
Chai, oh Chai

Musik entdecken, die man sich nicht vorstellen kann.
In die Musik eintauchen.
Neue Welten finden. Und plötzlich die Eigene mit anderen Augen sehen.
Prospekte, Kartoffelschalen, Tassen, Küchenhandtücher:
Ständig irgendwas irgendwohin tragen. Immer nur tragen. Ich bin eine Tragende.
Ich bin eine tragende Komödie. Ich bin eine Tragödie.

Im Bett frühstücken. Spätschicht. Im Bett frühstücken. Ein zu früher Dienst.

Wieder an den Küchentisch setzen.
Vieruhrdreiundzwanzig. In Zahlen 4:23.
Nach draußen sehen.
An Wolfgang Herrndorf denken.
Die Episode, als er mit Pinguinkostüm in der Notaufnahme vorspricht: Kopfschmerzen, er kann sich nicht mehr helfen; und erst mal in der Neuropsychiatrie landet. Das mit dem Kostüm sollte ein Witz sein.

Frühstück Teil zwei. Dann fällt mir auf: Ich mache Musik mit meinem Besteck.
Draußen höre ich Leute lachen.
Was mache ich jetzt?

Gestern ein Dialog. Vielleicht das?

„Also einmal, da bin ich von der Leiter gefallen und hatte ein richtiges Loch im Kopf. Und es blutete auch stark. Aber ich konnte den Rettungswagen nicht rufen, ich hatte ja noch nicht geputzt. Bevor ich das Haus verlasse, muss ich immer 3,5 Stunden lang putzen.“
„Aha, okay“, sage ich, „ok.“

„Ähnlich war das auch damals, als ich mir den Arm brach.
Da war es so, dass ich dachte, ich kann doch nicht ohne BH in die Notaufnahme.“

Stille Stille, Wir Wir.

„Haben Sie sich schon einmal mit gebrochenem Arm einen BH angezogen?“
„Nein“, sage ich.
„Ich erzähle das, damit jeder weiß, wie ernst meine Ängste und Zwänge zu nehmen sind.“
„Das finde ich gut“, sage ich.
„Sie glauben gar nicht, wie anstrengend das alles ist.“

Es ist nur das Schreiben, bei dem ich die Welt vergesse.
Zeit und Raum, nichts existiert mehr für mich.
Auch ich bin dann nicht mehr da. Ich bin nicht mehr da.

Ich sehe mich mit dem Fahrrad durch die Fußgängerzone fahren, es ist schließlich so früh am Morgen. Einmal die Menschen auf dem Markt durch einen Filter betrachten. Kleine Wolken, die aus Mündern kommen, offene Handflächen, schillernde Münzen: Papiertüten.

Meine Tasche voll mit Gemüse und dann zum Goldschmied.
Ich passe hier gar nicht rein, denke ich, und stehe wie eine Frau mit grobem Rucksack in einem zarten Juweliergeschäft.

Guten Tag, Herr Goldschmied, sage ich, ich habe geerbt, sage ich, und setze mich.
Diese Ringe (hier), können Sie die wohl weiten?, frage ich.

Ja, meint der Goldschmied lapidar und versucht mich neben viel Schweigen, Schweigen, Schweigen und Ansehen und Mustern doch noch zu überreden, nämlich dazu, die Ringe eine (nur eine) Nummer kleiner zu machen als ich es wünsche, aber er kennt mich nicht, ich bin empfindlich wenn es darum geht, dass irgendjemand irgendetwas an mir kleiner machen will als es ist und zudem bin ich empfindlich, wenn es darum geht, dass mich etwas zu sehr in Besitz nehmen will, ein Ring zum Beispiel, zwischen den und mich dann kein Atemzug mehr passt.

Nein, Herr Goldschmied, sage ich entschlossen. Ich weiß, was ich tue.
Na gut, Sie müssen es selbst wissen, antwortet dieser, der sonst so selten wenig sagt, aber am Ende, als ich fast gehe, erkundigt er sich:
Wie haben Sie mich nur gefunden?
Google, sage ich.
Und der Goldschmied sieht mich an, als verstünde er nicht.
Sie haben einen Google Eintrag, sage ich.
Der Goldschmied nickt.
Ich sage
Auf Wiedersehen.

Wieder frage ich mich, was das für Tage sind. Tage voller Sturm und Regen im Kopf und in den Händen, schwer sind die Füße und so auch die Selbstzerwürfnisse. Dann aber auch ist alles ganz leicht, das kann ich auch sehr gut. Es kommt bei mir immer auf so vieles an.

„Möchtest du da zu der Frau?“, höre ich einen Mann zu seinem Sohn sagen und er zeigt mit dem Finger auf die Frau, die auf einer Bank in einem Glashaus sitzt: mich. Bitte hören Sie auf, mit Steinen nach mir zu schmeißen. Aber auch denke ich “Aha, ich bin also eine Frau(, die auf einer Bank in einem Häuschen sitzt) und werde auch als solche wahrgenommen.” Manchmal frage ich mich halt, ob ich auf andere eher anders wirke, aber dann wär mein Leben ja auch gar nicht mehr spannend.

Bahnfahren, Bahnfahren und an eine andere Reise denken.
-Was ist, wenn ich niemals bei Dir ankomme?

Menschen rempeln an den Sitzen, als wären sie die Protagonisten dieses Alptraumes.
Niemand entschuldigt sich. Keiner sagt Guten Morgen.
In was für einem Zug fahre ich.

Ich muss mich ablenken, an etwas anderes denken. Raus aus dieser Aussichtlosigkeit. Zug fahren und über Fragen nachdenken, die mir noch nie jemand gestellt hat, aber dessen Antworten ich trotzdem schon weiß, beispielsweise: Welches Wort hast Du wohl zumeist bedacht in Deinem Leben?
Welche Lebensmittelkombination löst Vorfreude in Dir aus?

Es ist die Angst vor Euch allen und vor Niemandem. Eigentlich ist es die Angst vor mir und Niemandem.

Könnt ihr Euch eigentlich vorstellen, wie anstrengend das alles ist?

Obwohl ich schon gar nicht mehr kann, fängt es gerade erst an. Wer glaubt mir das?

Arbeit, Arbeit, immer nur Arbeit. Aber dabei auch nette Menschen, die sich für das, was ich mache, interessieren.
Und mit welcher Maschine fliegst Du, fragt K.
Weiß ich doch nicht, sage ich.
Wie Du weißt es nicht.
Ja ich weiß es nicht.
Sag mal die Flugnummer! Oh wow, es ist ein Airbus a380!
Aha
Wie Aha?
Ja Aha halt
Also ich bin noch nicht mit so einer Maschine geflogen, sagt K., so, als wäre er beleidigt, was in mir die Idee aufkeimen lässt, dass es wohl etwas sehr Besonderes sein muss.
Hm. Ok. Dann … was soll ich dazu jetzt sagen K., das tut mir leid oder … vielleicht: danke?
Wann fliegst Du denn los?, fragt K. und macht damit eine Frage zur Antwort. Wortgesellschaften verändern sich.
Um 13.55.
Aha, mhm. Warte mal… Deine Flugzeit beträgt 7 Stunden und 50 Minuten… Hin.
Ok, danke, das hab ich nicht gewusst, sage ich.
Ja, bitte, sagt K.

„Möchten Sie auch ein Eis?“
„Ich habe einen Apfel, danke sehr“, antworte ich.
Und nur, weil Sie auf der Couch sitzen und aufgrund von zu viel falsch dosierter Medikation die Wirbelsäule nicht mehr strecken können, sehen sie auf mich herab und lächeln. Oder sehen sie auf mich herab, weil ich mich vor Sie auf den Boden gesetzt habe. Finden Sie das komisch? „Möchten Sie einen Pudding?“, frage ich sie, nachdem sie ihr Eis gegessen haben, lächelnd, als hätte ich mich mit Ihnen verbündet. „Ja“, sagen sie. So stehe ich auf, aus dem Schneidersitz heraus. Einmal Pudding, bitte sehr. Und setze mich wieder. So sehen Sie mich an. Und dann lächeln sie. Wieder. Warum?
„Ich wünsche Ihnen, dass sie gesund bleiben“, sagen Sie in die Stille hinein.
„Ich wünsche Ihnen, dass sie gesund werden“, bitte ich in die Stille hinein.
Sie lächeln, ich lächle. Romance.

Nach Hause schleppen: ich: mich.

Hat es geklingelt, ja, das hat es, und jedes Mal freut sich mein Herz, trotz der Müdigkeit, läuft es fast über, so winke ich leise das Mädchen hinein und lege gleichzeitig einen Finger auf den Mund, und wie es das schwere Fahrrad über meine Stufen hievt tut es mir leid, aber ich kann gerade nicht helfen, ich telefoniere noch mit einem Auftraggeber. Ich weiß, wie ich meinen Lebensunterhalt verdiene, denke ich. Und da ich keinen Unterschied mache ob das Mädchen da ist oder nicht, telefoniere ich weiter confident und mache Vorschläge und sage, was ich gut oder was ich nicht so gut finde, weil meine Meinung geschätzt wird, und dann denke ich, wieso kann ich mich nie mit einem Mann so fühlen. Warum immer der Vorbehalt. Warum immer dieser Stress. Und als ich dann auflege und das Mädchen entdecke, wie es sich in die Küche geschlichen hat und wie es mein unvollendetes Gericht, das Küchenchaos ignorierend, weil wir sind doch beide so, einfach weiter kochte, da brach ich fast zusammen. Warum ist diese Selbstverständlichkeit nie mit einem Mann möglich. Und dann: Was hat das mit mir zu tun?

Naja Mädchen und jedenfalls, da gegenüber, da ist eine Schlagzeugschule, sage ich.
Stell Dir das mal vor!
Ja, sagt das Mädchen, den Mund voller Vorschusslorbeeren: Schlagzeuger sind sexy.
Der ewig verehrte Mann spielt auch Schlagzeug, sage ich, wie zum Beweis, nur ohne Synonym, mit Vornamen, so, als wären wir bereits eine Symbiose.
Ja stimmt, ich vergaß, der ewig verehrte Mann kann ja alles, antwortet Mädchen.

Ich räuspere mich und sage: „Mädchen“ und lege eine Gabel beiseite: Ziehst Du ihn durch den Kakao Mädchen, machst Du das? Ziehst Du mich und ihn durch den Kakao? Du findest es vielleicht übertrieben aber der ewig verehrte Mann war sogar mal Deutscher Meister in einer ganz bestimmten Sparte dieser Disziplin. Ich sage ja, ich übertreibe nicht, ich täusche mich eventuell, aber übertreiben? Nein. Du wirst schon sehen Mädchen, Du wirst schon sehen, wenn Du ihn siehst, und dann wirst Du sehen, was ich sehe, wenn ich ihn sehe, Du wirst schon sehen.

Wenn ich ihn mal sehe und uns niemand dabei sieht, werde ich endlich das sagen können, worauf ich bereits seit Jahren warte, ich werde Noel Gallagher zitieren und sagen : Excuse me if I spoke too soon, my eyes have always followed you around the room.

Bis dahin Endlosschleife: Was soll ich nur tun, was soll ich nur tun?
Letztlich bedeutet es ja, vorerst zu lernen, zu sich selbst zu stehen, sodass ich endlich aufhöre, neben mich zu fallen, wenn ich vor Dir stehe. This comes first. Das ist alles.

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India.

Dienstag, 11. September 2018.
Tippe an und sage „Was bedeutet ambivalent?“

Wo bin ich.
Welcher Tag ist es. Ist dieser Tag überhaupt heute. Ist heute überhaupt ein Tag. 30 Stunden, soeben noch stand, ging, saß ich neben Dir.
Und auch neben Anderen, so vielen Anderen. 30 Stunden, ein Zug, ein Flug, ein Zimmer. 30 Stunden. Kurzer Schlaf mit langen Unterbrechungen. Good evening, good morning, excuse me, I don‘t know anymore. Ist das ein Tag heute? 30 Stunden. Langer Schlaf mit einer kurzen Unterbrechung.

Wo bin ich.

Nina, where are you.
I want you to come home save so please write me a message and I also want you to know that I’m sad, so sad and I walked down to the market today and I remembered how we walked there yesterday and I miss you a lot, I am sorry.

So sehr bin auch ich verletzt von innen und neben mir, dass ich beim Schreiben nicht einmal mehr das leise Rauschen, das Surren, das Flimmern der Stadt, um 5 Uhr morgens, wie laut kann es denn schon sein, ertragen kann. Alle Fenster zu. Stille.

Frauen in bunten Saris.
Frauen in koolen Jeans, mit kurzen Haaren und Rucksäcken auf Motorrädern. Frauen, die nackt auf den Straßen kauern. Frauen, die auf Toilettenböden sitzen.

Boys auf Motorrädern, die an roten Ampeln auf ihr Smartphone sehen.
Visier hoch, Blick runter.
Wehende Haare und Hemden. Indische Menschen haben so schöne Haare. Doch ich sehe nur die von schönen Männern.

Sowieso Männer.
Männer, die Zeitung lesen, während sie Auto fahren.
Männer, die sorgfältig gewickelte Turbane tragen, in weiß, rot, orange oder pink. Ich, wie ich ebendiese beneide, um die Freiheit, die sie haben, weil sie sie sich einfach nehmen. Einfach nicht nachdenken (müssen) über Kleider- und Haarlänge.

Männer, die lachen.
Männer, die zärtlich zueinander sind.

Manchmal denke ich, nirgendwo hat man mehr Angst vor Zärtlichkeit als in Deutschland.

Auf den Straßen: Menschen, die auf Asphalt liegen. Dort sowie hier.
Arbeiter, die während der Fahrt über die Schnellstraße auf dem Dach der Laster schlafen. Mütter, die ihre Kinder auf dem Schoß halten. Während der Fahrt im Auto, während der Fahrt zu fünft auf einem Motorroller. Kinder, die während der Fahrt auf ebendiesen schlafen. Kinder ohne Halt.

Wäscheleinen, die zwischen riesigen Strommästen gespannt sind.
Elektrokabel, welche die Sicht auf Besserung nehmen.

Autos, Autos, überall Autos. Müdigkeit aus allen Augen, aber niemand hier ist des hupens müde. Und doch finden sich einzelne Aufständische, die es mit einem Aufkleber versuchen, auf dem ein verzweifeltes „PLEASE“ steht, gefolgt von „Do not honk!“

Aber Delhi macht, was es will.

So stehe ich da, ungläubiges und stummes Staunen, und sehe auch den Mann, der über die Straße rennt. Ihm scheint alles egal zu sein. Vielleicht läuft er um sein Leben, um seine Liebe, denke ich, vielleicht ist es das.

„Nina.“ Ja, ich höre Dich, ich höre Dich. „Just go, don‘t you worry, nobody will harm you, you just have to go. Go with the flow.“
Okay, I said, and did so.

Eine Straße überquert und ein Blick auf den Mittelstreifen. Menschen, die da liegen. Kinder, die mit Müll spielen. Nichts (an)habend als winzige Unterhosen. Ein Kleinkind, ein Kleinkind. Soeben erst sitzen und doch schon strahlend lachen können, beim Spiel mit einer leeren Plastikdose. Nudity, dirt, waste, traffic.
Die Mutter, wo ist die Mutter, auch sie liegt und der Blick des Kindes geht zurück zu mir und wie soll ich Dich jetzt zurück ansehen, hm? Sag mir wie. Du siehst älter aus als ich, deswegen frage ich das.
„Nina, I said you should go.“

Zähne mit Mineralwasser putzen.
Schwitzend ins Bett legen, schwitzend einschlafen, schwitzend wach werden, schwitzend wieder aufstehen. Fenster auf: Hitze, Gestank, Autos. Delhi ist so eine Überforderung und dennoch: Ich bin ein wenig verliebt.

Den Ganges überqueren bei Nacht. Eine kurze Pause am Straßenrand. Das Leben hier geht bereits um 5 Uhr morgens wieder los. Oder hat es zuvor gar nicht erst aufgehört?

Hunde streicheln. Frauen, die mir mit Sorge in den Augen zuwinken und Gesten machen, die aussehen wie: Nicht anfassen, diese Hunde beißen. I don‘t think so, I replied, don‘t worry.

Einsteigen, weiterfahren, aussteigen.
Tragen, schwitzen, atmen.
Während Menschen, darunter auch Ich, auf einen Zug warten, holt die Frau neben mir nasse Wäsche aus einer Plastiktüte und wringt Kleidungsstück um Kleidungsstück auf dem Bahnsteig aus. Und sitzt da wirklich ein Affe auf dem Dach eines Zuges und isst Naan-Brot? Was habe ich heute eigentlich gegessen?

Ein Zug, endlich, und eine Fahrt durch verwunschene Landschaften. Raus aus dem Lärm. Rein in die Stille. Und auch hier wieder: das unbedingte Bedürfnis, mich in einen See oder auf ein Feld fallen zu lassen. Stattdessen: ankommen.
Wollte ich das?

What is your name?
My name is Nina.
Oh, Nina.
Nina is actually an Indian name.
Did you know this?
There is a main charakter in a popular online game, and she is called Nina.

What is your name?
My name is Nina.
Oh, Nina.
Nina is actually an Indian name.
Did you know this?
We have an actor here in India. She is very successful and her name is Nina.

What is your name?
My name is Nina.
Oh, Nina.
Nina is actually an Indian name.
Did you know this?
Currently it‘s not that popular, but in my father’s generation it is very much.

Oh, Nina.

„Many women which came here were abused by their stepfathers“, she said.
But I never had any stepfather, hadn‘t I?

Diese Hitze wird immer schlimmer. Der eigene Schweiß immer unerträglicher.
Wo soll ich hin?

Allein sein, allein sein.
Ängste haben. Ängste aushalten. Ängste auskotzen, ausschwitzen.
Wissen, dass auch das vorüber geht.

Nichts, Nichts, Nichts.

Nach so vielen Tagen Nichts ist es an der Zeit, zurück zu Dir zu kehren, beschließe ich, zurück in die Stadt, in der Du wohnst, und Du hasst es doch so sehr, hier zu sein. „Nina, please let me know, when you’re arrived. I’ll meet you there.“

Der letzte Tag ist angebrochen und eben diesen verbringe ich nur noch mit Dir. Hast Du keine Angst, dass man Dich mit mir sieht, frage ich. Nein Nina, habe ich nicht.

Bist Du sicher, dass Du es machen willst, F. Du musst das nicht.
Ja, bin ich.
Bist Du sicher, dass Du es niemandem verraten wirst, Nina?
Ja, bin ich.

Okay, so let’s go.

Ein Markt und Menschen und Schweiß und Geschrei, wunderschöne Farben und alles berührt sich und so etwas habe ich noch nie gesehen. Bist Du sicher, dass Du dahin willst, das hast Du mich zuvor mehrmals gefragt. Ja natürlich, habe ich gesagt. Natürlich bin ich sicher. Und da stehe ich und bin ein Mensch voller Erstaunen und Glück und Du siehst mich an und lachst: „I can’t believe that you are so happy at this place Nina, so happy. I can’t believe it.“

Alle Menschen hier sind herber, aber auch gleichzeitig angstfreier zueinander. So schiebst Du jeden beiseite, der uns im Weg steht. Ich sehe Dich an und Du sagst: „Was. Ich habe ihn nicht geschubst, nur zur Seite geschoben“ und so, wie Du die Menschen berührst, so berührst Du auch mich. Selbstbewusst, zärtlich, leicht und warm.

Ich muss sehr viel Geld verdienen, es ist wirklich sehr wichtig. Geld zu haben ist hier sehr wichtig, sagst Du.
– Du F., sag mal, was ist denn, wenn Du nicht mehr arbeiten kannst, weil du krank bist zum Beispiel.
Dann ist es so, dass Dir Deine Familie some support gibt und falls nicht, stirbst Du eben. Nobody cares.

War ich die Frau, die noch vor kurzem lapidar sagte, Geld sei nicht wichtig?
Das war doch ich, oder?

Mein Kosmos.

Come on, Nina. Don’t you want to drink a cup of Chai with my family. I’d be so pleased.
– I don’t know F., I don’t know. Actually I’m not that good in hanging around with families but that is a long story u know.
Okay, okay, no pressure, no pressure.

Eine leise Rikshah und da sagst Du einen Satz: „You are, but I am not that handsome.“
Das stimmt überhaupt nicht, sage ich, und meine es so.

Am Ende dann eine Umarmung und so viele warme Worte.

Ruhe, Ruhe, zwei Stunden, was soll ich tun. Was sind schon zwei Stunden, gefüllt mit Kummer und Ratlosigkeit. Es sind vier Minusstunden. Stunden, die einen trotz Ruhe nur noch müder machen.

Aufstehen, aufstehen. Wie konnte alles so schnell gehen. Eben stand ich doch noch unter einer warmen Regendecke and thought about you and all those messages, full of love in one of it’s diverse performances you were sending to me and btw what does this weather do to my hair.

Oh my.

Maybe this is also the reason why there is love over love in your letter?
Das Wetter macht meine Haare schön.

Ja, ja, ich komme ja schon, keine Sorge. Bitte, Danke. Ja. Danke sehr.

Und dann der erste Schritt raus auf diese Straße, immer noch ist es Nacht, oder ist es wieder Nacht? Ich weiß es nicht. Was ich jedoch ganz genau weiß, ist, dass Du erstmalig nicht wie sonst immer und sogar wenige Stunden zuvor noch genau dort auf mich wartetest. Heimlich und immer dann, als sich unsere Blicke trafen, kehrtest Du mir für kurze Minuten den Rücken zu, und ich folgte Dir, bis wir uns in ein Netz aus Anonymität fallen ließen.

All those streets that we‘re walking are empty now. Empty streets, full of waste. Only cats and dogs were searching for a tiny piece of luck, however that may look like. Was this the place we left behind?

Ich erinnere mich an den ersten Moment, als wir uns sahen. Wie Du dort standest, als hättest Du nur auf mich gewartet, und das hast Du ja auch.
– I wish you’d be the one who‘d bring me to the airport, I type.

Nina, Nina.
Where are you now. I couldn‘t get some sleep. I think I should come to the airport now.
No, please not, please not.
Please don’t stop me.
Please don’t come. Please not, please not.

Okay Nina, okay. Whatever you want, I will accept it.

Let’s play a lovegame, play a lovegame, cause we like it so much.

Wieder mal ankommen, ohne da zu sein. Der letzte Tag ist fast vorüber, und da stehe ich also, mit allen Anderen, und trage ein Geheimnis mit mir herum. Keiner sieht es, nur ich fühle die Vibration, message for message. Love and appreciation too. Ich lache in mich hinein, füttere das Geheimnis, welches in mir wächst. Menschen lächeln mich an. Indische Menschen haben so schöne Haare.

Where are you now. I couldn‘t get some sleep. I think I should come to the airport now.
No, please not, please not.

Einsteigen, Platz nehmen.
Da ist kein Weg mehr zurück.

