krise in palästina

Es war eine Dose Limonade auf einem Dach. [flimmern.]

Oben Sonne, unten Palästina.

Handkante wahrgerecht an die Stirn legen, um der Sonne entgegen in die Weite zu sehen.
– Brachte das etwas?

Neben mir ein Fitnessstudio, vor mir auf dem Schoß: Nachrichten mal 2.
 
Ist alles ok?

Und fast ärgerte ich mich
[Augen verdrehend].
Natürlich ist alles ok!
[Das Smartphone auf den Tisch legend]

Es ist alles ok.
Was sonst, nicht ok?
Und was dann, hm?

Krise ist Dauerzustand.
Überall und nirgendwo.
 
Ja, so war das damals.
Heute flimmern auch die Wege,
aber sie führen mich eben noch woanders hin.



Sie wollen schon wieder ausziehen?
Nein, sage ich verärgert, wer behauptet so etwas?
Und meine: Ich weiß es nicht, vielleicht schon, vielleicht nicht, wahrscheinlich ja.
Wer kann das schon genau wissen?
 
Nicht wissen konnte ich immer schon sehr gut. Das ist die größte Stärke, auch wenn [mir] das keiner glaubt.
 
Wer behauptet so etwas?, hake ich noch verärgerter nach.
Die Frau Nachbarin.
Aha, sage ich, ich weiß überhaupt nicht, wer das ist.
Die Frau Nachbarin.
 
Folgendes passt zu beidem:
Die Nichtwissenden sind die, die einiges erfahren. Sie erheben sich der Dinge nicht, aus dem Vorhinein heraus – sie öffnen sich.
Voller Mut, Neugierde, Vorfreude und Stolz auch sagen sie es:
Ich habe eine Frage.
 
Komm, erzähl Du mir doch was.
Lemon Squash derweil.
 
Warum zieht es Dich eigentlich immer so in die Krisengebiete?, ist Deine Frage, Du möchtest sie beantwortet haben, von mir, und sie steckt voller Vorwürfe, die Frage, die Du jedoch mit Dir selbst ausmachen musst.

Lächerlich, wollte ich sagen, liebe ich aber das Spielen in Sprache versteckt so sehr, deswegen:
Weil ich selbst ein Krisengebiet bin, vielleicht deswegen?

Du lachst, was auch sonst.
Denn die Zeiten, in denen Du mir etwas sagen konntest, sind schon länger vorbei.
Langweilig. Lächerlich.
Langweilig: Herkunft.
 


Ich kann ihn nicht vergessen, sage ich viel später.
Ich weiß, sagt sie.
Aber eigentlich bin ich auch unsicher. Vielleicht kann ich schon, wenn ich will. Will ich?

Das Narrativ meines Lebens: Ich kann alles, wenn ich will. Will ich?

Bin ich es vielleicht nur manchmal noch sehr gewöhnt, das Leben aus der Sicht eines Opfers zu entscheiden. 
Opfer der Liebe und der eigenen Obsession, in [je]dem Fall.
Ich meine, wer hat das Begehren begonnen?
Ja, richtig.
 
„Ich liebe meinen Großvater sehr“, sage ich, als ich jetzt an der Kasse in einer fremden Stadt, einem vertrauten Supermarkt, stehe.

Alles so gleich hier.
Hinter mir legt der boy das Katzenfutter auf das Band und swiped auf dem Display. Da erzähle ich ihm ungeachtet dessen eine Geschichte, an welche ich auch jetzt wieder zurückdenken muss.
 
Da saß ich nämlich damals, auf einem viel zu hohen Baum, verwurzelt und beschränkt, dem Boden und der Sicht beraubt. Und der Freund in meiner Kindheit stand mir so weit entfernt, unerreichbar. So sehr ich Hände und Finger auch nach ihm streckte – zu weit weg, in dem Fall. Fester Boden unter seinen Füßen, oder sah es vielleicht auch nur von oben so aus. Ich komm’ hier nie mehr wieder runter, dachte ich ganz leise.
„Ich komm’ hier nie mehr wieder runter!“ rief ich.
Unbeeindruckt stand er da, und sagte:
„Wer hoch klettern kann, kann auch wieder runter klettern.“
 
Ich wurde immer schon mir selbst überlassen, dachte ich.Ich kann alles, wenn ich will. Will ich?


Ich konnte eine Obsession beginnen,
und ich kann sie auch wieder beenden. Nur all das in Sprache formen, damit kann ich nicht aufhören. Ich will nicht. Das ist es ja.
 
Aber eigentlich ging es doch um etwas ganz anderes.
 
Reise. Sehnsucht.
Boy, sage ich, als wir zu schwere Taschen tragen. Das war keine Planung meinerseits. Aber dieser boy, der trägt alles mit mir, im praktischen Sinne.
 
Boy, sage ich.
Manchmal halte ich es gar nicht mehr aus. Ich weiß, sagt er.
Ich muss hier weg, sage ich im Auto sitzend. Hände an die Schläfen legend.
 
Aber nein, denke ich.
Bevor Du richtig gehst,
musst Du noch einmal zu Dir selbst kommen. Da sein.
Sonst weicht das eine dem Anderen aus, reist das Eine dem Anderen hinterher. Es wäre ein niemals ankommen. Völlige Verwirrung. 
 
So hast Du es dir selbst ausgesucht, denke ich. Finger an Zähne legen während der Autofahrt, Lücken fühlen. Nachdenken, mich selbst beruhigen.
 
