krise in palästina

Es war eine Dose Limonade auf einem Dach. [flimmern.]

Oben Sonne, unten Palästina.

Handkante wahrgerecht an die Stirn legen, um der Sonne entgegen in die Weite zu sehen.
– Brachte das etwas?

Neben mir ein Fitnessstudio, vor mir auf dem Schoß: Nachrichten mal 2.
 
Ist alles ok?

Und fast ärgerte ich mich
[Augen verdrehend].
Natürlich ist alles ok!
[Das Smartphone auf den Tisch legend]

Es ist alles ok.
Was sonst, nicht ok?
Und was dann, hm?

Krise ist Dauerzustand.
Überall und nirgendwo.
 
Ja, so war das damals.
Heute flimmern auch die Wege,
aber sie führen mich eben noch woanders hin.



Sie wollen schon wieder ausziehen?
Nein, sage ich verärgert, wer behauptet so etwas?
Und meine: Ich weiß es nicht, vielleicht schon, vielleicht nicht, wahrscheinlich ja.
Wer kann das schon genau wissen?
 
Nicht wissen konnte ich immer schon sehr gut. Das ist die größte Stärke, auch wenn [mir] das keiner glaubt.
 
Wer behauptet so etwas?, hake ich noch verärgerter nach.
Die Frau Nachbarin.
Aha, sage ich, ich weiß überhaupt nicht, wer das ist.
Die Frau Nachbarin.
 
Folgendes passt zu beidem:
Die Nichtwissenden sind die, die einiges erfahren. Sie erheben sich der Dinge nicht, aus dem Vorhinein heraus – sie öffnen sich.
Voller Mut, Neugierde, Vorfreude und Stolz auch sagen sie es:
Ich habe eine Frage.
 
Komm, erzähl Du mir doch was.
Lemon Squash derweil.
 
Warum zieht es Dich eigentlich immer so in die Krisengebiete?, ist Deine Frage, Du möchtest sie beantwortet haben, von mir, und sie steckt voller Vorwürfe, die Frage, die Du jedoch mit Dir selbst ausmachen musst.

Lächerlich, wollte ich sagen, liebe ich aber das Spielen in Sprache versteckt so sehr, deswegen:
Weil ich selbst ein Krisengebiet bin, vielleicht deswegen?

Du lachst, was auch sonst.
Denn die Zeiten, in denen Du mir etwas sagen konntest, sind schon länger vorbei.
Langweilig. Lächerlich.
Langweilig: Herkunft.
 


Ich kann ihn nicht vergessen, sage ich viel später.
Ich weiß, sagt sie.
Aber eigentlich bin ich auch unsicher. Vielleicht kann ich schon, wenn ich will. Will ich?

Das Narrativ meines Lebens: Ich kann alles, wenn ich will. Will ich?

Bin ich es vielleicht nur manchmal noch sehr gewöhnt, das Leben aus der Sicht eines Opfers zu entscheiden. 
Opfer der Liebe und der eigenen Obsession, in [je]dem Fall.
Ich meine, wer hat das Begehren begonnen?
Ja, richtig.
 
„Ich liebe meinen Großvater sehr“, sage ich, als ich jetzt an der Kasse in einer fremden Stadt, einem vertrauten Supermarkt, stehe.

Alles so gleich hier.
Hinter mir legt der boy das Katzenfutter auf das Band und swiped auf dem Display. Da erzähle ich ihm ungeachtet dessen eine Geschichte, an welche ich auch jetzt wieder zurückdenken muss.
 
Da saß ich nämlich damals, auf einem viel zu hohen Baum, verwurzelt und beschränkt, dem Boden und der Sicht beraubt. Und der Freund in meiner Kindheit stand mir so weit entfernt, unerreichbar. So sehr ich Hände und Finger auch nach ihm streckte – zu weit weg, in dem Fall. Fester Boden unter seinen Füßen, oder sah es vielleicht auch nur von oben so aus. Ich komm’ hier nie mehr wieder runter, dachte ich ganz leise.
„Ich komm’ hier nie mehr wieder runter!“ rief ich.
Unbeeindruckt stand er da, und sagte:
„Wer hoch klettern kann, kann auch wieder runter klettern.“
 
Ich wurde immer schon mir selbst überlassen, dachte ich.Ich kann alles, wenn ich will. Will ich?


