Habitusstrukturkonflikt

Es gibt Menschen,
die waren noch nie im Museum. Und fast gehörte ich dazu.

Habitus!, nießt da jemand. 
Gesundheit!, antworte ich.
 

 
„Du Tante“, sagt das Kind, „ich hatte letztes Mal einen Gedanken.“
„Was war das für ein Gedanke, Kind, hm. Erzähl’ ihn mir.“
„Ich habe das erste Mal gedacht, dass wir arm sind“, sagt das Kind.
 
Habitus Hat-schi!

Hat hier jemand Habitus gesagt?
Hier hat doch jemand Habitus gesagt!
Komisch.
 
Gesundheit!, sage ich fast schon ganz nebenher.
 

 
Tür zu.
Tür auf.
 
Ha ha, hallo Habitus!
Da bist Du ja wieder. Na.
Hast Du dich heute mal wieder um einen Mann gelegt, hm? Den frage ich jetzt Na, wo bist Du die letzte Zeit gewesen und mit wem, hm? Was hast Du erlebt und was nicht.
Was, Angst? Vor Dir, vor mir? Ja, aber wird schon nicht so schlimm werden, wir passen ja beide auf, wir passen ja beide auf, wir beide, oder?
 

 
Rein?
Raus?
 
Ich finde, wer die Antwort weiß, der sollte sich melden. 
 

 
Es gibt Tage, da ist die Sehnsucht größer als die Vernunft. Größer vermutlich als der Besehnsuchte, wer kann das schon so genau wissen. So ein Tag ist jedenfalls heute, jedoch war er gestern genau so, davor auch und davor auch. Eigentlich war es doch immer schon so, denke ich getroffen, ich kann ruhig auch mal sagen wie es ist jetzt und Euch dabei erzählen, wie es war, damals. 
 

 
Charmant in den Weg legen, ich mich, hallo hier lieg ich!, so hatte ich mir das damals nämlich überlegt, ganz leise und ziemlich nebenbei. Damit dem verehrten Mann nichts anderes mehr würde übrig bleiben, als mir aufzuhelfen. Einfach über mich drüber steigen, über mich hinweg gehen, das würde selbst er nicht über sein Herz bringen, egal, wie groß seine Angst, beim Aufheben gesehen zu werden, auch sein würde. Das glaubte ich damals. Heute denke ich naja und meine, es wäre anders vielleicht besser gewesen. Er hätte sich bei meinem Wagnis nun einmal ein Bein brechen können, beispielsweise, und dann? Hallo hier lieg ich, hätte ich gesagt, und nun auch Du. Wie hätte ich das je wieder gutmachen können. Aber manchmal, denke ich, manchmal muss es auch einen Verschlimmerungsschmerz geben, damit es besser wird. Beruhigung. Beruhigung: Ich wäre ja da gewesen, mit all meinem Dasein, was grundsätzlich nicht unterschätzt werden sollte und nur manchmal ebendiese verdient. Und überhaupt, was ist schon ein Bein, wenn es sich doch eigentlich um zwei Herzen handelt. Herzenhandeln. Herzhandel. Ach. Ich jedenfalls wäre da gewesen, mit all meinem Dasein, um Herzen und Beine zu bandagieren. Mit warmem Wasser hätte ich uns ein Haus aus Bindemittel gebaut, Störung verbunden, und das Wasser wäre von meinen Händen zu Deinen Füßen gelaufen. 
 

 
Nicht nur Joseph Beuys war es, welcher mit einer kurzen Aneinanderreihung darauf aufmerksam machte, wie unabdinglich und selbstverständlich es für ein gelebtes Leben ist, Liebesbriefe zu schreiben.
 
