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Als ich ein Kind war, träumte ich immer wieder den gleichen Traum:
ein Hochhaus würde einstürzen, und mittendrin: ich.
Als ich ein Kind war, durchdachte ich immer wieder das gleiche Szenario:
Wo wäre die Chance, diese Katastrophe zu überleben, wohl am größten, in einem der oberen Stockwerke (tiefer Fall) oder in einem der niedrigen Stockwerke (tiefe Schlucht)?

Wie lang habe ich darüber gebrütet und konnte meinen eigenen Tod doch nicht entscheiden?
Mein Kindheitsrätsel.
Andere Kinder spielten Gesellschaftsspiele, ich spielte Überlebenskämpfe.

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Heutzutage sind die Nächte Überlebenskämpfe. Und mittendrin: ich, wie Kafka und Schlaf und Fieber, mein Körper, wie er aufbegehrt, gegen sich selbst kämpft, sich nährt und gebärt, sich schüttelt und in Wallung gerät. Noch unkontrollierbar zwischen Sein und Nichtsein schwankt und sich dabei Haare, Nägel und Zähne ausreißt.

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Manchmal, wenn ein Mann über Nacht zu Besuch ist, dann fühle ich mich, als wäre ich gänzlich hundertprozentig. Spirituell.

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Ich habe eine Schwäche für Männeruhren.
Das Romantische an ihnen ist, wie gut sie über das Gemüt ihrer Träger Bescheid wissen. Ihnen entgeht kein Pulsschlag. Wie konstant in Korrespendenz sie dabei mit dem Objekt der Begierde sind. Innenpolitik.

Vielleicht ist es auch lediglich die Nähe. So nah wie all die Uhren wollte ich all den Männern auch immer sein. Selbst dem ewig verehrten Mann blicke ich immer mal wieder heimlich auf die Uhr. Und meistens seufze ich dann kurz. Vor Erleichterung, vor Spannungsabbau vor allem.

Der Unterschied zwischen Dir und dem ewig verehrten Mann ist, dass ich Dich bereits kennengelernt habe. Das ist es, was heute vieles in einem anderen Licht erscheinen lässt. Eine Garantie dafür, einen Traum zu zerstören, ist seine Erfüllung. Oder so ähnlich. Nachdenken darf ich darüber nicht. Aus dieser Verzweiflung käme ich nicht wieder lebend heraus.

[Dein Vater hat Dich vergöttert, sagen sie mir, am Küchentisch sitzend schwören sie das in ihre verzweifelten Hände hinein. Dein Vater hat Dich vergöttert. Bitte glaub uns das.
-Wer versteht wen oder was nicht?]

Für den Vorgang des Uhrausziehens hege ich ebenfalls Faszination, für den Vorgang des Legens: Metall auf Holz. Erstarrt bleiben dabei beobachtend dann all meine Herzen stehen, so ernst ist mir das.

Alles fiel mir auf, als Du noch in Meditation versunken und in Laken verhüllt saßst und ich von Morgenromantik umarmt vor dem Holztisch stehend aus das Werkzeug betrachtete, auf dem unsere Zeit (ab-)lief. Da nahm ich es in die kalten und zarten Hände und das Utensil war mein Gegenteil, nämlich warm, weich und schwer. Wie konnte das sein? Nachdenklich kippte ich Materie von einer auf die andere Handaußenseite. Dabei baute sie eine Brücke zwischen Dir und mir.

Verloren war ich, mehr noch als gestern, nur leiser, beim langsamen Entblößen einer Mandarine, beim Schälen all ihrer Häute, und ich meine: all ihrer Häute, bis nur noch Fischlaich übrig blieb, als Du neben mir liegend fordernd sprachst: Was findest Du so erotisch daran, sag es mir. Erzähl mir eine Geschichte, antwortete ich leise, so erschöpft wie ich war, und Du begannst, mir eine Geschichte zu erzählen, und noch eine und noch eine. Es geschahen Wunder für mich.

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Sag mir, sagst Du, wie Du so plötzlich vor mir, Tisch und Uhr stehst, womit kann ich Dir eine Freude machen.

Was?

Stille // und wenig später nur schwebt Wasser aggregativ vielseitig durch Papier, sucht sich Wege, die nach Rom führen, extra fein gemahlen. Gestern noch hattest Du mir die Reifen meines Fahrrads aufgepumpt und den Backofen repariert. Gestern.

Und plötzlich denke ich an Nebensächlichkeiten, daran, dass als es noch ein damals gab ich Dir immer nur Fragen stellte.
Wie schwer trägst Du, hm?
Geht es darum, Dinge zu tragen?, antwortetest Du, falls ja, dann 9.
Nein, darum geht es nicht.
Ach so, ok. Aber ich bleibe trotzdem bei 9. Ich bin schließlich auch groß.
Einmeterneunzig bin ich groß sagtest Du damals und ich war geschockt.
Was, wie groß bist Du, einmeterneunzig?
Ja.
Auch manche Deiner Worte, mögen sie noch so klein sein, irgendwie sind auch sie einmeterneunzig groß und als Du es sagtest, wusste ich plötzlich, warum ich stetig zusammenzuckte, sah ich Männer, die einmeternenunziggroß an mir vorbei gingen und sich bewegten, wie Du es tust.

Heute die Frage: Kann ich Dir je wieder entgegenkommen, ohne Vorsicht? Ohne mich zu erschrecken? Kann da je wieder Wärme zwischen uns entstehen?
Immerhin. Mein Bett konnte ich schon immer gut mit Dir teilen.
Erwachsenenrätsel.

Und dann erinnere ich mich an das erste Mal, und daran, dass wir wenig später gemeinsam an einem Tisch saßen und ich trug ein Kleid und darunter trug ich nichts, wusstest Du das. Aber ich fühlte und fühle mich nicht so, weißt Du das. Du strecktest damals die Arme in die Luft und alles legte sich mit kurzen Geräuschen wieder in Position. Das will ich auch können, habe ich dann zu Dir gesagt, fast habe ich es geflüstert, und Du antwortetest: Dann mach das doch einfach auch mal. Das war eine Metapher für mich. Eine Öffnung aller Kanäle. Und dann habe ich so vieles auch einfach mal gemacht. Mach das doch einfach auch mal, hast Du mir gesagt. Das implizierte Wachstum, für welches ich bereit war.

Irgendwann dann wurde alles Schöne verlässlich schlimm. Als gäbe es uns nicht mehr.
Ich habe eine Frau getroffen, sagtest Du, die ich interessant finde.
Du meintest nicht mich.
Ich denke, sie ist zu intelligent für mich, sagtest Du.
Du meintest nicht mich.

-Bist Du noch normal?

Und während ich so stehend an meinem neuen Backofen lehne, höre ich mich sprechen: Du hast mir bereits Freude gemacht, und denke dann weiter an was eigentlich und plötzlich da sehe ich wie der Wind dort draußen aus einem weißen Sonnenschirm ein weißes Gespenst macht, welches sich

Hallo träumst Du?

Was?
Nein!

Und schon möchte ich Dir in deinen wartenden Blick schauen, aber da stehst Du nicht mehr vor mir, schon bist Du woanders, aber immer noch bei mir, und beginnst meine Fenstervorsteher zu mustern. Alles hängt schief bei mir, alles hängt so schief, dass es vielleicht auch wieder gerade ist, und ich sage „Lass ruhig, lass ruhig, es ist nicht mehr reparabel und längst habe ich mich auch dran gewöhnt“, obwohl ich mich eigentlich nie daran gewöhnte, aber Du nimmst Dein Werkzeug, ein Taschenmesser in rot, und beginnst, Stahl zu schneiden, Kordel zu fädeln und Plastik zu formen und etwa eine Viertelstunde später stehe ich vor Parallelen und Du beginnst schweigend, das zweite Fenster zu richten und dann das dritte und plötzlich fällt Sonne auf meinen Lebensmittelpunkt. Aber das hat nichts mehr mit mir zu tun, denke ich. Danke, sage ich, und meine es so. Mein Herz tankt Licht und da fragst Du: Was kann ich noch tun, damit Du dich freust, und dann fallen mir Dinge ein und Du machst Dinge und immer wieder fragst Du: Hast Du denn noch eine halbe Stunde? Wenn Du noch eine halbe Stunde hast, sage ich. Wäre Dein Ego kleiner, würdest Du mich sogar noch länger aushalten, sagst Du und trägst das Lächeln, welches ich gerne habe. Und als wir uns verabschieden, da stehen wir erstmal da und als wir uns loslassen, da küsst Du mich auf die Wange, so, wie ich Dich auf die Wange geküsst hätte, aber Du bist mir zuvor gekommen.
Danke, sagst Du.
Ja, ich danke auch, sage ich.

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An einem anderen Tag in einem Secondhandgeschäft hängen sie, große, schwere Herrenmantel.
Genau so, denke ich.
„Du siehst aus wie ein Anwalt“, sagt mir die fremde mich duzende Frau. „Anwältin“, korrigiere ich und denke natürlich an den ewig verehrten Mann. Ich will keine Frau Anwältin sein. Ich will eine Frau sein. Heute will ich eine Frau in einem Herrenmantel sein, denke ich.

Das hier ist ein ganz spezielles Soziotop, wirklich wahr, denn hier trifft sich Hinz mit Kunz und so treffe ich einen Mann, der „Wow“ sagt, als ich aus der Umkleidekabine trete, obwohl er mich nicht kennt. Und fast ist es mir peinlich, aber nach „Wow“ fügt er sachlich hinzu: „Schicker Mantel!, ist der nicht für Herren?“, was dann die schüchterne Sache rettet.
„Ich denke so nicht“, antworte ich und füge großzügig hinzu, „aber wenn es so gemeint war, kannst Du ihn gern auch einmal anprobieren.“ Der Mann sagt wirklich „Ok“ und so tauschen wir unsere Kleider und tatsächlich: er kauft zwar nicht diesen, aber so einen Herrenmantel, wie ich ihn zuvor trug. Der Mann trägt jetzt einen Damenmantel. „Danke“, sagt er, und geht wehend seines Weges. Wow, denke ich.

„Ba!“, sagt jemand anders, reißt mich aus dem Traum heraus und meint dabei mich.
„Sie sehen aus wie ein Grufti!“
Was, ich? Ich: was?

Was ich alles nach Meinung der anderen in einem Mantel bin: erstaunlich. Dabei urteilt doch jeder eigentlich nur aus seiner eigenen Kleidung heraus.

„Vielleicht bin ich ja ein Grufti“, lächle ich aus einem schwarzen Schmuckstück heraus.
„Grufti Grufti“ sagt jemand anders, während sie sich an mir vorbei schleicht, „Grufti Grufti!“

Gekauft, sage ich, und lege zwei Scheine auf den Tisch.
Durch Herrenmantelgravitation noch mehr erschwert schleife ich mich und meine Beute nach Hause. So warm kann nur ein Männermantel sein denke ich und dann verlasse ich die romantische Ebene und habe Wut auf die Welt, denn so warm im Winter war mir noch nie und ich denke Frauen sollen wohl systematisch frieren, damit sie Schutz suchen in den Mänteln (Armen) der Männer! Und wo gibt es schon Männermäntel ohne Männer, ha!, denke ich, Menschen emanzipieren sich, und dieser Mantel gehört jetzt mir, ich schütze mich selbst. Hallo.

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Und als hätte mich einer der guten Männer schimpfen gehört, so schreibt er Neuigkeiten, so gute Neuigkeiten, und ich überschütte ihn mit meiner Freude für ihn und meinem Lob und am Ende dann schreibt er Wie geht es Dir.

Es geht so, sage ich, verwirrt sitzend an einem zu kleinen Tisch, meine Geister, meine Geister, ein Kampf im Kopf. Aber es lohnt sich, ich weiß das. Das schreibe ich.

Hör mal, sagt eine ehemals große Liebe, ich glaube an Dich. Ich glaube an Dich, Du warst immer eine starke Frau und so wirst Du auch weiterhin sein.

Danke, sage ich, vielen Dank.

Immer habe ich Männer vermieden, und plötzlich sind sie alle da. Wie eine Familie, so langsam gebaren auch sie sich selbst in mein System.

Zuvor war es fast so: ab- und verkannt werden, zweifeln bis zum Existenzminimum, die Blutgruppe ändern, einen eigenen Weg finden und endlich, endlich: frei sein. Fast.

Die Männer, die nun zu meiner Familie gehören, haben mich eigentlich viel mehr geheilt als dass sie mir geschadet haben.

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Du hast mir so viel gezeigt. Und ich mir erst: 50 – 58

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Meine Beine, nackt, wie sie sind. Vernarbt und ein wenig verliebt und nicht sehr straff, ein wenig nur, auch das. Diese Beine umarmen Dein Äußeres. Bist Du mehr als das? Bist Du (noch) da? Wirklich? Und manchmal, glaube ich, lege ich kurz das Kinn auf meine Hände, die widerum auf Deinen Schultern ruhen. Das erste Mal also, seitdem ich mit Dir zusammen bin, kann ich meine Nähe fließen lassen. Fast, fast. Ich weiß nicht mehr, was es dabei berührt. Aber Moment, das ist ja fast das Ende einer Geschichte. Als hätte ich es bereits vorher gewusst, begann ich mit dem Ende dieser Geschichte.

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Ok, lass uns ein Stück laufen, ok? Ein Stück, vielleicht zu dem Fluss, mit Proviant?
Gut, meine ich.
Welches Proviant magst Du. Ich würde sagen, wir besorgen dort etwas. Und ich sehe nicht, wohin Dein Finger zeigt, aber es ist auch nicht wichtig, denn: Ich weiß nicht, sage ich, mir ist alles zu viel.
Ok, sagst Du, wir laufen einfach, and I ask myself: Sind wir nicht genug Proviant?
Müssen wir weit laufen?, frage ich, warum frage ich das. Laufen kommt meinem Zustand entgegen.
Ich würde vorschlagen, wir nehmen diesen Bus hier, sagst Du, als der Mann, der oft gute Lösungen hat.
Ich weiß nicht, mir ist alles zu viel, antworte ich.
Ok, schon gut, wir laufen, sagst Du, als der Mann, der oft simples Verständnis hat.