Ich konnte eine Obsession beginnen,
und ich kann sie auch wieder beenden. Nur all das in Sprache formen, damit kann ich nicht aufhören. Ich will nicht. Das ist es ja.
 
Aber eigentlich ging es doch um etwas ganz anderes.
 
Reise. Sehnsucht.
Boy, sage ich, als wir zu schwere Taschen tragen. Das war keine Planung meinerseits. Aber dieser boy, der trägt alles mit mir, im praktischen Sinne.
 
Boy, sage ich.
Manchmal halte ich es gar nicht mehr aus. Ich weiß, sagt er.
Ich muss hier weg, sage ich im Auto sitzend. Hände an die Schläfen legend.
 
Aber nein, denke ich.
Bevor Du richtig gehst,
musst Du noch einmal zu Dir selbst kommen. Da sein.
Sonst weicht das eine dem Anderen aus, reist das Eine dem Anderen hinterher. Es wäre ein niemals ankommen. Völlige Verwirrung. 
 
So hast Du es dir selbst ausgesucht, denke ich. Finger an Zähne legen während der Autofahrt, Lücken fühlen. Nachdenken, mich selbst beruhigen.
 
Ich bin ein Krisengebiet. Und jedes Krisengebiet hat gelernt, sich selbst
a. auszuhalten 
b. zu beruhigen
c. zu lösen
 
Wer das nicht weiß, ist unerfahren.
 
„Kind vertrau’ mir,
Dein Großvater ist in tausend Schlachten erfahren.“
 
Vielleicht erfuhr ich erst viel zu spät, was es damit alles auf sich hatte und wo genau mein Wunsch nach verzweigten Wurzeln seinen Ursprung fand. 
 
Krise in Palästina?
Ja, vielleicht.

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Habitusstrukturkonflikt

Es gibt Menschen,
die waren noch nie im Museum. Und fast gehörte ich dazu.

Habitus!, nießt da jemand. 
Gesundheit!, antworte ich.
 

 
„Du Tante“, sagt das Kind, „ich hatte letztes Mal einen Gedanken.“
„Was war das für ein Gedanke, Kind, hm. Erzähl’ ihn mir.“
„Ich habe das erste Mal gedacht, dass wir arm sind“, sagt das Kind.
 
Habitus Hat-schi!

Hat hier jemand Habitus gesagt?
Hier hat doch jemand Habitus gesagt!
Komisch.
 
Gesundheit!, sage ich fast schon ganz nebenher.
 

 
Tür zu.
Tür auf.
 
Ha ha, hallo Habitus!
Da bist Du ja wieder. Na.
Hast Du dich heute mal wieder um einen Mann gelegt, hm? Den frage ich jetzt Na, wo bist Du die letzte Zeit gewesen und mit wem, hm? Was hast Du erlebt und was nicht.
Was, Angst? Vor Dir, vor mir? Ja, aber wird schon nicht so schlimm werden, wir passen ja beide auf, wir passen ja beide auf, wir beide, oder?
 

 
Rein?
Raus?
Ich finde, wer die Antwort weiß, der sollte sich melden. 
 

 
Es gibt Tage, da ist die Sehnsucht größer als die Vernunft. Größer vermutlich als der Besehnsuchte, wer kann das schon so genau wissen. So ein Tag ist jedenfalls heute, jedoch war er gestern genau so, davor auch und davor auch. Eigentlich war es doch immer schon so, denke ich getroffen, ich kann ruhig auch mal sagen wie es ist jetzt und Euch dabei erzählen, wie es war, damals. 
 