Der Boy verdreht während der Autofahrt die Augen und ein kleines Lächeln umspielt auch seinen Mund. Girl, sagt er, meinst Du nicht, es könnte so sein, dass Mann über Dich denkt, Du seist leicht psy-cho. Boy, erwidere ich, mir fallen sehr plötzlich viele Dinge dazu ein, so lass mich sortieren. Erstens: 
Ich denke das so wenig, dass es eigentlich schon nicht mehr relevant ist. Zweitens: Mehr denke ich, dass eigentlich Du derjenige bist, der denkt, ich sei leicht psy-cho. Und da Du mein Freund bist, der Freund, mit dem ich bereits als Kind auf Schaukeln schaukelte, bei dem ich bereits damals meiner Motivations-Position gerecht wurde, indem ich Dich so sehr aufregte und anheizte, bis wir beide kurzzeitig Angst hatten, die Schaukel, die wir abwechselnd bedienten, könnte sich überschlagen, aber es war (mir) noch immer nicht genug, denn ich sagte: „Und jetzt spring!“, Du sprangst, und schlugst Dir beide Vorderzähne aus, glaube ich, dass Du es dir nur nicht eingestehen willst, dass eigentlich Du diesen Gedanken denkst. Drittens: Wäre es so, dass der Mann denken würde, ich sei leicht psy-cho, dann wäre er nicht der richtige Mann für mich. Das ist doch klar, das ist doch klar, es ist so einfach wie logisch! Auch hätte es dann viel mehr mit ihm, als mit mir zu tun. Du weißt, es war gemeint als ein Kompliment. Viertens, ich empfinde all das als eine Art gesellschaftspolitischen Auftrag, das Private ist politisch, das weißt Du ja. Denn eigentlich finde ich, dass diejenigen, die durch das Leben gehen, und sagen wir mal, (immer wieder) (einen) Menschen treffen, der etwas in ihnen auslöst, dass diese Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihre Gefühle zu äußern, mehr noch (als) zu ihnen zu stehen, ja, was soll ich sagen, ich finde, dass eigentlich diesen Menschen das Prädikat auffällig gebürt und zwar sehr viel stärker noch als mir. Ich möchte also auch die verkrustete, gutbürgerlich verklemmte Scheiße durchbrechen, sie vielleicht in etwas animalisch-lebendiges verwandeln. Es ist also, neben diesem persönlichen Drang und einem kleinen Teil des Nichtvereinbarenkönnens eines etwaigen Verlustes, einem kleinen Glauben, etwas verpassen zu können, verpasst zu haben, eine Notwendigkeit nicht nur für mich, sondern vielleicht sogar für die Gesellschaft und für Dich auch. Und fünftens: Eigentlich ist es das nicht, und eigentlich ist es das doch, neben ambivalent nämlich egal. Was soll, das wird, boy. Du weißt doch, dass es so ist. 
 
Ok girl, so gesehen, eigentlich, hast Du recht.  
 

 
Ein Mann, der nichts sagt, ist das ein Mann, frage ich mich heute, ganz leise und nebenbei. Wenn sich ein Mann von einem Tier unterscheidet, dann doch darin, dass der Mann spricht.
Währenddessen sehe ich Spülschaum von Tellern auf Böden tropfen.
 
Es müsste sich mal eine Wut einstellen, denke ich heute.
 

 
History is only a repetition, murmele ich so vor mich hin, auf dem Hocker in einer Küche sitzend, lehnend an einer Wand. Ein ewiges Trauma, stellt das Mädchen heute murmelnd fest, während es auf meinen Wunsch hin eine Suppe zubereitet. Es wird nie anders sein, befürchtet das Mädchen. Das Mädchen sitzt vor mir, es dreht und wendet Worte und Löffel, bis es nebenbei sagt: Ich weiß nicht, wofür ich meine Eltern gebrauchen soll. 
 
Es wird vorbei gehen, Mädchen, sage ich, die Zeiten werden anders sein. Wir werden anders sein. Nichts bleibt, wie es ist, es war schon immer so. 
 
Hier guck mal, sagt das Mädchen. Rote Bete Salat. 
Aber die Suppe, die braucht noch. 
Ja, Mädchen, ich weiß. Ich kenne Dich schon gut mittlerweile. 
So gut, dass wir auch miteinander warten können.


 
Mädchen heute Morgen ist was passiert!, sage ich plötzlich ganz aufgeregt. Er erinnert mich ja ein wenig an ihn, das sagte ich bereits. Und auch nur ganz wenig, keine Angst. Guten Morgen, sagte er jdf. heute, und dann sah er mich nochmals an und sagte: Ich grüße Sie! Mich?, habe ich mich dann schon kurz gefragt, aber dann auch direkt wieder selbst beantwortet weil ja klar mich, es stand ja niemand hinter mir. Naja und später, da ist mir mein Stift runter gefallen, Du weißt ja, oft spiele ich mit etwas in den Händen, ich ließ ihn jedenfalls liegen und dachte so: später, und wenige Minuten später, hat er dann meinen Stift aufgehoben. Zu meinen Knien hat er sich gebeugt und dann von dort aus gefragt – Ist das Ihrer.

Das Mädchen sieht mich an.

Ich verspreche, sage ich, ich steigere mich nicht rein, aber bemerkenswert ist es doch schon denke ich aber Mädchen, darum geht es gar nicht, denn was ich mich seither frage, ist: 

glaubst Du, ich habe auch mal jemanden an jemanden erinnert?

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Auf einem Konzert

Hallo hier spricht Ich Ich muss sich krankmelden.


Ja ach Du Arme Ja klar das geht ja auch rum und ja kein Problem wir machen das schon gute Besserung.

Äh ja danke aber ich glaub, ihr habt nicht richtig verstanden es geht nie wieder vorbei meine ich es ist doch nicht zu übersehn.

Von Menschen überholt werden. So langsam nach Hause schleichen, dass die Anderen einen schon fragend ansehen. Guckt nicht so, denke ich, ich geh jetzt so! Ich hab’ Schmerzen. Ich hab’ Brüche. Ich hab’ Schwäche. Ok? Oh man ey. Naja.

Alle haben eine Mutter, nur ich habe keine. Alle haben eine Mutter, nur ich habe keine. Mantra vor mich hin. Nochmal Glück gehabt, unter diesen Umständen.