Eine Brücke, eine Straße, was ist denn. Wenn ich könnte, aber ich kann noch nicht, denn noch lerne ich, aber wenn ich schon könnte, so hätte ich dich kurz am Arm gefasst und das Tempo raus genommen und gefragt „Was ist denn?“, aber eventuell war das auch nur ich, die nicht wusste, was war.

Ein Schluck Wasser.
Darf ich auch einen Schluck.
Ja, natürlich
Oh, Du hast Durst, sage ich.
Du siehst mir zu, während Du trinkst. Und ich wünschte, ich könnte das genau so, Dir zusehen und wichtiger noch: mich ansehen lassen. Bin ich verwirrt oder verlegen oder nur schüchtern wie es heißt

„Ich kann kaum sprechen“, sagst Du
„Ja, das verstehe ich“, sage ich und dann: “Du hättest absagen können, ich hätte es sehr verstanden. Aber jetzt, jetzt bin ich hier und ich habe viel zu sagen und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Willst Du vielleicht beginnen?“
„Nein, nein“, sagst Du, „red‘ bitte weiter.“
Und so rede ich weiter.
Vielleicht habe ich zu klar gesprochen, aber aufhalten konntest Du mich auch nicht mehr.
So weit weg warst Du bereits, vielleicht schon in anderen Armen.
„Nein, nein“, sagst Du wieder, „so ist es nicht.“
„Ok, aber wie dann.“

Ich verstehe nicht, was Du sagst. Wer von uns beiden hat sich was vorgemacht?
Du weichst mir aus, Du weichst Dir aus. Das ist es. Oder bin ich nur überheblich und eigentlich diejenige, die ausweicht, Dir und mir. Du kannst Dich nicht so für mich entscheiden, wie ich mich für Dich entscheiden könnte, und ich meine damit nur einen Moment, wer kann schon wissen, wo wir morgen sind, aber Du scheinst es nicht zu verstehen, und ich scheine es ebenso nicht zu verstehen. Gut, sage ich, dann beschließe ich mich eben: Das ist mir nicht genug.

Dann war Stille und die Sonne schien und alle anderen gingen mit Proviant in einen Park und alle anderen waren glücklich, nur wir nicht. Oder vielleicht waren wir es doch?

So stand ich da, broken heart disease ganz plötzlich, erstickt an meinen eigenen Worten, alle sind glücklich, nur wir nicht, alle sind glücklich, nur wir nicht, merkte ich es dann selbst: „Ich kriege keine Luft mehr“, sagte ich, und streckte die Hände in Richtung Himmel, „ich bin kurzatmig jetzt.”

Du bist so couragiert, sagst Du. Wenig später wird das Mädchen zu mir sagen: Das hat noch nie ein Mann zu mir gesagt.

Brauchst Du einen Rucksack für Deine Reise?, fragst Du. Was soll das heißen, einen Rucksack, Ich so zu mir. Ich trage doch einen Rucksack. Siehst Du ihn nicht.
Ich habe einen, in den einige Kilogramm passen. Du musst wissen, was Deine Prioritäten sind, sagst Du.
Ist das eine Metapher, frage ich mich. Brauchst Du einen kleinen Koffer, antwortest Du, so einen habe ich auch. Du kannst ihn Dir gleich ansehen. Ich kriege so schlecht Luft. Sag mir, wie kann ich atmen.

So!, sagst Du, und zählst mit mir beim Einatmen 1 2 3 4 und beim Ausatmen 1 2 3 4 5 6.

Dann ist es wie immer eine Grenze, die es zu überwinden gilt, und ich kann gut klettern, aber nicht in Sandalen, die kein Profil haben. Und wie damals gingst Du vor und ich ließ mich einfach auf Deine Haut fallen, weil es ja auch keine Alternative gab und die Sandalen rutschten zuverlässig, im Supermarkt mit Einkaufswagen macht das besonders viel Spaß, aber das hier, das war kein Einkauf und Du, Du warst zwar stabil, aber nicht aus Stahl und auch nicht direkt kalt, eher lebendig und flexibel aber nein, Du warst kein Fels, an dem ich lehnte. Und ich lachte ganz, ganz leise in mich hinein, während ich mir beim Boden verlieren zusah, ich mag es, wenn das Schicksal seine Größe zeigt. Aber eigentlich war ich mehr ruhig und Du warst es auch. Es war wie damals.

Und irgendwann sind wir da. Und ich weiß gar nicht: Ergibt es noch Sinn, hier zu sein. Vielleicht denkst Du das Gleiche, denke ich, und Du beginnst zu laufen und zu sammeln und ich beginne zu sitzen und auszupacken. Sind wir ein Klischee am Fluss? Ich will es auch noch nicht wahrhaben, es ist vielleicht das letzte Mal, dass Du Feuer machst und ich Dir dabei zusehe. Ich lege mich, ich lege mich, ich kann Dir dabei nicht zusehen, solch ein Trauerspiel, aber am Ende, da kann ich auch nicht widerstehen. So, als hätte mich eine Panik ergriffen, so setze ich mich und beginne mit der Genauigkeit, die ich durch einen anderen Mann lernte, zu beobachten. Jedes Sandkorn, jeden Handgriff und jeden Atemstoß sehe ich. Ich sehe, wie Du alles zusammenlegst, auch die großen Baumstämme und es sieht elegant aus für mich und es ist auch souverän, wie Du diese nur ein einziges Mal und langsam und kraftvoll zugleich auf die Felsen schlägst, die vor Dir Platz nahmen. Und als ob das Holz Deine Sprache spräche, zerfällt es in zwei gleiche Teile, lässt es sich spalten, ohne Gegenwehr, fast, als wäre es Dir dafür noch dankbar, lässt es sich in Dein Nest tragen, welches doch Eliminierung bedeutet. Eliminierung. Wieso bist Du dabei so souverän. Seht ihr es denn nicht, möchte ich fast warnend flüstern, aber ich sitze wie gebannt in der Beobachtung, einer Lähmung verfallen. Und ihr wollt mir erzählen, telepathiere ich, ihr hättet Jahreszeit um Jahreszeit Naturgewalten standgehalten, dem Wind, dem Regen, der gnadenlosen Hitze? Und einmal fallt ihr in sanfte Hände und gebt nach. Ich weiß, wovon ich rede, denn auch ich kenne Naturgewalten und auch ich bin in sanfte Hände gefallen, und doch gab ich so schnell nicht nach. Ich habe wenigstens noch um mein Leben gekämpft und mich zu beherrschen versucht. Es ist ein Verrat, beschließe ich. Ihr seid verräterisch und dafür werdet ihr jetzt brennen.

„Feuer?“ fragst Du.
„Feuer“, sage und reiche ich. Ich kann auch souverän sein, denke ich. Seit wann machst Du Feuer mit einem herkömmlichen Anzünder. So nachlässig, wo sind Deine Kräfte hin. Bist Du wirklich so ausgemergelt. Und nur so schnell, wie ich auch sehen konnte, ergaben Feuer und Feuer Feuer. Und so schnell saßen wir vor unserem Kind und bestaunten es. Und es leuchtete und wärmte auch. Wir waren zu Eltern geworden und ich weinte weil der Rauch.

“Erzähl doch mal“, sagst Du. Ich weiß nicht, antworte ich, es ist nicht die spannendste Geschichte der letzten vier Wochen. „Doch, ist sie“, sagst Du, und ich verstehe schon, das hätte mich verführen können, wäre es die Wahrheit gewesen, aber vielleicht verstehst Du nicht: Ich bin anspruchsvoller als Du glaubst, ich säße sonst nicht mit Dir hier, Metaebene, und auch bin ich nicht mehr die Frau, die Nein sagt und Ja meint. Und hättest Du gewusst, welches die spannendste Geschichte der letzten vier Wochen gewesen ist, es hätte Dich bestimmt beeindruckt und gereizt und auseinandergezogen, aber wahrscheinlich hätte es Dir auch nur noch mehr Angst gemacht. Und so erzähle ich Dir nicht die spannendste Geschichte, sondern die, welche Du für die Spannendste hältst und um welche Du batst.

Ich will Dir nicht zu nahe treten, so beginnst Du Deinen Ratschlag kundzutun, oder ist es vielleicht auch nur eine Meinung, weißt Du, sagst Du, wenn Kinder plötzlich die Rolle der Eltern übernehmen und die Eltern sie so behandeln, beispielsweise, als wären sie Erwachsene, stell Dir vor, sogar so, als wären es ihre Partner, sind es dennoch Kinder. Sie werden immer Kinder bleiben, so sehr Du dir auch wünschst, dass sie Erwachsene wären, aber das sind sie nicht. Sie bleiben Kinder. Sie bleiben Kinder. Es ist so.“

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Meine Schwester, meine Schwester, sage ich nur einen Tag später, sitzend auf dem Boden, woanders kann ich nicht bestehen, versteh es doch. Sie werden immer Kinder bleiben, so sehr Du dir auch wünschst, dass sie Erwachsene wären, aber das sind sie nicht. Sie bleiben Kinder. Sie bleiben Kinder, es ist so. Lass ruhen den Stein, er trifft Dein eigenes Haupt, und während ich das singe, fange ich an zu weinen, in das Telefon hinein. Es wird kaputt gehen, es wird ertrinken, denke ich, so, wie wir bereits ertrunken sind. Schwester, Schwester, sagst Du, wieso weinst Du denn. Es ist nicht meine Idee sage ich, die Idee, sie ist von ihm. Sie hat mich gelöst. Es war seine letzte Idee für mich. Sie war nicht schlecht. Es tut mir so leid, sagt die Schwester. Ja, mir auch für Dich, sage ich.

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Wir laufen, wir laufen. Und plötzlich ist da dieser Hund und er knurrt und er bellt. Was will er uns sagen. Will er uns aufhalten. Laufen wir in verkehrte Richtungen? Was machen wir falsch, so sag es doch. Normalerweise, das heißt, wenn Du nicht bei mir gewesen wärst, ich hätte mich zu dem Hund gelegt und ich bin sicher, er hätte sich von mir beruhigen lassen. Ich kann bellende Hunde beruhigen. Ich kann ihnen über den Kopf streicheln, auch, wenn sie bellen. Aber ich war ja selbst so aufgelöst. Ich war ja selbst so unsicher. Ich hätte mit einem Kniefall alles nur noch schlimmer gemacht und nicht mal mehr der Hund hätte mich verstanden. Ich hätte alles nur noch schlimmer gemacht, denn dann hättest Du gesehen, dass ich nichtmal mehr das kann.

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SMS-Verlauf

Ich weiß, ich weiß. Aber immer vage, Hauptsache vage. Angst ist das. Vielleicht habe ich es aber auch nur nicht verstanden. Was denkst Du, verstehe ich Dinge nicht? –
Ja, alles passiert zum Besten, ich weiß. Wer nicht bleiben will, muss gehen gelassen werden.

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Wir kannst Du nur so sein, möchte ich wissen. Hast Du es erlernt, möchte ich wissen. Hat man dir so die Liebe gezeigt. Ja, sagst Du, aber das war früher. In die Stille hinein denke ich es: Nein, es ist heute, siehst Du es nicht. Und wäre der Raum für Dich möglich gewesen, ich hätte meine Hände vor das Gesicht geschlagen und Deine Tränen geweint.
Aber ich wollte Dir nicht zu nahe treten.

Eine Fahrt durch die Stadt und ich glaube, Du lachst. Ich kann Dich mit meinen Armen berühren, wieso kann ich das plötzlich. Und dann sind wir da, endlich und auch unglücklicherweise.

Du bist wie manchmal nur schneller mit allem.

„Hier“, sagst Du, als ob Du wüsstest, was es für mich als Linkshänderin bedeutet, einen Helm zu öffnen, der für die Mehrheit gemacht ist. Du siehst mich an und hilfst mir nicht wie beim letzten Mal. Du siehst mich nur an und sagst mit einer ruhigen Stimme, die mir neu und so vertraut auch ist: Es gibt eine Art Gurt, daran musst Du ziehen. Ich mache das genau so, wie Du es sagst, und bin frei. Isn‘t it ironic.

It is and it is not, all at once.
For it isn‘t just because I trust in practical things you say. You are one of few men who can manage an aspiring daily life. Who can start and put out a fire at the same time? That‘s why I was lying without fear in the field, while the fire took slowly over the place. „Do you have control over it?“, I asked. „I have“, you replied and I lay down again, and neither my backpack or my feet didn‘t asked What if all the people are right and as soon as you can even understand something everything will burn and with everything you‘ll burn. And it‘s meant as an image, at least regarding the sentence before the second last. However. It was you who showed me how to put out a safety helmet. However.

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So schleppe ich mich selbst neben Dir und zähle die Stunden, die ich bereits wach bin. Es sind zu viele. „Ich muss jetzt hier hoch“, sage ich und zeige auf ein Schild mit der Nummer 5. Habe ich ein Deja vu? „Ich möchte da allein hoch gehen“, sage ich. Ich habe ein Deja vu.
„Was ist, wenn ich Dich einfach nach oben begleite?“
„Ich bitte Dich, das zu respektieren“, sage ich.
„Ok, ok, gut“, sagst Du.
Und da breite ich meine Arme aus oder warst es Du, der sagte: Muss das sein?
Beides würde passen, zu Dir, zu mir.
Meine Bereitwilligkeit, die vielen Arme um Dich und Deinen Körper zu legen und Deine Bereitwilligkeit, ein Ja und Nein aus einem Mund gleichzeitig heraus zu sprechen. Muss das sein. Ja, sage ich, und umarme Dich mit der letzten Kraft, die ich noch habe. Sie ist nicht sehr stark, aber sie ist da.