 
Charmant in den Weg legen, ich mich, hallo hier lieg ich!, so hatte ich mir das damals nämlich überlegt, ganz leise und ziemlich nebenbei. Damit dem verehrten Mann nichts anderes mehr würde übrig bleiben, als mir aufzuhelfen. Einfach über mich drüber steigen, über mich hinweg gehen, das würde selbst er nicht über sein Herz bringen, egal, wie groß seine Angst, beim Aufheben gesehen zu werden, auch sein würde. Das glaubte ich damals. Heute denke ich naja und meine, es wäre anders vielleicht besser gewesen. Er hätte sich bei meinem Wagnis nun einmal ein Bein brechen können, beispielsweise, und dann? Hallo hier lieg ich, hätte ich gesagt, und nun auch Du. Wie hätte ich das je wieder gutmachen können. Aber manchmal, denke ich, manchmal muss es auch einen Verschlimmerungsschmerz geben, damit es besser wird. Beruhigung. Beruhigung: Ich wäre ja da gewesen, mit all meinem Dasein, was grundsätzlich nicht unterschätzt werden sollte und nur manchmal ebendiese verdient. Und überhaupt, was ist schon ein Bein, wenn es sich doch eigentlich um zwei Herzen handelt. Ach. Ich jedenfalls wäre da gewesen, mit all meinem Dasein, um Herzen und Beine zu bandagieren. Mit warmem Wasser hätte ich uns ein Haus aus Bindemittel gebaut, Störung verbunden, und das Wasser wäre von meinen Händen zu Deinen Füßen gelaufen. 
 

 
Nicht nur Joseph Beuys war es, welcher mit einer kurzen Aneinanderreihung darauf aufmerksam machte, wie unabdinglich und selbstverständlich es für ein gelebtes Leben ist, Liebesbriefe zu schreiben.
 
Der Boy verdreht während der Autofahrt die Augen und ein kleines Lächeln umspielt auch seinen Mund. Girl, sagt er, meinst Du nicht, es könnte so sein, dass Mann über Dich denkt, Du seist leicht psy-cho. Boy, erwidere ich, mir fallen sehr plötzlich viele Dinge dazu ein, so lass mich sortieren. Erstens: 
Ich denke das so wenig, dass es eigentlich schon nicht mehr relevant ist. Zweitens: Mehr denke ich, dass eigentlich Du derjenige bist, der denkt, ich sei leicht psy-cho. Und da Du mein Freund bist, der Freund, mit dem ich bereits als Kind auf Schaukeln schaukelte, bei dem ich bereits damals meiner Motivations-Position gerecht wurde, indem ich Dich so sehr aufregte und anheizte, bis wir beide kurzzeitig Angst hatten, die Schaukel, die wir abwechselnd bedienten, könnte sich überschlagen, aber es war (mir) noch immer nicht genug, denn ich sagte: „Und jetzt spring!“, Du sprangst, und schlugst Dir beide Vorderzähne aus, glaube ich, dass Du es dir nur nicht eingestehen willst, dass eigentlich Du diesen Gedanken denkst. Drittens: Wäre es so, dass der Mann denken würde, ich sei leicht psy-cho, dann wäre er nicht der richtige Mann für mich. Das ist doch klar, das ist doch klar, es ist so einfach wie logisch! Auch hätte es dann viel mehr mit ihm, als mit mir zu tun. Du weißt, es war gemeint als ein Kompliment. Viertens, ich empfinde all das als eine Art gesellschaftspolitischen Auftrag, das Private ist politisch, das weißt Du ja. Denn eigentlich finde ich, dass diejenigen, die durch das Leben gehen, und sagen wir mal, (immer wieder) (einen) Menschen treffen, der etwas in ihnen auslöst, dass diese Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihre Gefühle zu äußern, mehr noch (als) zu ihnen zu stehen, ja, was soll ich sagen, ich finde, dass eigentlich diesen Menschen das Prädikat auffällig gebürt und zwar sehr viel stärker noch als mir. Ich möchte also auch die verkrustete, gutbürgerlich verklemmte Scheiße durchbrechen, sie vielleicht in etwas animalisch-lebendiges verwandeln. Es ist also, neben diesem persönlichen Drang und einem kleinen Teil des Nichtvereinbarenkönnens eines etwaigen Verlustes, einem kleinen Glauben, etwas verpassen zu können, verpasst zu haben, eine Notwendigkeit nicht nur für mich, sondern vielleicht sogar für die Gesellschaft und für Dich auch. Und fünftens: Eigentlich ist es das nicht, und eigentlich ist es das doch, neben ambivalent nämlich egal. Was soll, das wird, boy. Du weißt doch, dass es so ist. 
 