Ich bin ein Krisengebiet. Und jedes Krisengebiet hat gelernt, sich selbst
a. auszuhalten 
b. zu beruhigen
c. zu lösen
 
Wer das nicht weiß, ist unerfahren.
 
„Kind vertrau’ mir,
Dein Großvater ist in tausend Schlachten erfahren.“
 
Vielleicht erfuhr ich erst viel zu spät, was es damit alles auf sich hatte und wo genau mein Wunsch nach verzweigten Wurzeln seinen Ursprung fand. 
 
Krise in Palästina?
Ja, vielleicht.

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Habitusstrukturkonflikt

Es gibt Menschen,
die waren noch nie im Museum. Und fast gehörte ich dazu.

Habitus!, nießt da jemand. 
Gesundheit!, antworte ich.
 

 
„Du Tante“, sagt das Kind, „ich hatte letztes Mal einen Gedanken.“
„Was war das für ein Gedanke, Kind, hm. Erzähl’ ihn mir.“
„Ich habe das erste Mal gedacht, dass wir arm sind“, sagt das Kind.
 
Habitus Hat-schi!

Hat hier jemand Habitus gesagt?
Hier hat doch jemand Habitus gesagt!
Komisch.
 
Gesundheit!, sage ich fast schon ganz nebenher.
 

 
Tür zu.
Tür auf.
 
Ha ha, hallo Habitus!
Da bist Du ja wieder. Na.
Hast Du dich heute mal wieder um einen Mann gelegt, hm? Den frage ich jetzt Na, wo bist Du die letzte Zeit gewesen und mit wem, hm? Was hast Du erlebt und was nicht.
Was, Angst? Vor Dir, vor mir? Ja, aber wird schon nicht so schlimm werden, wir passen ja beide auf, wir passen ja beide auf, wir beide, oder?
 

 
Rein?
Raus?
Ich finde, wer die Antwort weiß, der sollte sich melden. 
 

 
Es gibt Tage, da ist die Sehnsucht größer als die Vernunft. Größer vermutlich als der Besehnsuchte, wer kann das schon so genau wissen. So ein Tag ist jedenfalls heute, jedoch war er gestern genau so, davor auch und davor auch. Eigentlich war es doch immer schon so, denke ich getroffen, ich kann ruhig auch mal sagen wie es ist jetzt und Euch dabei erzählen, wie es war, damals. 
 

 
Charmant in den Weg legen, ich mich, hallo hier lieg ich!, so hatte ich mir das damals nämlich überlegt, ganz leise und ziemlich nebenbei. Damit dem verehrten Mann nichts anderes mehr würde übrig bleiben, als mir aufzuhelfen. Einfach über mich drüber steigen, über mich hinweg gehen, das würde selbst er nicht über sein Herz bringen, egal, wie groß seine Angst, beim Aufheben gesehen zu werden, auch sein würde. Das glaubte ich damals. Heute denke ich naja und meine, es wäre anders vielleicht besser gewesen. Er hätte sich bei meinem Wagnis nun einmal ein Bein brechen können, beispielsweise, und dann? Hallo hier lieg ich, hätte ich gesagt, und nun auch Du. Wie hätte ich das je wieder gutmachen können. Aber manchmal, denke ich, manchmal muss es auch einen Verschlimmerungsschmerz geben, damit es besser wird. Beruhigung. Beruhigung: Ich wäre ja da gewesen, mit all meinem Dasein, was grundsätzlich nicht unterschätzt werden sollte und nur manchmal ebendiese verdient. Und überhaupt, was ist schon ein Bein, wenn es sich doch eigentlich um zwei Herzen handelt. Ach. Ich jedenfalls wäre da gewesen, mit all meinem Dasein, um Herzen und Beine zu bandagieren. Mit warmem Wasser hätte ich uns ein Haus aus Bindemittel gebaut, Störung verbunden, und das Wasser wäre von meinen Händen zu Deinen Füßen gelaufen. 
 

 
Nicht nur Joseph Beuys war es, welcher mit einer kurzen Aneinanderreihung darauf aufmerksam machte, wie unabdinglich und selbstverständlich es für ein gelebtes Leben ist, Liebesbriefe zu schreiben.
 