Ich erinnere mich an den Hinflug. Ich, chipsessend auf boarding wartend. Ich, wie ich beim Aufziehen meines Rucksacks fast den gesamten Inhalt auf dem Boden verteile. Do you need help, a friendly looking woman asked. No, I replied, I only look like this. Ein Flugbegleiter, der beide Daumen nach oben hält und „Super“ sagt, als ich auf die Frage „Angeschnallt?“ mit „Ja“ antworte und mein Gefühl daraufhin: kindlicher Stolz. Ich habe so viel nachzuholen. Ein Sitznachbar und Ingenieur, der zur Begrüßung „Na, Sie haben ja Glück“ sagt und damit meinen Sitzplatz meint, den ich mir zuvor selbst aussuchte. Mein Gefühl daraufhin: kindlicher Stolz. Ich habe so viel nachzuholen. Der Ingenieur erzählt mir viel über das Land, welchem wir uns gemeinsam nähern und welches er alle drei Monate bereist. Später wird er fast fürsorglich fragen: „Konnten Sie etwas schlafen?“

Der Rückflug: Ein Rumms und da sitzen Sie. „I think that’s your’s.“ Ich nicke und sage: Oh. Thanks. Auch sagen Sie: Man man man und man ey und Sie atmen schwer, so schwer. Ich sehe Sie an aber Sie sehen auf den Boden. „Endlich nach Hause“, sagen Sie zu Ihrem Mitreisenden. „Endlich wieder Fleisch essen. Endlich wieder normale Menschen sehen.“ Und am Ende sagen Sie: „Guck mal, wie schön, die Sonne in Deutschland. Meine Sonne.“

Wissen Sie denn nicht, dass es nur eine Sonne gibt? Wissen Sie es vielleicht wirklich nicht? Wir alle leben nur von einer Sonne. Dies ist eine Metapher gegen alles rechts von mir.

So viele Reisemöglichkeiten, wie viele Rikshas, Autos, Bahnsteige, Flugplätze habe ich heute gesehen? Kann man von heute sprechen, wenn ein Unterwegssein länger als einen Tag dauert? Menschen, Menschen, die aus einer Tür herauskommen. Und eine Frau, die im Rahmen stehen bleibt, mit ihrem großen Koffer und viel Ratlosigkeit in den schwachen Armen. Mit einem beherzten Griff packt die vor mir stehende Frau den Koffer, aber die alte Dame hält fest. „Sie müssen loslassen!, Sie müssen loslassen!“, rufen die Menschen der älteren Dame zu. Ja, genau, loslassen, denke ich, aber diese lässt nicht los. So zieht man sie eben gemeinsam mit dem Gepäck aus dem Zug heraus. Halleluja. Festhalten hilft nicht.

Nina, where are you. I want you to come home save so please write me a message and I also want you to know that I’m sad, so sad. I walked down to the market today and I remember how we walked there yesterday and I miss you a lot, I am sorry.

-Don’t you remember, F., we spent so many hours at the market, in Riskhas and cars, drank tea und ate candies, don’t you remember and don’t you forget. That was a present to you and to me, we should appreciate.

I know, I know, it will get better in a few days, I know.

Die Absicht bzgl. India war auch die, etwas dort zu lassen.
Die Absicht bzgl. India war auch die, etwas mitzunehmen.

Was denn jetzt, Frau.

Thank you, thank you, India

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Du hast mir so viel gezeigt. Und ich mir erst: 50 – 58

50

Meine Beine, nackt, wie sie sind. Vernarbt und ein wenig verliebt und nicht sehr straff, ein wenig nur, auch das. Diese Beine umarmen Dein Äußeres. Bist Du mehr als das? Bist Du (noch) da? Wirklich? Und manchmal, glaube ich, lege ich kurz das Kinn auf meine Hände, die widerum auf Deinen Schultern ruhen. Das erste Mal also, seitdem ich mit Dir zusammen bin, kann ich meine Nähe fließen lassen. Fast, fast. Ich weiß nicht mehr, was es dabei berührt. Aber Moment, das ist ja fast das Ende einer Geschichte. Als hätte ich es bereits vorher gewusst, begann ich mit dem Ende dieser Geschichte.

51

Ok, lass uns ein Stück laufen, ok? Ein Stück, vielleicht zu dem Fluss, mit Proviant?
Gut, meine ich.
Welches Proviant magst Du. Ich würde sagen, wir besorgen dort etwas. Und ich sehe nicht, wohin Dein Finger zeigt, aber es ist auch nicht wichtig, denn: Ich weiß nicht, sage ich, mir ist alles zu viel.
Ok, sagst Du, wir laufen einfach, and I ask myself: Sind wir nicht genug Proviant?
Müssen wir weit laufen?, frage ich, warum frage ich das. Laufen kommt meinem Zustand entgegen.
Ich würde vorschlagen, wir nehmen diesen Bus hier, sagst Du, als der Mann, der oft gute Lösungen hat.
Ich weiß nicht, mir ist alles zu viel, antworte ich.
Ok, schon gut, wir laufen, sagst Du, als der Mann, der oft simples Verständnis hat.

Eine Brücke, eine Straße, was ist denn. Wenn ich könnte, aber ich kann noch nicht, denn noch lerne ich, aber wenn ich schon könnte, so hätte ich dich kurz am Arm gefasst und das Tempo raus genommen und gefragt „Was ist denn?“, aber eventuell war das auch nur ich, die nicht wusste, was war.

Ein Schluck Wasser.
Darf ich auch einen Schluck.
Ja, natürlich
Oh, Du hast Durst, sage ich.
Du siehst mir zu, während Du trinkst. Und ich wünschte, ich könnte das genau so, Dir zusehen und wichtiger noch: mich ansehen lassen. Bin ich verwirrt oder verlegen oder nur schüchtern wie es heißt

„Ich kann kaum sprechen“, sagst Du
„Ja, das verstehe ich“, sage ich und dann: “Du hättest absagen können, ich hätte es sehr verstanden. Aber jetzt, jetzt bin ich hier und ich habe viel zu sagen und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Willst Du vielleicht beginnen?“
„Nein, nein“, sagst Du, „red‘ bitte weiter.“
Und so rede ich weiter.
Vielleicht habe ich zu klar gesprochen, aber aufhalten konntest Du mich auch nicht mehr.
So weit weg warst Du bereits, vielleicht schon in anderen Armen.
„Nein, nein“, sagst Du wieder, „so ist es nicht.“
„Ok, aber wie dann.“

Ich verstehe nicht, was Du sagst. Wer von uns beiden hat sich was vorgemacht?
Du weichst mir aus, Du weichst Dir aus. Das ist es. Oder bin ich nur überheblich und eigentlich diejenige, die ausweicht, Dir und mir. Du kannst Dich nicht so für mich entscheiden, wie ich mich für Dich entscheiden könnte, und ich meine damit nur einen Moment, wer kann schon wissen, wo wir morgen sind, aber Du scheinst es nicht zu verstehen, und ich scheine es ebenso nicht zu verstehen. Gut, sage ich, dann beschließe ich mich eben: Das ist mir nicht genug.

Dann war Stille und die Sonne schien und alle anderen gingen mit Proviant in einen Park und alle anderen waren glücklich, nur wir nicht. Oder vielleicht waren wir es doch?

So stand ich da, broken heart disease ganz plötzlich, erstickt an meinen eigenen Worten, alle sind glücklich, nur wir nicht, alle sind glücklich, nur wir nicht, merkte ich es dann selbst: „Ich kriege keine Luft mehr“, sagte ich, und streckte die Hände in Richtung Himmel, „ich bin kurzatmig jetzt.”

Du bist so couragiert, sagst Du. Wenig später wird das Mädchen zu mir sagen: Das hat noch nie ein Mann zu mir gesagt.

Brauchst Du einen Rucksack für Deine Reise?, fragst Du. Was soll das heißen, einen Rucksack, Ich so zu mir. Ich trage doch einen Rucksack. Siehst Du ihn nicht.
Ich habe einen, in den einige Kilogramm passen. Du musst wissen, was Deine Prioritäten sind, sagst Du.
Ist das eine Metapher, frage ich mich. Brauchst Du einen kleinen Koffer, antwortest Du, so einen habe ich auch. Du kannst ihn Dir gleich ansehen. Ich kriege so schlecht Luft. Sag mir, wie kann ich atmen.

So!, sagst Du, und zählst mit mir beim Einatmen 1 2 3 4 und beim Ausatmen 1 2 3 4 5 6.

Dann ist es wie immer eine Grenze, die es zu überwinden gilt, und ich kann gut klettern, aber nicht in Sandalen, die kein Profil haben. Und wie damals gingst Du vor und ich ließ mich einfach auf Deine Haut fallen, weil es ja auch keine Alternative gab und die Sandalen rutschten zuverlässig, im Supermarkt mit Einkaufswagen macht das besonders viel Spaß, aber das hier, das war kein Einkauf und Du, Du warst zwar stabil, aber nicht aus Stahl und auch nicht direkt kalt, eher lebendig und flexibel aber nein, Du warst kein Fels, an dem ich lehnte. Und ich lachte ganz, ganz leise in mich hinein, während ich mir beim Boden verlieren zusah, ich mag es, wenn das Schicksal seine Größe zeigt. Aber eigentlich war ich mehr ruhig und Du warst es auch. Es war wie damals.

Und irgendwann sind wir da. Und ich weiß gar nicht: Ergibt es noch Sinn, hier zu sein. Vielleicht denkst Du das Gleiche, denke ich, und Du beginnst zu laufen und zu sammeln und ich beginne zu sitzen und auszupacken. Sind wir ein Klischee am Fluss? Ich will es auch noch nicht wahrhaben, es ist vielleicht das letzte Mal, dass Du Feuer machst und ich Dir dabei zusehe. Ich lege mich, ich lege mich, ich kann Dir dabei nicht zusehen, solch ein Trauerspiel, aber am Ende, da kann ich auch nicht widerstehen. So, als hätte mich eine Panik ergriffen, so setze ich mich und beginne mit der Genauigkeit, die ich durch einen anderen Mann lernte, zu beobachten. Jedes Sandkorn, jeden Handgriff und jeden Atemstoß sehe ich. Ich sehe, wie Du alles zusammenlegst, auch die großen Baumstämme und es sieht elegant aus für mich und es ist auch souverän, wie Du diese nur ein einziges Mal und langsam und kraftvoll zugleich auf die Felsen schlägst, die vor Dir Platz nahmen. Und als ob das Holz Deine Sprache spräche, zerfällt es in zwei gleiche Teile, lässt es sich spalten, ohne Gegenwehr, fast, als wäre es Dir dafür noch dankbar, lässt es sich in Dein Nest tragen, welches doch Eliminierung bedeutet. Eliminierung. Wieso bist Du dabei so souverän. Seht ihr es denn nicht, möchte ich fast warnend flüstern, aber ich sitze wie gebannt in der Beobachtung, einer Lähmung verfallen. Und ihr wollt mir erzählen, telepathiere ich, ihr hättet Jahreszeit um Jahreszeit Naturgewalten standgehalten, dem Wind, dem Regen, der gnadenlosen Hitze? Und einmal fallt ihr in sanfte Hände und gebt nach. Ich weiß, wovon ich rede, denn auch ich kenne Naturgewalten und auch ich bin in sanfte Hände gefallen, und doch gab ich so schnell nicht nach. Ich habe wenigstens noch um mein Leben gekämpft und mich zu beherrschen versucht. Es ist ein Verrat, beschließe ich. Ihr seid verräterisch und dafür werdet ihr jetzt brennen.

„Feuer?“ fragst Du.
„Feuer“, sage und reiche ich. Ich kann auch souverän sein, denke ich. Seit wann machst Du Feuer mit einem herkömmlichen Anzünder. So nachlässig, wo sind Deine Kräfte hin. Bist Du wirklich so ausgemergelt. Und nur so schnell, wie ich auch sehen konnte, ergaben Feuer und Feuer Feuer. Und so schnell saßen wir vor unserem Kind und bestaunten es. Und es leuchtete und wärmte auch. Wir waren zu Eltern geworden und ich weinte weil der Rauch.

“Erzähl doch mal“, sagst Du. Ich weiß nicht, antworte ich, es ist nicht die spannendste Geschichte der letzten vier Wochen. „Doch, ist sie“, sagst Du, und ich verstehe schon, das hätte mich verführen können, wäre es die Wahrheit gewesen, aber vielleicht verstehst Du nicht: Ich bin anspruchsvoller als Du glaubst, ich säße sonst nicht mit Dir hier, Metaebene, und auch bin ich nicht mehr die Frau, die Nein sagt und Ja meint. Und hättest Du gewusst, welches die spannendste Geschichte der letzten vier Wochen gewesen ist, es hätte Dich bestimmt beeindruckt und gereizt und auseinandergezogen, aber wahrscheinlich hätte es Dir auch nur noch mehr Angst gemacht. Und so erzähle ich Dir nicht die spannendste Geschichte, sondern die, welche Du für die Spannendste hältst und um welche Du batst.

Ich will Dir nicht zu nahe treten, so beginnst Du Deinen Ratschlag kundzutun, oder ist es vielleicht auch nur eine Meinung, weißt Du, sagst Du, wenn Kinder plötzlich die Rolle der Eltern übernehmen und die Eltern sie so behandeln, beispielsweise, als wären sie Erwachsene, stell Dir vor, sogar so, als wären es ihre Partner, sind es dennoch Kinder. Sie werden immer Kinder bleiben, so sehr Du dir auch wünschst, dass sie Erwachsene wären, aber das sind sie nicht. Sie bleiben Kinder. Sie bleiben Kinder. Es ist so.“

52

Meine Schwester, meine Schwester, sage ich nur einen Tag später, sitzend auf dem Boden, woanders kann ich nicht bestehen, versteh es doch. Sie werden immer Kinder bleiben, so sehr Du dir auch wünschst, dass sie Erwachsene wären, aber das sind sie nicht. Sie bleiben Kinder. Sie bleiben Kinder, es ist so. Lass ruhen den Stein, er trifft Dein eigenes Haupt, und während ich das singe, fange ich an zu weinen, in das Telefon hinein. Es wird kaputt gehen, es wird ertrinken, denke ich, so, wie wir bereits ertrunken sind. Schwester, Schwester, sagst Du, wieso weinst Du denn. Es ist nicht meine Idee sage ich, die Idee, sie ist von ihm. Sie hat mich gelöst. Es war seine letzte Idee für mich. Sie war nicht schlecht. Es tut mir so leid, sagt die Schwester. Ja, mir auch für Dich, sage ich.

53

Wir laufen, wir laufen. Und plötzlich ist da dieser Hund und er knurrt und er bellt. Was will er uns sagen. Will er uns aufhalten. Laufen wir in verkehrte Richtungen? Was machen wir falsch, so sag es doch. Normalerweise, das heißt, wenn Du nicht bei mir gewesen wärst, ich hätte mich zu dem Hund gelegt und ich bin sicher, er hätte sich von mir beruhigen lassen. Ich kann bellende Hunde beruhigen. Ich kann ihnen über den Kopf streicheln, auch, wenn sie bellen. Aber ich war ja selbst so aufgelöst. Ich war ja selbst so unsicher. Ich hätte mit einem Kniefall alles nur noch schlimmer gemacht und nicht mal mehr der Hund hätte mich verstanden. Ich hätte alles nur noch schlimmer gemacht, denn dann hättest Du gesehen, dass ich nichtmal mehr das kann.

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SMS-Verlauf

Ich weiß, ich weiß. Aber immer vage, Hauptsache vage. Angst ist das. Vielleicht habe ich es aber auch nur nicht verstanden. Was denkst Du, verstehe ich Dinge nicht? –
Ja, alles passiert zum Besten, ich weiß. Wer nicht bleiben will, muss gehen gelassen werden.

55

Wir kannst Du nur so sein, möchte ich wissen. Hast Du es erlernt, möchte ich wissen. Hat man dir so die Liebe gezeigt. Ja, sagst Du, aber das war früher. In die Stille hinein denke ich es: Nein, es ist heute, siehst Du es nicht. Und wäre der Raum für Dich möglich gewesen, ich hätte meine Hände vor das Gesicht geschlagen und Deine Tränen geweint.
Aber ich wollte Dir nicht zu nahe treten.

Eine Fahrt durch die Stadt und ich glaube, Du lachst. Ich kann Dich mit meinen Armen berühren, wieso kann ich das plötzlich. Und dann sind wir da, endlich und auch unglücklicherweise.

Du bist wie manchmal nur schneller mit allem.

„Hier“, sagst Du, als ob Du wüsstest, was es für mich als Linkshänderin bedeutet, einen Helm zu öffnen, der für die Mehrheit gemacht ist. Du siehst mich an und hilfst mir nicht wie beim letzten Mal. Du siehst mich nur an und sagst mit einer ruhigen Stimme, die mir neu und so vertraut auch ist: Es gibt eine Art Gurt, daran musst Du ziehen. Ich mache das genau so, wie Du es sagst, und bin frei. Isn‘t it ironic.

It is and it is not, all at once.
For it isn‘t just because I trust in practical things you say. You are one of few men who can manage an aspiring daily life. Who can start and put out a fire at the same time? That‘s why I was lying without fear in the field, while the fire took slowly over the place. „Do you have control over it?“, I asked. „I have“, you replied and I lay down again, and neither my backpack or my feet didn‘t asked What if all the people are right and as soon as you can even understand something everything will burn and with everything you‘ll burn. And it‘s meant as an image, at least regarding the sentence before the second last. However. It was you who showed me how to put out a safety helmet. However.

56

So schleppe ich mich selbst neben Dir und zähle die Stunden, die ich bereits wach bin. Es sind zu viele. „Ich muss jetzt hier hoch“, sage ich und zeige auf ein Schild mit der Nummer 5. Habe ich ein Deja vu? „Ich möchte da allein hoch gehen“, sage ich. Ich habe ein Deja vu.
„Was ist, wenn ich Dich einfach nach oben begleite?“
„Ich bitte Dich, das zu respektieren“, sage ich.
„Ok, ok, gut“, sagst Du.
Und da breite ich meine Arme aus oder warst es Du, der sagte: Muss das sein?
Beides würde passen, zu Dir, zu mir.
Meine Bereitwilligkeit, die vielen Arme um Dich und Deinen Körper zu legen und Deine Bereitwilligkeit, ein Ja und Nein aus einem Mund gleichzeitig heraus zu sprechen. Muss das sein. Ja, sage ich, und umarme Dich mit der letzten Kraft, die ich noch habe. Sie ist nicht sehr stark, aber sie ist da.

Under normal circumstances, ich hätte meine Hände vielleicht kurz in Deinen Nacken gelegt. Denn jetzt, als es irgendwie vorbei war, fühlte ich mich freier. Als bräuchte ich mich nicht mehr zurückhalten, weil ich es ja sagte: Keine Angst, ich lasse Dich gehen. Vielleicht, wäre die Kraft nur ein wenig mehr da gewesen, hätte ich auch noch Deine Arme angefasst. Deine Arme. Ich weiß gar nicht, wie ist sie, Deine Haut. Kalt oder warm. Ich weiß es nicht. Dabei hattest Du es mir noch angeboten. Oder hattest Du es eigentlich nur Dir angeboten? Und ganz, ganz eventuell, wenn das mit den Armen in Ordnung gewesen wäre, hätte ich beide Hände an Deine Wange Wange gelegt, ich hätte gesagt. Danke sehr, danke sehr, ich konnte wachsen, ich konnte reifen, danke sehr, mit Dir als Medium konnte ich so viel über mich selbst lernen, einen Vorgeschmack konnte ich erhalten, auf das, zu was ich fähig bin, wenn da nur jemand sitzt, der ebenso fähig und bereit ist. Danke sehr, auch wenn ich nicht lieben konnte, ich konnte wachsen, ich konnte reifen und ist das nicht irgendwie das Gleiche wie lieben. Danke sehr.

Und leider weiß ich gar nicht mehr, was wir wirklich sagten, während wir da so kurz umarmt standen, so sehr hatte ich schon einen Schutzwall gebaut, ich habe nichts mehr gehört und gesehen und vor allem nicht gerochen oder gefühlt, aber ich glaube, irgendwas sagten wir. Ich erinnere nur noch deine letzten Worte zum Abschied, wie immer ein wenig charmant und ironisch. Aber da sehe ich mich schon gehen. Zwei Stufen auf einmal, als könnte ich nicht schnell genug von Dir weg kommen. Ich habe mich nicht umgedreht, ich habe das noch nie gemacht.

Was ist mit Dir, bist Du stehengeblieben. Ich werde es nie mehr wissen. Aber ich kann leben damit. Es hätte ja nichts geändert. Noch mehr Schritte auf Dich zumachen, während Du stehen bleibst, ich hätte das wohl nicht verkraftet.

Und da bin ich schon. Menschen, Menschen, noch nicht, aber langsam, langsam, und ich bin müde, so müde, aber ein bisschen bin ich bei mir. Ein Foto habe ich dann von mir gemacht. Dieser Abend, meine Erschöpfung, meine Schwäche und meine Stärke, meine Sprachlosigkeit, alles soll mir in Erinnerung bleiben. So sehe ich aus, wenn ein Kampf vorbei ist, wenn etwas verloren und etwas gewonnen wurde.

Der Weg zurück dann auf den Beinen. Männer schauen mich an. Was denn.
Der Weg nach Haus ist so unglaublich lang. Relativitätstheorie. Einstein. Jüdisches Leben. Ist heute Schabbat. Ich weiß es nicht.

Ein guter Mann. So heißen Playlist, Ordner und Notizvorlagen zu Dir. Ein guter Mann. Gute Menschen lassen gute Menschen ziehen, wenn sie es nicht mehr gut meinen mit einem. Wenn Sie weiter ziehen wollen, müssen. Ein guter Mann geht seinen Weg, eine gute Frau geht ihren.

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Slip inside the eye of your mind
Don’t you know you might find
A better place to play

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Eine Playlist

1
2
3
4
5
6 Uhr, habe ich geschlafen. Bin ich ins Bett gekommen. 6 Uhr, ich kann es nicht fassen. Wie ich aufwache und das erste, was meine Sinne vernehmen, ist Feuer. Feuer in meinen Haaren, in meiner Unterwäsche, in meinen Händen. Selbst mein Bett, es brennt. Und als wäre das der rettende Instinkt, fällt Wasser aus den Augen auf all die Laken, wir löschen jetzt, sagt jemand. Aber es ist vergebens. Salzwasser, das hilft bei anderen Dingen, aber doch nicht bei einem Brand. Halt es zurück, es wird schlimmer.

Wie kann ich aufstehen. Wie kann ich aufstehen.

Du kannst aufstehen, weil Du weißt, es gibt Menschen, denen geht es so viel schlechter als Dir. So kannst Du aufstehen. Tür zu, Wasser, Wasser, wieder ein Löschzug.
Essen?
Es ist vielleicht unangemessen, aber zu arbeiten jetzt ist es ja auch. Nachrichten, Nachrichten. Auch hier: Es gibt Menschen, denen geht es so viel schlechter als Dir.

Wenige Stunden später, sitzend in einem Hausflur, finden Sie das komisch? „Und dann haben sie mich an der deutsch-niederländischen Grenze erwischt. Mit sieben Kilo K***. Und dann ging‘s bergab. Das war 1992.“

Wie sehr ist bergab, wenn es seit 1992 geht. Ich rechne.

„Ich verstehe“, sage ich dann und schweige erstmal. So sitzen wir da, im Hausflur einer Arztpraxis. Und immer, wenn neue Erkrankte kommen, fragen sie mit erstickten Gesichtern: Oh. Ist noch geschlossen?