Endlich, endlich. Auf den Boden legen. Am Boden sein.

Und die Flasche, die vor mir steht, ist halb leer. Nicht halb voll. Halb leer ist sie. Ich seh das doch! 
Nicht! Halt! Voll!



Und dann ein Klingeln an der Tür. Gehört diese Tür zu mir? 

Ich gehe ja tagtäglich dadurch, das gebe ich hier zu, aber gehört sie wirklich mir, bin ich gemeint, meine ich, ich weiß nicht, vielleicht klingelt da ja nur jemand, der es mir nachmachen will, the best way out is through.

Hey! 
Hey!
Ein Lächeln. 
Hi.
Ich hab mich mit der Bahn vertan. Darf ich rein kommen, nur auf 1 Zigarette.

Ja sicher, hier, ein Lächeln.

Bitte. Rauch‘ doch in der Küche, bitte. Mir ist alles egal jetzt weil einsam grade ich kann nicht denken. 

Was redest Du denn, Du magst das doch gar nicht. Komm, wir gehen vor die Tür.

Welche Tür und wie viele davon habe ich. Welche kann ich passieren, welche ist begehbar.

Wer trägt mich.

Es scheint mir wie eine unüberwindbare Schwelle.



Guck mal!, rufe ich ganz erstaunt und fast fröhlich aus, da ist der Mond!, um dann festzustellen: Selbst der Mond ist halb voll. Mein G*tt, wann hört das auf. 


Ich muss mich setzen. Ich muss mich auf die Mauer setzen, an welcher Du rauchend lehnst. 

Schweigen erstmal. Es ist so schön.

Du bist nicht einsam, sagst Du. Nicht?, frage ich lächelnd, Was dann?

Es fühlt sich immer nach Einsamkeit an, weil man trotz aller Gedanken und dem Mitgefühl doch allein in und mit seinem Schmerz ist. Aber Du wirst geliebt und bist wertvoll für die Menschen. Und das bedeutet, dass Du nicht einsam bist.

Schweigen und dann

Danke. Morgen gehe ich übrigens auf ein Konzert. Ehrlich gesagt, ich wünsche mir bereits jetzt wäre schon morgen. Wünschst Du dir das eigentlich auch manchmal sag ehrlich Du kannst es mir sagen wirklich ich sag‘s auch Niemandem

SMS: Ich komm jetzt gleich, Mädchen, pünktlich wahrscheinlich. Mädchen, schreibe ich, ich fürchte ich bin ein bisschen aufgestylt aufgrund dessen mir ein Kleid hervorragend steht und mich im besten Licht erscheinen lässt und Mädchen, hast Du eine Sicherheitsnadel?


– Warte ich muss gucken.
Ja habe ich bis gleich

Bitte mach die Autotür vorsichtig auf, Mädchen, Du weißt es doch. Aber in den Händen hält es gefährliches Werkzeug, stolz zeigt mir das Mädchen sein gefährliches Werkzeug.

Mädchen!, sage ich fast ungläubig. Das sind doch keine Sicherheitsnadeln! Das sind Stecknadeln. Stecknadeln! Wo soll ich mir die denn hinstecken? Ich brauche Sicherheit, Sicherheit. Ach man scheiße, grade fühlt sich diese Kleinigkeit an wie das ganze Leben scheiße. scheiße. scheiße.

Oh ja tut mir leid und jetzt seh‘ ich auch grade dass sie vor lauter Schreck alle ausgekippt sind in meiner Tasche scheiße. scheiße. scheiße.

– – –

Ach es ist so schön Mädchen alles ist so schön ich freu mich auch so dass es Dir gefällt und alles hier funkelt und glitzert wie die Sicherheitsnadeln in Deiner Tasche Mädchen weiß Du noch und falls ja dann nimm die Hände jetzt hoch

– – –

In der Küche, wieder in der Küche, alles beginnt immer an einem Anfang, in den Hörer hinein sage ich es leise:

Du kannst Dir nicht vorstellen, wie schlimm es war, sage ich, den Kopf haltend. Und wirklich, alles was ich sage, ist wahr. 

– Ich kann Dir kaum zuhören, aber ich trage Deinen Schmerz, ich verstehe Deinen Schmerz. Ich liebe Dich wirklich so sehr. Wie kannst Du nur so gut geworden sein, wenn doch alles um Dich herum so schlecht war.

Oh it must be growth by dying.

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Das Mädchen: Planeten und Tomaten

Lohnt es sich, aufzustehen?, frage ich. Mädchen sei ehrlich, sage ich.
Ja, meint das Mädchen und ergänzt: Aber den Mars, den hab ich noch nicht entdeckt.
Ich stehe auf und sehe den verdeckten Mond und sage: Da ist er doch.
Wer. Na der Mars. Was. Ja. Wo. Na da. Komm mal zu mir rüber. Oh wow, da ist er, tatsächlich. Wow. Toll.

Stille gefüllt mit Staunen und Kaugeräuschen. Wie Tomaten klingen, wenn man sie zerbeißt.