Der Boy verdreht während der Autofahrt die Augen und ein kleines Lächeln umspielt auch seinen Mund. Girl, sagt er, meinst Du nicht, es könnte so sein, dass Mann über Dich denkt, Du seist leicht psy-cho. Boy, erwidere ich, mir fallen sehr plötzlich viele Dinge dazu ein, so lass mich sortieren. Erstens: 
Ich denke das so wenig, dass es eigentlich schon nicht mehr relevant ist. Zweitens: Mehr denke ich, dass eigentlich Du derjenige bist, der denkt, ich sei leicht psy-cho. Und da Du mein Freund bist, der Freund, mit dem ich bereits als Kind auf Schaukeln schaukelte, bei dem ich bereits damals meiner Motivations-Position gerecht wurde, indem ich Dich so sehr aufregte und anheizte, bis wir beide kurzzeitig Angst hatten, die Schaukel, die wir abwechselnd bedienten, könnte sich überschlagen, aber es war (mir) noch immer nicht genug, denn ich sagte: „Und jetzt spring!“, Du sprangst, und schlugst Dir beide Vorderzähne aus, glaube ich, dass Du es dir nur nicht eingestehen willst, dass eigentlich Du diesen Gedanken denkst. Drittens: Wäre es so, dass der Mann denken würde, ich sei leicht psy-cho, dann wäre er nicht der richtige Mann für mich. Das ist doch klar, das ist doch klar, es ist so einfach wie logisch! Auch hätte es dann viel mehr mit ihm, als mit mir zu tun. Du weißt, es war gemeint als ein Kompliment. Viertens, ich empfinde all das als eine Art gesellschaftspolitischen Auftrag, das Private ist politisch, das weißt Du ja. Denn eigentlich finde ich, dass diejenigen, die durch das Leben gehen, und sagen wir mal, (immer wieder) (einen) Menschen treffen, der etwas in ihnen auslöst, dass diese Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihre Gefühle zu äußern, mehr noch (als) zu ihnen zu stehen, ja, was soll ich sagen, ich finde, dass eigentlich diesen Menschen das Prädikat auffällig gebürt und zwar sehr viel stärker noch als mir. Ich möchte also auch die verkrustete, gutbürgerlich verklemmte Scheiße durchbrechen, sie vielleicht in etwas animalisch-lebendiges verwandeln. Es ist also, neben diesem persönlichen Drang und einem kleinen Teil des Nichtvereinbarenkönnens eines etwaigen Verlustes, einem kleinen Glauben, etwas verpassen zu können, verpasst zu haben, eine Notwendigkeit nicht nur für mich, sondern vielleicht sogar für die Gesellschaft und für Dich auch. Und fünftens: Eigentlich ist es das nicht, und eigentlich ist es das doch, neben ambivalent nämlich egal. Was soll, das wird, boy. Du weißt doch, dass es so ist. 
 
Ok girl, so gesehen, eigentlich, hast Du recht.  
 

 
Ein Mann, der nichts sagt, ist das ein Mann, frage ich mich heute, ganz leise und nebenbei. Wenn sich ein Mann von einem Tier unterscheidet, dann doch darin, dass der Mann spricht. Währenddessen sehe ich Spülschaum von Tellern auf Böden tropfen.
 
Es müsste sich mal eine Wut einstellen, denke ich heute.
 

 
History is only a repetition, murmele ich so vor mich hin, auf dem Hocker in einer Küche sitzend, lehnend an einer Wand. Ein ewiges Trauma, stellt das Mädchen heute leise fest, während es auf meinen Wunsch hin eine Suppe zubereitet. Es wird nie anders sein, befürchtet das Mädchen und legt den Kopf auf die Schulter. Das Mädchen dreht und wendet Worte und Löffel, bis es nebenbei sagt: Ich weiß nicht, wofür ich meine Eltern gebrauchen soll. 
 
Es wird vorbei gehen, Mädchen, sage ich, die Zeiten werden anders sein. Wir werden anders sein. Nichts bleibt, wie es ist, es war schon immer so. 
 
Hier guck mal, sagt das Mädchen. Rote Bete Salat. 
Aber die Suppe, die braucht noch. 
Ja, Mädchen, ich weiß. Ich kenne Dich schon gut mittlerweile. 
So gut, dass wir auch miteinander warten können.


 
Mädchen heute Morgen ist was passiert!, sage ich plötzlich ganz aufgeregt. Er erinnert mich ja ein wenig an ihn, das sagte ich bereits. Und auch nur ganz wenig, keine Angst. Guten Morgen, sagte er jdf. heute, und dann sah er mich nochmals an und sagte: Ich grüße Sie! Mich?, habe ich mich dann schon kurz gefragt, aber dann auch direkt wieder selbst beantwortet weil ja klar mich, es stand ja niemand hinter mir. Naja und später, da ist mir mein Stift runter gefallen, Du weißt ja, oft spiele ich mit etwas in den Händen, ich ließ ihn jedenfalls liegen und dachte so: später, und wenige Minuten später, hat er dann meinen Stift aufgehoben. Zu meinen Knien hat er sich gebeugt und dann von dort aus gefragt – Ist das Ihrer.

Das Mädchen sieht mich an.

Ich verspreche, sage ich, ich steigere mich nicht rein, aber bemerkenswert ist es doch schon denke ich aber Mädchen, darum geht es gar nicht, denn was ich mich seither frage, ist: 

glaubst Du, ich habe auch mal jemanden an jemanden erinnert?

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Recht.

Was war zuerst da, Du oder die Musik, welche mich wieder an Dich erinnerte.
 

 
Klagen Sie, sagen Sie ganz ruhig. Sie sollten klagen, immer klagen!, meinen Sie. Kein Problem, ergänzen Sie. Und lachen ein bisschen schelmisch. Vielleicht so, wie es Juristen in meinem Fall oft tun. Aber so genau weiß ich das auch gar nicht.
 
Klagen, wiederhole ich stumm und sehe aus dem Zimmer heraus in eine verunglückte Welt. 
 

 
Aber ich klage doch schon, denke ich, während ich auf die Unterlippe beißend eine Treppe nach unten schleiche, nachdenklich der eigenen wahrnehmenden Möglichkeiten wegen abwägend. Bin ich auf Abwegen? Ich bin des Klagen zählens müde geworden, wieso hört mich keiner, überlege ich und erinnere gleichzeitig einen besonderen Tag, an welchem ich die Hände auf eine Mauer in Jerusalem legte. „Please do not turn your back to the wall, it’s forbidden“, they said later on. „Excuse me for causing trouble“, I replied, kaufte sehr viel später eine Papierrolle und hängte sie an eine andere Wand. Klagemauer schrieb ich an den Anfang des Dokumentes.
 