Under normal circumstances, ich hätte meine Hände vielleicht kurz in Deinen Nacken gelegt. Denn jetzt, als es irgendwie vorbei war, fühlte ich mich freier. Als bräuchte ich mich nicht mehr zurückhalten, weil ich es ja sagte: Keine Angst, ich lasse Dich gehen. Vielleicht, wäre die Kraft nur ein wenig mehr da gewesen, hätte ich auch noch Deine Arme angefasst. Deine Arme. Ich weiß gar nicht, wie ist sie, Deine Haut. Kalt oder warm. Ich weiß es nicht. Dabei hattest Du es mir noch angeboten. Oder hattest Du es eigentlich nur Dir angeboten? Und ganz, ganz eventuell, wenn das mit den Armen in Ordnung gewesen wäre, hätte ich beide Hände an Deine Wange Wange gelegt, ich hätte gesagt. Danke sehr, danke sehr, ich konnte wachsen, ich konnte reifen, danke sehr, mit Dir als Medium konnte ich so viel über mich selbst lernen, einen Vorgeschmack konnte ich erhalten, auf das, zu was ich fähig bin, wenn da nur jemand sitzt, der ebenso fähig und bereit ist. Danke sehr, auch wenn ich nicht lieben konnte, ich konnte wachsen, ich konnte reifen und ist das nicht irgendwie das Gleiche wie lieben. Danke sehr.

Und leider weiß ich gar nicht mehr, was wir wirklich sagten, während wir da so kurz umarmt standen, so sehr hatte ich schon einen Schutzwall gebaut, ich habe nichts mehr gehört und gesehen und vor allem nicht gerochen oder gefühlt, aber ich glaube, irgendwas sagten wir. Ich erinnere nur noch deine letzten Worte zum Abschied, wie immer ein wenig charmant und ironisch. Aber da sehe ich mich schon gehen. Zwei Stufen auf einmal, als könnte ich nicht schnell genug von Dir weg kommen. Ich habe mich nicht umgedreht, ich habe das noch nie gemacht.

Was ist mit Dir, bist Du stehengeblieben. Ich werde es nie mehr wissen. Aber ich kann leben damit. Es hätte ja nichts geändert. Noch mehr Schritte auf Dich zumachen, während Du stehen bleibst, ich hätte das wohl nicht verkraftet.

Und da bin ich schon. Menschen, Menschen, noch nicht, aber langsam, langsam, und ich bin müde, so müde, aber ein bisschen bin ich bei mir. Ein Foto habe ich dann von mir gemacht. Dieser Abend, meine Erschöpfung, meine Schwäche und meine Stärke, meine Sprachlosigkeit, alles soll mir in Erinnerung bleiben. So sehe ich aus, wenn ein Kampf vorbei ist, wenn etwas verloren und etwas gewonnen wurde.

Der Weg zurück dann auf den Beinen. Männer schauen mich an. Was denn.
Der Weg nach Haus ist so unglaublich lang. Relativitätstheorie. Einstein. Jüdisches Leben. Ist heute Schabbat. Ich weiß es nicht.

Ein guter Mann. So heißen Playlist, Ordner und Notizvorlagen zu Dir. Ein guter Mann. Gute Menschen lassen gute Menschen ziehen, wenn sie es nicht mehr gut meinen mit einem. Wenn Sie weiter ziehen wollen, müssen. Ein guter Mann geht seinen Weg, eine gute Frau geht ihren.

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Slip inside the eye of your mind
Don’t you know you might find
A better place to play

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Eine Playlist

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6 Uhr, habe ich geschlafen. Bin ich ins Bett gekommen. 6 Uhr, ich kann es nicht fassen. Wie ich aufwache und das erste, was meine Sinne vernehmen, ist Feuer. Feuer in meinen Haaren, in meiner Unterwäsche, in meinen Händen. Selbst mein Bett, es brennt. Und als wäre das der rettende Instinkt, fällt Wasser aus den Augen auf all die Laken, wir löschen jetzt, sagt jemand. Aber es ist vergebens. Salzwasser, das hilft bei anderen Dingen, aber doch nicht bei einem Brand. Halt es zurück, es wird schlimmer.

Wie kann ich aufstehen. Wie kann ich aufstehen.

Du kannst aufstehen, weil Du weißt, es gibt Menschen, denen geht es so viel schlechter als Dir. So kannst Du aufstehen. Tür zu, Wasser, Wasser, wieder ein Löschzug.
Essen?
Es ist vielleicht unangemessen, aber zu arbeiten jetzt ist es ja auch. Nachrichten, Nachrichten. Auch hier: Es gibt Menschen, denen geht es so viel schlechter als Dir.

Wenige Stunden später, sitzend in einem Hausflur, finden Sie das komisch? „Und dann haben sie mich an der deutsch-niederländischen Grenze erwischt. Mit sieben Kilo K***. Und dann ging‘s bergab. Das war 1992.“

Wie sehr ist bergab, wenn es seit 1992 geht. Ich rechne.

„Ich verstehe“, sage ich dann und schweige erstmal. So sitzen wir da, im Hausflur einer Arztpraxis. Und immer, wenn neue Erkrankte kommen, fragen sie mit erstickten Gesichtern: Oh. Ist noch geschlossen?

Nein, eigentlich sitzen wir hier aufgrund einer Angststörung, ausnahmsweise mal nicht meiner eigenen. Denn jemand anders kann nicht mehr allein das Haus verlassen und im Wartezimmer mit anderen Menschen, das geht schonmal gar nicht, es sind schließlich Menschen. Ist doch klar, macht doch mal die Augen auf, denke ich. Jemand, der neben mir sitzt, sagt: „Nein, wir sitzen nur so hier / dort drinnen ist es mir zu voll, zu warm, zu viel. So gehen Sie doch bitte hinein.“ An mich gewandt sagt Jemand: „Ich wünschte, ich wäre unsichtbar.“ „Ja”, sage ich, “das verstehe ich sehr gut.”

10 Uhr und schon ist alles vorbei.

Was ist mit ihm los, was stimmt nicht mit ihm. Ich sehe es doch. Ist es die Unruhe, schon wieder? Von einem Raum zum nächsten, so stützen sich 91 Jahre von Raum zu Raum und suchen Halt. Ich bin 31 Jahre alt und suche Halt. Sind wir wirklich so unterschiedlich?

91 Jahre, langsam, langsam, aber entschlossen und immer wieder kehrend.
Du sprichst nicht klar, sagte ich zuvor. Wie kannst Du die anderen so abwerten, nur, weil sie nicht Deiner Meinung sind. „In meinem Leben habe ich dreimal mit nichts als einem Rucksack angefangen, nichts hatte ich mehr, nichts! Ich war Flüchtling, Kind. Und alles habe ich allein geschafft, vergiss das nicht!“, sagt er, als er mich ermahnt. Und ich denke: Was hat das ausgerechnet jetzt damit zu tun?, und gehe trotzdem auf Dich ein. „Meinst Du denn wirklich, Du wärst heute der Vater, der Du bist, hättest Du nicht die Frau, welche Dich und Deinen Rucksack in die Arme schloss.“ Und das Gespräch kann er gerade nicht weiter führen. Aber wieder kommt er, das hat er gesagt. Die Unruhe, immer diese Unruhe. Ist es Dein letzter Kampf. Und welchen Kampf führe ich hier. „Der läuft wieder weg“, sagst Du, welche die Mutter aller Mütter für mich ist, weil sie nie an wen anders als an ihre Kinder dachte. Eine Mutter. Vielleicht kämpfe ich ihren Kampf. Ich halte mir die Hände vor den Mund, wahrer wird’s heute nicht mehr. Ich sehe sie erst nur an und meine Blicke, sie sagen es. Sie sagen: Noch nie habe ich Dich so nachdrücklich sprechen hören. Was ist passiert.
Wovor denn, frage ich.
Vor allem und seit immer höre ich Dich sagen.

Dass ich mich nicht übergab an diesem Morgen, in die Keramikschüssel, in die ich den noch warmen Kaffeefilter legte und gleichzeitig meine Hände stützte, dass ich mich nicht übergab vor Erschöpfung und vor Offenbarung, das war fast ein Wunder.

Und als ich das denke, stehst Du wieder da. „Ich finde es nicht richtig, dass Du allein verreist!“, sagst Du nun schon zum zweiten Mal, wie jedes Jahr. „Ja, ich weiß“, sage ich wie jedes Jahr und wenn Du könntest, würdest Du mich zurückhalten, ich weiß. „Ich bin so froh, wenn Du wieder zurück bist“, sagt sie wie jedes Jahr. „Ja“, sage ich, wie jedes Jahr. So sitzen wir da, und wie seit jeher messen wir unseren Blutdruck, immer der Reihe nach. Was für ein seltsames Ritual. 160 zu 121. „Das kann doch nicht“, sage ich an die Mutter aller Mütter gewandt. Denn ich war immer besonders stolz auf meinen konstant angemessenen Blutdruck. Kann es das Herz sein, welches brach, kann es das wirklich sein? Oder ist es die Rebellion in mir: Keiner von Euch nimmt mir mehr meine Freiheit. „Halt den Mund dabei“, sagen 91 Jahre und manchmal, nicht mehr oft, aber manchmal muss ich über die Art, wie Du sprichst, in mich hinein lachen. Ich weiß ja, wie Du es eigentlich meinst. Ich antworte also nicht und messe erneut und nehme nun auch den anderen Arm. 91 Jahre lassen sich fallen und sagen: Das Leben ist so kurz und trotzdem so lang. 121 zu 72.

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Ich sage alles ab, wenn Du das willst
Ich bin so fertig, antworte ich, ich kann gar nichts mehr. Meine Augen fallen aus meinem Kopf heraus, so schwer sind sie. „Keine Panik“, sagt das Mädchen. Ich stehe auf, ich schäle mich heraus hier und sehe plötzlich mein eigenes Spiegelbild, es ist so viel schlimmer als am Abend zuvor. Aber auch irgendwie schön, weil es so echt dabei ist und denkt: Niemand kommt mich heute mehr besuchen.

Ich sage alles für Dich ab, das höre ich auch Dich sagen.
Nein, danke, wofür denn.
Ok, na gut. Aber Samstag, Samstag kommst Du? Alle freuen sich auf dich.
Samstag Samstag, wo ist da der Mann mit dem Feuer, in welcher Stadt, in welchem Land, wie auch immer, nicht da und egal ja eigentlich.
Mit „Alle“, meinst Du da Menschen?
Oh es tut mir so leid.
Und da weine ich.
Oh es tut mir so leid.
Ich weine nicht nur wegen mir, ich weine auch wegen ihm.
Ich weiß, sagst Du, ich weiß. Und: Ich bin schon auf Deiner Straße, ich kann es schon lesen, das Straßenschild. Da wohnst Du Frau, dort wohnst Du. Möchtest Du denn keinen Besuch.

Nein. Ich möchte keinen Besuch. Zitronenwasser. Überleben.
Morgen ist es vorbei. There is no static atom.

Sometimes I wish I could feel lighter.
But then I wouldn’t be a writer.

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42 – 49

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Vor vierzehn Tagen noch. Ausgebreitet wie die Hälfte einer geschälten Mandarine, alles muss raus, denke ich, alles alles muss raus, auf dem Rücken liegen, atmen. Die Schenkel weit geöffnet, weit auseinanderstehende Schenkel, wie ein Frosch so weit denke ich. Oder wie die Flügel eines Schmetterlings. Nur, dass dieser grad nicht fliegen, sondern nur noch fallen kann. Hände auf dem Bauch, Herz aus dem Hals heraus. Alle Gefühle entfesselt, ich schlucke und schwitze und heule auch. Dieses Mal, da war die Angst so schlimm, dass ich mich besser hinlegte auf eine Matratze dachte ich, weil wer weiß, how long can I still stand this und nicht, dass ich nachher noch auf den Kopf falle. Ich sorge mich ja um mich, weil ich mich eigentlich auch lieb hab so. Naja.

Also ich dann. Wie eine Ergebene. Ich denke an kalten Orangensaft, ein Glas nur, das würde vielleicht helfen. Die Farbe. Und ich bin mutig, so mutig, das denke ich auch, während ich so daliege und mich ergebe, fast auch übergebe, (wem?) und auch denke ich kurz mal lachend über den Übermut der Angst von wegen Über-Ich: Nimm doch was Du willst, das Wichtigste bekommst Du nicht. Denn wie Du weißt, ich habe das jetzt schon mehrmals gesagt und das heißt, dass ich es genau so meine, ich habe den Kampf eröffnet, deswegen nochmal rebellieren und Grenzen testen jetzt, schon klar, so ein letzter Akt der Verzweiflung. Und natürlich auch nochmal aufbegehren, weil ich mich nicht mehr aufhalten lasse von Dir, tust Du so groß, aber ich gehe trotzdem weiter. Du weißt, ich habe Recht und eines Tages wirst Du dich mit Deinen eigenen Waffen schlagen und wenn hier jemand Existenzberechtigung im Körper dieser Frau hat, heutzutage, dann bin das ich. Aber ok, bitte, you scared rebel you, do what you need to do. Ich ergebe mich derweil und spare mir die Kräfte. Ich kämpfe nicht mehr gegen Dich, ich kämpfe für mein Leben jetzt. Augen zu.

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-Hallo ich wollte fragen ob Du Lust hast, dass wir uns bald zusammen irgendwohin legen, auf eine Wiese zum Beispiel.
-Sehr gerne
-Kool.
-Bzgl. Hinlegen vllt. wenn nicht heute wann dann?
-Ja, Du hast Recht. Ok, ich komme.
-Also kool. Dann bis gleich.

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Bäume, Bäume. Diese Bäume, so habe ich sie noch nie gesehen. Ok, komm, lass uns hierhin legen und wie eigentlich immer erzählst Du mir dann eine Geschichte und oft lachst Du am Ende, weißt Du das? Vielleicht über die Ironie einer Sache oder ich weiß es nicht. Ich jedenfalls, ich sage oft nichts, weil so Geschichten, die finde ich iwie groß weil universell. Ja, Zeit denke ich mal. Weiter liegen, Kirschen essen.

Und irgendwann dann zeigst Du mir etwas, das Du kannst und ich bin so vergnügt dass ich mir die Hände vor den Mund halte und wäre ich weniger müde dann wäre ich sicher noch vergnügter gewesen. Wie amüsierend muss es sein, sich ein ganzes Leben lang zu amüsieren? Das habe ich mal in einem Theaterstück gehört.