Ok girl, so gesehen, eigentlich, hast Du recht.  
 

 
Ein Mann, der nichts sagt, ist das ein Mann, frage ich mich heute, ganz leise und nebenbei. Wenn sich ein Mann von einem Tier unterscheidet, dann doch darin, dass der Mann spricht. Währenddessen sehe ich Spülschaum von Tellern auf Böden tropfen.
 
Es müsste sich mal eine Wut einstellen, denke ich heute.
 

 
History is only a repetition, murmele ich so vor mich hin, auf dem Hocker in einer Küche sitzend, lehnend an einer Wand. Ein ewiges Trauma, stellt das Mädchen heute leise fest, während es auf meinen Wunsch hin eine Suppe zubereitet. Es wird nie anders sein, befürchtet das Mädchen und legt den Kopf auf die Schulter. Das Mädchen dreht und wendet Worte und Löffel, bis es nebenbei sagt: Ich weiß nicht, wofür ich meine Eltern gebrauchen soll. 
 
Es wird vorbei gehen, Mädchen, sage ich, die Zeiten werden anders sein. Wir werden anders sein. Nichts bleibt, wie es ist, es war schon immer so. 
 
Hier guck mal, sagt das Mädchen. Rote Bete Salat. 
Aber die Suppe, die braucht noch. 
Ja, Mädchen, ich weiß. Ich kenne Dich schon gut mittlerweile. 
So gut, dass wir auch miteinander warten können.


 
Mädchen heute Morgen ist was passiert!, sage ich plötzlich ganz aufgeregt. Er erinnert mich ja ein wenig an ihn, das sagte ich bereits. Und auch nur ganz wenig, keine Angst. Guten Morgen, sagte er jdf. heute, und dann sah er mich nochmals an und sagte: Ich grüße Sie! Mich?, habe ich mich dann schon kurz gefragt, aber dann auch direkt wieder selbst beantwortet weil ja klar mich, es stand ja niemand hinter mir. Naja und später, da ist mir mein Stift runter gefallen, Du weißt ja, oft spiele ich mit etwas in den Händen, ich ließ ihn jedenfalls liegen und dachte so: später, und wenige Minuten später, hat er dann meinen Stift aufgehoben. Zu meinen Knien hat er sich gebeugt und dann von dort aus gefragt – Ist das Ihrer.

Das Mädchen sieht mich an.

Ich verspreche, sage ich, ich steigere mich nicht rein, aber bemerkenswert ist es doch schon denke ich aber Mädchen, darum geht es gar nicht, denn was ich mich seither frage, ist: 

glaubst Du, ich habe auch mal jemanden an jemanden erinnert?

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Recht.

Was war zuerst da, Du oder die Musik, welche mich wieder an Dich erinnerte.
 

 
Klagen Sie, sagen Sie ganz ruhig. Sie sollten klagen, immer klagen!, meinen Sie. Kein Problem, ergänzen Sie. Und lachen ein bisschen schelmisch. Vielleicht so, wie es Juristen in meinem Fall oft tun. Aber so genau weiß ich das auch gar nicht.
 
Klagen, wiederhole ich stumm und sehe aus dem Zimmer heraus in eine verunglückte Welt. 
 

 
Aber ich klage doch schon, denke ich, während ich auf die Unterlippe beißend eine Treppe nach unten schleiche, nachdenklich der eigenen wahrnehmenden Möglichkeiten wegen abwägend. Bin ich auf Abwegen? Ich bin des Klagen zählens müde geworden, wieso hört mich keiner, überlege ich und erinnere gleichzeitig einen besonderen Tag, an welchem ich die Hände auf eine Mauer in Jerusalem legte. „Please do not turn your back to the wall, it’s forbidden“, they said later on. „Excuse me for causing trouble“, I replied, kaufte sehr viel später eine Papierrolle und hängte sie an eine andere Wand. Klagemauer schrieb ich an den Anfang des Dokumentes.
 

 
Es ist möglich, für sich selbst zu kämpfen, wenn man für die anderen kämpfen kann.
Oder ist es genau anders herum, erwäge ich heute, leise und versunken in meinem eigenen Fall. Immer mit etwas in Händen spielend.