Nein, eigentlich sitzen wir hier aufgrund einer Angststörung, ausnahmsweise mal nicht meiner eigenen. Denn jemand anders kann nicht mehr allein das Haus verlassen und im Wartezimmer mit anderen Menschen, das geht schonmal gar nicht, es sind schließlich Menschen. Ist doch klar, macht doch mal die Augen auf, denke ich. Jemand, der neben mir sitzt, sagt: „Nein, wir sitzen nur so hier / dort drinnen ist es mir zu voll, zu warm, zu viel. So gehen Sie doch bitte hinein.“ An mich gewandt sagt Jemand: „Ich wünschte, ich wäre unsichtbar.“ „Ja”, sage ich, “das verstehe ich sehr gut.”

10 Uhr und schon ist alles vorbei.

Was ist mit ihm los, was stimmt nicht mit ihm. Ich sehe es doch. Ist es die Unruhe, schon wieder? Von einem Raum zum nächsten, so stützen sich 91 Jahre von Raum zu Raum und suchen Halt. Ich bin 31 Jahre alt und suche Halt. Sind wir wirklich so unterschiedlich?

91 Jahre, langsam, langsam, aber entschlossen und immer wieder kehrend.
Du sprichst nicht klar, sagte ich zuvor. Wie kannst Du die anderen so abwerten, nur, weil sie nicht Deiner Meinung sind. „In meinem Leben habe ich dreimal mit nichts als einem Rucksack angefangen, nichts hatte ich mehr, nichts! Ich war Flüchtling, Kind. Und alles habe ich allein geschafft, vergiss das nicht!“, sagt er, als er mich ermahnt. Und ich denke: Was hat das ausgerechnet jetzt damit zu tun?, und gehe trotzdem auf Dich ein. „Meinst Du denn wirklich, Du wärst heute der Vater, der Du bist, hättest Du nicht die Frau, welche Dich und Deinen Rucksack in die Arme schloss.“ Und das Gespräch kann er gerade nicht weiter führen. Aber wieder kommt er, das hat er gesagt. Die Unruhe, immer diese Unruhe. Ist es Dein letzter Kampf. Und welchen Kampf führe ich hier. „Der läuft wieder weg“, sagst Du, welche die Mutter aller Mütter für mich ist, weil sie nie an wen anders als an ihre Kinder dachte. Eine Mutter. Vielleicht kämpfe ich ihren Kampf. Ich halte mir die Hände vor den Mund, wahrer wird’s heute nicht mehr. Ich sehe sie erst nur an und meine Blicke, sie sagen es. Sie sagen: Noch nie habe ich Dich so nachdrücklich sprechen hören. Was ist passiert.
Wovor denn, frage ich.
Vor allem und seit immer höre ich Dich sagen.

Dass ich mich nicht übergab an diesem Morgen, in die Keramikschüssel, in die ich den noch warmen Kaffeefilter legte und gleichzeitig meine Hände stützte, dass ich mich nicht übergab vor Erschöpfung und vor Offenbarung, das war fast ein Wunder.

Und als ich das denke, stehst Du wieder da. „Ich finde es nicht richtig, dass Du allein verreist!“, sagst Du nun schon zum zweiten Mal, wie jedes Jahr. „Ja, ich weiß“, sage ich wie jedes Jahr und wenn Du könntest, würdest Du mich zurückhalten, ich weiß. „Ich bin so froh, wenn Du wieder zurück bist“, sagt sie wie jedes Jahr. „Ja“, sage ich, wie jedes Jahr. So sitzen wir da, und wie seit jeher messen wir unseren Blutdruck, immer der Reihe nach. Was für ein seltsames Ritual. 160 zu 121. „Das kann doch nicht“, sage ich an die Mutter aller Mütter gewandt. Denn ich war immer besonders stolz auf meinen konstant angemessenen Blutdruck. Kann es das Herz sein, welches brach, kann es das wirklich sein? Oder ist es die Rebellion in mir: Keiner von Euch nimmt mir mehr meine Freiheit. „Halt den Mund dabei“, sagen 91 Jahre und manchmal, nicht mehr oft, aber manchmal muss ich über die Art, wie Du sprichst, in mich hinein lachen. Ich weiß ja, wie Du es eigentlich meinst. Ich antworte also nicht und messe erneut und nehme nun auch den anderen Arm. 91 Jahre lassen sich fallen und sagen: Das Leben ist so kurz und trotzdem so lang. 121 zu 72.

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Ich sage alles ab, wenn Du das willst
Ich bin so fertig, antworte ich, ich kann gar nichts mehr. Meine Augen fallen aus meinem Kopf heraus, so schwer sind sie. „Keine Panik“, sagt das Mädchen. Ich stehe auf, ich schäle mich heraus hier und sehe plötzlich mein eigenes Spiegelbild, es ist so viel schlimmer als am Abend zuvor. Aber auch irgendwie schön, weil es so echt dabei ist und denkt: Niemand kommt mich heute mehr besuchen.

Ich sage alles für Dich ab, das höre ich auch Dich sagen.
Nein, danke, wofür denn.
Ok, na gut. Aber Samstag, Samstag kommst Du? Alle freuen sich auf dich.
Samstag Samstag, wo ist da der Mann mit dem Feuer, in welcher Stadt, in welchem Land, wie auch immer, nicht da und egal ja eigentlich.
Mit „Alle“, meinst Du da Menschen?
Oh es tut mir so leid.
Und da weine ich.
Oh es tut mir so leid.
Ich weine nicht nur wegen mir, ich weine auch wegen ihm.
Ich weiß, sagst Du, ich weiß. Und: Ich bin schon auf Deiner Straße, ich kann es schon lesen, das Straßenschild. Da wohnst Du Frau, dort wohnst Du. Möchtest Du denn keinen Besuch.

Nein. Ich möchte keinen Besuch. Zitronenwasser. Überleben.
Morgen ist es vorbei. There is no static atom.

Sometimes I wish I could feel lighter.
But then I wouldn’t be a writer.

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Das Mädchen: Planeten und Tomaten

Lohnt es sich, aufzustehen?, frage ich. Mädchen sei ehrlich, sage ich.
Ja, meint das Mädchen und ergänzt: Aber den Mars, den hab ich noch nicht entdeckt.
Ich stehe auf und sehe den verdeckten Mond und sage: Da ist er doch.
Wer. Na der Mars. Was. Ja. Wo. Na da. Komm mal zu mir rüber. Oh wow, da ist er, tatsächlich. Wow. Toll.

Stille gefüllt mit Staunen und Kaugeräuschen. Wie Tomaten klingen, wenn man sie zerbeißt.

Wie ist das denn jetzt nochmal, fragt das Mädchen, wenn die Erde und der Mond und die Sonne… Und ist die Erde oder die Sonne so groß wie der Mond oder spielt das keine Rolle weil ja eigentlich alles nur angestrahlt wird und Projektion ist wenn…
“Oh Mädchen nicht, alles ist so weit weg, ich komme da nicht mit jetzt, weiter als hier komme ich heute nicht.”

So lehne ich an einer warmen Hauswand, vor mir, auf dem Dachtisch, eine große Schüssel Tomatensalat.
Seit wann esse ich so etwas? Seit es das Mädchen gibt?

„Denkst Du eigentlich daran, dass wenn Du A. morgen triffst, Du heute Knoblauch gegessen hast?“
Nee, meint das Mädchen, und nimmt den Blick nicht von der Linse.
Ok, sage ich, weil ich schon.

„Guck mal“, sagt das Mädchen und nimmt kurz den Blick vom Mond und sieht zu mir und meint mit einem schelmischen Lächeln und funkelnden Blick: „Guck mal wie spannend das sein kann, trotzdem es so langsam ist, ne?“

Dann lacht das Mädchen richtig herzlich und dann lachen wir beide richtig herzlich.
Diebische Freude. Wie schön wir sind.
Und obwohl ich alles verstanden habe frage ich mich doch: worüber lachen wir denn eigentlich?

Ach egal, denn die Hauptsache ist, wir lachen. Auf den Dächern dieser Stadt. Verführt von einer Sommernacht und Asphalt. Und aufgrund einer Metapher, wie sie im Buche steht, läuft mir vor lauter Lachen Vinaigrette aus dem Mund heraus. Kurz darauf hatten wir uns aber auch wieder beruhigt, keine Angst, wir sind nicht immer so laut, denke ich.
Aber immer wieder stieß eine von uns einen kleinen geheimen Lacher aus.
Ha ha.
Ach ja.

Dann dachte ich, ich möchte anfangen, Männern eine Chance zu geben und ich möchte anfangen, Tomaten zu essen und das Mädchen dachte, wieso kriege ich das Bild nicht so hin, wie ich es möchte, habe ich mich umsonst professionalisiert oder wie.

Echt lecker Mädchen, echt lecker, lobe ich, danke.
Ja ja schon gut antwortet es und guckt und staunt und versucht wirklich alles, was da oben passiert, fotografisch einzufangen. Einfangen. Darf man das?

Guck mal!, sagt das Mädchen und zeigt mit dem Finger in den Himmel.
Ein Wetterlicht, ein Wetterlicht. Ein Wetterlicht? Was ist das denn?
Es ist orange! Orange!

Ja, da staune ich auch, das gebe ich zu.
Es ist wirklich sehr schön und kurz halte ich auch die Luft an.
Da sagt das Mädchen: Alles ist orange, das ist ja sehr verwirrend ne.

Meine Tomaten und dieser Sud übrigens, sind auch orange, antworte ich, wenn man es mal so betrachtet. Und das sehen wir so, wie es jetzt ist, auch niemals mehr im Leben. Also ich sage das nur so von wegen down to earth oder Kirche im Dorf it’s always a question of perception.
Naja.

Kurz zuvor saßen Mädchen und ich noch auf einer Couch, ich die Beine weit von allem gestreckt. Und das Mädchen, das war ganz aufgeregt bzgl. der anstehenden Sache regarding sky full of stars. Hin und her ging es, von Dach zu Küche zu Dach und ich war so überfordert und aus der Balance, dass ich nicht sicher war, ob ich 5 Minuten oder 5 Stunden bleiben könnte, auf das Dach steigen oder nur liegen bleiben könnte. Da jedenfalls sagte das Mädchen: „Ich kann mir einen Sommer ohne Tomaten nicht vorstellen.“

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911

Eine Tomatensuppe, nur eine heiße Tomatensuppe, denke ich, und dann schnell wieder zurück in das Bett, welches dort auf mich wartet. So laufe ich, eine dampfende Schüssel in meiner Art Mitte, ich wäre auch gern in meiner Mitte, eingewickelt in einem Tuch, und ihr könnt es Euch vielleicht gar nicht vorstellen, aber es ist, als würde das Kind erfrieren. So laufe ich, schnell, schnell und der bedrohte Inhalt, wie eine Ladung Ozean, schwappt er doch über sein Ufer, Nein!, und Spritzer dann aus Blut auf dem Boden aus Holz und ich wurde erinnert. Nein!, ein Schrei. Und wenn ich könnte, ich hätte meine Hände auf die Seiten der Wangen gelegt und Deine Hände dann vor meine Augen.

Ähnlich damals, da legtest Du mir meine Hände auf die eigenen Augen. Was sollte das wohl heißen. Sollte es was bedeuten? War es ein Zeichen, und war ich es, die das nicht deuten konnte?

-Und wenn ich könnte, ich hätte meine Hände auf die Seiten der Wangen gelegt und Deine Hände dann vor meine Augen.

Aber Du bist nicht da und meine Hände sind nicht frei.
Frei machen, frei machen, ablegen, abgeben. Auf den Tisch.

Boy, sag mal, damals, schreibe ich fast atemlos, als hätte ich was zu vergessen, damals hast Du mir wenige Stunden danach die Haare geschnitten, es war mein Wunsch und als ich meine Haare wusch, da sahen wir es, wie da plötzlich überall Blut war, und Du hast es einfach weg gewischt, so erinnere ich das, erinnere ich das richtig?

Ja, ich erinnere es genau so. Ich habe Dir einen Zopf gebunden und genau darüber abgeschnitten. Aber es warst nicht Du, die blutete. Vergiss nicht, dass es nicht Du warst, die blutete. Ich habe das trotzdem alles aufgewischt. Ich werde das nie vergessen.

Ok danke ich auch nicht.
Essen wir zusammen zu Mittag vllt?
Ich arbeite girl es tut mir leid.
Ach so.

Moment mal, da ist ja noch Suppe.
Moment mal, Suppe, sage ich so und nehme Dich in Deiner Schüssel in die Hände,
ich bin der Fluß, und Du bist das Floß ja. Ich bin der Fluß und Du bist das Floß ok.
Also bitte also wirklich come on.

Nicht künstlich sein. Kunst machen, Kunst sein. Mit meinen Händen, mit meinem Körper.
Mein Körper soll die Farben dieser Welt tragen & then I see my true colours. Finally & endgültig und finally. Nackt, wie ich bin, nicht metaphorisch, denn nach einem langen Tag ist alles zu viel, also ausziehen-ausziehen-ausziehen. Und wenn ich dann nackt und bunt auch bin so, lege ich mich auf den Boden und rudere mit den Armen und drehe meine Haare und forme Fäuste mit meinen Händen. Alles dann voll farbig und Hand-, Mund- und Brustabdrücke, alles nur von mir auf diesem Boden.
PVC.
Ich traue mich das nicht.

Ich muss mir Möglichkeiten schaffen.
Ich muss mir neue Räume schaffen.
Wer hat einen Kunstraum für mich.
Ich bleib hier liegen. Egal, was passiert oder wer was sagt. Ich bleib hier liegen.

Du bist edel, sagst Du.
Auch die Wünsche, die Du hast. Edel.
Ich habe Angst, sage ich.
Du bist edel, sagst Du.
So von innen heraus.
Ich habe Angst, sagst Du.

Dieses Gespräch und eine letzte Idee ausgetauscht, aber das ist nicht zu verstehen als ein Fazit weil wir keinen Schlussstrich unter unsere Thesen ziehen.

Die Idee: „Tja, so schnell geht’s von einem wilden, lauten und übermütigen ‘Wir haben doch nichts zu verlieren’ zu einem leisen und zurückhaltenden ‘Vorsicht, Mensch, Vorsicht’“. Ich habe das gesagt und Du hast zugestimmt, beide Male, und es sogar selbst verwendet und mit immer neuen Kontexten versehen. Auch ich mache das, aber meine Idee, während ich hier sitze: So schnell geht’s von ‘Nichts zu verlieren’ zu ‘Wir haben verloren, wir haben verloren. Was ist, wenn wir verloren haben. Was ist, wenn nicht?’. Meine Idee ist das also während ich hier sitze und mir den Kopf halte, während ich allein mit ihr bin, mit der Idee, und das ist meist nicht gut, denn das Alte gewinnt, nicht das Wilde, die Idee, sie kriegt Kinder oder baut sich einen Strick daraus und ich kann es nicht mehr vom Kessel nehmen.

Ein Ergebnis, welches für Minuten gilt: Ich denke mal, das wars. Ich denke mal, das, was wir sind, sind wir nicht mehr. Das habe ich in der Nacht vor Tag 0 gedacht. Im fiebrigen Halbschlaf. Immer der zitternde Wimpernkranz.

Und gerade jetzt, als wir dann sprechen und uns schnell atmend fragen: sollen wir doch nochmal, nur auf ein schnelles Glas Tee, zwischen gepackten Koffern und Arbeit, Arbeit, Arbeit? Macht es all das nicht schlimmer. Weil wer weiß, welches Bild wir dann mit uns nehmen, wir Verstörten, wenn wir verreisen. Und ich liege doch hier schon so, so nackt und so erschöpft, dass ich nicht mal mehr Unterwäsche tragen kann, aber das sage ich Dir nicht. Nein, entscheiden wir irgendwie gemeinsam, lassen wir es besser sein. Und kurz bevor die Wochen beginnen, Tag 0, möchte ich heulen vor Verzweiflung. Warum eigentlich? Vor Verzweiflung, ja ja, schon klar, aber warum denn eigentlich? Schau doch, girl, nichts ist, wie Du es denkst. Ja und? meint Ich, Ich heult jetzt, beschließt Ich – ich heule jetzt, beschließt wer? aber dann – dann bringst Du mich mit Deiner Maßlosigkeit so zum laut lachen, dass ich das schon wieder vergaß und erst heulte, als wir auflegten und uns kurz zuvor auf ein großes Wiedersehen für danach einigten. – Ich bin nicht wie meine Mutter. Und wer weiß, ob wir das durchhalten. Wer weiß, ob wir uns festhalten. Wer weiß, ob ich das festhalte, wer weiß, ob ich mich vor lauter Angst und Schmerz nicht frei schwimme. Ich bin gut darin, mich frei zu schwimmen.

Es gab Zeiten, da lief ich durch Räume, und dann roch es nach Feuer. Und als ich meine Hände wusch, dann stieg aus mir heraus Rauch auf und es roch nach Feuer. Fielen mir die Haare über das Gesicht – es roch nach Feuer dabei. „Mensch, wonach riechst Du denn?“ wurde ich zu dieser Zeit, sie ist nicht so lang her, immer wieder gefragt, immer fordernd, so tendenziell mit skeptischem Blick, weil so wie ich, so roch keine, und so wie ich damals roch, so roch ich auch noch nie zuvor, Menschen erkannten mich nicht mehr. Aber ich antwortete genau darauf dann immer mit besonders viel pride: „Ich?“, fragte ich, „Ich rieche nach Feuer!“
Jemand, der Du immer noch bist, hat stets Zündstoff dabei, und manchmal Feuer für sich und mich gemacht, immer mal wieder. Neben einer Skateranlage, auf einem Balkon, an einem Fluss, und ich habe es lange Zeit mit nach Haus genommen, obwohl man das eigentlich nicht darf, aber es war so schön und danach dann war alles erleuchtet.

Das Feuer hatte mich gesucht,
nicht ich das Feuer.

Feuerwehr 112. Hallo hilfe ich bins. Feuer, deswegen rufe ich an. Hi.

Und da sagen sie es schon, nun, da draußen und drinnen diese Trockenheit herrscht und selbst die tapfersten Geschöpfe gezwungen sind loszulassen:
Das hätten Sie doch vorher wissen müssen. Es hätte Ihnen doch klar sein müssen!

Ja vielleicht, aber was ist ein Leben ohne Risiko?

Ein Waldbrand!, ein Waldbrand kann entstehen!, das rufen sie, weil sie sind grade so glücklich, überhaupt etwas sagen zu können: Menschen.

Das Feuer, es könnte einen Waldbrand auslösen, so tönt es aus allen Lautsprechern, weißt Du das denn nicht. Mach es aus jetzt, mach es aus, jeder sagt es Dir. Ich halte mir die Handflächen an den Kopf, schon wieder, aber Fehler, schon wieder, weil diese Warnungen die kommen auch von innen. Es hilft also nicht, das mit den Händen. Mach es aus, es ist doch so einfach.

Mich macht alles traurig, schreibe ich. Someone please call 911. Das tut mir so leid, schreibst Du.

„Sie haben eben einen unsicheren Bindungsstil“, sagt meine Therapeutin und will mich wohl beruhigen. „Was denn schwierig, Beziehungen eingehen oder halten?“ fragt mein Therapeut und will mich wohl provozieren. Ich komme darauf, weil er mich so ansah und lächelte dabei. Oder war ich es, die zuerst lächelte? Ich komme darauf, weil er fragte Warum lachen sie denn so und ich sagte Weil ich immer schon die komischsten Dinge witzig fand.

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Entschuldung, hallo, darf ich, darf ich vielleicht da sitzen? Ich zeige mit dem Finger auf einen Sitz, auf dem ein Rucksack liegt und die Männer verstummen und ich nutze diese Lücke, diese entsetzliche Lücke: „Ich muss unbedingt nach draußen sehen und diese Scheibe”, ich zeige auf ein ergrautes Stück Grau, “die ist beschlagen, aber das war nicht ich, das war vorher schon so“, sage ich erklärend. „Oh, ja klar“, so einer der beiden Männer, als er sich wieder fand. Und der Andere hebt seine Tasche ebenfalls und sagt: „Möchten Sie in Fahrtrichtung oder eher anders sitzen?“ Ich zeige mit dem Finger noch immer auf die gleiche Stelle und glaube, nicht ernst genommen zu werden und sage: “Da möchte ich gerne sitzen.” Sehe ich etwa aus wie eine Frau die nicht weiß was sie will oder was.

„Setzen Sie sich“, sagen beide Männer gleichzeitig. Männer haben laute Stimmen. Ich setze mich. Das ist so nett, danke, sage ich und denke: Entspann Dich mal Frau Du bist auch nett.

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Heute Morgen noch, als ich aufwachte, und kurze Zeit später das Handtuch über die Heizung legte, dachte ich es das erste Mal in diesem Jahr. Ich habe Sehnsucht nach einem Wetter, welches nach Heizung verlangt. Und dann das Auffälligste: Ich bewege mich zu wenig. Ich bin steif geworden. Vor Angst, mich falsch zu bewegen, was heißen würde, von Dir weg, spanne ich alles an und die Schultern sind schmal und angespannt und ich kenne mich, demnach weiß ich, was das heißt.

Diese zwei Wochen, beschließe ich, die lebe ich nun nur für mich. Ich gehe in der Nacht spazieren, ich koche eine große Schüssel Nudelsalat, nur für mich. Ich werde auf meinem Bett sitzen und staunen. Ich höre auf, Obst für zwei zu kaufen. Wieso verlerne ich so schnell für mich allein zu sorgen und stattdessen immer für den anderen mit, sobald jemand mit mir ist und falls es dafür einen Grund gibt, ist das ein guter?

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Ich bin ein Mensch, dem entgegengekommen werden sollte.

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Eine kurze Geschichte von einem Mädchen, mehreren Frauen und vielen Tauben

Ein großer Platz. Tauben, viele. Menschen, viele.
Ein Mädchen, eine Freundin, Kinder und Erzählerin. Das Mädchen wird begleitet von einer Gang.
Mädchen und Gang treten nach Tieren.
Erzählerin: Hey girl. Mach das mal besser nicht so. Denke mal, das tut den Tauben weh und Dir eigentlich auch, ok?
Mädchen: Ok.
Frau 1: Ja richtig! Wie fühlst Du dich denn, wenn jemand nach Dir tritt, hm? Wie fühlst Du dich dann? Soll mal jemand nach Dir treten? //

Frau 1 geht weiter, bevor Mädchen hätte antworten können:
Nein, nach mir soll auch keiner treten. (for example)
Erzählerin: Hör mal Kind, es ist nicht schlimm, dass Du das getan hast, nur vllt. für später mal einfach anders, ok? Also alles gut. Bis bald.

Eine Freundin, Kinder und Erzählerin:
Sonne, Pommes, keine Angst und Zufriedenheit. Alle und keiner von uns. 1,1,2,1.
Da kommt das Mädchen mit der Gang und in seinen Händen hält es Brot. Wie es lacht, das Kind, und dabei Tauben füttert. Die Tauben-Traube wird immer größer und alle lachen und fast alle halten sich die Hände vor die Münder, so war es doch. Oder?

Alle lachen, bis Frau 2 kommt, sich nur wenig zu dem Kind beugt und mit strenger Stimme sagt:
Hey Du da! Tauben darf man nicht füttern. Weißt Du das denn nicht.

Ende.

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Erwachsene Menschen sind die allerschlimmsten Menschen, die es gibt. Stellt Euch mal vor, es gäbe eine Welt nur mit Kindern und Tauben, und das Ergebnis wäre Frieden und Tauben aber ich meine nicht Friedenstauben.