Als Du dann so neben mir sitzt und auf einmal meine Hand nimmst und dazu auch noch meinen Arm und ich kurz zurück ziehe weil nicht dass Du mir was brichst, Du aber sanft fest hieltst und mich dehntest um mir zu zeigen, wie Du gern eingerenkt werden würdest, und ich mich fallen ließ, als Du das getan hast, und das fiel mir erst Tage später ein, obwohl irgendwas daran besonders war, hab ich irgendwas gefühlt, aber auch das erst Tage später. Seltsam.

Kurz noch challengen im Unterarmstütz, Du hast gewonnen.
Ok, lass mal gehen jetzt.
Ich bin müde, ich bin so müde, und kognitiv so überlastet,
dass ich Angst hab, zusammenzubrechen wenn ich jetzt aufstehe.

Guck mal, sagst Du, als wir aufgestanden und schon ein Stück gegangen sind, Du bist gar nicht zusammengebrochen. Ja, stimmt, hey!, kurz freue ich mich und dann sage ich; Erinner‘ mich nicht daran, denn sonst wird es doch noch passieren.

Hereinspaziert! steht da. Warum auch nicht. Ok dann. Komm einfach. Hereinspaziert! Warum auch nicht?

Dich in meiner Küche stehen sehen, mein Musikinstrument lehnt an Deinem, denke mal, das braucht es vorerst auch so.

  • Tauschen?

Und dann, kurz als Du gar nicht siehst was ich sehe und Du was liest, da stehst Du da, als hättest Du kurz geträumt von Wundern, die Du nicht verstehst, dabei bist Du doch eigentlich das Wunder in here.

Ich weiß gar nicht recht, denke ich – wohin mit Dir? In Armbeuge? Kopf? Herz? – In meine Mitte? Zwischen die Schenkel?
Aber dann, wenn ich Dich so beobachte, denke ich auch: Eigentlich bist Du ein Mann, von dem man niemals zu träumen wagen könnte. Hab ich aber trotzdem schon gemacht.

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Mir ist, als wäre mir schlecht vor Liebe, schlecht vor Angst, schlecht vor allem, was mir entgleiten könnte. Als hielte das innere Kind fest, was doch die erwachsene Frau schon längst begriffen und losgelassen hat. Hallo hallo, you dont need this anymore.

Aha ja ja so so.
Na gut, dann weitermachen mit Leben, weil is schön iwie auch.

Im Leben beeindruckende Frauen treffen, immer wieder. Beeindruckende Frauen treffen, die erfolgreich sind und dennoch, mit einer Hand an ihrem Ring der anderen Hand drehend, mit sich und dem Leben hadern und immer und immer wieder einen Schluck Wasser trinken. Ja, so wird sie vielleicht aussehen, eine Art der Zukunft.

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Ich sehe das schon in Deinem Blick, er ist ehrlich, auch das sehe ich, aber hey, möchte ich sagen, es sind über zehn Jahre vergangen seither und es war ja auch nur ein Treffen glaube ich. „Mehr“, sagst Du so, als hättest Du gezählt, die Jahre. „Ich habe ein Foto gefunden, als Du damals…“ „Ja, ja, ich weiß, aber ich war jung, tut mir leid, ich war jung.“ Ok dann – sage ich und nehme die Hand des Patenkindes, wir müssen jetzt echt los, wir müssen zu einem Spielplatz jetzt, es war ihr ausdrücklicher Wunsch, ciao dann.

Du wirst es wohl nicht gewusst haben, aber während ich mit Dir sprach, hätte doch der Mann, dessen Sein ich derzeit einerseits verstehe und auch nicht verstehe, weil was habe ich damit zu tun und andererseits bedenke und begehre, das habe ich damit zu tun, direkt aus mir heraus kommen müssen. Ich bin besetzt von etwas, werde geliebt und gewertschätzt grade für das, was ich bin fühle ich. Siehst Du das echt nicht? Also ich schon, deswegen frag ich. Weiß ich ja auch generell grad nicht, wie die Anderen mich sehen. Und Du hast es wohl echt nicht bemerkt,
bemerkenswert.
Wie konntest Du nicht wissen, dass ich derzeit mit einem anderen Mann Tee trinke, so, wie man ihn in Palästina trinkt? Oder auch so, wie man ihn aus dem Ayurvedischen kennt, wenn nichts anderes mehr hilft. Je nachdem. Ich versteh das nicht. Wie konntest Du nicht wissen, dass da derzeit auch nichts heran kommen kann, dass ich derzeit unantastbar bin? Ich meine: hello from the other side.

Denn später, später, als hättest Du auf mich gewartet, klopfst Du an eine Scheibe, hinter der ich sitze, und sprichst schon mit einer aufgeregten, aber doch erwachsenen Stimme: „Entschuldige, entschuldige, ich wollte Dich nicht erschrecken. Ich wollte, ich wollte nur fragen, ob… ob vielleicht… ob Du Lust hättest, nächste Woche oder auch jetzt bald schon einen Kaffee oder ein Bier oder was Du willst also…“ Ich schüttle den Kopf, „Nein“, sage ich, „nein, tut mir leid.“ „Ok“, sagst Du, „ok, ich verstehe.“ Ok ciao.

Hoffentlich war ich dem Patenkind jetzt ein gutes Vorbild, denke ich, während wir fahren. „Bist Du angeschnallt?“ frage ich. Hoffentlich konnte ich ihr subtil, also ohne Vorschrift, weil sie soll selbst denken weil sie kann das, klar machen, dass man immer Nein sagen kann. Erziehung bringt ja nichts, Kinder machen einem eh alles nach. Erziehung bringt ja nichts, Kinder machen einem eh alles nach. Hoffentlich habe ich das jetzt richtig gemacht für sie. Hoffentlich. Naja.

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Manchmal möchte ich, dass mich jeder versteht.

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Wenige Tage später auf dem Weg zurück sein und auf diesem Weg zurück, wird mir klar, dass mit mir etwas passiert ist. Ich merke schon, wie ich die Dinge anders ansehe, wie ich plötzlich auch größer sehe. Mein Blick ist weiter, geht das? Wie alles plötzlich ein differenziertes Bild ergibt, als hätte es auch gleichzeitig nichts mehr mit der Frau zu tun, die ich zuvor war. Dinge fügen sich, es ist ein Bild, es hat mehr Farbe, es ist eine Performance, es hat mehr Flexibilität.

Von Dir zu kommen heißt in Frieden zu gehen schreibe ich in mein Notizbuch.
– Wer schreibt da?

Menschen gucken mich an.
So lang sie mich nicht erkennen, ist alles gut.
Ich möchte allein auf dieser Welt sein.
Vielleicht.
Christoph Schlingensief hat sich das auch mal gewünscht, damit er heulen und schreien kann.

Warum bin ich so confident, wenn ich allein bin?
Warum fühle ich mich so wohl, wenn ich mit mir allein bin?
Warum laufe ich dann so furchtlos?

Das Musikinstrument, welches Du ausgebessert hast, ich halte es noch ungeschickt in den Händen, genau so aber ist es vielleicht auch mit Dir. Vielleicht, man wird sehen, passt Du zu mir, und wenn es da etwas geben sollte, repariere ich das, aber noch halte ich Dich ungeschickt in meinen Händen.

Jedenfalls – das Instrument, es schläft seitdem auch mit mir in meinem Bett, es ist jetzt ein Teil von mir geworden, weil ich immer auch daran denke, es zu Ausflügen mitzunehmen, wenn ich welche mache und wie es wohl wäre, es dabei zu haben und wie, wenn nicht. Und wie es wohl wird, wenn ich es spielen kann. Falls überhaupt.

Aber Du denkst, ich kann das. Und ich weiß wirklich nicht, ob Du das sagst, um mich zu komplementieren oder um mir Sicherheit zu geben oder weil Du dir vielleicht auch so sehr wünschst, dass ich eine Frau mit musikalischem Talent bin, aber das bin ich nicht, ich glaube wirklich, das bin ich nicht.

Doch, ich denke schon, dass Du es kannst, sagst Du.
Vielleicht kann ich es dann irgendwann auch nur, weil Du es von Anfang an glaubtest, denke ich.

Ich kenne diesen Mechanismus. So funktionierte mein ganzes Leben. Was habe ich nicht alles schon einfach gekonnt, weil ich glaubte, dass ich es kann? Mich selbst genährt, gehalten, erzogen. Was habe ich nicht schon alles einfach getan? Frag mich lieber, was ich alles noch nicht getan habe. Aber anders herum, so herum, habe ich das seltener kennengelernt. Das wäre bestimmt auch zu schön gewesen.

So schlendere ich also nach Hause, Friede ist mit mir, das erste Mal seit langem fühle ich mich sehr sicher und ich bitte darum, möge ich all meinen personifizierte Ängsten begegnen, jetzt, denn ich kann das. Aber nichts passiert! Das darf eigentlich echt nicht wahr sein.

Ich setze mich dann noch auf die Holzbank einer Gaststätte. Wie oft bin ich früher hier gewesen?

„Bist Du Musikerin?“ fragst Du mich, wie immer mit interessiertem Blick.
Ich finde Dich lustig, weil Du kellnerst, und ausgerechnet Deine größte Schwäche ist das Vergessen. Es passierte schon so oft, dass ich etwas bei Dir bestellte, und Du nochmals raus kamst und mit einem verlegenen Kratzen hinter dem Ohr sagtest: „Eh…“
„Nein“, sage ich, „aber vielleicht irgendwann mal.

Ich bin zu winzigen Teilen ein Wunder an der Bar. Wunderbar und wandelbar.

Wie sehr wünsche ich mir, dass Du mich mal so sehen könntest, wie ich bin, wenn ich mit mir bin. Wenn ich mir einfach sicher bin. Wenn die Nähe mich nicht vermeintlich angreifbar macht. Vermeintlich vermeintlich, bald hab ich’s.

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SMS-Verlauf 1

20:12: „Hiiii… Deine Freundin hält morgen einen Vortrag zum Thema Institutioneller Rassismus glaubst Du sie schafft das? Deine Freundin datet seit zwei Wochen den gleichen Mann, glaubst Du, das wird was? Deine Freundin ist morgen Abend in Deiner Nähe, glaubst Du, da passt was?“
23:12: „Nina hab das grad erst gelesen aber bin noch wach und habe Muffins im Ofen also könntest kommen“
07:00: „Meine heute“
14:34: „Ja geht auch“

SMS-Verlauf 2

„Hi. Findest Du, ich bin leicht zu lieben? Wenn man mich neu kennenlernt?“
„Ich denke, ganz am Anfang ja, mit viel Begeisterung usw., dann könnte ich mir vorstellen, dass eine Phase mit Hürden und sich finden kommt, und wenn man es in Phase 3 schafft, glaube ich mit sehr viel Tiefe und Kraft.“
„Kool danke.“

SMS-Verlauf 3

„Du hast vorgestern, als wir so da saßen, iwie meine Hand und meine Finger genommen, und dann hab ich glaube ich kurz weg gezogen, Reflex vllt, und Du hast dann Arm genommen und kurz gehalten und gestreckt so, um zu zeigen wie für Dich wenn einrenken. Und seltsam. Ich habe mich erst gestern Abend daran erinnert, obwohl irgendwas daran besonders war. Ich hab das nicht geträumt denke ich.“

Ein Anruf! Ein Anruf! Bist Du es? Ja Du bist es! Du bist es!

Du sagtest was von elektrischer Schock oder so
Ja
Ja ich hab das auch gefühlt
Ehrlich?
Ja klar.

Ich versteh halt nicht so viel von sowas bzw. eher so verstörend wenn jemand fühlt wie ich weil eher selten so deswegen sorryok bis dann.

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30 – 41

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Imagine there‘s no heaven
It’s easy if you try
No hell below us
Above us only sky

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Bike, Zug, Fuß, Zug, Bike. Stadt 1, Stadt 2, Stadt 1. Beeilung damit ich Dich noch telefonisch erwische weil ich eine Antwort von Dir brauche: Würdest Du auch so fühlen wie ich?

Dann wieder Bike, dann wieder Arbeit, dann vertan, weil doch kein Firmenwagen, oh nein, ok, egal, I manage anyhow. Bike, schwitzen, Vorfahrt nehmen. Sorry Leude, aber es ist unser erster Termin allein und ich möchte nicht zu spät kommen.

Schwitzender dann im eigenen Auto sitzen, der Kopf voll mit Was meinen wir nur, wer wir sind? Und wenn Du jetzt darauf antwortest, dann breche ich zusammen, das sehe ich ein, und zu meiner eigenen Seenotrettung schalte ich den Flugmodus an. So. Und dann bin ich schon bei Ihnen, es ist nur eine Minute, die ich zu spät bin, also eigentlich bin ich gar nicht zu spät möchte ich damit sagen. „Wollen Sie einen Kaffee“, fragen Sie. “Darf ich aufrauchen”, fragen Sie. Natürlich, sage ich, wer bin ich denn, Ihnen eine Zigarette zu verweigern. Und dann: gemeinsam Gedanken sortieren, Schulden begleichen und als Letztes noch Lebensmittel einkaufen.

Und während ich so da stehe, zwischen Regalen, Sie ließen mich zu lang außerhalb der Hilfestellung, weil Sie das allein machen wollten, kann ich nicht widerstehen, ich beende den Schwebezustand mit nur einem Klick und aus den Wolken heraus fallen sie in meine Hände, es sind kleine Luftballons, die nach einer langen erschöpften Reise, it’s such a question of perception, endlich in meine, meine Hände fallen, ich kann sie gar nicht zählen, so viele sind es. Alle schmiegen sie sich an mich und ich beginne zu lesen und doch nicht, denn ich bin nicht allein, ich bin nicht allein hier, erinnere ich mich, als ich mit trommelndem ❤️ in einem Supermarkt stehe und es geht jetzt nicht um mich und dann sehe ich Sie an, wie Sie das Leben ansehen, und es doch nicht verstehen, ich verstehe Sie.