Es ist mittlerweile wichtig geworden, Recht zu bekommen.
 


Was glaubt er eigentlich, wer er ist, frage ich mich Wege kreuzend. 
Was glaubt er eigentlich, wer ich bin, frage ich mich, dem Regen zusehend. 
 
Wichtiger, fällt mir ein: Was glaube ich eigentlich, wer ich bin?
Da bin ich, denke ich.


 
Hierfür haben Sie sich die falsche Person ausgesucht, sage ich kurze Zeit später drohend, und meine es so. Es gibt Situationen, da beweise ich Nerven aus Drahtseilen, warne ich, und diese ist so eine. Wie kommen Sie dazu, sich über geltendes Recht zu stellen und Ihre eigenen Gesetze zu schreiben. Und das hätten Sie wohl nicht gedacht, ganz leise lächelnd. Das hätten Sie wohl nicht gedacht.
 
Gut ist: Damit sind Sie ja nicht allein.  
 

 
Menschen auf den Geschmack kommen lassen. Jeder Erfolg hinterlässt in ihnen eine berechtigte Sucht nach mehr.
Anerkennung. Recht. Selbstwirksamkeit. 

Ab jetzt kämpfe ich für mich selbst, aber eigentlich auch für alle anderen. 
 

 
Wie kann es sein, wettere ich nur wenig später in den Lautsprecher eines Telefons, dass nicht jedem sein Recht zugestanden wird. Dass jeder für das Recht, welches ihm zusteht, zuvor erst zu kämpfen hat. Ich frage das fast so naiv, wie es klingt. So leise überrascht und so, als hätte ich zuvor noch nie ein Gefecht geführt.

„Ich habe Dich selten so wütend erlebt“, sagt die Frau, welche mich schon in vielen Emotionen verstrickt sah, stumm und ganz bestürzt. „Ich bin nahezu blind vor Wut“, sage ich, und fast stimmte es. „Ich kann nicht mehr sprechen“, sage ich, „aber Worte habe ich. Ich habe Worte.“
 

 
Ich hatte bereits zuvor rhetorische Feuer begeistert entflammt und auch genährt. Beschwörend, betend und jubelnd Tänze und Kämpfe geführt, als wären Sie meine eigenen gewesen. Nicht mehr aufzuhalten war ich, fiebrig suchend nach dem systematischsten aller Angriffe. Unberechenbarkeiten berechnend. Unerbittliche Runden drehend. Rasend, beharrlich, unerschütterlich. 
 
„Haben Sie keine Angst?“, fragte man mich immer mal wieder. „Nein“, sagte ich, „wovor denn?“ Mit geballten Fäusten, entschlossenem Blick und bebender Stimme sagte ich es: Das hier ist Ihr Recht! Und ich möchte, dass Sie lernen, für sich selbst zu kämpfen! Ich möchte, dass Sie sich das Recht, welches Ihnen zusteht, nehmen und erhalten. Ich möchte, dass Sie lernen, für sich selbst zu stehen! Schämen Sie sich nicht, rief ich aus. Schämen Sie sich nicht!
 
Wer sagt mir das jetzt?
 

 
Lonelieness has always been a friend of mine, denke ich wenig später, während ich erschöpft des ersten Schachzugs wegen an einer Supermarktkasse stehe und mich kaum mehr halten kann. 
 
Möchtest Du auf einen Tee bleiben?, fragt sie anschließend.
Ich weiß nicht, sage ich, stehend an ihrem Küchentisch, den Stuhl umklammernd.
Du tust mir leid, sagt sie.
Aber wieso denn, flüstere ich.
Du siehst aus, als hättest Du Schmerzen, antwortet sie. 
 
Lustschmerz, sage ich, doch noch lächelnd, Lustschmerz. 

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Risotto mit Artischocke

Ich liege viel höher jetzt.
 

 
Bald bin ich hier weg.
Bald wäre zu definieren, weg auch.
 

 
Eine Umarmung. Noch eine. Und noch eine. „Hey, was soll das denn? Was ist los mit Dir?“, frage ich erstaunt und fast schon verärgert.

Es war wie eine dreimalige Entschuldigung, die noch nicht ausreichte. Wir wussten es doch beide. Ärgerlich also, dass wir Bezeugende dessen wurden.
 