Ende.

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Ein Tag, wie er war und wie er endete

Wir Menschen, wir Menschen, was sind wir nur für Menschen? Ich kann gar nicht beschreiben, was wir für Menschen sind. Wie wir uns töten und zum Schweigen bringen, schaden und zu selten nur noch die richtigen Fragen stellen, passende Antworten geben. Zeit und Raum finden und Sein lassen. Was ist passiert. Menschen sind die schlechteren Tiere.

Vielleicht so.

Manchmal, jetzt, möchte ich mich übergeben vor Erschöpfung.

Was machst Du da. Was machst Du denn da.
Und: wann hört es endlich auf.
Beliebter: Reicht es nicht langsam?

-Als hätte ich mir die Gewalt, die mich einst fand, selbst ausgesucht.
-Als hätte ich mir die Gewalt, die ihr mir antatet, selbst zugefügt.

So stehen sie da, mit skeptischem Blick.
Hände irgendwie so in Hüftgegend gestemmt, eingeknickt auch.
Arme und Ambitionen. Alles eingeknickt, nichts fließt.
Kein Wunder, kein Wunder.
Wir verstehen nicht, sagen sie so, was machst Du da.
Eine ewige Wiederholung. Langweilt sie Euch nicht?
Irgendwann werde ich das umdrehen, vielleicht.
Ich verstehe nicht, werde ich dann so sagen, was macht ihr da.

Ich emanzipiere mich, das mache und sage ich dann auch. Meistens leise und milde lächelnd auch, weil ihr es ja sehr wahrscheinlich doch nicht versteht. Ich sage das dann, vllt. mit etwas in der einen Hand spielend, sinnlich ich, verlegen sometimes, nicht jetzt.
Das zu erklären, mich zu erklären, kostet Kraft, die ich für das Vollstrecken brauche, restlos.
Ich weiß, bei Euch funktioniert das meist andersrum aber deswegen bin das hier ja auch ich und das da, das seid ihr. Oder so. Von den Narrativen emanzipiert erziehe ich mich, so, als wäre ich mein eigenes Kind, sage ich.

Nicht verstanden, ihr, die fragtet, oder.
Seltsam. Grade ihr, denen ich doch alles erklärte, versteht nicht. Vllt. aber auch logisch, weil, ja.

Ich erkläre mich nicht mehr.
Ich habe mich damit abgefunden könnt ihr das auch tun bitte danke.

Ich erkläre mich nicht mehr. Ich werde verstanden stattdessen.

Ständig irgendwas irgendwohin tragen. Immer nur tragen. Ich bin eine Tragende.

Plötzlich, plötzlich sind sie da.
So viele Kinder. Woher kommen sie. Bin ich denn dafür schon bereit, ängstlich, skeptisch, diesmal ich, einerseits. Ja, sagen die Erzeuger, sie sind sich sicher damit, denn es sind auch ihre Kinder, unsere Kinder.

-Erhol dich, sagst Du.

Derweil stumm im Wochenbett liegend: ich.

Ich kann Beziehungen mitgestalten.
Ein Satz und eine Möglichkeit, Dinge, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existieren.

Ich weiß nicht, woran soll ich mich erinnern.
Ich weiß nicht, woran kann ich mich erinnern.
Ich weiß nicht, woran will ich mich erinnern.

Manchmal fällt es mir schwer, raus zu gehen. Es ist mir noch peinlich, wie Menschen auf mich reagieren. So, als wären sie ständig erstaunt von mir. So extrem manchmal meine ich. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich selbst so viel weniger extrem geworden bin. So viel leichter und leiser, so viel selbstverständlicher. Einfach da jetzt.
Und dass die Menschen, viele Menschen, auch immer Fragen zu einem haben, deren Antworten ie nichts angehen, mitten auf der Straße, dem Flur, dem Campus stehend.

“War nichts Wichtiges. Habe gerade Pause und wollte mich nur melden und Dir nette Sachen sagen.
Deine Nachrichten klingen, als ob Du das gebrauchen könntest.“

Das Bett und ich und der Vorhang, der Vorhang, romantisch, wie er sich bewegt und mit jedem Windstoß zur Seite gleitet. Ich möchte ihn anfassen, denke ich, und schon schlage ich die Decke zur Seite und stehe, aber das Spiel, das Windspiel, dann wäre es vorbei. Vielleicht verstehen das viele Menschen nicht, behaupte ich, und meine damit nicht, dass ich es verstanden hätte. Man kann nicht einfach alles so anfassen. Beherrschen wollen. Außer sich selbst vielleicht. Aber das ist doch auch kein Leben. Dennoch stelle ich mich dahin, beherrsche mich und meine Materie für kurze Zeit, ansehen, eine Schale Müsli dazu wäre nicht schlecht, zusehen halt, ein Schleier umspielt mich. Augen zu. Man braucht keine Angst haben.

Stunden später, wieder und immer noch: liegend.

Ein Hemd über dem Türrahmen. Wie wäre es wohl, wenn das Dir gehörte?

progress, not perfection: Lena Dunham

Ständig irgendwas irgendwohin tragen. Immer nur tragen. Ich bin eine Tragende.
Ich bin eine tragende Komödie. Ich bin eine Tragödie.

Ich möchte jetzt ein Kleid anziehen und mich mit nackten Füßen auf die Straße stellen.
Es soll regnen, regnen, down on me. Und dann balle ich die Fäuste und schreie.

Aber dieses Kleid, das besitze ich nicht mehr und da draußen, da ist Trockenzeit. Ich brauche einen Monsun. Was mache ich nur.

Ich möchte frisch gepressten Granatapfelsaft. Wer presst mir einen Granatapfel, wenn ich es nicht selbst mache.
So liege ich da und warte. Schwach, weil was habe ich heute zu mir genommen.

Der Nachbar singt iranische Lieder. Vor Menschen, die singen, braucht man keine Angst haben, oder so, vielleicht sollte ich den Nachbar fragen. Knock knock knockin on neighbours door. Hi äh. Hi. Also. Hast Du, hast Du vllt. zufällig einen Granatapfel, momentan ist Saison, deswegen frag ich, falls ja, würdest Du, könntest Du, also wenn man ihn durchschneidet, den Granatapfel, in der Mitte, und in die Hand nimmt, dafür braucht man jedoch große Hände, zeig mal Deine erstmal – oh. Hm nee, reichen nicht aus denke ich, nachher gibt das noch eine riesige Sauerei und kostet nur Kraft und übrig bleibt keine Energie und ach. Egal. Ok ciao.

Mir doch egal was die Nachbarn hier denken.

Ich habe angefangen zu bluten jetzt auch. Vllt sollte ich mein eigenes Wasser trinken.
Wieder dahin zurückgehen, mich selbst zu nähren, doch genau das ist der Fehler in einem System, denke ich.
Man war schon immer zu zweit, man war noch nie allein, von der Empfängnis zum Sterbebett.
Immer ist man mindestens zu zweit. Man ist ein Gemisch. Wann habe ich angefangen, etwas anderes zu glauben.

Es soll Nacht mit Dir an einem See sein und ich möchte mich ausziehen, denn es soll eine Mutprobe sein.
Aber nicht mutig, weil ausziehen, sondern mutig, weil in einen See hinein gehen.
Und das ausziehen, das gehört dazu, wenn man sich der Angst stellt. Alles legt man ab, man geht ohne Ausrüstung.
Weil Ängste sind nur eine Illusion und man bekämpft keine Illusionen, jeder Schlag geht ins Nichts, das kostet Kraft, so werden wir also mit Nichts in diesem See sein und der Mond ist vielleicht auch da, wie letztes Mal, und langsam, langsam,
so wie Kreise, die aus unseren Bewegungen heraus am Ufer ihr Ende finden, so langsam, so langsam,
verliert auch die Angst ihr Interesse an mir.

Es gibt so viel, was du noch nicht über mich weißt. Es gibt so viele Tränen, die noch nicht in unsere Hände fielen.

Es ist ein Ankommen auf Zeit
Zeit ist ein dehnbarer Begriff.

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42 – 49

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Vor vierzehn Tagen noch. Ausgebreitet wie die Hälfte einer geschälten Mandarine, alles muss raus, denke ich, alles alles muss raus, auf dem Rücken liegen, atmen. Die Schenkel weit geöffnet, weit auseinanderstehende Schenkel, wie ein Frosch so weit denke ich. Oder wie die Flügel eines Schmetterlings. Nur, dass dieser grad nicht fliegen, sondern nur noch fallen kann. Hände auf dem Bauch, Herz aus dem Hals heraus. Alle Gefühle entfesselt, ich schlucke und schwitze und heule auch. Dieses Mal, da war die Angst so schlimm, dass ich mich besser hinlegte auf eine Matratze dachte ich, weil wer weiß, how long can I still stand this und nicht, dass ich nachher noch auf den Kopf falle. Ich sorge mich ja um mich, weil ich mich eigentlich auch lieb hab so. Naja.

Also ich dann. Wie eine Ergebene. Ich denke an kalten Orangensaft, ein Glas nur, das würde vielleicht helfen. Die Farbe. Und ich bin mutig, so mutig, das denke ich auch, während ich so daliege und mich ergebe, fast auch übergebe, (wem?) und auch denke ich kurz mal lachend über den Übermut der Angst von wegen Über-Ich: Nimm doch was Du willst, das Wichtigste bekommst Du nicht. Denn wie Du weißt, ich habe das jetzt schon mehrmals gesagt und das heißt, dass ich es genau so meine, ich habe den Kampf eröffnet, deswegen nochmal rebellieren und Grenzen testen jetzt, schon klar, so ein letzter Akt der Verzweiflung. Und natürlich auch nochmal aufbegehren, weil ich mich nicht mehr aufhalten lasse von Dir, tust Du so groß, aber ich gehe trotzdem weiter. Du weißt, ich habe Recht und eines Tages wirst Du dich mit Deinen eigenen Waffen schlagen und wenn hier jemand Existenzberechtigung im Körper dieser Frau hat, heutzutage, dann bin das ich. Aber ok, bitte, you scared rebel you, do what you need to do. Ich ergebe mich derweil und spare mir die Kräfte. Ich kämpfe nicht mehr gegen Dich, ich kämpfe für mein Leben jetzt. Augen zu.

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-Hallo ich wollte fragen ob Du Lust hast, dass wir uns bald zusammen irgendwohin legen, auf eine Wiese zum Beispiel.
-Sehr gerne
-Kool.
-Bzgl. Hinlegen vllt. wenn nicht heute wann dann?
-Ja, Du hast Recht. Ok, ich komme.
-Also kool. Dann bis gleich.

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Bäume, Bäume. Diese Bäume, so habe ich sie noch nie gesehen. Ok, komm, lass uns hierhin legen und wie eigentlich immer erzählst Du mir dann eine Geschichte und oft lachst Du am Ende, weißt Du das? Vielleicht über die Ironie einer Sache oder ich weiß es nicht. Ich jedenfalls, ich sage oft nichts, weil so Geschichten, die finde ich iwie groß weil universell. Ja, Zeit denke ich mal. Weiter liegen, Kirschen essen.

Und irgendwann dann zeigst Du mir etwas, das Du kannst und ich bin so vergnügt dass ich mir die Hände vor den Mund halte und wäre ich weniger müde dann wäre ich sicher noch vergnügter gewesen. Wie amüsierend muss es sein, sich ein ganzes Leben lang zu amüsieren? Das habe ich mal in einem Theaterstück gehört.

Als Du dann so neben mir sitzt und auf einmal meine Hand nimmst und dazu auch noch meinen Arm und ich kurz zurück ziehe weil nicht dass Du mir was brichst, Du aber sanft fest hieltst und mich dehntest um mir zu zeigen, wie Du gern eingerenkt werden würdest, und ich mich fallen ließ, als Du das getan hast, und das fiel mir erst Tage später ein, obwohl irgendwas daran besonders war, hab ich irgendwas gefühlt, aber auch das erst Tage später. Seltsam.

Kurz noch challengen im Unterarmstütz, Du hast gewonnen.
Ok, lass mal gehen jetzt.
Ich bin müde, ich bin so müde, und kognitiv so überlastet,
dass ich Angst hab, zusammenzubrechen wenn ich jetzt aufstehe.

Guck mal, sagst Du, als wir aufgestanden und schon ein Stück gegangen sind, Du bist gar nicht zusammengebrochen. Ja, stimmt, hey!, kurz freue ich mich und dann sage ich; Erinner‘ mich nicht daran, denn sonst wird es doch noch passieren.

Hereinspaziert! steht da. Warum auch nicht. Ok dann. Komm einfach. Hereinspaziert! Warum auch nicht?

Dich in meiner Küche stehen sehen, mein Musikinstrument lehnt an Deinem, denke mal, das braucht es vorerst auch so.

  • Tauschen?

Und dann, kurz als Du gar nicht siehst was ich sehe und Du was liest, da stehst Du da, als hättest Du kurz geträumt von Wundern, die Du nicht verstehst, dabei bist Du doch eigentlich das Wunder in here.

Ich weiß gar nicht recht, denke ich – wohin mit Dir? In Armbeuge? Kopf? Herz? – In meine Mitte? Zwischen die Schenkel?
Aber dann, wenn ich Dich so beobachte, denke ich auch: Eigentlich bist Du ein Mann, von dem man niemals zu träumen wagen könnte. Hab ich aber trotzdem schon gemacht.

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Mir ist, als wäre mir schlecht vor Liebe, schlecht vor Angst, schlecht vor allem, was mir entgleiten könnte. Als hielte das innere Kind fest, was doch die erwachsene Frau schon längst begriffen und losgelassen hat. Hallo hallo, you dont need this anymore.

Aha ja ja so so.
Na gut, dann weitermachen mit Leben, weil is schön iwie auch.

Im Leben beeindruckende Frauen treffen, immer wieder. Beeindruckende Frauen treffen, die erfolgreich sind und dennoch, mit einer Hand an ihrem Ring der anderen Hand drehend, mit sich und dem Leben hadern und immer und immer wieder einen Schluck Wasser trinken. Ja, so wird sie vielleicht aussehen, eine Art der Zukunft.

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Ich sehe das schon in Deinem Blick, er ist ehrlich, auch das sehe ich, aber hey, möchte ich sagen, es sind über zehn Jahre vergangen seither und es war ja auch nur ein Treffen glaube ich. „Mehr“, sagst Du so, als hättest Du gezählt, die Jahre meine ich. „Ich habe ein Foto gefunden, als Du damals…“ „Ja, ja, ich weiß, aber ich war jung, tut mir leid, ich war jung.“ Ok dann – sage ich und nehme die Hand des Patenkindes, wir müssen jetzt echt los, wir müssen zu einem Spielplatz jetzt, es war ihr ausdrücklicher Wunsch, ciao dann.

Du wirst es wohl nicht gewusst haben, aber während ich mit Dir sprach, hätte doch der Mann, dessen Sein ich derzeit einerseits verstehe und auch nicht verstehe, weil was habe ich damit zu tun und andererseits bedenke und begehre, das habe ich damit zu tun, direkt aus mir heraus kommen müssen. Ich bin besetzt von etwas, werde geliebt und gewertschätzt grade für das, was ich bin fühle ich. Siehst Du das echt nicht? Also ich schon, deswegen frag ich. Weiß ich ja auch generell grad nicht, wie die Anderen mich sehen. Und Du hast es wohl echt nicht bemerkt,
bemerkenswert.
Wie konntest Du nicht wissen, dass ich derzeit mit einem anderen Mann Tee trinke, so, wie man ihn in Palästina trinkt? Oder auch so, wie man ihn aus dem Ayurvedischen kennt, wenn nichts anderes mehr hilft. Je nachdem. Ich versteh das nicht. Wie konntest Du nicht wissen, dass da derzeit auch nichts heran kommen kann, dass ich derzeit unantastbar bin? Ich meine: hello from the other side.

Denn später, später, als hättest Du auf mich gewartet, klopfst Du an eine Scheibe, hinter der ich sitze, und sprichst schon mit einer aufgeregten, aber doch erwachsenen Stimme: „Entschuldige, entschuldige, ich wollte Dich nicht erschrecken. Ich wollte, ich wollte nur fragen, ob… ob vielleicht… ob Du Lust hättest, nächste Woche oder auch jetzt bald schon einen Kaffee oder ein Bier oder was Du willst also…“ Ich schüttle den Kopf, „Nein“, sage ich, „nein, tut mir leid.“ „Ok“, sagst Du, „ok, ich verstehe.“ Ok ciao.

Hoffentlich war ich dem Patenkind jetzt ein gutes Vorbild, denke ich, während wir fahren. „Bist Du angeschnallt?“ frage ich. Hoffentlich konnte ich ihr subtil, also ohne Vorschrift, weil sie soll selbst denken weil sie kann das, klar machen, dass man immer Nein sagen kann. Erziehung bringt ja nichts, Kinder machen einem eh alles nach. Erziehung bringt ja nichts, Kinder machen einem eh alles nach. Hoffentlich habe ich das jetzt richtig gemacht für sie. Hoffentlich. Naja.

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Manchmal möchte ich, dass mich jeder versteht.

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Wenige Tage später auf dem Weg zurück sein und auf diesem Weg zurück, wird mir klar, dass mit mir etwas passiert ist. Ich merke schon, wie ich die Dinge anders ansehe, wie ich plötzlich auch größer sehe. Mein Blick ist weiter, geht das? Wie alles plötzlich ein differenziertes Bild ergibt, als hätte es auch gleichzeitig nichts mehr mit der Frau zu tun, die ich zuvor war. Dinge fügen sich, es ist ein Bild, es hat mehr Farbe, es ist eine Performance, es hat mehr Flexibilität.

Von Dir zu kommen heißt in Frieden zu gehen schreibe ich in mein Notizbuch.
– Wer schreibt da?

Menschen gucken mich an.
So lang sie mich nicht erkennen, ist alles gut.
Ich möchte allein auf dieser Welt sein.
Vielleicht.
Christoph Schlingensief hat sich das auch mal gewünscht, damit er heulen und schreien kann.

Warum bin ich so confident, wenn ich allein bin?
Warum fühle ich mich so wohl, wenn ich mit mir allein bin?
Warum laufe ich dann so furchtlos?

Das Musikinstrument, welches Du ausgebessert hast, ich halte es noch ungeschickt in den Händen, genau so aber ist es vielleicht auch mit Dir. Vielleicht, man wird sehen, passt Du zu mir, und wenn es da etwas geben sollte, repariere ich das, aber noch halte ich Dich ungeschickt in meinen Händen.

Jedenfalls – das Instrument, es schläft seitdem auch mit mir in meinem Bett, es ist jetzt ein Teil von mir geworden, weil ich immer auch daran denke, es zu Ausflügen mitzunehmen, wenn ich welche mache und wie es wohl wäre, es dabei zu haben und wie, wenn nicht. Und wie es wohl wird, wenn ich es spielen kann. Falls überhaupt.

Aber Du denkst, ich kann das. Und ich weiß wirklich nicht, ob Du das sagst, um mich zu komplementieren oder um mir Sicherheit zu geben oder weil Du dir vielleicht auch so sehr wünschst, dass ich eine Frau mit musikalischem Talent bin, aber das bin ich nicht, ich glaube wirklich, das bin ich nicht.

Doch, ich denke schon, dass Du es kannst, sagst Du.
Vielleicht kann ich es dann irgendwann auch nur, weil Du es von Anfang an glaubtest, denke ich.

Ich kenne diesen Mechanismus. So funktionierte mein ganzes Leben. Was habe ich nicht alles schon einfach gekonnt, weil ich glaubte, dass ich es kann? Mich selbst genährt, gehalten, erzogen. Was habe ich nicht schon alles einfach getan? Frag mich lieber, was ich alles noch nicht getan habe. Aber anders herum, so herum, habe ich das seltener kennengelernt. Das wäre bestimmt auch zu schön gewesen.

So schlendere ich also nach Hause, Friede ist mit mir, das erste Mal seit langem fühle ich mich sehr sicher und ich bitte darum, möge ich all meinen personifizierte Ängsten begegnen, jetzt, denn ich kann das. Aber nichts passiert! Das darf eigentlich echt nicht wahr sein.

Ich setze mich dann noch auf die Holzbank einer Gaststätte. Wie oft bin ich früher hier gewesen?

„Bist Du Musikerin?“ fragst Du mich, wie immer mit interessiertem Blick.
Ich finde Dich lustig, weil Du kellnerst, und ausgerechnet Deine größte Schwäche ist das Vergessen. Es passierte schon so oft, dass ich etwas bei Dir bestellte, und Du nochmals raus kamst und mit einem verlegenen Kratzen hinter dem Ohr sagtest: „Eh…“
„Nein“, sage ich, „aber vielleicht irgendwann mal.

Ich bin zu winzigen Teilen ein Wunder an der Bar. Wunderbar und wandelbar.

Wie sehr wünsche ich mir, dass Du mich mal so sehen könntest, wie ich bin, wenn ich mit mir bin. Wenn ich mir einfach sicher bin. Wenn die Nähe mich nicht vermeintlich angreifbar macht. Vermeintlich vermeintlich, bald hab ich’s.

49

SMS-Verlauf 1

20:12: „Hiiii… Deine Freundin hält morgen einen Vortrag zum Thema Institutioneller Rassismus glaubst Du sie schafft das? Deine Freundin datet seit zwei Wochen den gleichen Mann, glaubst Du, das wird was? Deine Freundin ist morgen Abend in Deiner Nähe, glaubst Du, da passt was?“
23:12: „Nina hab das grad erst gelesen aber bin noch wach und habe Muffins im Ofen also könntest kommen“
07:00: „Meine heute“
14:34: „Ja geht auch“

SMS-Verlauf 2

„Hi. Findest Du, ich bin leicht zu lieben? Wenn man mich neu kennenlernt?“
„Ich denke, ganz am Anfang ja, mit viel Begeisterung usw., dann könnte ich mir vorstellen, dass eine Phase mit Hürden und sich finden kommt, und wenn man es in Phase 3 schafft, glaube ich mit sehr viel Tiefe und Kraft.“
„Kool danke.“

SMS-Verlauf 3

„Du hast vorgestern, als wir so da saßen, iwie meine Hand und meine Finger genommen, und dann hab ich glaube ich kurz weg gezogen, Reflex vllt, und Du hast dann Arm genommen und kurz gehalten und gestreckt so, um zu zeigen wie für Dich wenn einrenken. Und seltsam. Ich habe mich erst gestern Abend daran erinnert, obwohl irgendwas daran besonders war. Ich hab das nicht geträumt denke ich.“

Ein Anruf! Ein Anruf! Bist Du es? Ja Du bist es! Du bist es!

Du sagtest was von elektrischer Schock oder so
Ja
Ja ich hab das auch gefühlt
Ehrlich?
Ja klar.

Ich versteh halt nicht so viel von sowas bzw. eher so verstörend wenn jemand fühlt wie ich weil eher selten so deswegen sorry.

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30 – 41

30

Imagine there‘s no heaven
It’s easy if you try
No hell below us
Above us only sky

31

Bike, Zug, Fuß, Zug, Bike. Stadt 1, Stadt 2, Stadt 1. Beeilung damit ich Dich noch telefonisch erwische weil ich eine Antwort von Dir brauche: Würdest Du auch so fühlen wie ich?