„Geben Sie mir einfach die Tasche, ich trage das“, bestimme ich und lege die Hand mit den Luftballons beiseite. “Ich mach das schon, entspannen Sie sich, wir haben Zeit.”
Danke, sagen Sie, ohne Sie hätte ich das jetzt nicht geschafft.

Einsteigen, aussteigen, rein kommen, ankommen. Katzen begrüßen uns, wie viele sind es.

„Wir frühstücken jetzt erstmal“, bestimmen diesmalig Sie. Wer hat wem das Bestimmen abgesehen? Als ob Sie es wüssten, dass Essen bei mir gerade nicht so, was möglicherweise an einem Medikament liegt, welches endlich zulässt, dass auch ich mich genau so wie ihr konzentrieren kann, nur eben nicht beim Essen, das eben eher nein und sollte ich das bei Gelegenheit ansprechen? Andererseits, I’ve never been a bitchiges, billiges, williges skinny girl und man sagt ja, man sollte alles im Leben mal ausprobieren und verwehre Dich keiner Transformation, demnach.

„Wir frühstücken jetzt erstmal“, sagen Sie nochmal, wie bitte? Habe ich vielleicht geträumt? Bin ich wirklich so blass? Aber ich kann tragen, tragen kann ich, tröste ich mich. Und weil es 16 Uhr ist, stimme ich dem Angebot zum Frühstücken zu, weil es zu meiner Verfassung passt, das Verspätete, das Verschlafene, das Verträumte auch. Und weil es schon so lang her ist, dass eine Mutter für mich den Tisch deckte, weil ich mich schon gar nicht mehr erinnern kann, wie es ist, wenn eine Mutter den Tisch deckt, vielleicht deshalb lasse ich mich fallen und werde ich ganz ruhig und beobachtend. So, als dürfte ich von all Ihren Handlungen und Gesten und Gewohnheiten nichts verpassen. Sogar eine Serviette drücken Sie mir in die Hand, obwohl ich danach nicht gefragt hatte, aber einer Mutter widerspricht man nicht. Ihre Tochter möchte ich trotzdem nicht sein, denke ich und fast hätte ich es ausgesprochen, denn ich bin derzeit besonders sensibel, was Inbesitznahme betrifft und vielleicht auch, weil ich noch nie wirklich eine Tochter war. Ich weiß gar nicht richtig, wie das geht.

Geschmückt und gedeckt sagen Sie: „Ich bin ganz ruhig jetzt, danke.“

Und dann gibt es eingesperrtes, missbrauchtes, ängstliches, aufgehängtes, ausgeblutetes, also totes, Tier in Scheiben auf Brot für alle, also für Sie, nicht für mich. (“Essen Sie etwa kein Fleisch?” “Nein, eher nein” “Na gut, ok, ist ja nicht so schlimm” sagen Sie, und holen ein Glas Nutella aus dem Küchenschrank). Und dann erzählen Sie mir die Geschichten Ihres Lebens, einfach so, und eigentlich sind alle davon traurig. Nur die Letzte nicht, nämlich die, wie Sie es geschafft haben, allein zu leben. Wichtiger noch: allein zu sein. Und mit Sein meine ich Sein im eigentlichen Sinn.

„Naja, nun sprachen wir, als würden wir uns schon Jahre kennen, hm?“
Ja, so sprachen wir. Dann bis zum nächsten Mal. Alles Gute.
„Danke, dass Sie mit mir gegessen haben, allein ist es doch nicht so schön.”
Ja, ich sehe das genau so, sage ich und ziehe die Tür hinter mir zu.

Lustballons überall auf dem Weg.

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Noch einmal ist es gestern und da schlage ich mein linkes über das rechte Bein, ich berühre Sie dabei ausversehen und natürlich, natürlich entschuldige ich mich und noch während ich mich entschuldige, was Sie nicht zur Kenntnis nehmen, berühre ich Sie abermals. Sie schnalzen lauter mit der Zunge als beim ersten Mal und ich denke Nee, das lasse ich jetzt nicht unausgesprochen: Ich habe mich doch entschuldigt, sage ich, nicht angegriffen, sondern leise und fragend, weil ich nicht weiß, was stört Sie so. Fast flüstere ich meine Beobachtung.

Sie müssen mich ja trotzdem nicht treten, sagen Sie laut und klingen dabei nach Wut und ich antworte und ich glaube auch, ich lege den Kopf dabei ein wenig schief: Ich habe Sie nur berührt.

Und die Beine übereinander schlagen, das brauchen Sie auch nicht, wenn es doch eh schon eng ist!

Das wagen Sie mir zu sagen und dann denke ich: Diese Zeiten sind vorbei und ich schaue Sie gerade heraus an und sage: “Was ich mache oder was ich lasse, wenn es eh schon eng ist, das entscheide ich, wissen Sie.”
Sie schauen mich an und ich denke nicht, dass Sie verstanden haben.

Heute, als wäre das bereits wieder ein Test, komme ich da rein und eigentlich habe ich es wieder eilig, weil etwas auf mir lastet, ich will es los werden. Und da stehen Sie, dahinter, und da steht er, davor. Sie sind fast weiß und er ist fast rot und er brüllt so, wie es nur Männer können und ich stehe daneben und muss erst begreifen und sage dann,
fast so, als wäre ich verwundert: Nun schreien Sie doch nicht so.
Ob ich schreie oder nicht, das geht Sie überhaupt nichts an!
Ironisch beeindruckt muss ich fast nicken und sage:
Es geht mich etwas an, denn ich bin Zeugin dessen deswegen.
Und manchmal glaube ich, man kommt mit Ruhe weiter als mit Lautstärke.
Kümmern Sie sich um Ihren eigenen Scheiß, denn auch das geht Sie nichts an!
Sie täuschen sich, sage ich und füge hinzu: Ich möchte nur helfen, vielleicht kann ich helfen.
Scheren Sie sich was, mir können Sie nicht helfen! Und jetzt halten Sie sich gefälligst raus!
Sie meinte ich nicht, sage ich mit Blick auf ein Gesicht. „Kann ich Ihnen helfen?“ frage ich und die Addressatin antwortet: „Ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich sage ihm, dass ich nicht habe, was er will, und er versteht es nicht!“ Ich sehe den Mann an und er sieht mich an und brüllt nochmal und das geht an uns beide und ich lasse ausbrüllen und dann dreht er sich um und geht. Ich sehe die Frau an, die mich ansieht, blass, wie sie ist. Sie sagt: “Danke dass Sie sich für mich eingesetzt haben.“

Ich habe das gern getan sage ich und ich denke an einen Satz des Mädchens, welchen ich drehe, bis ich habe, was ich meine, bis er meiner ist:

Wer gelernt hat, sich für sich selbst einzusetzen, kann sich auch für andere einsetzen. So vielleicht.

Dann gehe ich raus und sehe ihn an einer Ampel stehen und tatsächlich fährt er ein Fahrrad. Wie kann ein solcher Mann ein Fahrrad fahren, frage ich, denn Fahrradfahren braucht feeling. Ich verstehe das nicht.
Und mein Blick geht zu meinem Fahrrad, auch das steht angelehnt an einer warmen Hauswand. Kurz habe ich Sorge, dass er mir dieses, welches ich eben nicht abgeschlossen habe weil manchmal glaube ich an Gerechtigkeit, weg nehmen will, dass er es fahren wird, und dann bin ich es, die ohne es da steht. Was dann?

Frau, sage ich, Du gibst dir alle Antworten selbst, Du musst sie nur noch glauben.

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Es ist schon spät aber doch rufe ich Dich zurück, denn irgendwas lag in der Stimme und Du sagst: Weißt Du Nina, es kann sein, dass dieser Tod kein Natürlicher war, die Dinge, die Dinge, es gibt Dinge, die darauf hinweisen. Dinge. Nicht schon wieder, denke ich, nicht schon wieder. Ich halte meine Haare, ich lege alles auf die Stirn. Es gibt bereits genug Sterbefälle, die sich nicht natürlich ergaben, wie viele kann eine Familie noch ertragen?

Ich kann nicht mehr, sage ich, ich muss auflegen.
Ja gut, dann viel Erfolg. Danke, sage ich.

Wobei denn?

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Schlafen, schlafen, irgendwie.
Und dann aufstehen, Kilometer fahren, irgendwie.
Ein Schild das meint, hier könnte ich richtig sein, denn hierher gehen Frauen mit Angststörungen, Essstörungen, Depressionen und akuten sowie posttraumatischen Belastungsstörungen.

In dem Wartezimmer: Frauen.
Frauen, das sind Wir, die hier ihre Fragebögen ausfüllen. Bitte kreuzen Sie an: Ich gehe Problemen lieber auf den Grund, als sie nur zu beschreiben. Ja oder nee / Ich finde es schwierig zu beschreiben, was ich für andere Menschen empfinde. Ja oder nee / Durch die Suche nach verborgenen Bedeutungen nimmt man sich das Vergnügen an Filmen oder Theaterstücken. Ja oder nee. Die Frau neben mir streicht überall Minus minus an, auch bei den Fragen, die von Gefühlen handeln, das wirkt auf mich sehr ernst. Ich kenne das, all das, möchte ich Euch zurufen. Auch ich zerbreche manchmal an den einfachsten Dingen. Wieso ich, wieso jetzt?

Alle Frauen hier sind schön auf ihre Art. Und alle sind magisch, wenn sie lächeln. „Ich habe halt nichts anderes mehr getan außer gegessen“, sagt eine Frau zu uns. Die Anderen nicken verständnisvoll. „Aber jetzt ist damit Schluss“, sagt sie, und sie sieht dabei so aus, als würde sie das auch so meinen. Frauen, das sind wir, die ihre Aggressionen tendenziell und im Gegensatz zu Männern verstärkt nach innen und gegen sich selbst richten. Deswegen die Psychiatrien auch tendenziell mehr mit Frauen als mit Männern und die Gefängnisse tja.

Und dann bin ich dran, endlich bin ich dran und ich versuche so gut es geht meine ganze Geschichte in eine Stunde zu packen. Und immer noch, selbst heute, als gestandene Frau, überrascht es mich, wenn mein Gegenüber versteht, was ich sage, Fragen stellt, aber nicht infrage stellt, nicht mich, und auch nicht meine Gefühle dazu, meine Empfindungen, all die Schäden und Narben, die ich seit der Geburt, die natürlich auch schwierig war und mich bereits fast umgebracht hätte, mit mir herumtrage, als logische Schlussfolgerung und nicht als Selbstzerstörung ansieht. Endlich. „Ja, das verstehe ich“ und ein mitfühlender Blick und mal ein Lächeln, alles zum richtigen Zeitpunkt. Es ist für mich wie ein achtes Weltwunder, wenn so etwas geschieht. „Danke“, sage ich, „ich fand sie sehr angenehm.“

Später abends klopft es an die Tür, da bist Du. Endlich bist Du da.
Dir öffne ich die Tür, ich falle in Deine Arme und Du in meine und sage leise: Was sind wir nur für Frauen?

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Deine Hände und die Wärme und die Flüssigkeit auch und wie immer bewundere ich Dich, wie Du als so viel kleinere und zierlichere Frau mit so viel Kraft und Selbstverständlichkeit auf einer Frau wie mir klettern, auf mir stehen und sogar balancieren kannst. Auf einem schiefen Geschöpf wie mir verstehst Du, Gleichgewicht zu halten. Sag mir, wie machst Du das? Deine Antwort ist das Biegen, Drehen und Ziehen an Armen, Beinen, Fingern und Köpfen, immer wieder. Aber nichts renkt sich ein, verweigert sich da was? Ist das mein Fehler, habe ich einen Fehler?, frage ich.
Fester, sage ich, bitte fester.
Locker, sagst Du, locker.

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Später abends dann das Telefonat mit Dir als derzeitiger. Und so beginnst Du ein Mantra für mich zu singen und das Mantra macht mich stumm, obwohl ich Dir noch ein Gedicht vorlesen wollte, eigentlich hatte ich mir das vorgenommen. Sowas habe ich noch nie erlebt. Danke, sage ich am Ende. Bitte, sagst du am Ende und dann: dieses Mantra, wenn Du willst, kannst Du es nachsprechen. Es ist ein Mantra gegen Angst und ein Mantra von einer Frau, die sagt, dass sie immer da sei, wenn die Angst käme. Dass sie komme und die Angst mitnähme. So ähnlich irgendwie und ich sage: Danke, aber ich kann mir so schlecht Dinge merken.

Was ist wenn das was ich bin dir nicht gefällt, ich stelle mir diese Frage nur noch sehr, sehr selten.
Denn die Situation ist so klar: Sollte einer von uns dem Anderen nicht gefallen, so hat einer von uns den Anderen nicht erkannt. Mindestens. Es ist wirklich so einfach und deshalb so tragisch.

37

Es ist ein weiterer Tag und es sind nackte Füße, leise Strömungen, ein warmer Sturm und ein Musikinstrument, Fragen, Antworten, Schweigen. Und meine zarte und zerbrechliche Gelassenheit, nur innerhalb dieses Kontextes, sie wandert neben Dir mit. Denn eigentlich bin ich so, gelassen. Und manchmal passiert es, dass ich Dich als die Frau, die ich wirklich bin, von der Seite ansehe. Und als ich Dich so ansehe, sind es nur wenige Sekunden, in denen ich denke: Genau jetzt wäre ich bereit, von Dir angesehen zu werden. Es läge darin keine Scham mehr, keine Unsicherheit, keine Angst. Es sind nur wenige Sekunden und das konntest Du ja auch nicht wissen.

Ok dann, danke. Ja, danke auch.

Was auch immer daraus wird.
Ich werde in jedem Fall.

Am Ende ein Zug, eine Stange geeignet zum Anlehnen wie ich feststelle, eine Frau, die auf ihren Namen hört.
Wie viele Leben lebe ich eigentlich?

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Reinhängen, Gegenlehnen. Ich möchte mich irgendwo reinhängen und gegenlehnen. Anlehnen vielleicht?
Auf etwas ausstrecken und dann soll sich jemand auf mich drauf legen, mit all seinem Gewicht, sodass ich keine Luft mehr kriege und so auch keine mehr anhalten kann, bis mir fast schwarz vor Augen wird und mein Instinkt mich erinnert.