Wie ist das denn jetzt nochmal, fragt das Mädchen, wenn die Erde und der Mond und die Sonne… Und ist die Erde oder die Sonne so groß wie der Mond oder spielt das keine Rolle weil ja eigentlich alles nur angestrahlt wird und Projektion ist wenn…
“Oh Mädchen nicht, alles ist so weit weg, ich komme da nicht mit jetzt, weiter als hier komme ich heute nicht.”

So lehne ich an einer warmen Hauswand, vor mir, auf dem Dachtisch, eine große Schüssel Tomatensalat.
Seit wann esse ich so etwas? Seit es das Mädchen gibt?

„Denkst Du eigentlich daran, dass wenn Du A. morgen triffst, Du heute Knoblauch gegessen hast?“
Nee, meint das Mädchen, und nimmt den Blick nicht von der Linse.
Ok, sage ich, weil ich schon.

„Guck mal“, sagt das Mädchen und nimmt kurz den Blick vom Mond und sieht zu mir und meint mit einem schelmischen Lächeln und funkelnden Blick: „Guck mal wie spannend das sein kann, trotzdem es so langsam ist, ne?“

Dann lacht das Mädchen richtig herzlich und dann lachen wir beide richtig herzlich.
Diebische Freude. Wie schön wir sind.
Und obwohl ich alles verstanden habe frage ich mich doch: worüber lachen wir denn eigentlich?

Ach egal, denn die Hauptsache ist, wir lachen. Auf den Dächern dieser Stadt. Verführt von einer Sommernacht und Asphalt. Und aufgrund einer Metapher, wie sie im Buche steht, läuft mir vor lauter Lachen Vinaigrette aus dem Mund heraus. Kurz darauf hatten wir uns aber auch wieder beruhigt, keine Angst, wir sind nicht immer so laut, denke ich.
Aber immer wieder stieß eine von uns einen kleinen geheimen Lacher aus.
Ha ha.
Ach ja.

Dann dachte ich, ich möchte anfangen, Männern eine Chance zu geben und ich möchte anfangen, Tomaten zu essen und das Mädchen dachte, wieso kriege ich das Bild nicht so hin, wie ich es möchte, habe ich mich umsonst professionalisiert oder wie.

Echt lecker Mädchen, echt lecker, lobe ich, danke.
Ja ja schon gut antwortet es und guckt und staunt und versucht wirklich alles, was da oben passiert, fotografisch einzufangen. Einfangen. Darf man das?

Guck mal!, sagt das Mädchen und zeigt mit dem Finger in den Himmel.
Ein Wetterlicht, ein Wetterlicht. Ein Wetterlicht? Was ist das denn?
Es ist orange! Orange!

Ja, da staune ich auch, das gebe ich zu.
Es ist wirklich sehr schön und kurz halte ich auch die Luft an.
Da sagt das Mädchen: Alles ist orange, das ist ja sehr verwirrend ne.

Meine Tomaten und dieser Sud übrigens, sind auch orange, antworte ich, wenn man es mal so betrachtet. Und das sehen wir so, wie es jetzt ist, auch niemals mehr im Leben. Also ich sage das nur so von wegen down to earth oder Kirche im Dorf it’s always a question of perception.
Naja.

Kurz zuvor saßen Mädchen und ich noch auf einer Couch, ich die Beine weit von allem gestreckt. Und das Mädchen, das war ganz aufgeregt bzgl. der anstehenden Sache regarding sky full of stars. Hin und her ging es, von Dach zu Küche zu Dach und ich war so überfordert und aus der Balance, dass ich nicht sicher war, ob ich 5 Minuten oder 5 Stunden bleiben könnte, auf das Dach steigen oder nur liegen bleiben könnte. Da jedenfalls sagte das Mädchen: „Ich kann mir einen Sommer ohne Tomaten nicht vorstellen.“

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9 – 18

09

Frühdienst und leise leise durch den frühen Morgen fahren.
Fahrrad fahren.
Niemand atmet die Luft, die ich atme.
Ich bin einzigatmig.
In den Zug steigen. Sitzend Fahrrad ansehen.
Fahrrad einsam und angekettet in einem Zug stehen sehen. So fehlplatziert. Die Zeit zur Seite legen.
Melancholisch werden. Und plötzlich Einfall: Fahrrad, Du bist Metapher für mich. Denn genau so, wie Du da stehst, fühle ich mich manchmal auch. Einsam und angekettet und fehlplatziert.
Fahrrad, ich hab feelings for you.