 
Es ist möglich, für sich selbst zu kämpfen, wenn man für die anderen kämpfen kann.
Oder ist es genau anders herum, erwäge ich heute, leise und versunken in meinem eigenen Fall. Immer mit etwas in Händen spielend.

Es ist mittlerweile wichtig geworden, Recht zu bekommen.
 


Was glaubt er eigentlich, wer er ist, frage ich mich Wege kreuzend. 
Was glaubt er eigentlich, wer ich bin, frage ich mich, dem Regen zusehend. 
 
Wichtiger, fällt mir ein: Was glaube ich eigentlich, wer ich bin?
Da bin ich, denke ich.


 
Hierfür haben Sie sich die falsche Person ausgesucht, sage ich kurze Zeit später drohend, und meine es so. Es gibt Situationen, da beweise ich Nerven aus Drahtseilen, warne ich, und diese ist so eine. Wie kommen Sie dazu, sich über geltendes Recht zu stellen und Ihre eigenen Gesetze zu schreiben. Und das hätten Sie wohl nicht gedacht, ganz leise lächelnd. Das hätten Sie wohl nicht gedacht.
 
Gut ist: Damit sind Sie ja nicht allein.  
 

 
Menschen auf den Geschmack kommen lassen. Jeder Erfolg hinterlässt in ihnen eine berechtigte Sucht nach mehr.
Anerkennung. Recht. Selbstwirksamkeit. 

Ab jetzt kämpfe ich für mich selbst, aber eigentlich auch für alle anderen. 
 

 
Wie kann es sein, wettere ich nur wenig später in den Lautsprecher eines Telefons, dass nicht jedem sein Recht zugestanden wird. Dass jeder für das Recht, welches ihm zusteht, zuvor erst zu kämpfen hat. Ich frage das fast so naiv, wie es klingt. So leise überrascht und so, als hätte ich zuvor noch nie ein Gefecht geführt.

„Ich habe Dich selten so wütend erlebt“, sagt die Frau, welche mich schon in vielen Emotionen verstrickt sah, stumm und ganz bestürzt. „Ich bin nahezu blind vor Wut“, sage ich, und fast stimmte es. „Ich kann nicht mehr sprechen“, sage ich, „aber Worte habe ich. Ich habe Worte.“
 

 
Ich hatte bereits zuvor rhetorische Feuer begeistert entflammt und auch genährt. Beschwörend, betend und jubelnd Tänze und Kämpfe geführt, als wären Sie meine eigenen gewesen. Nicht mehr aufzuhalten war ich, fiebrig suchend nach dem systematischsten aller Angriffe. Unberechenbarkeiten berechnend. Unerbittliche Runden drehend. Rasend, beharrlich, unerschütterlich. 
 
„Haben Sie keine Angst?“, fragte man mich immer mal wieder. „Nein“, sagte ich, „wovor denn?“ Mit geballten Fäusten, entschlossenem Blick und bebender Stimme sagte ich es: Das hier ist Ihr Recht! Und ich möchte, dass Sie lernen, für sich selbst zu kämpfen! Ich möchte, dass Sie sich das Recht, welches Ihnen zusteht, nehmen und erhalten. Ich möchte, dass Sie lernen, für sich selbst zu stehen! Schämen Sie sich nicht, rief ich aus. Schämen Sie sich nicht!
 
Wer sagt mir das jetzt?
 

 
Lonelieness has always been a friend of mine, denke ich wenig später, während ich erschöpft des ersten Schachzugs wegen an einer Supermarktkasse stehe und mich kaum mehr halten kann. 
 
Möchtest Du auf einen Tee bleiben?, fragt sie anschließend.
Ich weiß nicht, sage ich, stehend an ihrem Küchentisch, den Stuhl umklammernd.
Du tust mir leid, sagt sie.
Aber wieso denn, flüstere ich.
Du siehst aus, als hättest Du Schmerzen, antwortet sie. 
 
Lustschmerz, sage ich, doch noch lächelnd, Lustschmerz. 

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Risotto mit Artischocke

Ich liege viel höher jetzt.
 

 
Bald bin ich hier weg.
Bald wäre zu definieren, weg auch.
 

 
Eine Umarmung. Noch eine. Und noch eine. „Hey, was soll das denn? Was ist los mit Dir?“, frage ich erstaunt und fast schon verärgert.

Es war wie eine dreimalige Entschuldigung, die noch nicht ausreichte. Wir wussten es doch beide. Ärgerlich also, dass wir Bezeugende dessen wurden.
 

 
Um 1 Schlüssel leichter.
So spielt es auch anders in meiner Manteltasche.
Um 1 Schlüssel leichter.
So, wie ich gehe, umspielt mich eine ganz neue Melodie.
 

 
Tage später. Oder sind es vielleicht sogar Wochen? Und waren wir es nicht, die sich einig darin waren: Immer, wenn wir uns verliebten, waren wir unglücklich.
 

 
1000 Schritte weiter. Bis mir alle Interpretationen im Weg stehen.
Nichts ahnend war ich nie. Das war ich morgens, in den Spiegel sehend. 
 