Dann wieder Bike, dann wieder Arbeit, dann vertan, weil doch kein Firmenwagen, oh nein, ok, egal, I manage anyhow. Bike, schwitzen, Vorfahrt nehmen. Sorry Leude, aber es ist unser erster Termin allein und ich möchte nicht zu spät kommen.

Schwitzender dann im eigenen Auto sitzen, der Kopf voll mit Was meinen wir nur, wer wir sind? Und wenn Du jetzt darauf antwortest, dann breche ich zusammen, das sehe ich ein, und zu meiner eigenen Seenotrettung schalte ich den Flugmodus an. So. Und dann bin ich schon bei Ihnen, es ist nur eine Minute, die ich zu spät bin, also eigentlich bin ich gar nicht zu spät möchte ich damit sagen. „Wollen Sie einen Kaffee“, fragen Sie. “Darf ich aufrauchen”, fragen Sie. Natürlich, sage ich, wer bin ich denn, Ihnen eine Zigarette zu verweigern. Und dann: gemeinsam Gedanken sortieren, Schulden begleichen und als Letztes noch Lebensmittel einkaufen.

Und während ich so da stehe, zwischen Regalen, Sie ließen mich zu lang außerhalb der Hilfestellung, weil Sie das allein machen wollten, kann ich nicht widerstehen, ich beende den Schwebezustand mit nur einem Klick und aus den Wolken heraus fallen sie in meine Hände, es sind kleine Luftballons, die nach einer langen erschöpften Reise, it’s such a question of perception, endlich in meine, meine Hände fallen, ich kann sie gar nicht zählen, so viele sind es. Alle schmiegen sie sich an mich und ich beginne zu lesen und doch nicht, denn ich bin nicht allein, ich bin nicht allein hier, erinnere ich mich, als ich mit trommelndem ❤️ in einem Supermarkt stehe und es geht jetzt nicht um mich und dann sehe ich Sie an, wie Sie das Leben ansehen, und es doch nicht verstehen, ich verstehe Sie.

„Geben Sie mir einfach die Tasche, ich trage das“, bestimme ich und lege die Hand mit den Luftballons beiseite. “Ich mach das schon, entspannen Sie sich, wir haben Zeit.”
Danke, sagen Sie, ohne Sie hätte ich das jetzt nicht geschafft.

Einsteigen, aussteigen, rein kommen, ankommen. Katzen begrüßen uns, wie viele sind es.

„Wir frühstücken jetzt erstmal“, bestimmen diesmalig Sie. Wer hat wem das Bestimmen abgesehen? Als ob Sie es wüssten, dass Essen bei mir gerade nicht so, was möglicherweise an einem Medikament liegt, welches endlich zulässt, dass auch ich mich genau so wie ihr konzentrieren kann, nur eben nicht beim Essen, das eben eher nein und sollte ich das bei Gelegenheit ansprechen? Andererseits, I’ve never been a bitchiges, billiges, williges skinny girl und man sagt ja, man sollte alles im Leben mal ausprobieren und verwehre Dich keiner Transformation, demnach.

„Wir frühstücken jetzt erstmal“, sagen Sie nochmal, wie bitte? Habe ich vielleicht geträumt? Bin ich wirklich so blass? Aber ich kann tragen, tragen kann ich, tröste ich mich. Und weil es 16 Uhr ist, stimme ich dem Angebot zum Frühstücken zu, weil es zu meiner Verfassung passt, das Verspätete, das Verschlafene, das Verträumte auch. Und weil es schon so lang her ist, dass eine Mutter für mich den Tisch deckte, weil ich mich schon gar nicht mehr erinnern kann, wie es ist, wenn eine Mutter den Tisch deckt, vielleicht deshalb lasse ich mich fallen und werde ich ganz ruhig und beobachtend. So, als dürfte ich von all Ihren Handlungen und Gesten und Gewohnheiten nichts verpassen. Sogar eine Serviette drücken Sie mir in die Hand, obwohl ich danach nicht gefragt hatte, aber einer Mutter widerspricht man nicht. Ihre Tochter möchte ich trotzdem nicht sein, denke ich und fast hätte ich es ausgesprochen, denn ich bin derzeit besonders sensibel, was Inbesitznahme betrifft und vielleicht auch, weil ich noch nie wirklich eine Tochter war. Ich weiß gar nicht richtig, wie das geht.

Geschmückt und gedeckt sagen Sie: „Ich bin ganz ruhig jetzt, danke.“

Und dann gibt es eingesperrtes, missbrauchtes, ängstliches, aufgehängtes, ausgeblutetes, also totes, Tier in Scheiben auf Brot für alle, also für Sie, nicht für mich. (“Essen Sie etwa kein Fleisch?” “Nein, eher nein” “Na gut, ok, ist ja nicht so schlimm” sagen Sie, und holen ein Glas Nutella aus dem Küchenschrank). Und dann erzählen Sie mir die Geschichten Ihres Lebens, einfach so, und eigentlich sind alle davon traurig. Nur die Letzte nicht, nämlich die, wie Sie es geschafft haben, allein zu leben. Wichtiger noch: allein zu sein. Und mit Sein meine ich Sein im eigentlichen Sinn.

„Naja, nun sprachen wir, als würden wir uns schon Jahre kennen, hm?“
Ja, so sprachen wir. Dann bis zum nächsten Mal. Alles Gute.
„Danke, dass Sie mit mir gegessen haben, allein ist es doch nicht so schön.”
Ja, ich sehe das genau so, sage ich und ziehe die Tür hinter mir zu.

Lustballons überall auf dem Weg.

32

Noch einmal ist es gestern und da schlage ich mein linkes über das rechte Bein, ich berühre Sie dabei ausversehen und natürlich, natürlich entschuldige ich mich und noch während ich mich entschuldige, was Sie nicht zur Kenntnis nehmen, berühre ich Sie abermals. Sie schnalzen lauter mit der Zunge als beim ersten Mal und ich denke Nee, das lasse ich jetzt nicht unausgesprochen: Ich habe mich doch entschuldigt, sage ich, nicht angegriffen, sondern leise und fragend, weil ich nicht weiß, was stört Sie so. Fast flüstere ich meine Beobachtung.

Sie müssen mich ja trotzdem nicht treten, sagen Sie laut und klingen dabei nach Wut und ich antworte und ich glaube auch, ich lege den Kopf dabei ein wenig schief: Ich habe Sie nur berührt.

Und die Beine übereinander schlagen, das brauchen Sie auch nicht, wenn es doch eh schon eng ist!

Das wagen Sie mir zu sagen und dann denke ich: Diese Zeiten sind vorbei und ich schaue Sie gerade heraus an und sage: “Was ich mache oder was ich lasse, wenn es eh schon eng ist, das entscheide ich, wissen Sie.”
Sie schauen mich an und ich denke nicht, dass Sie verstanden haben.

Heute, als wäre das bereits wieder ein Test, komme ich da rein und eigentlich habe ich es wieder eilig, weil etwas auf mir lastet, ich will es los werden. Und da stehen Sie, dahinter, und da steht er, davor. Sie sind fast weiß und er ist fast rot und er brüllt so, wie es nur Männer können und ich stehe daneben und muss erst begreifen und sage dann,
fast so, als wäre ich verwundert: Nun schreien Sie doch nicht so.
Ob ich schreie oder nicht, das geht Sie überhaupt nichts an!
Ich werde diesen Drecksladen nicht verlassen, ohne dass Sie mir gefälligst gibt, was ich will!
Ironisch beeindruckt muss ich fast nicken und sage:
Es geht mich etwas an, denn ich bin Zeugin dessen deswegen.
Und manchmal glaube ich, man kommt mit Ruhe weiter als mit Lautstärke.
Kümmern Sie sich um Ihren eigenen Scheiß, denn auch das geht Sie nichts an!
Sie täuschen sich, sage ich und füge hinzu: Ich möchte nur helfen, vielleicht kann ich helfen.
Scheren Sie sich was, mir können Sie nicht helfen! Und jetzt halten Sie sich gefälligst raus!
Sie meinte ich nicht, sage ich mit Blick auf ein Gesicht. „Kann ich Ihnen helfen?“ frage ich und die Addressatin antwortet: „Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich sage ihm, dass ich nicht habe, was er will, und er versteht es nicht!“ Ich sehe den Mann an und er sieht mich an und brüllt nochmal und das geht an uns beide und ich lasse ausbrüllen und dann dreht er sich um und geht. Ich sehe die Frau an, die mich ansieht, blass, wie sie ist. Sie sagt: “Danke dass Sie sich für mich eingesetzt haben.“

Ich habe das gerne getan sage ich und ich denke an einen Satz des Mädchens, welchen ich drehe, bis ich habe, was ich meine, bis er meiner ist:

Wer gelernt hat, sich für sich selbst einzusetzen, kann sich auch für andere einsetzen. So vielleicht.

Dann gehe ich raus und sehe ihn an einer Ampel stehen und tatsächlich fährt er ein Fahrrad. Wie kann ein solcher Mann ein Fahrrad fahren, frage ich, denn Fahrradfahren braucht feeling. Ich verstehe das nicht.
Und mein Blick geht zu meinem Fahrrad, auch das steht angelehnt an einer warmen Hauswand. Kurz habe ich Sorge, dass er mir dieses, welches ich eben nicht abgeschlossen habe weil manchmal glaube ich an Gerechtigkeit, weg nehmen will, dass er es fahren wird, und dann bin ich es, die ohne es da steht. Was dann?

Frau, sage ich, Du gibst dir alle Antworten selbst, Du musst sie nur noch glauben.

33

Es ist schon spät aber doch rufe ich Dich zurück, denn irgendwas lag in der Stimme und Du sagst: Weißt Du Nina, es kann sein, dass dieser Tod kein Natürlicher war, die Dinge, die Dinge, es gibt Dinge, die darauf hinweisen. Dinge. Nicht schon wieder, denke ich, nicht schon wieder. Ich halte meine Haare, ich lege alles auf die Stirn. Es gibt bereits genug Sterbefälle, die sich nicht natürlich ergaben, wie viele kann eine Familie noch ertragen?

Ich kann nicht mehr, sage ich, ich muss auflegen.
Ja gut, dann viel Erfolg. Danke, sage ich.

Wobei denn?

34

Schlafen, schlafen, irgendwie.
Und dann aufstehen, Kilometer fahren, irgendwie.
Ein Schild das meint, hier könnte ich richtig sein, denn hierher gehen Frauen mit Angststörungen, Essstörungen, Depressionen und akuten sowie posttraumatischen Belastungsstörungen.

In dem Wartezimmer: Frauen.
Frauen, das sind Wir, die hier ihre Fragebögen ausfüllen. Bitte kreuzen Sie an: Ich gehe Problemen lieber auf den Grund, als sie nur zu beschreiben. Ja oder nee / Ich finde es schwierig zu beschreiben, was ich für andere Menschen empfinde. Ja oder nee / Durch die Suche nach verborgenen Bedeutungen nimmt man sich das Vergnügen an Filmen oder Theaterstücken. Ja oder nee. Die Frau neben mir streicht überall Minus minus an, auch bei den Fragen, die von Gefühlen handeln, das wirkt auf mich sehr ernst. Ich kenne das, all das, möchte ich Euch zurufen. Auch ich zerbreche manchmal an den einfachsten Dingen. Zudem bin ich manchmal sehr müde, ängstlich, gestresst, überfordert: Wieso ich?

Alle Frauen hier sind schön auf ihre Art. Und alle sind magisch, wenn sie lächeln. „Ich habe halt nichts anderes mehr getan außer gegessen“, sagt eine Frau zu uns. Die Anderen nicken verständnisvoll. „Aber jetzt ist damit Schluss“, sagt sie, und sie sieht dabei so aus, als würde sie das auch so meinen. Frauen, das sind wir, die ihre Aggressionen tendenziell und im Gegensatz zu Männern verstärkt nach innen und gegen sich selbst richten. Deswegen die Psychiatrien auch tendenziell mehr mit Frauen als mit Männern und die Gefängnisse naja.

Und dann bin ich dran, endlich bin ich dran und ich versuche so gut es geht meine ganze Geschichte in eine Stunde zu packen. Und immer noch, selbst heute, als gestandene Frau, überrascht es mich, wenn mein Gegenüber versteht, was ich sage, Fragen stellt, aber nicht infrage stellt, nicht mich, und auch nicht meine Gefühle dazu, meine Empfindungen, all die Schäden und Narben, die ich seit der Geburt, die natürlich auch schwierig war und mich bereits fast umgebracht hätte, mit mir herumtrage, als logische Schlussfolgerung und nicht als Selbstzerstörung ansieht. Endlich. „Ja, das verstehe ich“ und ein mitfühlender Blick und mal ein Lächeln, alles zum richtigen Zeitpunkt. Es ist für mich wie ein achtes Weltwunder, wenn so etwas geschieht. „Danke“, sage ich, „ich fand sie sehr angenehm.“

Später abends klopft es an die Tür, da bist Du. Endlich bist Du da.
Dir öffne ich die Tür, ich falle in Deine Arme und Du in meine und sage leise: Was sind wir nur für Frauen?

35

Deine Hände und die Wärme und die Flüssigkeit auch und wie immer bewundere ich Dich, wie Du als so viel kleinere und zierlichere Frau mit so viel Kraft und Selbstverständlichkeit auf einer Frau wie mir klettern, auf mir stehen und sogar balancieren kannst. Auf einem schiefen Geschöpf wie mir verstehst Du, Gleichgewicht zu halten. Sag mir, wie machst Du das? Deine Antwort ist das Biegen, Drehen und Ziehen an Armen, Beinen, Fingern und Köpfen, immer wieder. Aber nichts renkt sich ein, verweigert sich da was? Ist das mein Fehler, habe ich einen Fehler?, frage ich.
Fester, sage ich, bitte fester.
Locker, sagst Du, locker.

36

Später abends dann das Telefonat mit Dir als derzeitiger. Und so beginnst Du ein Mantra für mich zu singen und das Mantra macht mich stumm, obwohl ich Dir noch ein Gedicht vorlesen wollte, eigentlich hatte ich mir das vorgenommen. Sowas habe ich noch nie erlebt. Danke, sage ich am Ende. Bitte, sagst du am Ende und dann: dieses Mantra, wenn Du willst, kannst Du es nachsprechen. Es ist ein Mantra gegen Angst und ein Mantra von einer Frau, die sagt, dass sie immer da sei, wenn die Angst käme. Dass sie komme und die Angst mitnähme. So ähnlich irgendwie und ich sage: Danke, aber ich kann mir so schlecht Dinge merken.

Was ist wenn das was ich bin dir nicht gefällt, ich stelle mir diese Frage nur noch sehr, sehr selten.
Denn die Situation ist so klar: Sollte einer von uns dem Anderen nicht gefallen, so hat einer von uns den Anderen nicht erkannt. Mindestens. Es ist wirklich so einfach und deshalb so tragisch.

37

Es ist ein weiterer Tag und es sind nackte Füße, leise Strömungen, ein warmer Sturm und ein Musikinstrument, Fragen, Antworten, Schweigen. Und meine zarte und zerbrechliche Gelassenheit, nur innerhalb dieses Kontextes, sie wandert neben Dir mit. Denn eigentlich bin ich so, gelassen. Und manchmal passiert es, dass ich Dich als die Frau, die ich wirklich bin, von der Seite ansehe. Und als ich Dich so ansehe, sind es nur wenige Sekunden, in denen ich denke: Genau jetzt wäre ich bereit, von Dir angesehen zu werden. Es läge darin keine Scham mehr, keine Unsicherheit, keine Angst. Es sind nur wenige Sekunden und das konntest Du ja auch nicht wissen.

Ok dann, danke. Ja, danke auch.

Was auch immer daraus wird.
Ich werde in jedem Fall.

Am Ende ein Zug, eine Stange geeignet zum Anlehnen wie ich feststelle, eine Frau, die auf ihren Namen hört.
Wie viele Leben lebe ich eigentlich?

38

Reinhängen, Gegenlehnen. Ich möchte mich irgendwo reinhängen und gegenlehnen. Anlehnen vielleicht?
Auf etwas ausstrecken und dann soll sich jemand auf mich drauf legen, mit all seinem Gewicht, sodass ich keine Luft mehr kriege und so auch keine mehr anhalten kann, bis mir fast schwarz vor Augen wird und mein Instinkt mich erinnert.

Du musst atmen, weißt Du, auch wenn es ein Trauma war, Du musst weiter atmen und es dabei ausatmen. Loslassen, nicht festhalten.

Ich liebe das Leben in all seinen Momenten. Sogar in diesen.

Meine Pupillen, die sind so groß, wenn ich mit Menschen wie Dir zusammen bin,
sodass ich sogar bei Regenwetter Sonnenbrille trage, weil ich sonst fast erblinde. Das erzähle ich nicht Dir, aber Dir, weil ich weiß, Du hältst mich nicht für verrückt, was Du auch wie immer direkt unter Beweis stellst.

„Wenn Du sehr konzentrierst bist zum Beispiel ist das normal, dass sich Deine Pupillen weiten und wenn Du Stress hast oder auch Angst, aufgrund dieser Gefühle und der kognitiven Überlastung, noch mehr.“

Das kann doch nicht sein, sage ich versteckt hinter meiner Hand.

Das kann doch nicht sein, ich dachte, es ist nur der Atem und nur mein Herz,
nur der Verstand und nur mein Gesicht, nur der Blutdruck und nur meine Gedanken, die sich verändern.
Wie kann man mich denn so lieben und bin ich damit denn überhaupt gemeint?
Das Letzte konntest Du nicht gehört haben und

„Naja“, sagst Du, „die Augen gehören zu den sensibelsten Organen im Körper, Nina.“

Bisher dachte ich immer, es sei das Herz welches dazu gehöre and people should fall in love with their eyes closed. Alles verrät mich, alles verrät mich, ich kann mich nicht halten, nur verhalten, wenn ich bei Dir bin oder so tun wenigstens. Beides scheiße.

„Aber ich würde ihm gerne mal in die Augen sehen, ohne UV-Schutz.“
„Wirst Du auch, hab Geduld mit Dir“, sagst Du so, als wüsstest Du.
Und ich selbst kann mir das meistens gar nicht vorstellen. Es ist so unvorstellbar. Wie soll das jemals für mich möglich sein?

Aber das ist nur die eine Seite, welche Kunst in mir erzeugt. Andererseits weiß ich doch, wie viele Wunder habe ich mir schon selbst gezeigt?

39

Ich verstehe Dich nicht, ich verstehe sie nicht. Ich verstehe nicht, ob und eigentlich bin ich doch noch gar nicht da also bitte mach Deine Entscheidungen nicht abhängig von mir, gute Entscheidungen stehen für sich allein, gute Entscheidungen, sie bleiben bestehen, sie öffnen Türen, Fenster, Münder, Beine, Herzen.

Und nun ja, das ist jetzt unser erstes Mal. Wir wissen ja gar nichts voneinander. Wir müssen darüber nochmal sprechen, sprechen. Ja, müssen wir. Aber gerade, da bin ich in einem Zug.

Welche Richtung ist mein Satz daraufhin und irgendwas in mir weiß nicht warum, aber es bewegt sich und: Vielleicht in meine Richtung, vielleicht in meine Richtung.

40

Das, was hier passiert, sind kreative Gedankengeburten, bis alles an mir schwer und leicht wird. Full and empty all at once. Wer gebärt, der muss auch nähren, denke ich, und versuche es mit einer Tomatensuppe. Ich habe ein Gerät, ein teures Gerät, ich wollte es nicht haben, aber nun habe ich es. Es war noch die Zeit, als Andere darüber bestimmten, was ich zu haben wolle. Die Geschichte, wie es dazu kam, ist eine Familiengeschichte und Familiengeschichten sind immer lang und Papier zwar geduldig aber so nicht jede Schreibende. Ich zwinge mich aber, denn ich bin nicht für Verschwendung, ausgerechnet habe ich, wenn ich das Gerät in etwa einmal via Monat nutze, so wird es sich in etwa 11,4 Jahren rentiert haben, all das Geld. So also heute und ich drehe an einem Regler und plötzlich geht alles hoch wie bei einem Vulkan sieht das aus sogar die Farben, rot und grau, alles weil ich den Deckel vergaß den Deckel, ich sage ja, Konzentration und Kreativität und alles an meiner Wand und es läuft runter und hinterlässt Spuren und ich stehe nur da und überlege: Ist da ein Muster? Ist das, kann das sein, ist das Kunst oder…

Die Antwort ist:
Dieses Gerät ist nur was für praktisch veranlagte Menschen und ich bin unpraktisch / emotional veranlagt.

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19 – 29

19

Glaubst Du denn, er wird sich an ihren Geburtstag erinnern?
Er hat ja eine Mutter, antwortet sie. Und bleibt dabei.
Und angesichts dessen, angesichts dieser Angelegenheit, bin ich fassungslos.
Und auch weiß ich nicht, ist da Ironie in ihrer Stimme.
Ich möchte sie kurz schütteln und sagen: Ist da Ironie in Deiner Stimme, ist es das? Ja oder nein?
Was soll das heißen, er hat eine Mutter, flüstere ich stattdessen.
Er hat keine Mutter, er hat eine Tochter, darum geht es doch.
Eine Tochter, deren Geburtstag er zur Hälfte mitbestimmt hat, deren Geburtstag doch aus ihm heraus entstanden ist.
Eine Tochter hat er, niemanden interessieren die Mütter, so ist es doch.

Ich denke an all die Briefe, die ich gelesen habe, all die verschiedenen Absender, all die gleichen Entschuldigungen, und nicht im eigentlichen Sinne waren es Entschuldigungen, sondern mehr waren es Rechtfertigungen für die Taten der Täter selbst. Darin waren sie sich stets einig. Aber so funktioniert Leben nicht. So funktioniert das Leben nicht.

20

Der Spannung Raum geben. Mutig sein.

Ich würde die Tür öffnen und sagen Hi. Komm, komm in meinen Arm, lehn Dich an mein Herz, leg Dich in meine Hand. Einfach so und warum auch nicht, einfach und frei, ohne Erwartungen, denn Erwartungen habe ich nicht, erstmalig nicht.

21

Und jetzt, wo das Neue an die Tür klopft, eile ich noch einmal zurück, irgendwas holen, bevor ich endgültig alle Türen verschließe. Ich will es wissen, bevor ich das neue Haus betrete, den Schmutz abtreten. Wie war das denn für Dich, frage ich, als wir zusammen waren. Was dachtest Du, als Du mich das erste Mal sahst.
– Wieso brauchte ich so lang, um Dir diese Fragen zu stellen, wenn Deine Antwort darauf doch so schnell kommt.

Als ich Dich gesehen habe, wollte ich Dich kennenlernen, weil Du klug aussiehst.

Und dann sagtest Du: Als wir zusammen waren, hast Du mir sehr geholfen. Ich denke, Du verdienst alles und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich Dir nichts gegeben habe. Meine Meinung zu Dir hat sich nicht geändert. Du bist immer dieselbe Person für mich.

Eine Liebe, die so endet, ist nicht beendet, sondern nur transformiert.

22

Alles strengt mich an, besonders der Kontakt mit Euch, und im Besonderen strengt es mich an, Euch stetig abzuweisen. Das würde auch nie passieren, wärt ihr einfach mal so feinfühlig, wie ich es bin.