10

Aussteigen und da sind sie. Männer mit dunkel grauen melierten Haaren und roten Hemden. Männer, die auf ihr Smartphone starren und den Kopf schütteln aufgrund von Fassungslosigkeit aufgrund von was frage ich mich aber nehme nur die Frage ohne Antwort mit. Frauen, die ihre jugendlichen Söhne an der Kapuze zurückhalten weil Zug fährt ein und Sorge Sorge Sorge. Ein ehemals großes Begehren personifiziert auf einer großen Straße treffen und nicht wissen, was zu sagen, also nur ein bisschen rote Wangen haben und schweigen und Luft anhalten auch. Kaffee to go in die eigentlich fremde Hand drücken, weil selbst das für diesen Moment zu schwer in der Eigenen geworden ist. Halt doch mal kurz bitte, damit ich Dich fassen und mich halten kann. Ein unendliches Lächeln dafür bekommen, weil es erinnert, an was nur? Eigentlich an nichts, denn alles nur im Kopf stattgefunden. Ansehen. Und jetzt? Ich habe noch einen halben Tag vor mir und einmal, einmal den Kaffee bitte, den hätt ich gern zurück. Jetzt. Danke.

11

Die Kontrolle über seinen body verlieren, sich selbst in die Mitte eines Raumes stellen und einmal einen ganzen Eimer Scheiße darüber auskippen. Schande, Schande, Schande. Scham, Scham, Scham. Hass, Hass, Hass. Irgendwo, unter all dem, bin ich. Bin ich doch, oder?

Nach fünf Jahren Psychoanalyse ein neues Thema auf die Tagesordnung setzen.
„Ja, hi, ich würde gerne über Selbsthass reden.“
„Oh – oh -, ja, das ist, also ja, wirklich ein großes Thema.“
Dann: Können wir es nicht erstmal umbenennen in fehlende Selbstliebe? Das macht auch was im Kopf.
Und ich so ja ok meinetwegen.

– Ist das jetzt diese Psychoanalyse?

Während dieser fünf Jahre gab es immer wieder Phasen, in denen ich wusste, mir kann niemand mehr was erzählen. Schon gar nicht mehr über mich selbst. In so kleine Scheibchen habe ich mich selbst zer-legt und wieder ge-legt. In die richtige Position, in die meinige. Diese Phasen enden, wenn ich bereit bin alles zu glauben, was man(n) mir erzählt.

Endkonditionierung denke ich und atme mich in Ruhe. Endkonditionierung is the key.

Später, sortierter, ehrlicher gesagter. Immer ist es zu viel. Und immer denke ich, ich schaffe zu wenig.
Manchmal auch nichts, aber meistens eher zu wenig.
Das bin ich, in der Mitte auseinandergerissen, von nie genug, aber immer zu viel,
nackt und breitbeinig wie eine geschälte Mandarine, wenn ich sie schäle.
Ich denke an die Worte des Mädchens: Akzeptier das endlich, dass Du so bist!
Und dann denke ich daran, dass das Mädchen sagte: Das hat auch was mit einer besonderen Ebene der Intelligenz zu tun. Und dann denke ich daran, dass da letztlich jemand neben mir saß, der ganz unprätentiös sagte:
Ich glaube das auch.

Leben. Eigentlich voll anstrengend.
Leben. Eigentlich voll schön so.

12

Ich bin mit einem Mann in einem Supermarkt, weil ich spontan fragte: Musst Du vielleicht auch einkaufen? Ja, er musste. Und plötzlich, zwischen all den Regalen, fiel es mir ein, des Mädchens weiterer Rat an mich: Du musst es zulassen, sagte sie, mit Männern auch positive Erfahrungen zu machen. Lass Dich fallen, sagte sie. Here we are.

Ich weiß noch, wie ich damals mit dem Auto von einer Stadt in die nächste fuhr und mich kosmopolitisch fühlte.
Genau so ist das jetzt auch, nur anders.

13

Gewellte, lange Haare. Deine Haare, deine Haare, sagen die Anderen. Und eine sagt: wenn ich von Dir erzähle, dann erzähle ich Deine Haaren immer mit. Ich denke: Wenn ich mit mir ausgehe, dann nehme ich meine Ängste immer mit. Ich denke: mich endlich wieder raus trauen, endlich wieder unter Menschen sein. Endlich wieder selbst ein Mensch sein.
– So müsste das doch gehen, oder?

Geht so.
Also dann endlich mal wieder ein Mädchentreffen und ich mache mit.
Gleichberechtigung – eigentlich immer noch voll gescheitert. Und ich höre mich empören, dass das doch ein gesellschaftliches Problem ist. Und dann stehe ich wieder da.
Nämlich als eine von uns sagt: „Ok, formulier doch mal die Frage zu diesem Problem!“

Wie mein Thema, meinen Kosmos, mein Universum, in eine Frage packen? Hallo hallo, das ist eine von möglichen Metaphern meines Lebens, metastasiert. Denn ich kann nicht. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr implodiert meine Farbwolke, bildet dennoch Ableger, die letztlich explodieren, verschwimmen, zu Staub verfallen. Alles Kolorit, Staub, Husten, Husten. So ist das in meinem Kopf. Und dann soll ich – was? Hat hier grad jemand was gesagt?