Du musst atmen, weißt Du, auch wenn es ein Trauma war, Du musst weiter atmen und es dabei ausatmen. Loslassen, nicht festhalten.

Ich liebe das Leben in all seinen Momenten. Sogar in diesen.

Meine Pupillen, die sind so groß, wenn ich mit Menschen wie Dir zusammen bin,
sodass ich sogar bei Regenwetter Sonnenbrille trage, weil ich sonst fast erblinde. Das erzähle ich nicht Dir, aber Dir, weil ich weiß, Du hältst mich nicht für verrückt, was Du auch wie immer direkt unter Beweis stellst.

„Wenn Du sehr konzentrierst bist zum Beispiel ist das normal, dass sich Deine Pupillen weiten und wenn Du Stress hast oder auch Angst, aufgrund dieser Gefühle und der kognitiven Überlastung, noch mehr.“

Das kann doch nicht sein, sage ich versteckt hinter meiner Hand.

Das kann doch nicht sein, ich dachte, es ist nur der Atem und nur mein Herz,
nur der Verstand und nur mein Gesicht, nur der Blutdruck und nur meine Gedanken, die sich verändern.
Wie kann man mich denn so lieben und bin ich damit denn überhaupt gemeint?
Das Letzte konntest Du nicht gehört haben und

„Naja“, sagst Du, „die Augen gehören zu den sensibelsten Organen im Körper, Nina.“

Bisher dachte ich immer, es sei das Herz welches dazu gehöre and people should fall in love with their eyes closed. Alles verrät mich, alles verrät mich, ich kann mich nicht halten, nur verhalten, wenn ich bei Dir bin oder so tun wenigstens. Beides scheiße.

„Aber ich würde ihm gerne mal in die Augen sehen, ohne UV-Schutz.“
„Wirst Du auch, hab Geduld mit Dir“, sagst Du so, als wüsstest Du.
Und ich selbst kann mir das meistens gar nicht vorstellen. Es ist so unvorstellbar. Wie soll das jemals für mich möglich sein?

Aber das ist nur die eine Seite, welche Kunst in mir erzeugt. Andererseits weiß ich doch, wie viele Wunder habe ich mir schon selbst gezeigt?

39

Ich verstehe Dich nicht, ich verstehe sie nicht. Ich verstehe nicht, ob und eigentlich bin ich doch noch gar nicht da also bitte mach Deine Entscheidungen nicht abhängig von mir, gute Entscheidungen stehen für sich allein, gute Entscheidungen, sie bleiben bestehen, sie öffnen Türen, Fenster, Münder, Beine, Herzen.

Und nun ja, das ist jetzt unser erstes Mal. Wir wissen ja gar nichts voneinander. Wir müssen darüber nochmal sprechen, sprechen. Ja, müssen wir. Aber gerade, da bin ich in einem Zug.

Welche Richtung ist mein Satz daraufhin und irgendwas in mir weiß nicht warum, aber es bewegt sich und: Vielleicht in meine Richtung, vielleicht in meine Richtung.

40

Das, was hier passiert, sind kreative Gedankengeburten, bis alles an mir schwer und leicht wird. Full and empty all at once. Wer gebärt, der muss auch nähren, denke ich, und versuche es mit einer Tomatensuppe. Ich habe ein Gerät, ein teures Gerät, ich wollte es nicht haben, aber nun habe ich es. Es war noch die Zeit, als Andere darüber bestimmten, was ich zu haben wolle. Die Geschichte, wie es dazu kam, ist eine Familiengeschichte und Familiengeschichten sind immer lang und Papier zwar geduldig aber so nicht jede Schreibende. Ich zwinge mich aber, denn ich bin nicht für Verschwendung, ausgerechnet habe ich, wenn ich das Gerät in etwa einmal via Monat nutze, so wird es sich in etwa 11,4 Jahren rentiert haben, all das Geld. So also heute und ich drehe an einem Regler und plötzlich geht alles hoch wie bei einem Vulkan sieht das aus sogar die Farben, rot und grau, alles weil ich den Deckel vergaß den Deckel, ich sage ja, Konzentration und Kreativität und alles an meiner Wand und es läuft runter und hinterlässt Spuren und ich stehe nur da und überlege: Ist da ein Muster? Ist das, kann das sein, ist das Kunst oder…

Die Antwort ist:
Dieses Gerät ist nur was für praktisch veranlagte Menschen und ich bin unpraktisch / emotional veranlagt.

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19 – 29

19

Glaubst Du denn, er wird sich an ihren Geburtstag erinnern?
Er hat ja eine Mutter, antwortet sie. Und bleibt dabei.
Und angesichts dessen, angesichts dieser Angelegenheit, bin ich fassungslos.
Und auch weiß ich nicht, ist da Ironie in ihrer Stimme.
Ich möchte sie kurz schütteln und sagen: Ist da Ironie in Deiner Stimme, ist es das? Ja oder nein?
Was soll das heißen, er hat eine Mutter, flüstere ich stattdessen.
Er hat keine Mutter, er hat eine Tochter, darum geht es doch.
Eine Tochter, deren Geburtstag er zur Hälfte mitbestimmt hat, deren Geburtstag doch aus ihm heraus entstanden ist.
Eine Tochter hat er, niemanden interessieren die Mütter, so ist es doch.

Ich denke an all die Briefe, die ich gelesen habe, all die verschiedenen Absender, all die gleichen Entschuldigungen, und nicht im eigentlichen Sinne waren es Entschuldigungen, sondern mehr waren es Rechtfertigungen für die Taten der Täter selbst. Darin waren sie sich stets einig. Aber so funktioniert Leben nicht. So funktioniert das Leben nicht.

20

Der Spannung Raum geben. Mutig sein.

Ich würde die Tür öffnen und sagen Hi. Komm, komm in meinen Arm, lehn Dich an mein Herz, leg Dich in meine Hand. Einfach so und warum auch nicht, einfach und frei, ohne Erwartungen, denn Erwartungen habe ich nicht, erstmalig nicht.

21

Und jetzt, wo das Neue an die Tür klopft, eile ich noch einmal zurück, irgendwas holen, bevor ich endgültig alle Türen verschließe. Ich will es wissen, bevor ich das neue Haus betrete, den Schmutz abtreten. Wie war das denn für Dich, frage ich, als wir zusammen waren. Was dachtest Du, als Du mich das erste Mal sahst.
– Wieso brauchte ich so lang, um Dir diese Fragen zu stellen, wenn Deine Antwort darauf doch so schnell kommt.

Als ich Dich gesehen habe, wollte ich Dich kennenlernen, weil Du klug aussiehst.

Und dann sagtest Du: Als wir zusammen waren, hast Du mir sehr geholfen. Ich denke, Du verdienst alles und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich Dir nichts gegeben habe. Meine Meinung zu Dir hat sich nicht geändert. Du bist immer dieselbe Person für mich.

Eine Liebe, die so endet, ist nicht beendet, sondern nur transformiert.

22

Alles strengt mich an, besonders der Kontakt mit Euch, und im Besonderen strengt es mich an, Euch stetig abzuweisen. Das würde auch nie passieren, wärt ihr einfach mal so feinfühlig, wie ich es bin.

Denn ich trage Last und dann kommt ihr an mit Eurer Heiterkeit, aufgrund dieser formt sich mir bereits eine erste Frage, wie erwartbar von Euch nicht beantwortbar: Warum eigentlich? und btw ihr macht es mir durch eben diese Heiterkeit und die Fragen, die sich mir daraus formen, nicht leichter, sondern schwerer. Worüber ihr redet und die Art, wie ihr lacht. Alles fühlt sich wie ein Fremdkörper für mich an. Und dann gehe ich neben Dir, noch ein weiterer Fremdkörper, wie an mir dran gewachsen, angeheftet, Hauptsache bei mir sein, ohne zu fragen, wieso eigentlich und ohne zu prüfen, ob Du etwas zu geben hast. Und weil Du nicht loslässt mache ich es Dir nach, ich habe es nie anders gelernt und nun fühle ich mich so, als könnte ich mich nicht mehr trennen, wie eine sorglose Mutter nach der Empfängnis fühle ich mich, die es sich nun, da nichts mehr rückgängig zu machen ist, nicht wagt, den Vater dafür ebenso zur Verantwortung zu ziehen. Also gehe ich mit Dir, neben Dir, alles schwer, schwer, schwer, Hindernisse neben, vor und über uns und nichts an Dir ergibt Sinn für mich in meinen Gedanken. Rede mit mir, denke ich, lache nicht mit mir.

Bringe mich über das Reden zum Lachen. Nicht über das Lachen zum Reden.
Wieso verstehst Du das nicht?

Ich weiß, wie ich funktioniere: so nicht.
Wenigstens ich weiß das.

Komm, erzähl mir eine Geschichte, möchte ich Dir noch sagen.
Eine Chance damit geben. Aber ich weiß schon jetzt, was kommen wird und dennoch.

Warum bin ich so, warum bin es immer nur ich selbst, die sich infrage stellt. Als dürfte ich in diesem Leben nicht nach mehr fragen. Als wäre das Leben nur für Euch allein gemacht, und weniger für mich. Als wärt ihr mein Maßstab, und nicht ich selbst.

Einschließen, der Tristesse entkommen. In den Spiegel sehen. So sehe ich also mittlerweile aus, aha. Wasser ins Gesicht, früher, da hätte ich mich das nicht getraut, früher, da war da nur Mauer und Maske, ich hätte das Risiko nie gewagt, alles hätte kaputt gehen können. Jetzt bin ich echt und flexibel damit auch.

So stehe ich da und stelle fest: Es gibt keine Geschichte mehr zu erzählen.
Ich will mich scheiden lassen. Aber wie mache ich Euch das klar?

23

„Ja, ich bin halt da.“
„Ja, Sie sind da. Und?“
„Das reicht schon.“
„Was ist denn das Problem?“
„Vielleicht suche ich nach Existenzberechtigung und finde keine. Vielleicht ist das das Problem“

24

Jede Minute öffne ich den Briefkasten, und es ist zuverlässig ein Liebesbrief von Dir darin. Qualität, nicht Quantität. Damit kommt diese der Nachsicht nicht hinterher. Und bereits da beginnt mein Leiden, es beginnt immer, obwohl ich weiß, dass es darum gar nicht geht. Schuss jetzt, denke ich, es reicht.

Dein Drang nach Freiheit verdrängt meinen Platz, den ich innerhalb einer Verbindung stets innehatte. Immer war ich es, die sich Platz erkämpfen musste, die sich zugeschnürt und okkupiert, verantwortlich, schwer und des Lebens und seiner Abenteuer beraubt fühlte, Schuld empfand für die eigene Unabhängigkeit, immer wieder verzweifelte: Bitte gib mir Raum, Dich zu vermissen. Wenn schon nicht für mich, dann doch wenigstens für Dich, verstehst Du das wirklich nicht?

Die Freiheit, die Freiheit war und bin ich, und immer wieder nahm ich mir als das große Substantiv unterschiedliche Adjektive. Mal war ich sexuelle Freiheit, mal war ich individuelle Freiheit. Mal wandelte ich mich und war religiös frei oder machte Gebrauch von meiner Meinungsfreiheit.

Ich war frei zu sprechen, zu schreien, zu heulen, zu kotzen, zu wüten und ja, zu lieben. Das auch. Das Allerwichtigste war jedoch: Ich war stets frei, zu entscheiden.

Nun, da Du diese Position innehast frage ich mich.
Wo gehöre ich mit dir hin?

Du öffnest, als wüsstest Du, wie und als wüsstest Du gar nicht, was das für jemanden wie mich zu bedeutet hat. Wenn noch ein jemand einen selbst nicht nur aushält und versteht, was man sagt, sondern davon immer und immer nur mehr provoziert, weil man es verarbeiten kann. Dass nicht nur meine Gedanken um mich kreisen, sondern dass sie über Dich zu mir zurück finden, Blütenstaub mit sich bringen und größer werden sodass ausgerechnet ich immer wieder kapituliere: Ich habe keinen Platz für die Worte, die mir zu Dir einfallen.

25

Über den Hof schallen sie und steigen liebevoll getragen durch das Fenster in meinen Raum, die Töne, nach sanfter Lust und dringender Begierde, nach süßem Honig, Schweiß, Salz und Zucker, wir alle hören es und sind stumme Zeugen, wie wir schwitzend in unseren Betten liegen, während ihr den ganzen Hof mit Liebe beschallt.

26

Später dann (m)ein anderes Leben: Angst, Angst und immer nur Angst. Mensch sagst Du, als Du meine Hand nimmst, alles so kalt an Dir, was ist denn? Angst, schaffe ich noch zu flüstern. Aber wovor denn? Siehst Du sie nicht, sage ich mit Blick auf die Anderen gerichtet, siehst Du sie nicht.
Wo bin ich, wo bin ich? Ich habe mich verloren und finde mich nicht wieder.

Komm, sagst Du, gib mir Deine Hand, wir gehen hier zusammen durch und ich entscheide mich. Wo soll das hinführen. Allein will ich gehen, mutig will ich sein. Lass mich los, schaffe ich gerade noch zu sagen, ich will lernen, für mich allein zu gehen.

27

„Eine Gruppe, es ist eine Gruppe.“
„Hm, ok. Und was sind das so für Leute?“
„Ganz unterschiedliche“
„Aha, hm hm. Und was … also was machen diese Leute dann da?“
„Es ist ganz offen und einfach…“
„Und ich kann auch einfach so, also… einfach so teilnehmen?“
„Ja, natürlich können Sie das.“
„Aha, ok, ja gut“

28

Du weißt nichts von meinem Leben. Außer, ich erzähle dir davon.