Denn ich trage Last und dann kommt ihr an mit Eurer Heiterkeit, aufgrund dieser formt sich mir bereits eine erste Frage, wie erwartbar von Euch nicht beantwortbar: Warum eigentlich? und btw ihr macht es mir durch eben diese Heiterkeit und die Fragen, die sich mir daraus formen, nicht leichter, sondern schwerer. Worüber ihr redet und die Art, wie ihr lacht. Alles fühlt sich wie ein Fremdkörper für mich an. Und dann gehe ich neben Dir, noch ein weiterer Fremdkörper, wie an mir dran gewachsen, angeheftet, Hauptsache bei mir sein, ohne zu fragen, wieso eigentlich und ohne zu prüfen, ob Du etwas zu geben hast. Und weil Du nicht loslässt mache ich es Dir nach, ich habe es nie anders gelernt und nun fühle ich mich so, als könnte ich mich nicht mehr trennen, wie eine sorglose Mutter nach der Empfängnis fühle ich mich, die es sich nun, da nichts mehr rückgängig zu machen ist, nicht wagt, den Vater dafür ebenso zur Verantwortung zu ziehen. Also gehe ich mit Dir, neben Dir, alles schwer, schwer, schwer, Hindernisse neben, vor und über uns und nichts an Dir ergibt Sinn für mich in meinen Gedanken. Rede mit mir, denke ich, lache nicht mit mir.

Bringe mich über das Reden zum Lachen. Nicht über das Lachen zum Reden.
Wieso verstehst Du das nicht?

Ich weiß, wie ich funktioniere: so nicht.
Wenigstens ich weiß das.

Komm, erzähl mir eine Geschichte, möchte ich Dir noch sagen.
Eine Chance damit geben. Aber ich weiß schon jetzt, was kommen wird und dennoch.

Warum bin ich so, warum bin es immer nur ich selbst, die sich infrage stellt. Als dürfte ich in diesem Leben nicht nach mehr fragen. Als wäre das Leben nur für Euch allein gemacht, und weniger für mich. Als wärt ihr mein Maßstab, und nicht ich selbst.

Einschließen, der Tristesse entkommen. In den Spiegel sehen. So sehe ich also mittlerweile aus, aha. Wasser ins Gesicht, früher, da hätte ich mich das nicht getraut, früher, da war da nur Mauer und Maske, ich hätte das Risiko nie gewagt, alles hätte kaputt gehen können. Jetzt bin ich echt und flexibel damit auch.

So stehe ich da und stelle fest: Es gibt keine Geschichte mehr zu erzählen.
Ich will mich scheiden lassen. Aber wie mache ich Euch das klar?

23

„Ja, ich bin halt da.“
„Ja, Sie sind da. Und?“
„Das reicht schon.“
„Was ist denn das Problem?“
„Vielleicht suche ich nach Existenzberechtigung und finde keine. Vielleicht ist das das Problem“

24

Jede Minute öffne ich den Briefkasten, und es ist zuverlässig ein Liebesbrief von Dir darin. Qualität, nicht Quantität. Damit kommt diese der Nachsicht nicht hinterher. Und bereits da beginnt mein Leiden, es beginnt immer, obwohl ich weiß, dass es darum gar nicht geht. Schuss jetzt, denke ich, es reicht.

Dein Drang nach Freiheit verdrängt meinen Platz, den ich innerhalb einer Verbindung stets innehatte. Immer war ich es, die sich Platz erkämpfen musste, die sich zugeschnürt und okkupiert, verantwortlich, schwer und des Lebens und seiner Abenteuer beraubt fühlte, Schuld empfand für die eigene Unabhängigkeit, immer wieder verzweifelte: Bitte gib mir Raum, Dich zu vermissen. Wenn schon nicht für mich, dann doch wenigstens für Dich, verstehst Du das wirklich nicht?

Die Freiheit, die Freiheit war und bin ich, und immer wieder nahm ich mir als das große Substantiv unterschiedliche Adjektive. Mal war ich sexuelle Freiheit, mal war ich individuelle Freiheit. Mal wandelte ich mich und war religiös frei oder machte Gebrauch von meiner Meinungsfreiheit.

Ich war frei zu sprechen, zu schreien, zu heulen, zu kotzen, zu wüten und ja, zu lieben. Das auch. Das Allerwichtigste war jedoch: Ich war stets frei, zu entscheiden.

Nun, da Du diese Position innehast frage ich mich.
Wo gehöre ich mit dir hin?

Du öffnest, als wüsstest Du, wie und als wüsstest Du gar nicht, was das für jemanden wie mich zu bedeutet hat. Wenn noch ein jemand einen selbst nicht nur aushält und versteht, was man sagt, sondern davon immer und immer nur mehr provoziert, weil man es verarbeiten kann. Dass nicht nur meine Gedanken um mich kreisen, sondern dass sie über Dich zu mir zurück finden, Blütenstaub mit sich bringen und größer werden sodass ausgerechnet ich immer wieder kapituliere: Ich habe keinen Platz für die Worte, die mir zu Dir einfallen.

25

Über den Hof schallen sie und steigen liebevoll getragen durch das Fenster in meinen Raum, die Töne, nach sanfter Lust und dringender Begierde, nach süßem Honig, Schweiß, Salz und Zucker, wir alle hören es und sind stumme Zeugen, wie wir schwitzend in unseren Betten liegen, während ihr den ganzen Hof mit Liebe beschallt.

26

Später dann (m)ein anderes Leben: Angst, Angst und immer nur Angst. Mensch sagst Du, als Du meine Hand nimmst, alles so kalt an Dir, was ist denn? Angst, schaffe ich noch zu flüstern. Aber wovor denn? Siehst Du sie nicht, sage ich mit Blick auf die Anderen gerichtet, siehst Du sie nicht.
Wo bin ich, wo bin ich? Ich habe mich verloren und finde mich nicht wieder.

Komm, sagst Du, gib mir Deine Hand, wir gehen hier zusammen durch und ich entscheide mich. Wo soll das hinführen. Allein will ich gehen, mutig will ich sein. Lass mich los, schaffe ich gerade noch zu sagen, ich will lernen, für mich allein zu gehen.

27

„Eine Gruppe, es ist eine Gruppe.“
„Hm, ok. Und was sind das so für Leute?“
„Ganz unterschiedliche“
„Aha, hm hm. Und was … also was machen diese Leute dann da?“
„Es ist ganz offen und einfach…“
„Und ich kann auch einfach so, also… einfach so teilnehmen?“
„Ja, natürlich können Sie das.“
„Aha, ok, ja gut“

28

Du weißt nichts von meinem Leben. Außer, ich erzähle dir davon.

Wenn jemand stirbt, verlässt er, im schlimmsten Fall. & hinterlässt er, das im besten Fall. In diesem einen bestimmten besten Fall, Briefe über Briefe, Tagebucheinträge, Abschriften. Niemand kann sich mehr rausreden, niemand kann mehr sagen, er hätte es nicht gewusst. Rechtfertigungen reihen sich an Forderungen, Wünsche umarmen Ideen und Rezepte werfen sich schützend über Deine Ideologien. Berührend und abstoßend, alles zugleich. Du als ein kleines Medium der Familie, der auch ich entstamme. Du als das Brecheisen, auch als Dein eigenes Bindeglied, dann, wenn man Dir nicht zuhören wollte, Dir nicht glauben wollte. Vielleicht taten das die Meisten so, die auch Wir sind, und dann warst Du irgendwann vielleicht nur noch auf Verzicht aus, aber jetzt, wo sich Dir niemand mehr wiedersetzen kann, da hinterlässt du, was Du zu sagen hattest. Ist das jetzt mutig oder ist das feige?

29

Aber nein, nein, Du hast mich mal wieder falsch verstanden, denn so oft, wie Du Dich mir verweigert hast, so oft kann ich Dich bis zum Ende meines Lebens nicht mehr zurückverweigern. Also habe ich beschlossen, ich bin bereits einfach jetzt bei Null angekommen. Ich habe Dir alles zurück gegeben, es sind nicht mehr meine Schuldzuweisungen, nicht mehr meine Ängste, es sind nicht mal mehr meine Traumata. Ein Teil bin ich zwar Du, aber geboren habe ich mich selbst. Denn ich bin die Frau, die ich immer sein wollte jetzt, zumindest fast, und ich lasse mich. In Ruhe. In Frieden. Ich entfalte mich jetzt. Ich musste mich verstehen lernen, weil ihr das nie konntet. Es gibt dem nichts hinzuzufügen.

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Aphorismen ausschließlich / All about aphorism

  1. alles passiert zum besseren (R.)
    62. es ist richtig wenn es mutig ist
    61. das leben ist ein kopfschmerz und es wird zeit, dass du deine medizin nimmst
    60. kunst ist einmischung
    59. Ich mach keine Karriere, ich mach Werdegang
    58. krise = kraft
    57. schmerz hat potenzial
    56. es gibt menschen, die leben ihre sentimentalität gar nicht aus. sad.
    55. alles passiert zum besten
    54. was uns nicht einengt macht uns größer
    53. es war alles nur ein traum(a)
    52. manchmal möchte ich eine arbeit haben, bei der es niemanden interessiert, ob ich sie gut mache
    51. sich so fühlen, als wäre man nie fertig mit aufräumen
    50. jeder ist nur so gut wie er gut sein kann
    49. schmerz hat potenzial
    48. man muss das unglück nicht immer wieder herausfordern
    47. manchmal kann die fremde einem angst machen. manchmal kann die nähe einem angst machen
    46. take me to the place where you go when nobody knows if it’s not a game
    45. life isn’t black or white so love isnt either
    44. shared broken heart disease os halved briken heart disease
    43. ohne angst kein mut
    42. ich sehe nicht mehr auf die uhr. Es ist (an der) zeit
    41. i want to live even if that means to suffer twice
    40. freunde sind die, bei denen sich das smartphone automatisch ins w-lan-netzwerk einloggt
    39. Ich brauche ein neues beziehungsmuster das alte ist kaputt
    38. provokation in kleinen dosen ist ein anerkanntes liebesspiel
    37. leben oder leben wollen
    36. ich bin anders als ihr mich erzogen habt
    35. full and empty all at once
    34. ich kann gar nicht so viel berühren wie ich fühlen will
    33. verstehen braucht zeit
    32. eine große frau braucht ein großes leben
    31. ich habe mich so verändert. ich erkenne mich selbst (kaum) wieder
    30. leben oder leben wollen. das ist die frage
    29. ein scheiß leben führen kann jeder, echt jeder
    28. kein verbiegen mehr wegen brechen
    27. allineedislove
    26. mutig sein bedeutet einfluss nehmen
    25. irgendwas hält ja nichts zurück
    24. das leben ist schön. trotz kopfschmerzen
    23. liebe niedrigschwellig(er) machen
    22. mein leben ist beziehungsweise in endlosschleife
    21. man muss ehrlich mit begehren umgehen
    20. in allem, was man schreibt, ist auch was drin
    19. alles ist vorbei, wenn es geschrieben wurde
    18. i have a question
    17. das leben ist ein anderes, wenn man 31 geworden ist
    16. posten machen Leute
    15. das internet ist voller liebe
    14. das internet ist voller hass
    13. glücklich aber fertig aber glücklich
    12. eigentlich bin ich viel nachdenklicher
    11. ein gutes interview ist ein gespräch
    10. in den spiegel gucken und dann sehen man ist schöner als man ist
    9. ich glaube, man darf keine angst vor initiative haben
    8. wie steht man zu seinen gefühlen?
    7. freiheit ist ganz wichtig
    6. hat sich schonmal jemand gefragt, wie anstrengend angst sein kann?
    5. i have a thought
    4. es ist wahr, dass du sehr, sehr wenig wirklich musst
    3. ich würde gerne fortschritt messen – aber wie?
    2. in allem, was man schreibt, ist auch was drin
    1. brain is the new beauty
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9 – 18

09

Frühdienst und leise leise durch den frühen Morgen fahren.
Fahrrad fahren.
Niemand atmet die Luft, die ich atme.
Ich bin einzigatmig.
In den Zug steigen. Sitzend Fahrrad ansehen.
Fahrrad einsam und angekettet in einem Zug stehen sehen. So fehlplatziert. Die Zeit zur Seite legen.
Melancholisch werden. Und plötzlich Einfall: Fahrrad, Du bist Metapher für mich. Denn genau so, wie Du da stehst, fühle ich mich manchmal auch. Einsam und angekettet und fehlplatziert.
Fahrrad, ich hab feelings for you.

10

Aussteigen und da sind sie. Männer mit dunkel grauen melierten Haaren und roten Hemden. Männer, die auf ihr Smartphone starren und den Kopf schütteln aufgrund von Fassungslosigkeit aufgrund von was frage ich mich aber nehme nur die Frage ohne Antwort mit. Frauen, die ihre jugendlichen Söhne an der Kapuze zurückhalten weil Zug fährt ein und Sorge Sorge Sorge. Ein ehemals großes Begehren personifiziert auf einer großen Straße treffen und nicht wissen, was zu sagen, also nur ein bisschen rote Wangen haben und schweigen und Luft anhalten auch. Kaffee to go in die eigentlich fremde Hand drücken, weil selbst das für diesen Moment zu schwer in der Eigenen geworden ist. Halt doch mal kurz bitte, damit ich Dich fassen und mich halten kann. Ein unendliches Lächeln dafür bekommen, weil es erinnert, an was nur? Eigentlich an nichts, denn alles nur im Kopf stattgefunden. Ansehen. Und jetzt? Ich habe noch einen halben Tag vor mir und einmal, einmal den Kaffee bitte, den hätt ich gern zurück. Jetzt. Danke.

11

Die Kontrolle über seinen body verlieren, sich selbst in die Mitte eines Raumes stellen und einmal einen ganzen Eimer Scheiße darüber auskippen. Schande, Schande, Schande. Scham, Scham, Scham. Hass, Hass, Hass. Irgendwo, unter all dem, bin ich. Bin ich doch, oder?

Nach fünf Jahren Psychoanalyse ein neues Thema auf die Tagesordnung setzen.
„Ja, hi, ich würde gerne über Selbsthass reden.“
„Oh – oh -, ja, das ist, also ja, wirklich ein großes Thema.“
Dann: Können wir es nicht erstmal umbenennen in fehlende Selbstliebe? Das macht auch was im Kopf.
Und ich so ja ok meinetwegen.

– Ist das jetzt diese Psychoanalyse?

Während dieser fünf Jahre gab es immer wieder Phasen, in denen ich wusste, mir kann niemand mehr was erzählen. Schon gar nicht mehr über mich selbst. In so kleine Scheibchen habe ich mich selbst zer-legt und wieder ge-legt. In die richtige Position, in die meinige. Diese Phasen enden, wenn ich bereit bin alles zu glauben, was man(n) mir erzählt.

Endkonditionierung denke ich und atme mich in Ruhe. Endkonditionierung is the key.

Später, sortierter, ehrlicher gesagter. Immer ist es zu viel. Und immer denke ich, ich schaffe zu wenig.
Manchmal auch nichts, aber meistens eher zu wenig.
Das bin ich, in der Mitte auseinandergerissen, von nie genug, aber immer zu viel,
nackt und breitbeinig wie eine geschälte Mandarine, wenn ich sie schäle.
Ich denke an die Worte des Mädchens: Akzeptier das endlich, dass Du so bist!
Und dann denke ich daran, dass das Mädchen sagte: Das hat auch was mit einer besonderen Ebene der Intelligenz zu tun. Und dann denke ich daran, dass da letztlich jemand neben mir saß, der ganz unprätentiös sagte:
Ich glaube das auch.

Leben. Eigentlich voll anstrengend.
Leben. Eigentlich voll schön so.

12

Ich bin mit einem Mann in einem Supermarkt, weil ich spontan fragte: Musst Du vielleicht auch einkaufen? Ja, er musste. Und plötzlich, zwischen all den Regalen, fiel es mir ein, des Mädchens weiterer Rat an mich: Du musst es zulassen, sagte sie, mit Männern auch positive Erfahrungen zu machen. Lass Dich fallen, sagte sie. Here we are.

Ich weiß noch, wie ich damals mit dem Auto von einer Stadt in die nächste fuhr und mich kosmopolitisch fühlte.
Genau so ist das jetzt auch, nur anders.

13

Gewellte, lange Haare. Deine Haare, deine Haare, sagen die Anderen. Und eine sagt: wenn ich von Dir erzähle, dann erzähle ich Deine Haaren immer mit. Ich denke: Wenn ich mit mir ausgehe, dann nehme ich meine Ängste immer mit. Ich denke: mich endlich wieder raus trauen, endlich wieder unter Menschen sein. Endlich wieder selbst ein Mensch sein.
– So müsste das doch gehen, oder?

Geht so.
Also dann endlich mal wieder ein Mädchentreffen und ich mache mit.
Gleichberechtigung – eigentlich immer noch voll gescheitert. Und ich höre mich empören, dass das doch ein gesellschaftliches Problem ist. Und dann stehe ich wieder da.
Nämlich als eine von uns sagt: „Ok, formulier doch mal die Frage zu diesem Problem!“

Wie mein Thema, meinen Kosmos, mein Universum, in eine Frage packen? Hallo hallo, das ist eine von möglichen Metaphern meines Lebens, metastasiert. Denn ich kann nicht. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr implodiert meine Farbwolke, bildet dennoch Ableger, die letztlich explodieren, verschwimmen, zu Staub verfallen. Alles Kolorit, Staub, Husten, Husten. So ist das in meinem Kopf. Und dann soll ich – was? Hat hier grad jemand was gesagt?

Später genau davon träumen, dass der verehrte Mann, der heimlich geliebte Mann, in meinem Traum, in meiner Utopie, der wie nach dem Aufwachen noch, aber auch noch zu wenig, da ist, mit an dem Tisch sitzt und dann eine Wiederholung: Ok, formulier doch mal eine Frage zu diesem Problem! und ich kann, kann, kann nicht, weil ich alles immer so groß und laut und bunt denke, sodass es letztlich nirgendwo mehr herein passt. Einfach und echt nirgendwo bitte glaubt mir das. Aber auch der in meinem Kopf Geliebte denkt das geht so nicht, denn er denkt anders als ich, es muss doch möglich sein, würde er vielleicht sagen, strukturiert zu denken, und ich bin empört, stehe auf, bin krank und ängstlich zugleich, alles sitzt tief und schwer und atmen ist auch nicht mehr so wie zuvor und es ist wie immer: nicht verstanden.
Ich gehe jetzt, ich gehe, das sage ich, ich verlasse Euch jetzt. Habt ihr wenigstens das verstanden?
Aller Weltschmerz in mir versammelt. Ich werde nicht verstanden. Ich werde nicht verstanden.

14

Ich wachte auf und plötzlich saßst Du da. Wieder: wie erklären? Meine Hände formen Schalen, damit sich endlich auch die Antworten setzen, sanft wie Regentropfen sich an meine Hände schmiegen, aber nichts geschieht, nichts geschieht und alles bleibt leer. Was soll ich tun, wo soll ich hin. Wie losgehen?

15

Ich habe zu viele Stifte. Vielleicht ist es das?
Würde mir bitte einmal jemand die Stifte wegnehmen, vielleicht dann.

Beuys hören. Kafka lesen. Danach geht’s meistens wieder ein bisschen.

16

Klingeln an der Tür.
“Können Sie ein Paket für Ihren Nachbar annehmen?”
“Ja, eh, sicher” (Sie erwischen mich im verwirrten Modus)
“Super. Name?”
“NH”
“Handynummer?”
… “Eh. Was?”
Lächeln. Lächeln: „Handynummer!“
… “Eh. Was?“

17

Mit Kaffeetasse auf den unteren Türrahmen setzen. Ein Bein innen und eins draußen, auch das wie immer.
Sehnsüchtig das Wetter erwarten, Sturm, Regen, Wind. Endlich.
Der Zorn muss raus, die Selbstzweifel auch.
Was ich empfinde ist zu groß für mein Herz und für meinen Kopf auch, es passt ja noch nichtmal auf meine Zunge, zum Schlucken, in meinen Mund auch nicht, obwohl ich genau für die Prägung eben dessen auch immer mal wieder Komplimente bekomme oder anderes – je nach Selbstbewusstsein und je nach Rolle, die ich nach Meinung der Anderen gerade habe. Aber ich bin so nicht. Egal, was wer sagt, ich bin so nicht. Put me on your „topics I know nothing about“-list.

18

Ich bin eine Frau auf einem bike.
Ich bin keine Frau ohne Ideen.
Wenn ich nicht alles auf einmal haben kann, dann nehme ich lieber nichts. So?

– Draußen: Regen. Jetzt. Endlich. Wind auch. Endlich endlich. Der Tag ist vorbei.
Ich bin es nicht. Guten Abend.

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chaoskopf.

vorher: ja mein Bett begrenzt mich halt! wie Dein Bett begrenzt dich wie meinst du das denn ja weil vorne und hinten da ist ja Schluss also grenze wieso verstehstn das nicht? Man ey alles muss ich dir erklären ich fahre jetzt nach hause! hey! jetzt sei doch nicht so! doch so bin ich aber ich habs dir doch schonmal erklärt nee hast du nicht doch wohl und alles was du kannst ist stress machen weil das jeder kann und mir ist das zu anstrengend jetzt ich fahre!

Ok dann 1730 und als ich da mit dem fahrrad eben über kopfstein fahre hat jeder ein wohnzimmer und aus jedem Wohnzimmer da kommen bunte lichter ich will so nicht sein um 1730 die nachrichten gucken weil es 1730 ist und tristesse tristesse und wieso wollt ihr das überhaupt habt ihr darüber überhaupt schon einmal nachgedacht frage ich mich und ich frage mich auch wie komme ich hier je wieder lebend raus.

mittendrin: so! sagt jemand, der du bist und dann: mein kopf ist so leer ich muss jetzt fahren. oh mein gott dein kopf ist leer? wow wie geht das denn das ist ja toll und interessant auch darf ich mal sehen? Ja darfst du und dann wuschel ich schon durch deine haare und deine blauen augen die sind so stechend und gerade ist da echt nichts drin in deinem kopf aber das liegt eigentlich bestimmt an deiner tiefe dass da grade nichts zu sehen ist also anders kann das ja gar nicht sein denn sonst wäre ich dir nie so nah gekommen auch vorher nicht was ja jetzt überhaupt dazu führte dass ich in deinen kopf hinein sehen darf.

später dann jemand anders und ok ich mach jetzt den anfang ich machs jetzt einfach also vielleicht so: vielleicht kannst du mir einfach sagen was du willst und dann kann ich ja sehen ob sich das mit dem was ich will übereinbringen lässt – so irgendwie? und dann sagst du gar nichts und siehst mich nur an mit deinen kleinen verletzten augen in blau und weil du nicht weißt was das jetzt heißen soll oder weil du auch denkst oh man das ist mir zu kompliziert und dann ich so hä wie jetzt kompliziert ich wollte doch nur dass sich deine Verliebtheit nicht von meiner Fleischeslust niederringen lässt und dann plötzlich da liegt und ausblutet und vorwürfe macht wie immer so nach dem motto ich habe doch gesagt von anfang an bei mir war das liebe und zwar große weil über monate fand ich keine worte für das gefühl und nur stumm in der beobachtungshaltung stand ich und bewegen konnte ich mich auch nicht vor lauter …schmerz und also was ich damit sagen will es ging doch jetzt nur um dich und wieso verwirrt dich das denn wenn es lediglich um dich geht hast du dich etwa noch nie im spiegel angesehen oder was? und davon mal abgesehen wer war es denn der da lässig in meinem türrahmen stand und sich da sogar auch anlehnte und mit herausforderndem Blick fragte: handynummer? und wer war es der mein nein in stift und papier verwandelte und etwas schrieb das wie ein name aussah und wie eine telefonnummer klang und wie kann es sein dass wenn ich dann frage ja also was willst du denn dass du darauf keine antwort weißt wie soll ich dir denn bereits jetzt schon sagen können ob ich dich liebe wenn du noch nichtmal weißt wer du bist und was du sagen sollst weil bis jetzt da kam wieder gar nichts naja dann mache ich jetzt halt einfach denke ich, dann mache ich jetzt halt einfach und das ist zu verstehen als eine warnung bist du dir darüber im klaren? Ich mach jetzt und komm danach nicht auf die idee wieder von wegen blutung und herz weil frauen sind es die bluten und nicht männer und wenn du willst dann kann ich das sogar beweisen merk dir das!

nachher: hm seltsam war fast alles nur interpretation hab ich grade festgestellt schade alles umsonst.