Später genau davon träumen, dass der verehrte Mann, der heimlich geliebte Mann, in meinem Traum, in meiner Utopie, der wie nach dem Aufwachen noch, aber auch noch zu wenig, da ist, mit an dem Tisch sitzt und dann eine Wiederholung: Ok, formulier doch mal eine Frage zu diesem Problem! und ich kann, kann, kann nicht, weil ich alles immer so groß und laut und bunt denke, sodass es letztlich nirgendwo mehr herein passt. Einfach und echt nirgendwo bitte glaubt mir das. Aber auch der in meinem Kopf Geliebte denkt das geht so nicht, denn er denkt anders als ich, es muss doch möglich sein, würde er vielleicht sagen, strukturiert zu denken, und ich bin empört, stehe auf, bin krank und ängstlich zugleich, alles sitzt tief und schwer und atmen ist auch nicht mehr so wie zuvor und es ist wie immer: nicht verstanden.
Ich gehe jetzt, ich gehe, das sage ich, ich verlasse Euch jetzt. Habt ihr wenigstens das verstanden?
Aller Weltschmerz in mir versammelt. Ich werde nicht verstanden. Ich werde nicht verstanden.

14

Ich wachte auf und plötzlich saßst Du da. Wieder: wie erklären? Meine Hände formen Schalen, damit sich endlich auch die Antworten setzen, sanft wie Regentropfen sich an meine Hände schmiegen, aber nichts geschieht, nichts geschieht und alles bleibt leer. Was soll ich tun, wo soll ich hin. Wie losgehen?

15

Ich habe zu viele Stifte. Vielleicht ist es das?
Würde mir bitte einmal jemand die Stifte wegnehmen, vielleicht dann.

Beuys hören. Kafka lesen. Danach geht’s meistens wieder ein bisschen.

16

Klingeln an der Tür.
“Können Sie ein Paket für Ihren Nachbar annehmen?”
“Ja, eh, sicher” (Sie erwischen mich im verwirrten Modus)
“Super. Name?”
“NH”
“Handynummer?”
… “Eh. Was?”
Lächeln. Lächeln: „Handynummer!“
… “Eh. Was?“

17

Mit Kaffeetasse auf den unteren Türrahmen setzen. Ein Bein innen und eins draußen, auch das wie immer.
Sehnsüchtig das Wetter erwarten, Sturm, Regen, Wind. Endlich.
Der Zorn muss raus, die Selbstzweifel auch.
Was ich empfinde ist zu groß für mein Herz und für meinen Kopf auch, es passt ja noch nichtmal auf meine Zunge, zum Schlucken, in meinen Mund auch nicht, obwohl ich genau für die Prägung eben dessen auch immer mal wieder Komplimente bekomme oder anderes – je nach Selbstbewusstsein und je nach Rolle, die ich nach Meinung der Anderen gerade habe. Aber ich bin so nicht. Egal, was wer sagt, ich bin so nicht. Put me on your „topics I know nothing about“-list.

18

Ich bin eine Frau auf einem bike.
Ich bin keine Frau ohne Ideen.
Wenn ich nicht alles auf einmal haben kann, dann nehme ich lieber nichts. So?

– Draußen: Regen. Jetzt. Endlich. Wind auch. Endlich endlich. Der Tag ist vorbei.
Ich bin es nicht. Guten Abend.

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Das Mädchen: Flirten, Sex, Spazierengehen, Angst

Ha, wie schön!

Das Mädchen klatscht in die Hände und mit glänzenden Augen sieht es mich an. Genau so muss das sein! Genau so muss das sein! Ha!
Und: Zelebrieren sagt sie, man muss es zelebrieren, das Flirten, genau so, wie Du es beschrieben hast. Ja!, sagt sie, und ballt die Faust. Sehr gut!

Aber ja / aber nein, sage ich, denn in meinem Fall, da ist die Summe gleich Tragik. Und sowieso damit der Rest sage ich und lege meine Stirn auf den Tisch. Atmen. Atmen.
Sieht das denn echt niemand?, frage ich.

– Wen eigentlich?

Aber. Egal. Denn:
Mädchen geht es in diesem Fall nicht um den Ausgang einer Geschichte, sondern um mich und Mädchen findet mich lediglich, was ich nicht abwertend meine, gut. Da ich jedoch stets sehr viel finde, finde ich mich eher etwas peinlich und ich finde, es geht schon darum und ich finde auch, es gibt einen Unterschied, also sage ich das auch.

Es gibt einen Unterschied!, sage ich, zwischen gucken und gaffen. Das weißt Du doch! Ich zum Beispiel will nicht angegafft werden! Und Du willst das auch nicht! Und er will das sicher genauso wenig. Und ich will nicht, dass er sich zum Objekt degradiert fühlt, nur, weil ich nicht aufhören kann auf Mund, Schlüsselbein und Schoß zu starren. Manchmal kann ich gar nicht anders. Das ist doch…”, meine ich. Mädchen lacht.

Ich auch ganz kurz.
Weil unkontrollierbar und voller Hitze das eigene Begehren.