Wenn jemand stirbt, verlässt er, im schlimmsten Fall. & hinterlässt er, das im besten Fall. In diesem einen bestimmten besten Fall, Briefe über Briefe, Tagebucheinträge, Abschriften. Niemand kann sich mehr rausreden, niemand kann mehr sagen, er hätte es nicht gewusst. Rechtfertigungen reihen sich an Forderungen, Wünsche umarmen Ideen und Rezepte werfen sich schützend über Deine Ideologien. Berührend und abstoßend, alles zugleich. Du als ein kleines Medium der Familie, der auch ich entstamme. Du als das Brecheisen, auch als Dein eigenes Bindeglied, dann, wenn man Dir nicht zuhören wollte, Dir nicht glauben wollte. Vielleicht taten das die Meisten so, die auch Wir sind, und dann warst Du irgendwann vielleicht nur noch auf Verzicht aus, aber jetzt, wo sich Dir niemand mehr wiedersetzen kann, da hinterlässt du, was Du zu sagen hattest. Ist das jetzt mutig oder ist das feige?

29

Aber nein, nein, Du hast mich mal wieder falsch verstanden, denn so oft, wie Du Dich mir verweigert hast, so oft kann ich Dich bis zum Ende meines Lebens nicht mehr zurückverweigern. Also habe ich beschlossen, ich bin bereits einfach jetzt bei Null angekommen. Ich habe Dir alles zurück gegeben, es sind nicht mehr meine Schuldzuweisungen, nicht mehr meine Ängste, es sind nicht mal mehr meine Traumata. Ein Teil bin ich zwar Du, aber geboren habe ich mich selbst. Denn ich bin die Frau, die ich immer sein wollte jetzt, zumindest fast, und ich lasse mich. In Ruhe. In Frieden. Ich entfalte mich jetzt. Ich musste mich verstehen lernen, weil ihr das nie konntet. Es gibt dem nichts hinzuzufügen.

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9 – 18

09

Frühdienst und leise leise durch den frühen Morgen fahren.
Fahrrad fahren.
Niemand atmet die Luft, die ich atme.
Ich bin einzigatmig.
In den Zug steigen. Sitzend Fahrrad ansehen.
Fahrrad einsam und angekettet in einem Zug stehen sehen. So fehlplatziert. Die Zeit zur Seite legen.
Melancholisch werden. Und plötzlich Einfall: Fahrrad, Du bist Metapher für mich. Denn genau so, wie Du da stehst, fühle ich mich manchmal auch. Einsam und angekettet und fehlplatziert.
Fahrrad, ich hab feelings for you.

10

Aussteigen und da sind sie. Männer mit dunkel grauen melierten Haaren und roten Hemden. Männer, die auf ihr Smartphone starren und den Kopf schütteln aufgrund von Fassungslosigkeit aufgrund von was frage ich mich aber nehme nur die Frage ohne Antwort mit. Frauen, die ihre jugendlichen Söhne an der Kapuze zurückhalten weil Zug fährt ein und Sorge Sorge Sorge. Ein ehemals großes Begehren personifiziert auf einer großen Straße treffen und nicht wissen, was zu sagen, also nur ein bisschen rote Wangen haben und schweigen und Luft anhalten auch. Kaffee to go in die eigentlich fremde Hand drücken, weil selbst das für diesen Moment zu schwer in der Eigenen geworden ist. Halt doch mal kurz bitte, damit ich Dich fassen und mich halten kann. Ein unendliches Lächeln dafür bekommen, weil es erinnert, an was nur? Eigentlich an nichts, denn alles nur im Kopf stattgefunden. Ansehen. Und jetzt? Ich habe noch einen halben Tag vor mir und einmal, einmal den Kaffee bitte, den hätt ich gern zurück. Jetzt. Danke.

11

Die Kontrolle über seinen body verlieren, sich selbst in die Mitte eines Raumes stellen und einmal einen ganzen Eimer Scheiße darüber auskippen. Schande, Schande, Schande. Scham, Scham, Scham. Hass, Hass, Hass. Irgendwo, unter all dem, bin ich. Bin ich doch, oder?

Nach fünf Jahren Psychoanalyse ein neues Thema auf die Tagesordnung setzen.
„Ja, hi, ich würde gerne über Selbsthass reden.“
„Oh – oh -, ja, das ist, also ja, wirklich ein großes Thema.“
Dann: Können wir es nicht erstmal umbenennen in fehlende Selbstliebe? Das macht auch was im Kopf.
Und ich so ja ok meinetwegen.

– Ist das jetzt diese Psychoanalyse?

Während dieser fünf Jahre gab es immer wieder Phasen, in denen ich wusste, mir kann niemand mehr was erzählen. Schon gar nicht mehr über mich selbst. In so kleine Scheibchen habe ich mich selbst zer-legt und wieder ge-legt. In die richtige Position, in die meinige. Diese Phasen enden, wenn ich bereit bin alles zu glauben, was man(n) mir erzählt.

Endkonditionierung denke ich und atme mich in Ruhe. Endkonditionierung is the key.

Später, sortierter, ehrlicher gesagter. Immer ist es zu viel. Und immer denke ich, ich schaffe zu wenig.
Manchmal auch nichts, aber meistens eher zu wenig.
Das bin ich, in der Mitte auseinandergerissen, von nie genug, aber immer zu viel,
nackt und breitbeinig wie eine geschälte Mandarine, wenn ich sie schäle.
Ich denke an die Worte des Mädchens: Akzeptier das endlich, dass Du so bist!
Und dann denke ich daran, dass das Mädchen sagte: Das hat auch was mit einer besonderen Ebene der Intelligenz zu tun. Und dann denke ich daran, dass da letztlich jemand neben mir saß, der ganz unprätentiös sagte:
Ich glaube das auch.

Leben. Eigentlich voll anstrengend.
Leben. Eigentlich voll schön so.

12

Ich bin mit einem Mann in einem Supermarkt, weil ich spontan fragte: Musst Du vielleicht auch einkaufen? Ja, er musste. Und plötzlich, zwischen all den Regalen, fiel es mir ein, des Mädchens weiterer Rat an mich: Du musst es zulassen, sagte sie, mit Männern auch positive Erfahrungen zu machen. Lass Dich fallen, sagte sie. Here we are.

Ich weiß noch, wie ich damals mit dem Auto von einer Stadt in die nächste fuhr und mich kosmopolitisch fühlte.
Genau so ist das jetzt auch, nur anders.

13

Gewellte, lange Haare. Deine Haare, deine Haare, sagen die Anderen. Und eine sagt: wenn ich von Dir erzähle, dann erzähle ich Deine Haaren immer mit. Ich denke: Wenn ich mit mir ausgehe, dann nehme ich meine Ängste immer mit. Ich denke: mich endlich wieder raus trauen, endlich wieder unter Menschen sein. Endlich wieder selbst ein Mensch sein.
– So müsste das doch gehen, oder?

Geht so.
Also dann endlich mal wieder ein Mädchentreffen und ich mache mit.
Gleichberechtigung – eigentlich immer noch voll gescheitert. Und ich höre mich empören, dass das doch ein gesellschaftliches Problem ist. Und dann stehe ich wieder da.
Nämlich als eine von uns sagt: „Ok, formulier doch mal die Frage zu diesem Problem!“

Wie mein Thema, meinen Kosmos, mein Universum, in eine Frage packen? Hallo hallo, das ist eine von möglichen Metaphern meines Lebens, metastasiert. Denn ich kann nicht. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr implodiert meine Farbwolke, bildet dennoch Ableger, die letztlich explodieren, verschwimmen, zu Staub verfallen. Alles Kolorit, Staub, Husten, Husten. So ist das in meinem Kopf. Und dann soll ich – was? Hat hier grad jemand was gesagt?

Später genau davon träumen, dass der verehrte Mann, der heimlich geliebte Mann, in meinem Traum, in meiner Utopie, der wie nach dem Aufwachen noch, aber auch noch zu wenig, da ist, mit an dem Tisch sitzt und dann eine Wiederholung: Ok, formulier doch mal eine Frage zu diesem Problem! und ich kann, kann, kann nicht, weil ich alles immer so groß und laut und bunt denke, sodass es letztlich nirgendwo mehr herein passt. Einfach und echt nirgendwo bitte glaubt mir das. Aber auch der in meinem Kopf Geliebte denkt das geht so nicht, denn er denkt anders als ich, es muss doch möglich sein, würde er vielleicht sagen, strukturiert zu denken, und ich bin empört, stehe auf, bin krank und ängstlich zugleich, alles sitzt tief und schwer und atmen ist auch nicht mehr so wie zuvor und es ist wie immer: nicht verstanden.
Ich gehe jetzt, ich gehe, das sage ich, ich verlasse Euch jetzt. Habt ihr wenigstens das verstanden?
Aller Weltschmerz in mir versammelt. Ich werde nicht verstanden. Ich werde nicht verstanden.

14

Ich wachte auf und plötzlich saßst Du da. Wieder: wie erklären? Meine Hände formen Schalen, damit sich endlich auch die Antworten setzen, sanft wie Regentropfen sich an meine Hände schmiegen, aber nichts geschieht, nichts geschieht und alles bleibt leer. Was soll ich tun, wo soll ich hin. Wie losgehen?

15

Ich habe zu viele Stifte. Vielleicht ist es das?
Würde mir bitte einmal jemand die Stifte wegnehmen, vielleicht dann.

Beuys hören. Kafka lesen. Danach geht’s meistens wieder ein bisschen.

16

Klingeln an der Tür.
“Können Sie ein Paket für Ihren Nachbar annehmen?”
“Ja, eh, sicher” (Sie erwischen mich im verwirrten Modus)
“Super. Name?”
“NH”
“Handynummer?”
… “Eh. Was?”
Lächeln. Lächeln: „Handynummer!“
… “Eh. Was?“

17

Mit Kaffeetasse auf den unteren Türrahmen setzen. Ein Bein innen und eins draußen, auch das wie immer.
Sehnsüchtig das Wetter erwarten, Sturm, Regen, Wind. Endlich.
Der Zorn muss raus, die Selbstzweifel auch.
Was ich empfinde ist zu groß für mein Herz und für meinen Kopf auch, es passt ja noch nichtmal auf meine Zunge, zum Schlucken, in meinen Mund auch nicht, obwohl ich genau für die Prägung eben dessen auch immer mal wieder Komplimente bekomme oder anderes – je nach Selbstbewusstsein und je nach Rolle, die ich nach Meinung der Anderen gerade habe. Aber ich bin so nicht. Egal, was wer sagt, ich bin so nicht. Put me on your „topics I know nothing about“-list.

18

Ich bin eine Frau auf einem bike.
Ich bin keine Frau ohne Ideen.
Wenn ich nicht alles auf einmal haben kann, dann nehme ich lieber nichts. So?

– Draußen: Regen. Jetzt. Endlich. Wind auch. Endlich endlich. Der Tag ist vorbei.
Ich bin es nicht. Guten Abend.

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1bis8

1

Man würde mich sicher wieder fragen, was es denn konkret sei, dass mich so bewege an Dir. Irgendwo las ich mal, wenn man auf (solche / weitere) Fragen keine Antworten wisse, dann sei da meist auch nicht so viel dran, also an der These, dem Gefühl oder der Erinnerung, demnach umso erfreulicher: Ich habe Antworten, viele davon.

Heute, als Du vor mir saßt, direkt vor mir, aus dieser Perspektive umrahmt von meinen Beinen, und ich gebe zu, ich verdrehte mich ein wenig, aber dabei heraus kam dieses unwiderstehlich schöne Bild, welches mich faszinierte und fassungslos machte in einem und welches Du leider nicht mit ansehen konntest weil Du warst ja Protagonist und das Bild plötzlich bewegt und damit real und mehr noch eine Tragödie, aber das war nicht so schlimm, denn in meinem Schoß, da waren wir eins und das war die Hauptsache und ich dachte da gar nichts, ich fragte mich nur atemlos

was –

was –

würde ich jetzt einfach tun was ich wollte –

was dann?

Denn dann hätte ich meine Beine aus dem Stück heraus um Deinen ganzen Körper geschlungen, sodass Du Dich geborgen gefühlt hättest. Und dann hätte ich Deine Haare angefasst, sodass Du dich begehrt gefühlt hättest und ich hätte meinen Mund in Deinen Nacken gelegt, sodass Du dich gemeint gefühlt hättest.

Während ich Dich beschreibe fehlen mir die Worte und ich benutze nur Hände und baue Mauern damit. Wie kann das sein. Wie kann eine Frau, welche Worte mehr liebt als Männer, an einer Beschreibung scheitern. Ich versuche, Dich zu erinnern und alles, was ich erhalte, ist ein Arm mit einer Hand als Kunstwerk, Blutgefäße wie Straßen und der Asphalt ist Gänsehaut und makellose Finger und Ruhe. Ich sehe die Ruhe. Und all das überträgt sich auf mich, Stille und dann sogar auch die Gänsehaut. Finger spreizen und ich sehe dem Geschehen fassungslos zu. Das ist Zauber, denke ich fasziniert, das ist Zauber! Einer, den man nicht erlernen kann, denn er ist gegeben. Und dann denke ich an mein Bild von Dir, wie Du Bleistift und Notizheft hältst und dann an Erotik, weil Logik.

„Verstehst Du“, wiederhole ich, „Erotik, auf die tiefste Art, die Du dir vorstellen kannst, Erotik bis auf das wunde Fleisch sozusagen, obwohl angezogen, deswegen vielleicht nicht frierend. Verstehst Du.“ Und der Zuhörer nickt zweifelnd.

Ich atme laut aus und halte mir die Stirn in beiden Händen und denke Ihr seid doch alle

2

Ich sehe Dich also an, wie Du so vor mir stehst und beobachte und bemerke und wäge ab und plötzlich fällt mir auf, dass ich alles von Dir wissen will, einfach so, beispielsweise, wie Deine Uhr, die immer mal wieder unter dem Hemdsärmel sichtbar wird, aussieht, und wie Deine Haut (es ist Winter). Was deine Werte sind, wie Du küsst und wie Du kommst. Womit Du deine freie Zeit verbringst und ob Du ein Festnetztelefon hast und ob Du abends mit Frauen auch außerhalb intrafamiliär telefonierst (hoffentlich nicht) und ob Du Oliven magst und worüber Du lachen kannst und ob man mit Dir stundenlang sitzen und reden könnte.

Wenn der Fokus vom Subjekt zum Objekt zoomt, ist das dann Liebe?