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Das Mädchen: Flirten, Sex, Spazierengehen, Angst

Ha, wie schön!

Das Mädchen klatscht in die Hände und mit glänzenden Augen sieht es mich an. Genau so muss das sein! Genau so muss das sein! Ha!
Und: Zelebrieren sagt sie, man muss es zelebrieren, das Flirten, genau so, wie Du es beschrieben hast. Ja!, sagt sie, und ballt die Faust. Sehr gut!

Aber ja / aber nein, sage ich, denn in meinem Fall, da ist die Summe gleich Tragik. Und sowieso damit der Rest sage ich und lege meine Stirn auf den Tisch. Atmen. Atmen.
Sieht das denn echt niemand?, frage ich.

– Wen eigentlich?

Aber. Egal. Denn:
Mädchen geht es in diesem Fall nicht um den Ausgang einer Geschichte, sondern um mich und Mädchen findet mich lediglich, was ich nicht abwertend meine, gut. Da ich jedoch stets sehr viel finde, finde ich mich eher etwas peinlich und ich finde, es geht schon darum und ich finde auch, es gibt einen Unterschied, also sage ich das auch.

Es gibt einen Unterschied!, sage ich, zwischen gucken und gaffen. Das weißt Du doch! Ich zum Beispiel will nicht angegafft werden! Und Du willst das auch nicht! Und er will das sicher genauso wenig. Und ich will nicht, dass er sich zum Objekt degradiert fühlt, nur, weil ich nicht aufhören kann auf Mund, Schlüsselbein und Schoß zu starren. Manchmal kann ich gar nicht anders. Das ist doch…”, meine ich. Mädchen lacht.

Ich auch ganz kurz.
Weil unkontrollierbar und voller Hitze das eigene Begehren.

Das Mädchen und ich, das ist wie eine seltsame Symbiose, die perfekt passt, weil einerseits aus gleichem Material, andererseits mit ganz anderen Erfahrungen. Und beide akzeptieren den Aggregatzustand der Anderen. Und dann schmiegt sich das, wie Yin und Yang, wie Essig und Öl, und wird Vinaigrette.

“Wir sind ja schon nicht unsexy, Nina.“ Das sagt das Mädchen wenig später wie als wäre das eine Warnung an mich und das ganze Universum auch und mit offenen und stummen Augen kaue ich weiter auf einem Stück Artischocke um Mädchen zu signalisieren Fahr fort und sie sagt: Wir müssen auch aufpassen, darauf nicht reduziert zu werden. Und klar machen, dass man auch Intellekt hat und ein Mensch ist. “Das muss man den Männern ganz deutlich machen!”, sagt sie. Währenddessen quillt Polenta, backt Brot und zieht Aioli. In der ganzen Zeit, die wir nun bereits zusammen sind, durfte ich
– eine Avocado filetieren
– ‎Pilze schneiden
– ‎eine Zitrone auspressen

Es ist wie immer (zu wenig), stöhne ich gedanklich in mich hinein.
Nie darf ich hier was tun, währenddessen Geschirr auf der Spüle für alle sichtbar zu einem Keramikmassiv wird.

Pflanz‘ dich einfach hierhin und blätter‘ da rum, hat das Mädchen bestimmt und mir daraufhin ein Kochbuch vorgelegt. Wäre ich nicht so verzweifelt aufgrund meiner ausweglosen Liebessituation gewesen, ich hätte über die bescheuerte Wortwahl sicher sehr albern lachen müssen aber so…

Aber so weiß ich halt auch nicht.
Ok, dann eben nochmal zum Thema Sex und Orgasmus und: Ja, mag sein.
Nachdenken und dann lege ich mich sanft in einen Lachanfall und schlage erst eine flache Hand auf meine Oberschenkel, um mich kurz darauf hinter beiden Händen zu verstecken.

Vielleicht,
vielleicht weiß ja das Unterbewusstsein bereits vorher,
welcher Mensch es wirklich … Also so wirklich vorher vorher.
Stell Dir mal vor, wie absurd das auf vielerlei Ebene wäre.
Ich lache und werde dann plötzlich, wie aus Schock, so plötzlich oder als hätte ich etwas Grundlegendes verstanden, ganz ernst und sage:

Glaubst du wirklich, das geht?
Mädchen. Glaubst Du das?

Verwirrung im Plenum.

Neue Gedanken.
Nachdenklichkeit.
Und dann: Zweifel, wie immer.
Es ist so vorhersehbar.

Stell Dir mal vor, das ginge und dann passiert es auch so, wie es ginge und wie besprochen, und dann ist es so schön und da es so schön ist, erleide ich einen Schock und dann sterbe ich.
Stell Dir das doch jetzt mal vor bitte!

Wäre das mehr Tragik oder mehr Komik was meinst Du wirklich?

Mädchen sagt “Nina”, wie man es sich nur wünschen kann und dann: “Deine Träume bereiten Dich doch vor.
Du stirbst also auf keinen Fall.”

Ach so meinst Du das.
Ok, das habe ich so noch nicht gesehen.

Irgendwann ist später und dunkel dann auch und es ist auch ein Spaziergang im Wald und da führt mich das Mädchen, während ich Texte rezitiere und dabei statt auf Erde auf Papier sehe (Vertrauensübung) und plötzlich sind wir wieder in der Stadt und vorbei gehen wir an der Tür einer verflossenen Liebe und ich weiß gar nicht, was mir angenehmer gewesen wäre: Die Liebe hätte da plötzlich gestanden oder einfach nicht. Mädchen sagt irgendwas Wertschätzendes diese Stadt, diese Stadt und ich denke früher, da habe ich das auch oft gesagt, aber mittlerweile ist dieser Wohnort eigentlich nur noch eine Wohnung und alles begrenzt und besetzt besetzt mit Erinnerungen.

Es ist das Mädchen, welches sagt: Ich habe festgestellt, dass ich jeden Tag mindestens einmal einen Moment habe, den ich als Krise beschreiben würde und auch festgestellt habe ich, dass ich jeden Tag einen Kampf führen muss.

Stille und dann: Also jeden Tag halt.

Ich bin stumm und Stille und erkenne mich wieder und trotzdem es sich dumm dabei vorkommt sagt mein lösungsorientiertes Ich erst nichts und dann:
Der Weg aus der Angst ist der Weg durch die Angst, das weißt Du doch.

Dennoch. Angst ist Angst. Das weißt Du doch antworten Mädchen und Ich. Wer weiß das jetzt eigentlich besser?

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Menschenverständnis / Menschenunverständnis

MENSCHENUNVERSTÄNDNIS

Szene 7
“Bor boy mein Menstruationscup sitzt nicht richtig es tut mir weh und läuft vorbei auch”
“Oh nein, sollen wir eine Toilette aufsuchen?”
“Nein. Ehrlich gesagt Ich will nur noch nach Hause.”
“Ok”
“Habe aber Sorge wegen Deiner Autositze.”
“Ach quatsch girl, mach Dir doch keine Sorgen. Mir haben schon Andere das Bett vollgeblutet. It’s nature.”

Szene 6
“Aber da waren nicht nur Männer, oder?”
“Nee, da waren auch normale Menschen

Ja, hab selbst gemerkt”

Szene 5
“Ja also das Telefonat war echt toll und recht vielversprechend. Das einzige Manko ist: Er hat nicht so den Draht zu Tieren… Der hat da auch ganz offen drüber geredet.”

Szene 4
“Ich würde gerne eben nebenbei ein paar Töpfe spülen, wenn es Dich nicht stört. Aber Du kannst auch auflegen, wenn Du willst.”
“Ja, Du auch.”

Szene 3
“Ja, also ich lese gerade ein Buch über…”
“Masturbation?!”

“War so klar…”

Szene 2
“Ja hi ich bins, ich bin schon wieder durch”
“Ja, hi. Nicht schlimm. Komm einfach.”

Szene 1
“Früher, als ich jung war, da hatte ich mal so eine Klau-Phase.”
“Oh, das klingt ja interessant.”

MENSCHENUNVERSTÄNDNIS

Szene 12
“Ich habe meinen Vater auf eine Tasse Kaffee eingeladen.”
“Ich bin sehr enttäuscht von Dir”
“Ehm…”
“Ich bin auch sicher, dass Du weißt, dass er nicht kommen wird. Ich glaube, Du machst das, um das negative Bild Deines Vaters aufrecht zu erhalten.”

Szene 11
Mann: Oh wow, toll, dass er diesen Karrieresprung nun geschafft hat also beim Fernsehen arbeiten, das ist ja, also, total interessant. Toll, dass er nun beim Fernsehen arbeitet, oder?
Ich: Eh ja schon, aber ich arbeite auch beim Fernsehen.
Er: Ja, ja, aber hinter den Kulissen!

Szene 10
“Man müsste ein Kantholz nehmen und damit meinem Vater links und rechts ein paar in die Schnauze hauen…aber ein Problem? Nein, ein Problem haben wir nicht.“

Szene 9
“Oh, kool, sieht echt super aus. Und die Texte, wer schreibt die? Also ich meine, werdet ihr journalistisch ausgebildet oder so?”
PAUSE (DENKPAUSE PROTESTPAUSE.)
“Wie. Also. Nee. Es geht ja um. Also eher frei schreiben so.”

Szene 8
Alle so: Echt kool, dass Du deinen
Weg gehst und ich so Danke und wessen geht ihr?

Szene 7
Gegenüber, sehr emotional:
“Steiger’ Dich jetzt bitte nicht so rein!”
“Ich steigere mich nicht rein, ich steigere mich raus!”

Szene 6
Und wieso hast Du eigentlich keinen Freund? Du bist doch so eine attraktive Frau…

Szene 5
Und, was machst Du so?
Ich studiere jetzt nochmal.
Du kannst es echt nicht lassen, oder?

Szene 4
Ich: Jo hi, ich wollt nur mal sagen: Wenn Du ne freie Wohnung siehst, die mir gefallen könnte, sagste mir dann Bescheid? Ich dachte so an ein paar Jährchen in der City…
Sie: Frollein, es wär jetzt auch langsam mal Zeit für Dich, was zu kaufen! Du bist immerhin schon 30!

Szene 3
Er: Wir veranstalten da diese Party und ich würde mich freuen, wenn Du kommst…
Ich: Auf keinen Fall, aber danke für die Einladung!
Er: Wie meinst Du das? Auf keinen Fall?
Ich: Ich komme auf keinen Fall, so meine ich das.
Er: Ich verstehe das immer noch nicht. Ich schreibe, dass ich mich freue wenn du kommst und Du schreibst auf keinen Fall? Bisher haben alle zugesagt und sich gefreut.
Ich: Ach so. Ja, Du würdest Dich bestimmt freuen, das freut mich auch, dass Du dich freuen würdest, aber ich komme auf keinen Fall. Sooo. Got it?
Er: Nee immer noch nicht. Aber wieso auf gar keinen Fall? Macht mich traurig.
Ich: Quatsch, das hat doch nix mit Dir zu tun und wertet doch Eure Party nicht ab. Für mich ist das nur nichts mehr. Sei doch nicht traurig!
Er: Aber wieso? Erklär, erklär! Bist Du erwachsen geworden?
Ich: Ja, endlich. Nee, einfach so. Und Lust, mich zu erklären, habe ich irgendwie auch nicht mehr. So ist das grad bei mir. Und bei Dir?

Szene 2
Er: Und, was gibt’s Neues?
Ich: Ich war gestern auf einer Lesung
Er: Bringt Dir das was?

Szene 1:
Sie: Du redest nur noch über Flüchtlinge!
Ich: Eh…ich rede über Salim, mit dem ich seit Neuestem zusammen bin, ja, aber…
Sie: …und Salim ist ein Flüchtling, oder etwa nicht? Sag ich ja!
Ich: Eh ja…also eigentlich…ist…Salim ein Mensch ein Mann aber…ok

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Ich

Was ist es denn?
Das das?

Das, was Ich Kopfschmerzen bereitet, immerzu nur Schmerzen im Kopf. Zittern auf der Haut, Kälte hinter der Stirn, schwebender Druck, Ich und ihren Weg begleitend. Mit dem Rad, zu Fuß, in der Bahn, egal.

Was ist es denn?
Das, was sich Leben nennt und Sterben meint. Sterben, immer wieder täglich, Sterben für alles Schöne, was Ich über das Herz und die Haut läuft, aber niemals stehen bleibt.

Was ist es denn?
Das, über welches Leute betreten schweigen, wenn sie höflich sind. Sind Sie es nicht (meistens), so prasseln Ratschläge auf das beschädigte Dach, verpackt in dem Nichtaushaltenkönnen einer objektbezogenen Unsicherheit. Dann wird mitgerissen, abgerissen, nicht die Unsicherheit, nein, viel gemeiner, denn das, wovon Ich sich kurz zuvor noch zu emanzipieren versucht hatte. Was bleibt denn da und wie kann Ich diese ewige Wiederholung aushalten.

Zeit, denkt Ich, Zeit.
Und Luft, Luft auch.
Raum. Okay.

Guckt mal!
Ich kann auf ihren Fingern stehen.
Finger, nicht Hände. Ha!

Ha ha habt
ihr so etwas schon einmal gesehen?
Und Ich redet jetzt nicht von Instagram.

Was ist es denn?
Fragt Ich.
Das das.

Das, was alle zur Verzweiflung und Ich zum Staunen bringt. Weil es eben kompliziert und damit so schön und scheiße zugleich ist. Kompliziert. Kommt das von Kompliment, fragte mal ein Mann mit fragendem Blick an Ich gerichtet. Kompliziert, weil es eben differenziert zu betrachten und nur mutig zu verstehen ist. Weil genau das eben Ichs Forderung ist. Genau wie die Forderung lautet, sich zu geben wie Ich ist, und zwar ohne das Wohlgefallen der Anderen damit zu provozieren. Müde sein, weil Ich eben müde ist. Schweigsam sein, weil Ich eben jetzt ruhig ist und weil Ich endlich mal etwas erzählt oder vorgelesen bekommem möchte. Etwas über Franz Kafka zum Beispiel. Etwas von Franz Kafka zum Beispiel.

Ich kennt auch jemanden, der ihr etwas vorspielen könnte, auf einem Instrument. Davon redet Ich.

Naja, was ist es denn?
Das, abgesehen von Verzweiflung und oben Genanntem, denn glücklich ist Ich ja auch, weil Ich es irgendwie auch schon immer war, trotz des ganzen Unglücks und niemand behauptet, dass Glück nicht auch in der Melancholie zu finden ist. Ja, das wäre dann wohl ein Ankommen, würde Ich es annehmen.

Aber damit vorbei wären dann auch die Wanderjahre, von denen Ich mal jemand während eines Mittagessens erzählte (bei dem Ich kaum aß, eher zusah) und von denen Ich bis dahin nicht gewusst hatte. Danach fühlte Ich sich weniger allein und war durch Teilhabe plötzlich satt so satt. Jemand hatte Ich etwas Interessantes erzählt und Ich hatte das einfach so gereicht.

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1bis8

1

Man würde mich sicher wieder fragen, was es denn konkret sei, dass mich so bewege an Dir. Irgendwo las ich mal, wenn man auf (solche / weitere) Fragen keine Antworten wisse, dann sei da meist auch nicht so viel dran, also an der These, dem Gefühl oder der Erinnerung, demnach umso erfreulicher: Ich habe Antworten, viele davon.

Heute, als Du vor mir saßt, direkt vor mir, aus dieser Perspektive umrahmt von meinen Beinen, und ich gebe zu, ich verdrehte mich ein wenig, aber dabei heraus kam dieses unwiderstehlich schöne Bild, welches mich faszinierte und fassungslos machte in einem und welches Du leider nicht mit ansehen konntest weil Du warst ja Protagonist und das Bild plötzlich bewegt und damit real und mehr noch eine Tragödie, aber das war nicht so schlimm, denn in meinem Schoß, da waren wir eins und das war die Hauptsache und ich dachte da gar nichts, ich fragte mich nur atemlos

was –

was –

würde ich jetzt einfach tun was ich wollte –

was dann?

Denn dann hätte ich meine Beine aus dem Stück heraus um Deinen ganzen Körper geschlungen, sodass Du Dich geborgen gefühlt hättest. Und dann hätte ich Deine Haare angefasst, sodass Du dich begehrt gefühlt hättest und ich hätte meinen Mund in Deinen Nacken gelegt, sodass Du dich gemeint gefühlt hättest.

Während ich Dich beschreibe fehlen mir die Worte und ich benutze nur Hände und baue Mauern damit. Wie kann das sein. Wie kann eine Frau, welche Worte mehr liebt als Männer, an einer Beschreibung scheitern. Ich versuche, Dich zu erinnern und alles, was ich erhalte, ist ein Arm mit einer Hand als Kunstwerk, Blutgefäße wie Straßen und der Asphalt ist Gänsehaut und makellose Finger und Ruhe. Ich sehe die Ruhe. Und all das überträgt sich auf mich, Stille und dann sogar auch die Gänsehaut. Finger spreizen und ich sehe dem Geschehen fassungslos zu. Das ist Zauber, denke ich fasziniert, das ist Zauber! Einer, den man nicht erlernen kann, denn er ist gegeben. Und dann denke ich an mein Bild von Dir, wie Du Bleistift und Notizheft hältst und dann an Erotik, weil Logik.

„Verstehst Du“, wiederhole ich, „Erotik, auf die tiefste Art, die Du dir vorstellen kannst, Erotik bis auf das wunde Fleisch sozusagen, obwohl angezogen, deswegen vielleicht nicht frierend. Verstehst Du.“ Und der Zuhörer nickt zweifelnd.

Ich atme laut aus und halte mir die Stirn in beiden Händen und denke Ihr seid doch alle

2

Ich sehe Dich also an, wie Du so vor mir stehst und beobachte und bemerke und wäge ab und plötzlich fällt mir auf, dass ich alles von Dir wissen will, einfach so, beispielsweise, wie Deine Uhr, die immer mal wieder unter dem Hemdsärmel sichtbar wird, aussieht, und wie Deine Haut (es ist Winter). Was deine Werte sind, wie Du küsst und wie Du kommst. Womit Du deine freie Zeit verbringst und ob Du ein Festnetztelefon hast und ob Du abends mit Frauen auch außerhalb intrafamiliär telefonierst (hoffentlich nicht) und ob Du Oliven magst und worüber Du lachen kannst und ob man mit Dir stundenlang sitzen und reden könnte.

Wenn der Fokus vom Subjekt zum Objekt zoomt, ist das dann Liebe?

„Sie sehen mich so erwartungsvoll an. Haben Sie Fragen?“, unterbrichst Du Dich selbst beim Reden und meinst mit dieser Frage wirklich mich.
“Eh. Nein“, versichere ich schnell und sehe direkt daraufhin auf den Tisch vor mir und nehme einen Stift in meine Hand. Später fiel mir ein, ich hätte confident antworten sollen: “Ja, viele. Später, Du und Ich?” Aber das hätten dann andere auch gehört und ich hätte es nicht ertragen, ich hätte es nicht ertragen, wäre nur ein Jemand dabei gewesen, der dazu auch nur eine Frage gestellt hätte.

3

Ich sortiere mich selbst durch Zeit und Raum. Ich versuche zu denken, was ich fühle. Ergibt denn nichts mehr hier Sinn? Ich bin der Sinnlichkeit verfallen und kann auch nicht mehr arbeiten jetzt. Im Vorbeigehen sehe ich meine schmalen Brüste und meinen heute flachen Bauch und meine runden Po. Meine wilden Haare, mein erschöpftes Gesicht. So sehe ich also aus. Rote Linien durchziehen den weißen Hintergrund, welche das Bild erst interessant machen.

Ich denke, dass es einfach passieren soll. Das Kennenlernen, das Miteinanderschlafen, das Miteinanderkommen, -kochen und –essen. Das Sitzen und Schweigen, das Sehen und Denken, das Liegen und Biegen und Renken. Das Insbettreden und das Hinauskomplementieren. Das Grenzen testen und teilen, das Lachen, das Heulen, das Schreien, das Lieben. Dann lege ich mein Gesicht in beide Hände. Wie denn?

Schwamm auf Teller, Löffel auf Gabel, Wasser an Wasser und alles verschwimmt. Wie oft muss ich Dich noch flüstern. Wie lang muss ich Dich noch atmen. Wie sehr muss ich Dich noch begehren. Verrückt geworden bin ich doch schon.

4

Ich will anfangen, aber weiß nicht, wann. Jetzt?

Ich will anfangen, aber weiß nicht, womit.
Ich will losgehen jetzt, aber weiß nicht, wohin.
Ich will lernen, aber weiß nicht, was.
Ich will Austausch, aber weiß nicht, mit wem.
Ich will mich emanzipieren, aber weiß nicht, wovon.
Ich will lieben, aber weiß nicht, wen.
Ich will lieben, aber weiß nicht, wie.

Wenn man nicht mehr weiß, wo man anfangen soll, lässt man es dann einfach? Wenn man nicht mehr weiß, was man schreiben soll, liest man es dann einfach?

5

Wie soll ich denn das alles erklären?
Als heute die Tür hinter mir ins Schloss fiel, stellte ich fest, zwei Möglichkeiten zu haben, nämlich: Ok, endlich mal wieder heulen jetzt oder ok, endlich mal wieder kochen jetzt. Hab dann gemerkt, dass ich gar nicht heulen kann jetzt, weil alles noch total verkrampft vom Auskotzen davor ist. Hab dann gedacht mach dich mal locker jetzt und hab gekocht und gegessen auch und gedacht: Diese Woche mit Mann ist geschafft, glücklicherweise, beruhige Dich, beruhige Dich. Kein Mann ist Dein Vater, noch nicht einmal Deine Familie ist irgendein Mann. Und ja, auch, wenn es irgendwie peinlich war: Du hast es eben geschafft.

Was sagt man, wenn man verliebt ist? Wie spricht man, wer ist man? Doch nicht ernsthaft der gleiche Mensch, der man war, als es noch kurz vor Verfall war. Und wann fängt man wieder an zu essen, bevor sich eine Essstörung vollständig etablieren kann?

Ich kann vor Dir nicht reden, ich kann vor Dir nicht loslassen. Noch nicht einmal greifen und atmen kann ich vor Dir und dann pocht es mir plötzlich heiß gegen die Haut von innen, als würde da jemand wütend gegen die Türe schlagen: hallohallo! Und dann: bist Du verrückt geworden?, mach die Tür auf! Denn wenn du nicht langsam irgendetwas unternimmst, ersticke ich! (Das war Ich an Über-Ich, Es hat das beobachtet und war zwar stoned, aber anwesend.)