 
Alte, zynische Scheißmänner, die missbilligend lachen. Wo bin ich? Nicht so weit von Dir entfernt. Wieso bin ich hier und nicht bei Dir? Scheiß Journalisten, denke ich, verantwortlich für das Kultur-Ressort, wie sie, Beine übereinanderschlagend ihren scheiß Spiralschreibblock auf ihren scheiß zu schmalen Oberschenkeln liegend mit Blei beschweren. Ja hallo, ich bin verantwortlich für Kultur und deswegen wichtig hallo lassen Sie mich durch und wenn mir danach ist, zerreiße ich Sie und Ihre ganze Arbeit in ein paar Zeilen und damit meine ich Ihre Existenz ok denn hier steht’s, hier, und hier sitze ich, nämlich erste Reihe, und eigentlich geht es in diesem Theaterstück um mich, um mich, und jeder, der Ahnung hat, weiß das ok.

Scheiß Journalisten!
Das war ich abends, Menschen sehend.
 

 
Ich fahre jetzt zu Dir, ok.
Ich fahre jetzt zu Dir.
Ok?
Ich meine, ich bin ja eh schon da.
 

 
In welcher Situation war ich? In welcher Konstellation bin ich jetzt? Und wieso ist sie so anders als die gestrige. Wie schnell kann ein Leben sein?
 

 
Ein Abendessen.
Wie schön und reich wurde der Tisch gedeckt.
Sag, wie war es denn?, das möchtest Du wissen.
Nicht gut, sage ich, aber es ist nicht mehr schlimm.
Ach, sagt sie, die immer an meine Träume und all die verrückten Geschichten glaubt, vielleicht, weil sie selbst viele Träume und verrückte Geschichte in Erfüllung hat gehen sehen, na gut, aber ich hätte es Dir dennoch gewünscht. Danke, sage ich, aber mein Leben ist bereits ein anderes, lass uns einfach Wein trinken und Risotto essen ok?
 

 
Es war schön.
Ja, das war es.
Denk dran, sage ich. 
Ja, und denk auch Du dran: keine Angst!
Keine Angst!, wiederhole ich und balle die Hand zur Faust.
Und falls doch, sage ich, mache ich es wie Du, nämlich doch.
 
Keine Angst, denke ich, und schreibe: Wie geht’s denn so.
Ich bin gerade eine Tom Waits Coverband, sagst Du.
 
Aha ja gut, sage ich, wenn‘s hilft why not.

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Auf einem Konzert

Hallo hier spricht Ich Ich muss sich krankmelden.


Ja ach Du Arme Ja klar das geht ja auch rum und ja kein Problem wir machen das schon gute Besserung.

Äh ja danke aber ich glaub, ihr habt nicht richtig verstanden es geht nie wieder vorbei meine ich es ist doch nicht zu übersehn.

Von Menschen überholt werden. So langsam nach Hause schleichen, dass die Anderen einen schon fragend ansehen. Guckt nicht so, denke ich, ich geh jetzt so! Ich hab’ Schmerzen. Ich hab’ Brüche. Ich hab’ Schwäche. Ok? Oh man ey. Naja.

Alle haben eine Mutter, nur ich habe keine. Alle haben eine Mutter, nur ich habe keine. Mantra vor mich hin. Nochmal Glück gehabt, unter diesen Umständen.


Endlich, endlich. Auf den Boden legen. Am Boden sein.

Und die Flasche, die vor mir steht, ist halb leer. Nicht halb voll. Halb leer ist sie. Ich seh das doch! 
Nicht! Halt! Voll!



Und dann ein Klingeln an der Tür. Gehört diese Tür zu mir? 

Ich gehe ja tagtäglich dadurch, das gebe ich hier zu, aber gehört sie wirklich mir, bin ich gemeint, meine ich, ich weiß nicht, vielleicht klingelt da ja nur jemand, der es mir nachmachen will, the best way out is through.

Hey! 
Hey!
Ein Lächeln. 
Hi.
Ich hab mich mit der Bahn vertan. Darf ich rein kommen, nur auf 1 Zigarette.

Ja sicher, hier, ein Lächeln.

Bitte. Rauch‘ doch in der Küche, bitte. Mir ist alles egal jetzt weil einsam grade ich kann nicht denken. 

Was redest Du denn, Du magst das doch gar nicht. Komm, wir gehen vor die Tür.

Welche Tür und wie viele davon habe ich. Welche kann ich passieren, welche ist begehbar.

Wer trägt mich.

Es scheint mir wie eine unüberwindbare Schwelle.



Guck mal!, rufe ich ganz erstaunt und fast fröhlich aus, da ist der Mond!, um dann festzustellen: Selbst der Mond ist halb voll. Mein G*tt, wann hört das auf. 


Ich muss mich setzen. Ich muss mich auf die Mauer setzen, an welcher Du rauchend lehnst. 

Schweigen erstmal. Es ist so schön.

Du bist nicht einsam, sagst Du. Nicht?, frage ich lächelnd, Was dann?

Es fühlt sich immer nach Einsamkeit an, weil man trotz aller Gedanken und dem Mitgefühl doch allein in und mit seinem Schmerz ist. Aber Du wirst geliebt und bist wertvoll für die Menschen. Und das bedeutet, dass Du nicht einsam bist.

Schweigen und dann

Danke. Morgen gehe ich übrigens auf ein Konzert. Ehrlich gesagt, ich wünsche mir bereits jetzt wäre schon morgen. Wünschst Du dir das eigentlich auch manchmal sag ehrlich Du kannst es mir sagen wirklich ich sag‘s auch Niemandem

SMS: Ich komm jetzt gleich, Mädchen, pünktlich wahrscheinlich. Mädchen, schreibe ich, ich fürchte ich bin ein bisschen aufgestylt aufgrund dessen mir ein Kleid hervorragend steht und mich im besten Licht erscheinen lässt und Mädchen, hast Du eine Sicherheitsnadel?