„Sie sehen mich so erwartungsvoll an. Haben Sie Fragen?“, unterbrichst Du Dich selbst beim Reden und meinst mit dieser Frage wirklich mich.
“Eh. Nein“, versichere ich schnell und sehe direkt daraufhin auf den Tisch vor mir und nehme einen Stift in meine Hand. Später fiel mir ein, ich hätte confident antworten sollen: “Ja, viele. Später, Du und Ich?” Aber das hätten dann andere auch gehört und ich hätte es nicht ertragen, ich hätte es nicht ertragen, wäre nur ein Jemand dabei gewesen, der dazu auch nur eine Frage gestellt hätte.

3

Ich sortiere mich selbst durch Zeit und Raum. Ich versuche zu denken, was ich fühle. Ergibt denn nichts mehr hier Sinn? Ich bin der Sinnlichkeit verfallen und kann auch nicht mehr arbeiten jetzt. Im Vorbeigehen sehe ich meine schmalen Brüste und meinen heute flachen Bauch und meine runden Po. Meine wilden Haare, mein erschöpftes Gesicht. So sehe ich also aus. Rote Linien durchziehen den weißen Hintergrund, welche das Bild erst interessant machen.

Ich denke, dass es einfach passieren soll. Das Kennenlernen, das Miteinanderschlafen, das Miteinanderkommen, -kochen und –essen. Das Sitzen und Schweigen, das Sehen und Denken, das Liegen und Biegen und Renken. Das Insbettreden und das Hinauskomplementieren. Das Grenzen testen und teilen, das Lachen, das Heulen, das Schreien, das Lieben. Dann lege ich mein Gesicht in beide Hände. Wie denn?

Schwamm auf Teller, Löffel auf Gabel, Wasser an Wasser und alles verschwimmt. Wie oft muss ich Dich noch flüstern. Wie lang muss ich Dich noch atmen. Wie sehr muss ich Dich noch begehren. Verrückt geworden bin ich doch schon.

4

Ich will anfangen, aber weiß nicht, wann. Jetzt?

Ich will anfangen, aber weiß nicht, womit.
Ich will losgehen jetzt, aber weiß nicht, wohin.
Ich will lernen, aber weiß nicht, was.
Ich will Austausch, aber weiß nicht, mit wem.
Ich will mich emanzipieren, aber weiß nicht, wovon.
Ich will lieben, aber weiß nicht, wen.
Ich will lieben, aber weiß nicht, wie.

Wenn man nicht mehr weiß, wo man anfangen soll, lässt man es dann einfach? Wenn man nicht mehr weiß, was man schreiben soll, liest man es dann einfach?

5

Wie soll ich denn das alles erklären?
Als heute die Tür hinter mir ins Schloss fiel, stellte ich fest, zwei Möglichkeiten zu haben, nämlich: Ok, endlich mal wieder heulen jetzt oder ok, endlich mal wieder kochen jetzt. Hab dann gemerkt, dass ich gar nicht heulen kann jetzt, weil alles noch total verkrampft vom Auskotzen davor ist. Hab dann gedacht mach dich mal locker jetzt und hab gekocht und gegessen auch und gedacht: Diese Woche mit Mann ist geschafft, glücklicherweise, beruhige Dich, beruhige Dich. Kein Mann ist Dein Vater, noch nicht einmal Deine Familie ist irgendein Mann. Und ja, auch, wenn es irgendwie peinlich war: Du hast es eben geschafft.

Was sagt man, wenn man verliebt ist? Wie spricht man, wer ist man? Doch nicht ernsthaft der gleiche Mensch, der man war, als es noch kurz vor Verfall war. Und wann fängt man wieder an zu essen, bevor sich eine Essstörung vollständig etablieren kann?

Ich kann vor Dir nicht reden, ich kann vor Dir nicht loslassen. Noch nicht einmal greifen und atmen kann ich vor Dir und dann pocht es mir plötzlich heiß gegen die Haut von innen, als würde da jemand wütend gegen die Türe schlagen: hallohallo! Und dann: bist Du verrückt geworden?, mach die Tür auf! Denn wenn du nicht langsam irgendetwas unternimmst, ersticke ich! (Das war Ich an Über-Ich, Es hat das beobachtet und war zwar stoned, aber anwesend.)

Donut Panic erinnere ich mich. Durchatmen jetzt, und überleg doch mal.
Und dann verlasse ich den Raum und weiß nicht, wie Vibration abbauen und wie überhaupt das jetzt einem Fremden erklären, denn mehr seid ihr für mich nicht und alle sehen sie mich an, als wäre ich irgendwie komisch. I‘m not that weird!, möchte ich dann den anderen mit meiner Handfläche in Richtung crowd, die Abstand signalisieren soll und einer hochgezogenen Augenbraue, die So what?! heißen soll, sagen. Es muss ein Trauma sein, möchte ich mich dann beruhigen. Es kann nur ein Trauma sein. Anders ist es nicht erklärbar. Es ist anders nicht erklärbar, das habe ich mir doch soeben erklärt und ausgerechnet Du, der es lösen könnte, entfacht das in mir. Das kann doch nur ein schlechter Scherz sein. Und bitte warum lache ich darüber?

Ich denke dann an übergriffige Männer, die, wenn man sagt, dass es sich so herum für einen selbst falsch anfühlt, meinen, man denke nur zu viel nach und solle sich einfach mal entspannen jetzt. Oder auch solche, die glauben, man brauche gar nichts finden, sondern einfach mitmachen. Oder an Männer, die einem immer wieder die eigenen Gefühle absprechen. Ich denke dann an mich, für die das viel zu lange Alltag war. Ich habe das nicht nur gemeint, sondern auch gesagt. Das habe ich doch. Oder?

Frau!, sage ich mir selbst stattdessen, ich bin sicher, dieser Mann, den Du magst, mag Dich genau so, wie Du bist. Ich weiß sogar, dass es so ist. Wieso kannst Du das nicht glauben? Und wie lang soll es noch gehen, bis Du das endlich glauben kannst. Frau!, mach das nicht, denke ich dann, wenn ich mir die Hände vor das Gesicht schlage. Frau zeig jetzt endlich allen, wer Du bist denke ich dann und frage einfach mal A.

A., frage ich, wie geht das? Mit einem Mann sein? Einfach so, ohne Angst und ohne Anstrengung auch. Einfach sein, weil man endlich auf Augenhöhe lieben möchte und sich selbst bei allergrößter Sehnsucht fürs unter Niveau ficken zu schön geworden ist.

A sagt ja, aber nicht, weil sie eine Antwort, sondern nur, weil sie die Frage verstanden hat. Weiß ich jetzt auch nicht ergänzt sie und dann wird mir die ganze Welt klar, denn auf A folgen B, C, D und E. Wie verrückt man selbst ist, wird einem immer erst im Kontext Mensch, und zwar nicht Lieblingsmensch, offenbart. Denn Letztere haben die gleichen Ängste und mit ihnen fühlte auch ich mich ewigkeitenlang weniger komisch. Ha!, das war ein Trick, und ich dachte, ich führe hiermit zuverlässig die ganze Welt an meiner Nase herum, aber eigentlich, eigentlich habe ich damit nur mich selbst ausgetrickst. Blöd, ne. Musste ich halt ein paar Jahre lang auf der Couch für liegen, aber auch ok, denn jetzt stehe ich auf.

6

Zwei Beweise dafür, dass Erotik auch einfach sein kann. Beweis 1:
Es war der gleiche Tag und der Tag war wohl der, an dem ich etwas Besonderes an mir hatte, denn ich rannte die Treppe hinauf, nahm manchmal sogar zwei Stufen mit einem Mal, um daraufhin dem Zug hinterhersehen zu können. Ich ballte die Fäuste und stampfte mit meinen Stiefeln auf Asphalt und dachte dann Was solls. Und dann setzte ich mich. Und dann saß ich da, auf einer Bank, Bahnsteig 4. Erschöpft, wartend und dann amüsiert. Denn ich nahm wahr, dass ich mich sehr nah neben Dich gesetzt hatte, obwohl alles neben uns noch frei war. Ich versteckte das Lachen hinter meinem Anorak und vermied es auch, Dich direkt anzusehen. Ich fühlte mich schüchtern und immer nur dann, als Du in die andere Richtung blicktest, konnte ich der Versuchung doch nicht widerstehen. Das ist doch Blödsinn, dachte ich, öffnete eine cloud und korrigierte einen Text, denn that’s my business und dann passierte etwas und ich wurde Zeugin. Ich sah, wie Dein Blick leise und langsam von meinem Fuß bis zu meinem Knie ging. Das war so erotisch. Und damit wurde mir klar, wie subtil Flirten ist.

7

Beweis 2: Es war der gleiche Tag und der Tag war wohl der, an dem ich etwas Besonderes an mir hatte, denn bereits als die Türen hinter Dir wütend zusammenfielen, sah ich Dich an, durch die Menschenmenge erkannte ich Dich und als ich Dich so ansah, erinnertest Du mich an jemanden, den ich mal gekannt hatte. Die Farbe Deiner Haare, die Größe Deiner Gestalt, die Form der Hände und der interessierte und selbstsichere Blick. Sogar hattest Du die gleichen Schuhe an, die der Mann damals trug und in denen er mich Tag für Tag durch mein Leben begleitete und auch bemüht war, Schritt zu halten.
All das ließ mich Dich kurz anlächeln, impulsive Menschen kennen keine Grenzen.
Und dann dachte ich, lass doch, Mädchen, lass doch, denn ich bin nicht bereit und falls doch, nur für den Einen. Also schlage ich wieder meine Zeitung auf und das blieb auch so, bis ich an meiner Haltestelle angekommen war.
Und während ich aussteige und noch während ich mich selbst in der Menschenmenge untergehen und Dich vor mir laufen sehe, muss ich bereits lachen, denn Du wirst plötzlich langsamer und steigst aus, verlässt den Strom an Menschen, wartest wie ein Raubtier am Ufer eben dieses Flusses, sodass ich nicht nur an Dir vorbei muss, sondern wir uns auch an der Verkehrsampel, die eben rot ist, als hättest Du sie nur für mich einmal in Farbe getaucht, wieder treffen. Und da stehen wir, Tier an Tier, Jäger nächst Trophäe, nicht über- oder hinter, nebeneinander, denn beide sind berechtigt. Und ich schwöre im Namen dieses Blogeintrages, ich habe nichts gesagt oder gemacht, höchstens habe ich in mich hinein gefeixt aber selbst das, wie jedes Jahr im Winter, hinter einer schwarzen Wand aus Anorak.
„Guten Tag“, sagst Du, neben mir stehend.
Ich nehme das Lied aus meinem Ohr und sage: „Guten Tag“, und lache dann.
„Ich heiße S. und wie heißt Du?“
„Ich heiße Nina“, sage ich, und weil ich weiß, was jetzt kommt, lache ich noch mehr.
„Schöner Name“, sagst Du, „er ist schön und einfach“, antworte ich.
Und so passiert es, das wir zusammen ein Stück gehen und wüssten wir beide nicht, unsere Geschichte hat noch nicht einmal begonnen, so könnte man meinen in Anbetracht unserer Symbiose, dass uns das Leben eine gemeinsame Geschichte zeichnete. Zusammen gingen wir also und dann fragtest Du mich, woher ich komme und dann erzähltest Du mir, woher Du kommst aber eigentlich, eigentlich kommst Du woanders her, so sagst Du das und dann: Damaskus.

Die Hauptstadt, sage ich. Die Hauptstadt, wiederholst Du.

Und ich habe wenig Zeit, dabei Dich anzusehen, denn wir gehen nebeneinander und seit wann begleitet ein Mann mich in meine Richtung frage ich mich und dabei hatte ich es doch zu eilig, um kurz mal Deinen Arm festzuhalten und zu sagen: „Hey, warte mal, lass uns mal kurz ansehen und schön finden jetzt“, obwohl ich dachte, Du wärst dafür bestimmt der richtige Typ Mensch gewesen.

Zusammen gehen wir in das Gebäude und es muss so gewesen sein, dass Du in dieser Geschichte plötzlich ganz fest zu dem Protagonist Begleiter wurdest, denn ich kannte mein Ziel und Du warst es, der einfach mitkam. Und dann sagte ich: „Ich muss jetzt hier hoch“, und zeigte auf das Schild, auf dem eine 5 stand.

„Können wir uns kennenlernen?“
fragtest Du mich und ich überlegte echt ganz kurz und als Antwort pochte es von innen gegen die Hitze und ich weiß das noch ganz genau, dass ich sehr schnell an den Stress, den ich im Kopf hatte, dachte, dass ich das niemandem antun kann und schon gar nicht mir selbst und sagte: „Das geht leider nicht, tut mir sehr leid.“ Dann sahen wir uns etwas länger an und ich sagte: „Alles Gute“ und reichte Dir meine Hand, „Ja, alles Gute“, sagtest Du und hieltest lange die meine oder vielleicht hielt ich auch Deine oder wir unsere und eigentlich damit unsere ganze Welt. Und noch während ich nicht losließ ging ich zwei Stufen nach oben und je weiter ich ging desto mehr bog sich meine Wirbelsäule in Deine Richtung und ich dachte dabei nicht an Dich, sondern an Yoga und hätte ich nicht auch das Geländer genau so fest gehalten, wie Dich in meiner Hand, ich wäre sicher in Deine Arme gefallen und hätte mich dann verfangen in einem Nest aus Wärme und Liebe und Leidenschaft, aber nein, und ich wiederholte „Alles Gute“ und ließ Dich los.

Ich war frei. Endlich wieder frei. Und beglückt erfasste ich wieder zwei Stufen auf einmal und atmete das Leben. Du bist frei Mädchen, dachte ich, genieß das mal. Du bist frei Mädchen, dachte ich, das erfordert Mut und den hast Du doch nicht umsonst aufgebracht.

8

Allen Menschen, die meinen, man wisse ja gar nicht mehr, was man denn nun noch sagen oder tun dürfe und so weiter, sei dieser Text gewidmet. Sagen darf man fast alles, man muss es nur auch richtig meinen. Hashtag youtoo. Bye.

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