Das Mädchen und ich, das ist wie eine seltsame Symbiose, die perfekt passt, weil einerseits aus gleichem Material, andererseits mit ganz anderen Erfahrungen. Und beide akzeptieren den Aggregatzustand der Anderen. Und dann schmiegt sich das, wie Yin und Yang, wie Essig und Öl, und wird Vinaigrette.

“Wir sind ja schon nicht unsexy, Nina.“ Das sagt das Mädchen wenig später wie als wäre das eine Warnung an mich und das ganze Universum auch und mit offenen und stummen Augen kaue ich weiter auf einem Stück Artischocke um Mädchen zu signalisieren Fahr fort und sie sagt: Wir müssen auch aufpassen, darauf nicht reduziert zu werden. Und klar machen, dass man auch Intellekt hat und ein Mensch ist. “Das muss man den Männern ganz deutlich machen!”, sagt sie. Währenddessen quillt Polenta, backt Brot und zieht Aioli. In der ganzen Zeit, die wir nun bereits zusammen sind, durfte ich
– eine Avocado filetieren
– ‎Pilze schneiden
– ‎eine Zitrone auspressen

Es ist wie immer (zu wenig), stöhne ich gedanklich in mich hinein.
Nie darf ich hier was tun, währenddessen Geschirr auf der Spüle für alle sichtbar zu einem Keramikmassiv wird.

Pflanz‘ dich einfach hierhin und blätter‘ da rum, hat das Mädchen bestimmt und mir daraufhin ein Kochbuch vorgelegt. Wäre ich nicht so verzweifelt aufgrund meiner ausweglosen Liebessituation gewesen, ich hätte über die bescheuerte Wortwahl sicher sehr albern lachen müssen aber so…

Aber so weiß ich halt auch nicht.
Ok, dann eben nochmal zum Thema Sex und Orgasmus und: Ja, mag sein.
Nachdenken und dann lege ich mich sanft in einen Lachanfall und schlage erst eine flache Hand auf meine Oberschenkel, um mich kurz darauf hinter beiden Händen zu verstecken.

Vielleicht,
vielleicht weiß ja das Unterbewusstsein bereits vorher,
welcher Mensch es wirklich … Also so wirklich vorher vorher.
Stell Dir mal vor, wie absurd das auf vielerlei Ebene wäre.
Ich lache und werde dann plötzlich, wie aus Schock, so plötzlich oder als hätte ich etwas Grundlegendes verstanden, ganz ernst und sage:

Glaubst du wirklich, das geht?
Mädchen. Glaubst Du das?

Verwirrung im Plenum.

Neue Gedanken.
Nachdenklichkeit.
Und dann: Zweifel, wie immer.
Es ist so vorhersehbar.

Stell Dir mal vor, das ginge und dann passiert es auch so, wie es ginge und wie besprochen, und dann ist es so schön und da es so schön ist, erleide ich einen Schock und dann sterbe ich.
Stell Dir das doch jetzt mal vor bitte!

Wäre das mehr Tragik oder mehr Komik was meinst Du wirklich?

Mädchen sagt “Nina”, wie man es sich nur wünschen kann und dann: “Deine Träume bereiten Dich doch vor.
Du stirbst also auf keinen Fall.”

Ach so meinst Du das.
Ok, das habe ich so noch nicht gesehen.

Irgendwann ist später und dunkel dann auch und es ist auch ein Spaziergang im Wald und da führt mich das Mädchen, während ich Texte rezitiere und dabei statt auf Erde auf Papier sehe (Vertrauensübung) und plötzlich sind wir wieder in der Stadt und vorbei gehen wir an der Tür einer verflossenen Liebe und ich weiß gar nicht, was mir angenehmer gewesen wäre: Die Liebe hätte da plötzlich gestanden oder einfach nicht. Mädchen sagt irgendwas Wertschätzendes diese Stadt, diese Stadt und ich denke früher, da habe ich das auch oft gesagt, aber mittlerweile ist dieser Wohnort eigentlich nur noch eine Wohnung und alles begrenzt und besetzt besetzt mit Erinnerungen.

Es ist das Mädchen, welches sagt: Ich habe festgestellt, dass ich jeden Tag mindestens einmal einen Moment habe, den ich als Krise beschreiben würde und auch festgestellt habe ich, dass ich jeden Tag einen Kampf führen muss.

Stille und dann: Also jeden Tag halt.

Ich bin stumm und Stille und erkenne mich wieder und trotzdem es sich dumm dabei vorkommt sagt mein lösungsorientiertes Ich erst nichts und dann:
Der Weg aus der Angst ist der Weg durch die Angst, das weißt Du doch.

Dennoch. Angst ist Angst. Das weißt Du doch antworten Mädchen und Ich. Wer weiß das jetzt eigentlich besser?

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Mädchen 1: go ahead girl

Es fing an mit einem Nachmittag, an dem alle über Dinge redeten, die substanzlos waren und endete damit, dass man sich gegenseitig Küchengeräte vorführte.
“Sorry aber ich bin maximal unterfordert”, sagte ich und ging.