 
Um 1 Schlüssel leichter.
So spielt es auch anders in meiner Manteltasche.
Um 1 Schlüssel leichter.
So, wie ich gehe, umspielt mich eine ganz neue Melodie.
 

 
Tage später. Oder sind es vielleicht sogar Wochen? Und waren wir es nicht, die sich einig darin waren: Immer, wenn wir uns verliebten, waren wir unglücklich.
 

 
1000 Schritte weiter. Bis mir alle Interpretationen im Weg stehen.
Nichts ahnend war ich nie. Das war ich morgens, in den Spiegel sehend. 
 

 
Alte, zynische Scheißmänner, die missbilligend lachen. Wo bin ich? Nicht so weit von Dir entfernt. Wieso bin ich hier und nicht bei Dir? Scheiß Journalisten, denke ich, verantwortlich für das Kultur-Ressort, wie sie, Beine übereinanderschlagend ihren scheiß Spiralschreibblock auf ihren scheiß zu schmalen Oberschenkeln liegend mit Blei beschweren. Ja hallo, ich bin verantwortlich für Kultur und deswegen wichtig hallo lassen Sie mich durch und wenn mir danach ist, zerreiße ich Sie und Ihre ganze Arbeit in ein paar Zeilen und damit meine ich Ihre Existenz ok denn hier steht’s, hier, und hier sitze ich, nämlich erste Reihe, und eigentlich geht es in diesem Theaterstück um mich, um mich, und jeder, der Ahnung hat, weiß das ok.

Scheiß Journalisten!
Das war ich abends, Menschen sehend.
 

 
Ich fahre jetzt zu Dir, ok.
Ich fahre jetzt zu Dir.
Ok?
Ich meine, ich bin ja eh schon da.
 

 
In welcher Situation war ich? In welcher Konstellation bin ich jetzt? Und wieso ist sie so anders als die gestrige. Wie schnell kann ein Leben sein?
 

 
Ein Abendessen.
Wie schön und reich wurde der Tisch gedeckt.
Sag, wie war es denn?, das möchtest Du wissen.
Nicht gut, sage ich, aber es ist nicht mehr schlimm.
Ach, sagt sie, die immer an meine Träume und all die verrückten Geschichten glaubt, vielleicht, weil sie selbst viele Träume und verrückte Geschichte in Erfüllung hat gehen sehen, na gut, aber ich hätte es Dir dennoch gewünscht. Danke, sage ich, aber mein Leben ist bereits ein anderes, lass uns einfach Wein trinken und Risotto essen ok?
 

 
Es war schön.
Ja, das war es.
Denk dran, sage ich. 
Ja, und denk auch Du dran: keine Angst!
Keine Angst!, wiederhole ich und balle die Hand zur Faust.
Und falls doch, sage ich, mache ich es wie Du, nämlich doch.
 
Keine Angst, denke ich, und schreibe: Wie geht’s denn so.
Ich bin gerade eine Tom Waits Coverband, sagst Du.
 
Aha ja gut, sage ich, wenn‘s hilft why not.

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Auf einem Konzert

Hallo hier spricht Ich Ich muss sich krankmelden.


Ja ach Du Arme Ja klar das geht ja auch rum und ja kein Problem wir machen das schon gute Besserung.

Äh ja danke aber ich glaub, ihr habt nicht richtig verstanden es geht nie wieder vorbei meine ich es ist doch nicht zu übersehn.

Von Menschen überholt werden. So langsam nach Hause schleichen, dass die Anderen einen schon fragend ansehen. Guckt nicht so, denke ich, ich geh jetzt so! Ich hab’ Schmerzen. Ich hab’ Brüche. Ich hab’ Schwäche. Ok? Oh man ey. Naja.

Alle haben eine Mutter, nur ich habe keine. Alle haben eine Mutter, nur ich habe keine. Mantra vor mich hin. Nochmal Glück gehabt, unter diesen Umständen.


Endlich, endlich. Auf den Boden legen. Am Boden sein.

Und die Flasche, die vor mir steht, ist halb leer. Nicht halb voll. Halb leer ist sie. Ich seh das doch! 
Nicht! Halt! Voll!