Donut Panic erinnere ich mich. Durchatmen jetzt, und überleg doch mal.
Und dann verlasse ich den Raum und weiß nicht, wie Vibration abbauen und wie überhaupt das jetzt einem Fremden erklären, denn mehr seid ihr für mich nicht und alle sehen sie mich an, als wäre ich irgendwie komisch. I‘m not that weird!, möchte ich dann den anderen mit meiner Handfläche in Richtung crowd, die Abstand signalisieren soll und einer hochgezogenen Augenbraue, die So what?! heißen soll, sagen. Es muss ein Trauma sein, möchte ich mich dann beruhigen. Es kann nur ein Trauma sein. Anders ist es nicht erklärbar. Es ist anders nicht erklärbar, das habe ich mir doch soeben erklärt und ausgerechnet Du, der es lösen könnte, entfacht das in mir. Das kann doch nur ein schlechter Scherz sein. Und bitte warum lache ich darüber?

Ich denke dann an übergriffige Männer, die, wenn man sagt, dass es sich so herum für einen selbst falsch anfühlt, meinen, man denke nur zu viel nach und solle sich einfach mal entspannen jetzt. Oder auch solche, die glauben, man brauche gar nichts finden, sondern einfach mitmachen. Oder an Männer, die einem immer wieder die eigenen Gefühle absprechen. Ich denke dann an mich, für die das viel zu lange Alltag war. Ich habe das nicht nur gemeint, sondern auch gesagt. Das habe ich doch. Oder?

Frau!, sage ich mir selbst stattdessen, ich bin sicher, dieser Mann, den Du magst, mag Dich genau so, wie Du bist. Ich weiß sogar, dass es so ist. Wieso kannst Du das nicht glauben? Und wie lang soll es noch gehen, bis Du das endlich glauben kannst. Frau!, mach das nicht, denke ich dann, wenn ich mir die Hände vor das Gesicht schlage. Frau zeig jetzt endlich allen, wer Du bist denke ich dann und frage einfach mal A.

A., frage ich, wie geht das? Mit einem Mann sein? Einfach so, ohne Angst und ohne Anstrengung auch. Einfach sein, weil man endlich auf Augenhöhe lieben möchte und sich selbst bei allergrößter Sehnsucht fürs unter Niveau ficken zu schön geworden ist.

A sagt ja, aber nicht, weil sie eine Antwort, sondern nur, weil sie die Frage verstanden hat. Weiß ich jetzt auch nicht ergänzt sie und dann wird mir die ganze Welt klar, denn auf A folgen B, C, D und E. Wie verrückt man selbst ist, wird einem immer erst im Kontext Mensch, und zwar nicht Lieblingsmensch, offenbart. Denn Letztere haben die gleichen Ängste und mit ihnen fühlte auch ich mich ewigkeitenlang weniger komisch. Ha!, das war ein Trick, und ich dachte, ich führe hiermit zuverlässig die ganze Welt an meiner Nase herum, aber eigentlich, eigentlich habe ich damit nur mich selbst ausgetrickst. Blöd, ne. Musste ich halt ein paar Jahre lang auf der Couch für liegen, aber auch ok, denn jetzt stehe ich auf.

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Zwei Beweise dafür, dass Erotik auch einfach sein kann. Beweis 1:
Es war der gleiche Tag und der Tag war wohl der, an dem ich etwas Besonderes an mir hatte, denn ich rannte die Treppe hinauf, nahm manchmal sogar zwei Stufen mit einem Mal, um daraufhin dem Zug hinterhersehen zu können. Ich ballte die Fäuste und stampfte mit meinen Stiefeln auf Asphalt und dachte dann Was solls. Und dann setzte ich mich. Und dann saß ich da, auf einer Bank, Bahnsteig 4. Erschöpft, wartend und dann amüsiert. Denn ich nahm wahr, dass ich mich sehr nah neben Dich gesetzt hatte, obwohl alles neben uns noch frei war. Ich versteckte das Lachen hinter meinem Anorak und vermied es auch, Dich direkt anzusehen. Ich fühlte mich schüchtern und immer nur dann, als Du in die andere Richtung blicktest, konnte ich der Versuchung doch nicht widerstehen. Das ist doch Blödsinn, dachte ich, öffnete eine cloud und korrigierte einen Text, denn that’s my business und dann passierte etwas und ich wurde Zeugin. Ich sah, wie Dein Blick leise und langsam von meinem Fuß bis zu meinem Knie ging. Das war so erotisch. Und damit wurde mir klar, wie subtil Flirten ist.

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Beweis 2: Es war der gleiche Tag und der Tag war wohl der, an dem ich etwas Besonderes an mir hatte, denn bereits als die Türen hinter Dir wütend zusammenfielen, sah ich Dich an, durch die Menschenmenge erkannte ich Dich und als ich Dich so ansah, erinnertest Du mich an jemanden, den ich mal gekannt hatte. Die Farbe Deiner Haare, die Größe Deiner Gestalt, die Form der Hände und der interessierte und selbstsichere Blick. Sogar hattest Du die gleichen Schuhe an, die der Mann damals trug und in denen er mich Tag für Tag durch mein Leben begleitete und auch bemüht war, Schritt zu halten.
All das ließ mich Dich kurz anlächeln, impulsive Menschen kennen keine Grenzen.
Und dann dachte ich, lass doch, Mädchen, lass doch, denn ich bin nicht bereit und falls doch, nur für den Einen. Also schlage ich wieder meine Zeitung auf und das blieb auch so, bis ich an meiner Haltestelle angekommen war.
Und während ich aussteige und noch während ich mich selbst in der Menschenmenge untergehen und Dich vor mir laufen sehe, muss ich bereits lachen, denn Du wirst plötzlich langsamer und steigst aus, verlässt den Strom an Menschen, wartest wie ein Raubtier am Ufer eben dieses Flusses, sodass ich nicht nur an Dir vorbei muss, sondern wir uns auch an der Verkehrsampel, die eben rot ist, als hättest Du sie nur für mich einmal in Farbe getaucht, wieder treffen. Und da stehen wir, Tier an Tier, Jäger nächst Trophäe, nicht über- oder hinter, nebeneinander, denn beide sind berechtigt. Und ich schwöre im Namen dieses Blogeintrages, ich habe nichts gesagt oder gemacht, höchstens habe ich in mich hinein gefeixt aber selbst das, wie jedes Jahr im Winter, hinter einer schwarzen Wand aus Anorak.
„Guten Tag“, sagst Du, neben mir stehend.
Ich nehme das Lied aus meinem Ohr und sage: „Guten Tag“, und lache dann.
„Ich heiße S. und wie heißt Du?“
„Ich heiße Nina“, sage ich, und weil ich weiß, was jetzt kommt, lache ich noch mehr.
„Schöner Name“, sagst Du, „er ist schön und einfach“, antworte ich.
Und so passiert es, das wir zusammen ein Stück gehen und wüssten wir beide nicht, unsere Geschichte hat noch nicht einmal begonnen, so könnte man meinen in Anbetracht unserer Symbiose, dass uns das Leben eine gemeinsame Geschichte zeichnete. Zusammen gingen wir also und dann fragtest Du mich, woher ich komme und dann erzähltest Du mir, woher Du kommst aber eigentlich, eigentlich kommst Du woanders her, so sagst Du das und dann: Damaskus.

Die Hauptstadt, sage ich. Die Hauptstadt, wiederholst Du.

Und ich habe wenig Zeit, dabei Dich anzusehen, denn wir gehen nebeneinander und seit wann begleitet ein Mann mich in meine Richtung frage ich mich und dabei hatte ich es doch zu eilig, um kurz mal Deinen Arm festzuhalten und zu sagen: „Hey, warte mal, lass uns mal kurz ansehen und schön finden jetzt“, obwohl ich dachte, Du wärst dafür bestimmt der richtige Typ Mensch gewesen.

Zusammen gehen wir in das Gebäude und es muss so gewesen sein, dass Du in dieser Geschichte plötzlich ganz fest zu dem Protagonist Begleiter wurdest, denn ich kannte mein Ziel und Du warst es, der einfach mitkam. Und dann sagte ich: „Ich muss jetzt hier hoch“, und zeigte auf das Schild, auf dem eine 5 stand.

„Können wir uns kennenlernen?“
fragtest Du mich und ich überlegte echt ganz kurz und als Antwort pochte es von innen gegen die Hitze und ich weiß das noch ganz genau, dass ich sehr schnell an den Stress, den ich im Kopf hatte, dachte, dass ich das niemandem antun kann und schon gar nicht mir selbst und sagte: „Das geht leider nicht, tut mir sehr leid.“ Dann sahen wir uns etwas länger an und ich sagte: „Alles Gute“ und reichte Dir meine Hand, „Ja, alles Gute“, sagtest Du und hieltest lange die meine oder vielleicht hielt ich auch Deine oder wir unsere und eigentlich damit unsere ganze Welt. Und noch während ich nicht losließ ging ich zwei Stufen nach oben und je weiter ich ging desto mehr bog sich meine Wirbelsäule in Deine Richtung und ich dachte dabei nicht an Dich, sondern an Yoga und hätte ich nicht auch das Geländer genau so fest gehalten, wie Dich in meiner Hand, ich wäre sicher in Deine Arme gefallen und hätte mich dann verfangen in einem Nest aus Wärme und Liebe und Leidenschaft, aber nein, und ich wiederholte „Alles Gute“ und ließ Dich los.

Ich war frei. Endlich wieder frei. Und beglückt erfasste ich wieder zwei Stufen auf einmal und atmete das Leben. Du bist frei Mädchen, dachte ich, genieß das mal. Du bist frei Mädchen, dachte ich, das erfordert Mut und den hast Du doch nicht umsonst aufgebracht.

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Allen Menschen, die meinen, man wisse ja gar nicht mehr, was man denn nun noch sagen oder tun dürfe und so weiter, sei dieser Text gewidmet. Sagen darf man fast alles, man muss es nur auch richtig meinen. Hashtag youtoo. Bye.

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Ein Schlüsselbein

Wo anfangen. Vielleicht bei der Wärme, die mir sofort von Schritt zu Fuß fiel und auch wieder zurück stieg. Die Wärme oder vielleicht auch die Hitze, die immer und erneut in den Schoß fand und dort groß wurde, schwer wurde, anatomisch wurde. Eine Wolke aus Teilchen und Energie. Fassungslosigkeit ob der Schönheit und Sinnlichkeit dieser, nein, Deiner Anatomie. Fassungslosigkeit, Zauber und natürlich auch Erregung, getrieben bis an den Rand einer Ohnmacht. Luft anhalten weil – eben keine Luft mehr und Menschen verstehen das so nicht. So.

Wie immer zu einer ganz bestimmten Zeit sitze und beobachte ich Dich. Mit einer Genauigkeit, die auch neu ist. Du hast mich des Beobachtens vertiefen gelehrt. Du hast mir eine besondere Tür geöffnet und von dort aus sah ich es, eine Symbiose aus Knochen und Haut. Ich konnte das alles sehen und fragte mich noch, ob das wirklich wahr sein konnte. Ein Stück Schlüsselbein von Dir, das war wie ein Stück Glück für mich. Ein Zufall, ein Zauber, wenn Parallelen bis auf die letzte zeitliche Perfektion plötzlich aufeinandertreffen weil wir uns der Gesetze entheben und plötzlich ein Prisma so bunt wie es nicht zu beschreiben ist – entsteht. Ein Schlüsselbein.

Aber ich sah auch noch anderes an diesem Tag, beispielsweise den dunklen Schatten als Überbleibsel Deiner stets makellos rasierten Haut, Wange und besonders Kinn. Ich stelle mir Dich dann vor, wie Du morgens dich selbst betrachtest, kurz bevor das Ritual beginnt. Was fühlst Du wohl, was siehst Du wohl, die Tiefe und die sanfte Verletzlichkeit, die kantige Perfektion, die ich sehe. Ich hoffe, dass Du das genauso siehst und noch mehr.

Auch dann noch, wenn ich diese Zeilen schreibe: übel vor Liebe, rasend vor Lust, erschöpft vor Ekstase, verzweifelt stehend vor den eigenen Grenzen und daran aber auch rüttelnd. Etwas weiß, dass all das noch nicht realitätskonform ist, aber nicht alle scheint das zu berühren, denn in meinem Kopf und in meinem Herz und in meinem Schoß geht es weiter und weiter und breitet sich aus.

Wie soll es nur werden, wenn ich Dich irgendwann ganz ansehen kann, wenn wir einen Raum gefunden haben, der sich der Gesellschaft entzieht, wo all das möglich ist, das Sehen und Fassen und Lieben, wenn mir doch schon ein winziges Stück von Dir den Schlaf, den Atem, den Verstand, raubt. Allein der Gedanke an Dich als der Mann irgendwann in meiner Hand, in meiner Haut, in meinem Schoß und in der Umarmung lässt mich starr und zugleich stumm zurück. Eine Sprachlosigkeit, die mich im Innern wachsen lässt. Ich würde Dich so gern beobachten. In all Deinen Leben. Nimm mich einfach mit und lass mich Dich beobachten, das größte Glück derzeit in einem utopischen Raum. Sitzen und sehen und staunen. Wem das genug ist, der hat große Fortschritte gemacht und Belohnung verdient. Ich verbleibe damit.

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Bahnfahren

  1. Wir sitzen alle im gleichen Zug
  2. “Entschuldigung, ich muss hier raus. Darf ich kurz?” “Aber natürlich, ich kann Sie doch nicht einfach sitzen lassen”
  3. ‎auf dem bahnsteig sind alle gleich
  4. endgültig entscheiden: rennt man um einen zug oder nein?
  5. beim einstieg in den zug kurz idee haben, dass man versehentlich daneben treten könnte – und dann?
  6. menschen. grrrr.
  7. ‎menschenliebe
  8. ‎im zug liest ein mann in grauem anzug ein buch über angststörungen. an der endstation fällt das dann zurück in eine stylishe aktentasche und wird confident richtung ausgang getragen. fyfi.
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Mädchen 1: go ahead girl

Es fing an mit einem Nachmittag, an dem alle über Dinge redeten, die substanzlos waren und endete damit, dass man sich gegenseitig Küchengeräte vorführte.
“Sorry aber ich bin maximal unterfordert”, sagte ich und ging.

Ich ging und die journey endete vor einer verschlossenen Wohnungstür, das aber nicht allein und das war ja das Gute daran. Denn da draußen, da saßen wir nun und drinnen, auf dem Beistelltisch, da lag ein Schlüsselbund.

Weißt Du, H., sagte ich, ich sitze lieber mit Dir auf diesem Boden und warte auf den Schlüsseldienst, als mit anderen Menschen auf Stühlen, denn die warten auf das Leben und darauf, dass sie jemand abholt. Aber auf kaltem Flurboden sitzen und der Dunkelheit zuhören, mit angezogenen Beinen das Atmen des Anderen verstehen, das ist Leben. Auf jeden Fall ist es das. Weil man es anfassen kann. Verstehst Du.

Ja klar, sagt das Mädchen. Aber so, als würde ich nicht verstehen und geht daraufhin in eine Yoga-Pose. Selbst ein müdes Lächeln ist mir da zu anstrengend, weil alles so echt und klar ist. Das ist bestimmt Liebe.

Als der Schlüssel einige Zeit später endlich wieder in die Hand des Mädchens fällt, gehen wir los, und das könnte auch als Metapher verstanden werden und als ich vor einem Regal mit Marzipanrohmasse stehe und mich fühle, als wäre ich verwirrt, kommt tatsächlich ein Mann mit einem weißen Kittel und fragt Kann ich ihnen helfen? und kurz erschrecke ich mich aber dann sehe ich die gelb-blaue Aufschrift und ich sage Nee, danke, seh ich so verwirrt aus oder was und er sagt Nee, im Gegenteil und das habe ich nicht verstanden.
Da bist Du ja!, ruft das Mädchen aus, so, als wäre ich ihr bereits mehrmals verloren gegangen, was hältst Du von Shiitake Pilzen und Risotto und Radicchio? Ich habe keinen Appetit, bedaure ich, aber wäre dennoch bereit, mir Mühe zu geben.

Kurze Zeit später, im Rücken eine riesige Drehtüre, stehen wir vor einer Wand aus dunkler Nacht und Regen und ich freue mich darüber so sehr, aber Mädchen nicht. Wir laufen trotzdem durch den Regen und ich warte immer, bis Mädchen wenige Meter weiter ist und dann springe ich in Pfützen und das Mädchen, das lacht und das Lachen, das ist wie Mühe geben, auch wenn man keinen Appetit hat.

Hinter der Wohnungstür dann nasse Haare und sich der eigenen Schönheit, eigentlich Erotik, aber das liest sich hier nicht so stolperfrei, bewusst sein und fragen und bedauern, warum ist diese Leichtigkeit nie mit Mann möglich und Oh, Du hast Kaffee gemacht. Lecker, danke. Und dann ein Glas Rotwein und Schokolade mit Salz und Beine an den Bauch ziehen.

„Ich glaub, ich bin verliebt.“
„Letzte Woche hattest Du noch eine Angststörung.“
„Ist das nicht das Gleiche?“

Ha ha, we are so funny, ha ha.

Stille. Atmen hören. Verrücktsein akzeptieren. Das ist des Mädchens Appell an mich.
Akzeptier das endlich, dass Du so bist! Und so ist das, wenn man fühlt. Nach Appell streckt Mädchen die Beine aus und sagt mit Blick auf die Decke: „Eigentlich müssten wir langsam die Pilze braten und das Risotto kochen, aber ich lieg’ hier so.“
Bleib doch so, sage ich.

Ich denke mal, ich werde C wieder schreiben, sagt das Mädchen. Okay, sage ich. Okay? fragt sie. Ja weiß ich jetzt auch nicht, aber was würde es bedeuten, wenn ich sagte es wäre nicht okay, das wäre ja Blödsinn total weil woher soll ich das wissen und wer bin ich überhaupt um das zu bewerten. Stille und Schweigen.

Ich habe mir überlegt, einfach nur die Pilze zu braten, ohne das Risotto zu kochen.

Ja, auch okay, antworte ich. Liegenbleiben und irgendwie schwer atmen.

Auf die Uhr schauen und ach ja, ich vergaß, auf der Uhr des Mädchens ist es immer 5vor12, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit und für Nachrichten auf meinem Smartphone fühle ich mich nicht gewappnet also lasse ich das alles sein und eigentlich, eigentlich fühlt sich gar nichts hier an wie 5vor12. Ich bleib hier liegen.

Du musst lernen, laut zu denken, rät das Mädchen. Das kann Dich total befreien und dann sagt sie, erzähl mal von Deiner Angst, wir können bestimmt die Ursache finden.

Du H., wir sind schon wieder sieben ganze Stunden zusammen.
Das fühlt sich für mich nicht so an, sagt das Mädchen.
Für mich tut es das auch nicht, aber ich bin müde, so müde, sage ich und schlage den nassen Schal um das, was von mir noch übrig ist. Ich schaue auf die Uhr und kann ich dich denn um diese Uhrzeit alleine lassen? Ja klar, sagt das Mädchen, ich habe noch fünf Minuten for ever and always. Das kann doch kein Zufall mehr sein.

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Fragen

28.
27. wenn es 1 jahrelangen Prozess gibt, gibt es dann auch einen Prozesstag? und falls ja, was passiert dann dort?
26. kommt verlieben von vertan?
25. konsumieren oder produzieren?
24. ich bleibe unter meinen möglichkeiten was mache ich jetzt?
23. warum habe ich so viele fragen? ihr auch?
22. komplexe und komplexes denken. hängt das zusammen?
21. menschen ohne kanten. was wollen die einem zeigen?
20. mir ist ganz komisch. darf ich zuhause bleiben?
19. wie lange dauert finden?
18. woher weiß ich, wann es angefangen hat?
17. woher weiß ich, wann es aufgehört hat?
16. woher weiß ich, dass ich es richtig gemacht habe?
15. ich weiß nicht, was das für ein tag war. was war das für ein tag?
14. was heißt das, genug?
13. wie viel kraft kostet leben?
12. ist das der mann, von dem du geliebt werden möchtest? sag mal.
11. ich werde ohne kampf nicht glücklich. ihr vielleicht auch nicht?
10. was bist du eigentlich für ein mensch?
9. was bin ich eigentlich für ein mensch?
8. was ist denn ein leben, wenn es nicht kreativ gemeint ist?
7. wenn man nicht mehr weiß, wo man anfangen soll, lässt man es dann einfach? wenn man nicht mehr weiß, was man schreiben soll, liest man es dann einfach?
6. wenn der fokus vom subjekt zum objekt wechselt, ist das dann liebe?
5. ich trinke wein um vier was soll das heißen
4. wie steht man zu seinen gefühlen?
3. was ist ein geschenk?
2. schweigen ist wie frühstück, you know?
1. wie lange dauert finden?

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Ideen, zu groß für einen Aphorismus

  1. Menschen, die Angst haben, sind die eigentlich Mutigen dachte ich grade. Verstehn aber nur die Mutigen vermute ich.
    8. die leute, die zu mir sagen, ich solle nicht so viel nachdenken, sollen (kurzer Zusammenbruch) über den scheiß, den sie unbedacht von sich geben, mal nachdenken (Forderung)
    7. kaffe, denke ich, liegend im Bett. Würde mir bitte mal jemand einen Kaffee… ach so, niemand da, niemand, ja, stimmt…
    6. das ist ja wie als würde man keine luft kriegen und keiner glaubt einem das_291217
    5. mein lieblingssubstantiv ist lieblingsadjektiv. mein lieblingsadjektiv ist ungezwungen.
    4. zauber zauber. roter nagellack hat bestimmt was zu bedeuten hab nur vergessen was_231117
    3. ich kokettiere nicht wenn ich sage bitte stellen sie mir nicht solch oberflächliche fragen, ich weiß darauf keine antwort zu geben_191117
    2. warum gibt es mut nur im singular und angst zudem im plural ist das eine verschwörung frag ich mich grade_141117
    1. ich finde, frei ist, wer sich selbst eine Lasagne zubereiten kann. noch freier ist, wer lasagne dann direkt aus der auflaufform isst und keiner nervt oder stellt ansprüche wie z.b. “nimm dir bitte was auf deinen teller, es möchten auch noch andere leute hiervon essen!”
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Wie es geht

Bevor man das Neue bekommt, muss man das Alte loslassen. Nackt sein und frieren und schwitzen und kotzen und heulen und schreien und greifen und strecken und doch.nicht.genügen. Sehnsucht haben. Nach allem und nichts. Unterträgliche, sich wie Kaugummi ziehende, verzweifelte, überlebensgroße Sehnsucht. Voll und auch leer sein. Haare raufen. Sich selbst ohrfeigen und wieder lieben. Im Sturm stehen und ste.hen. Aushalten. Und wenn das vorübergeht, wenn man mit den Füßen aufstampft und herausfordernd schauend immer noch steht, ausgehalten hat, dann, dann kann es los gehen.

Dann kann es los gehen.
Das Leben, welches Mut erfordert.

So, glaub ich, Leute, geht das.
Und ich bin damit auch noch nicht fertig. Hi!

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