– Warte ich muss gucken.
Ja habe ich bis gleich

Bitte mach die Autotür vorsichtig auf, Mädchen, Du weißt es doch. Aber in den Händen hält es gefährliches Werkzeug, stolz zeigt mir das Mädchen sein gefährliches Werkzeug.

Mädchen!, sage ich fast ungläubig. Das sind doch keine Sicherheitsnadeln! Das sind Stecknadeln. Stecknadeln! Wo soll ich mir die denn hinstecken? Ich brauche Sicherheit, Sicherheit. Ach man scheiße, grade fühlt sich diese Kleinigkeit an wie das ganze Leben scheiße. scheiße. scheiße.

Oh ja tut mir leid und jetzt seh‘ ich auch grade dass sie vor lauter Schreck alle ausgekippt sind in meiner Tasche scheiße. scheiße. scheiße.

– – –

Ach es ist so schön Mädchen alles ist so schön ich freu mich auch so dass es Dir gefällt und alles hier funkelt und glitzert wie die Sicherheitsnadeln in Deiner Tasche Mädchen weiß Du noch und falls ja dann nimm die Hände jetzt hoch

– – –

In der Küche, wieder in der Küche, alles beginnt immer an einem Anfang, in den Hörer hinein sage ich es leise:

Du kannst Dir nicht vorstellen, wie schlimm es war, sage ich, den Kopf haltend. Und wirklich, alles was ich sage, ist wahr. 

– Ich kann Dir kaum zuhören, aber ich trage Deinen Schmerz, ich verstehe Deinen Schmerz. Ich liebe Dich wirklich so sehr. Wie kannst Du nur so gut geworden sein, wenn doch alles um Dich herum so schlecht war.

Oh it must be growth by dying.

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Im Museum

Seit ein paar Stunden, eigentlich, seitdem ich wieder zu Hause bin, habe ich Angst, mir den Fußknöchel zu brechen.
 

 
So viele Regeln. Ist das der richtige Ort, gegen den Strom zu schwimmen? Gibt es etwas, zu dem man zurückkehren kann?
 
Die Vergangenheit ist nicht die Vergangenheit.
Ein Zuschauer ist ein Zuschauer.
Sag, was Du willst.
A walk (with the boy)
 
Und am Ende dann die wichtige Einbindung der Besuchenden in die Ausstellung. „Möchtest Du?“, frage ich den boy. „Ich weiß nicht“, sagt er. „Erstmal will ich nur wissen, wie schwer das Material ist.“ Und so gehen wir doch in ein Bad aus kleinen Einzelheiten, Aluminiumklötze. Menschen bauen Häuser und Straßen, legen Schienen und Grenzen. Auch wir sind part of the art, doch eher laufen und sichten, manchmal drehen wir einzelne Teile, nur, um zu sehen, dass darunter nicht sehr viel mehr ist. „Ich nehme Teil an dem Geschehen. Ich verändere die Gesellschaft“, sage ich dann, eher zu mir, und mit Blick auf die Anderen zu dem boy: „Es ist gut, dass Menschen das machen, dass sie wieder lernen, zu spielen“, während dessen lege ich Stein auf Stein, aber es langweilt mich auch ein wenig, ich gebe das zu und sage weiter „dass sie lernen, Dinge sinnfrei und nicht leistungsorientiert zu…“
„Girl ich hab irgendwie Lust, das alles zu zerstören“, sagt der boy unvermittelt mit Blick in das Geschehen. So, wie er da am Rand steht, mit verschränkten Armen, sieht er aus, als würde er sich einen Überblick verschaffen wollen, als wäre das alles im Kopf bereits ein Schlachtfeld. Ich bin so verwundert, es war wie heute Morgen, als der boy ausnahmsweise mal in mein Auto stieg und ich sagte: „Hey na wie geht’s, hier, das ist ein roter Smoothie, für Dich. Bitte sehr!“ „Ach, das gibt’s doch gar nicht“, sagte da der boy, und dann „Hier!, das ist der Smoothie, den ich eben für Dich gemacht habe. Er ist grün.“ 
 
„Boy das ist ja sehr interessant dass Du das sagst“, sage ich dann kniend vor Plastiken, „mich packt die gleiche Zerstörungswut. Seltsam. Aber ich glaube, das darf man nicht, obwohl es ja Kunst im eigentlichen Sinn wäre. Es wäre kraftvoll und produktiv, explosiv nicht implosiv. Es wäre ganz neu. Das ist es ja, was Kunst eigentlich auch will. Die Dinge neu machen und neu betrachten. Ok boy, lass und hier raus gehen bevor wir noch…“
„Ok. Aber erst trage ich mich jetzt ins Gästebuch ein. Ich lese auch, was die Anderen hier so…“
Ok ok, mach mal –

„Entschuldigung, ich habe eine Frage, und zwar, diese Steine, man soll mit ihnen arbeiten und sie verrücken, aber wir beide, wir hatten seltsamerweise die ganze Zeit Lust, das alles zerstören zu wollen, alles, was bisher gelegt wurde, zu zerstören. Alles neu machen, sozusagen. Dürfen wir das?“ Die Frau hinter dem Museumsempfang verliert wirklich ganz plötzlich das totale Lächeln, das war fast absurd und dann sieht sie aus, als wüsste sie weder, wovon ich, noch, wovon sie spricht, als sie sagt: „Eh nein! Sie sollen sich zwar einbringen, aber es geht darum, die Dinge anders zu legen und zu verschieben und nicht zu schmeißen. Die Steine sind recht schwer und es wäre zu laut, das geht nicht!“
„Ah ok danke“, sage ich und drehe mich um.
 