Und dann ein Klingeln an der Tür. Gehört diese Tür zu mir? 

Ich gehe ja tagtäglich dadurch, das gebe ich hier zu, aber gehört sie wirklich mir, bin ich gemeint, meine ich, ich weiß nicht, vielleicht klingelt da ja nur jemand, der es mir nachmachen will, the best way out is through.

Hey! 
Hey!
Ein Lächeln. 
Hi.
Ich hab mich mit der Bahn vertan. Darf ich rein kommen, nur auf 1 Zigarette.

Ja sicher, hier, ein Lächeln.

Bitte. Rauch‘ doch in der Küche, bitte. Mir ist alles egal jetzt weil einsam grade ich kann nicht denken. 

Was redest Du denn, Du magst das doch gar nicht. Komm, wir gehen vor die Tür.

Welche Tür und wie viele davon habe ich. Welche kann ich passieren, welche ist begehbar.

Wer trägt mich.

Es scheint mir wie eine unüberwindbare Schwelle.



Guck mal!, rufe ich ganz erstaunt und fast fröhlich aus, da ist der Mond!, um dann festzustellen: Selbst der Mond ist halb voll. Mein G*tt, wann hört das auf. 


Ich muss mich setzen. Ich muss mich auf die Mauer setzen, an welcher Du rauchend lehnst. 

Schweigen erstmal. Es ist so schön.

Du bist nicht einsam, sagst Du. Nicht?, frage ich lächelnd, Was dann?

Es fühlt sich immer nach Einsamkeit an, weil man trotz aller Gedanken und dem Mitgefühl doch allein in und mit seinem Schmerz ist. Aber Du wirst geliebt und bist wertvoll für die Menschen. Und das bedeutet, dass Du nicht einsam bist.

Schweigen und dann

Danke. Morgen gehe ich übrigens auf ein Konzert. Ehrlich gesagt, ich wünsche mir bereits jetzt wäre schon morgen. Wünschst Du dir das eigentlich auch manchmal sag ehrlich Du kannst es mir sagen wirklich ich sag‘s auch Niemandem

SMS: Ich komm jetzt gleich, Mädchen, pünktlich wahrscheinlich. Mädchen, schreibe ich, ich fürchte ich bin ein bisschen aufgestylt aufgrund dessen mir ein Kleid hervorragend steht und mich im besten Licht erscheinen lässt und Mädchen, hast Du eine Sicherheitsnadel?


– Warte ich muss gucken.
Ja habe ich bis gleich

Bitte mach die Autotür vorsichtig auf, Mädchen, Du weißt es doch. Aber in den Händen hält es gefährliches Werkzeug, stolz zeigt mir das Mädchen sein gefährliches Werkzeug.

Mädchen!, sage ich fast ungläubig. Das sind doch keine Sicherheitsnadeln! Das sind Stecknadeln. Stecknadeln! Wo soll ich mir die denn hinstecken? Ich brauche Sicherheit, Sicherheit. Ach man scheiße, grade fühlt sich diese Kleinigkeit an wie das ganze Leben scheiße. scheiße. scheiße.

Oh ja tut mir leid und jetzt seh‘ ich auch grade dass sie vor lauter Schreck alle ausgekippt sind in meiner Tasche scheiße. scheiße. scheiße.

– – –

Ach es ist so schön Mädchen alles ist so schön ich freu mich auch so dass es Dir gefällt und alles hier funkelt und glitzert wie die Sicherheitsnadeln in Deiner Tasche Mädchen weiß Du noch und falls ja dann nimm die Hände jetzt hoch

– – –

In der Küche, wieder in der Küche, alles beginnt immer an einem Anfang, in den Hörer hinein sage ich es leise:

Du kannst Dir nicht vorstellen, wie schlimm es war, sage ich, den Kopf haltend. Und wirklich, alles was ich sage, ist wahr. 

– Ich kann Dir kaum zuhören, aber ich trage Deinen Schmerz, ich verstehe Deinen Schmerz. Ich liebe Dich wirklich so sehr. Wie kannst Du nur so gut geworden sein, wenn doch alles um Dich herum so schlecht war.

Oh it must be growth by dying.

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