Ich ging und die journey endete vor einer verschlossenen Wohnungstür, das aber nicht allein und das war ja das Gute daran. Denn da draußen, da saßen wir nun und drinnen, auf dem Beistelltisch, da lag ein Schlüsselbund.

Weißt Du, H., sagte ich, ich sitze lieber mit Dir auf diesem Boden und warte auf den Schlüsseldienst, als mit anderen Menschen auf Stühlen, denn die warten auf das Leben und darauf, dass sie jemand abholt. Aber auf kaltem Flurboden sitzen und der Dunkelheit zuhören, mit angezogenen Beinen das Atmen des Anderen verstehen, das ist Leben. Auf jeden Fall ist es das. Weil man es anfassen kann. Verstehst Du.

Ja klar, sagt das Mädchen. Aber so, als würde ich nicht verstehen und geht daraufhin in eine Yoga-Pose. Selbst ein müdes Lächeln ist mir da zu anstrengend, weil alles so echt und klar ist. Das ist bestimmt Liebe.

Als der Schlüssel einige Zeit später endlich wieder in die Hand des Mädchens fällt, gehen wir los, und das könnte auch als Metapher verstanden werden und als ich vor einem Regal mit Marzipanrohmasse stehe und mich fühle, als wäre ich verwirrt, kommt tatsächlich ein Mann mit einem weißen Kittel und fragt Kann ich ihnen helfen? und kurz erschrecke ich mich aber dann sehe ich die gelb-blaue Aufschrift und ich sage Nee, danke, seh ich so verwirrt aus oder was und er sagt Nee, im Gegenteil und das habe ich nicht verstanden.
Da bist Du ja!, ruft das Mädchen aus, so, als wäre ich ihr bereits mehrmals verloren gegangen, was hältst Du von Shiitake Pilzen und Risotto und Radicchio? Ich habe keinen Appetit, bedaure ich, aber wäre dennoch bereit, mir Mühe zu geben.

Kurze Zeit später, im Rücken eine riesige Drehtüre, stehen wir vor einer Wand aus dunkler Nacht und Regen und ich freue mich darüber so sehr, aber Mädchen nicht. Wir laufen trotzdem durch den Regen und ich warte immer, bis Mädchen wenige Meter weiter ist und dann springe ich in Pfützen und das Mädchen, das lacht und das Lachen, das ist wie Mühe geben, auch wenn man keinen Appetit hat.

Hinter der Wohnungstür dann nasse Haare und sich der eigenen Schönheit, eigentlich Erotik, aber das liest sich hier nicht so stolperfrei, bewusst sein und fragen und bedauern, warum ist diese Leichtigkeit nie mit Mann möglich und Oh, Du hast Kaffee gemacht. Lecker, danke. Und dann ein Glas Rotwein und Schokolade mit Salz und Beine an den Bauch ziehen.

„Ich glaub, ich bin verliebt.“
„Letzte Woche hattest Du noch eine Angststörung.“
„Ist das nicht das Gleiche?“

Ha ha, we are so funny, ha ha.

Stille. Atmen hören. Verrücktsein akzeptieren. Das ist des Mädchens Appell an mich.
Akzeptier das endlich, dass Du so bist! Und so ist das, wenn man fühlt. Nach Appell streckt Mädchen die Beine aus und sagt mit Blick auf die Decke: „Eigentlich müssten wir langsam die Pilze braten und das Risotto kochen, aber ich lieg’ hier so.“
Bleib doch so, sage ich.

Ich denke mal, ich werde C wieder schreiben, sagt das Mädchen. Okay, sage ich. Okay? fragt sie. Ja weiß ich jetzt auch nicht, aber was würde es bedeuten, wenn ich sagte es wäre nicht okay, das wäre ja Blödsinn total weil woher soll ich das wissen und wer bin ich überhaupt um das zu bewerten. Stille und Schweigen.

Ich habe mir überlegt, einfach nur die Pilze zu braten, ohne das Risotto zu kochen.

Ja, auch okay, antworte ich. Liegenbleiben und irgendwie schwer atmen.

Auf die Uhr schauen und ach ja, ich vergaß, auf der Uhr des Mädchens ist es immer 5vor12, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit und für Nachrichten auf meinem Smartphone fühle ich mich nicht gewappnet also lasse ich das alles sein und eigentlich, eigentlich fühlt sich gar nichts hier an wie 5vor12. Ich bleib hier liegen.

Du musst lernen, laut zu denken, rät das Mädchen. Das kann Dich total befreien und dann sagt sie, erzähl mal von Deiner Angst, wir können bestimmt die Ursache finden.

Du H., wir sind schon wieder sieben ganze Stunden zusammen.
Das fühlt sich für mich nicht so an, sagt das Mädchen.
Für mich tut es das auch nicht, aber ich bin müde, so müde, sage ich und schlage den nassen Schal um das, was von mir noch übrig ist. Ich schaue auf die Uhr und kann ich dich denn um diese Uhrzeit alleine lassen? Ja klar, sagt das Mädchen, ich habe noch fünf Minuten for ever and always. Das kann doch kein Zufall mehr sein.

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