„Boy, hast Du gehört, was die Frau gesagt hat?“
„Ja, habe ich. Lass uns gehen.“
„Boy, ich hab zwar Zerstörungswut, krasse Aggression grade in mir, ich weiß nicht, woher das kommt, aber ich hab auch die ganze Zeit während ich da drin war aufgehört zu denken. Seltsam oder“
„Jaja. Ich auch girl, ich auch girl.“
 

 
Ich gehe über das Leben in das Leben, über das Leben in die Existenzberechtigung. Nicht über den Erwerb und auch nicht über die Gebärmutter meiner Mutter.

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Einigkeit und Recht und Freiheit

Alles ist erleuchtet.
Tatsächlich.

Lieber allein einsam als mit der Familie einsam dachte ich dann so,
bei Abendbrot und Tee.

Alles ist erleuchtet.
Tatsächlich.

Und das wird auch Mann A das erste Jahr in Freiheit sehen können und wer weiß, vielleicht wird er es ja versuchen, aber keine Chance, keine Chance.

Mann B – man ist sich noch unschlüssig. Jedoch sehr wahrscheinlich ist, dass Mann B zu spät zum Feste kommen wird, unter der großen Jacke für Alternative wird er möglicherweise ein Geschenk wissen, eins für die Schwester und nur für diese. Leise wird er es mit den Spitzen seiner Finger in ihre Richtung über den Tisch aus Holz bewegen. Heimlich, und so, dass es keiner und doch wieder Jeder sieht. Denn eigentlich möchte er ja bewundert werden für seine Großzügigkeit. Mann B wird möglicherweise kurz an Frau denken, möglicherweise wird er ihr spät spät abends eine Nachricht zukommen lassen. Vieles wäre möglich.

Mann C wird mit den Händen gestützt seinen Kopf halten und in dieser Enklave brüten brüten brüten. Über Versäumnisse und Übertriebenheiten. Er wird kurz die Frage denken, die man ihm stellte, nämlich wie er fähig sein kann, so groß zu denken und so zögerlich nur zu sprechen. Aber dann wird er beschließen: alles Blödsinn! und sich fest vornehmen: Beim nächsten Mal, da werde ich es nicht so weit kommen lassen! Ich werde mir einen Platz in dem Leben der Frau erobern. Um siegreich mein noch begrenztes Land zu verlassen, werde ich dies nicht mit Hilfe großer Gedanken, sondern leise, vorsichtig, berechnend systematisch und zurückhaltend geschickt wie mein Sprechen vollziehen. Ich werde mich in das Leben der Frauen reden, nicht mehr dort herausdenken lassen. Jetzt werde ich es tun, ich werde!
Aber vorher, noch einmal vorher, muss ich wissen: Frau, sag, bist Du dir wirklich sicher, dass es uns nicht geben kann? Und bitte Frau, sag, bist Du sicher, dass wir nicht alles nur geträumt haben.

Frau wird in einem großen Bett erwachen, zu sehen werden mehr Haare als Hände sein. Frau wird einen Gedanken denken, der mit einem Oh nein beginnt.

Frau wird in die Zukunft gehen, Mauern einreißen und sometimes noch gegen solche rennen. Frau wird Zweifel haben und erhaben das Jetzt sehen und mit Kopfschütteln die Vergangenheit betrachten. Wann hört es auf, wird sie sich noch ab und zu fragen, aber mehr noch Wann fängt es an und wichtiger: Kommst Du mit Mann, kommst Du mit jetzt bitte!, das wird die wichtigste Frage für Jetzt und auch für das kommende Jahr sein. Kommst Du mit, ewig verehrter Mann, der noch nicht viel von seinem Glück weiß.

Der ewig verehrte Mann wird mit einem schelmischen Lächeln und mehr ruhig als laut an einem großen Tisch sitzen, mit vielen Schwestern und lustigen Eltern und einem Glas zwischen den zarten und schmalen Händen. Abwägende Denkerhände. Ein wenig wird er sich nähren, aber mehr noch wird er schweigen, staunen, lachen über viele Nichten und Neffen. Über die ganze Welt wird er kopfschüttelnd Thesen aufstellen und – ja, was?

Ähnlich wie Er durch ein Leben geht, nämlich vorsichtig, und doch beschwingt sowie entschlossen, leise und elegant, wie ein Wolf im Wald, wird Er sich weiter in das Leben einer Frau schleichen. Ein Stück näher gen Zentrum, vorerst fremd in einer für ihn unnatürlichen Umgebung, aber wer war zuerst da, hm? Wer war zuerst da.

Ähnlich wie Jemand, der schon alles weiß, nur das noch nicht, was weit im verbotenen Verborgenen liegt, wird er der Frau ab und zu Fragen stellen zu einem Zauber, an den er noch nicht glaubt, einfach, weil er ihn noch nie gesehen hat, einfach, weil er noch nie dort war, wie es so oft ist, und mehr noch ihr leise von der Ferne aus in die Augen sehen und sich in Anbetracht ihrer Existenz (sie lebt!) auch kaum merkbar verneigen, als ein Beweis der Anerkennung auf weiter Flur wird er ihr zulächeln, um dann den Blick wieder gen Boden zu legen, denn was nicht sein darf darf nicht sein. Wer wenn nicht Er wüsste das besser.

Eines Tages wird der ewig verehrte Mann von der Frau zu einem Tisch begleitet. Eines Tages wird der ewig verehrte Mann der Frau zu Gerechtigkeit verhelfen. Ganz leicht am Arm wird er sie dabei berühren. Wer wenn nicht eine Frau, die ihr Leben in Geschichten schreibt, wüsste das besser.

Sobald die Menschen wissen, dass ich Jurist bin, haben sie ein juristisches Problem, wird er sagen. Ja?, wird ein Richter fragen, der keiner ist, und dann: Interessant, inwiefern?, um sich damit wie selbstverständlich von der Regel ausgmzunehmen, sieht er sich als Normsprechender doch fast naturgesetzlich über den Dingen. Und die Art wie ein Selbsternannter das fragen würde, würde die Frau an einen anderen Dialog erinnern, der in der Vergangenheit liegt und dort auf Vergeltung wartet: Wir sind uns doch einig, sagte er, dass wenn ein normaler Mann Dein Leben betritt, – er kann sich doch nur umdrehen und gehen.

Einig?, fragte die Frau.

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The ballad of bird and fox

Ein Kind in meinen Armen in der Nacht, und während des Schaukelns zittern mir die Knie. Was, wenn ich es nicht schaffe, dieses Kind sowie mich zu beruhigen.
So, wie es auch nie jemand schaffte, sich oder wenigstens mich zu beruhigen.
Was dann.

-They say that we can’t do it.
Let’s prove them wrong tonight-

Es ist nicht nur ein wimmerndes Kind, es ist nicht nur ein wütendes Kind, es ist eine Bewährungsprobe. Wimmernd, das Kind, vielleicht aufgrund der Träume, die nachts durch einen viel fantasievolleren Geist jagen, als wir es uns je erträumen könnten. Wütend, weil eigentlich will es doch nichts anderes als: schlafen.

Peaceful is the bird in the morning
Grateful is the fox in the evening
Gotta wake ‘em up!
Gotta wake that bird up!
Gotta wake ‘em up!
Gotta wake that fox up!

Ich singe.
Und während ich singe, denke ich auch kurz an Dich, der mir stets zu sagen pflegte: Ich glaube schon, dass Du Musik kannst.

So singe ich vom Aufwachen und meine damit Einschlafen.
Diese Ambilvalenz, sie ist mir so bekannt, sie ist so voller nicht erstrebenswerter Eintönigkeit, Durchsichtigkeit, dass sie selbst das Kind in meinen Armen erst zum Gähnen und dann zum Einschlafen bringt.

Wie lange stand ich hier, auf diesem Boden, in meinem Leben, und habe mit einem Kind im Arm einen Kampf geführt. Kinder gehören nicht in den Krieg gezogen. Ich habe meine Waffen niedergelegt, und mich friedlich frei getanzt.

„Ich finde Dich logisch“
Bitte wie?

Es macht keinen Sinn
Augenränder bis zum Kinn
Mein Körper völlig am Ende doch mein Kopf will grade beginnen

Ein anderer Tag, eine andere Nacht.
Und da sehe ich mich um halb vier Uhr morgens lehnend an der Küchenzeile Knoblauch schälen. Und während ich mir immer wieder sage, dass es darin Sinn geben muss, alles passiert zum Besten, alles passiert zum Besten, denke ich auch: Frieden mit den Männern schließen heißt Frieden mit Männern schließen.
Was mache ich, wenn das stimmt.
Was dann.

Schuldgefühle, die mich in der Mitte auseinanderreißen
Manchmal möchte ich mir die Hände vor das Gesicht legen,
und so weiter leben for ever.

Es wird nie so sein, denke ich, dass Menschen verstehen, was sie nicht verstehen wollen.
Endlosschleife.
Durchgeschnitten.
Mir ein neues Leben eröffnet.

Knoblauch hacken, um viertel vor vier Uhr morgens. Teufelsaustreibung betreiben.
An Indien denken und dann an Dich.
Hold your body, not your breath, sagtest Du.
Hold your body, not your breath.

Ein Dialog

Ach du Schande, ach du Schande!
[Die Zuschreibungen der Anderen sind die Zuschreibungen der Anderen]
Wie, Schande? Wie kommst Du jetzt da-rauf?
Du kannst doch nicht ewig so weiter machen!
Ewig nicht, vermutlich hast Du recht… Aber – womit denn eigentlich?
Ja mit diesem Leben.
Meinst Du damit, dass ich irgendwann sterben muss? Meinst Du das?
Nein, ich meine, so wie Du lebst.
Wie, wie ich lebe?
Ja, so.
Wie, so. Lebst Du etwa – anders?
Ja, siehst Du doch.
Nicht so richtig irgendwie. Versteh ich auch grade nicht, was Du meinst. Versteh ich echt nicht! Erklär mal bitte.
Ja – also ir.gend.wann muss man ja mal fertig sein [Zähnezusammengebissensehrfest]
Fertig sein womit? – Und bist Du schon fertig? Davon abgesehen: Ich will überhaupt nicht fertig sein und bin es gleichzeitig ja leider doch, man, Du kannst Dir nicht vorstellen wie sehr, aber das ist eine andere Geschichte ha-ha naja.

„Ich habe dem dann gesagt „Sie wissen wohl nicht, mit wem Sie hier sprechen!“
Ja vielleicht wusste er wirklich nicht ich meine mit wem hat er denn gesprochen?
„Ich habe den sowas von zusammengefaltet das kannst Du dir nicht vorstellen. Und zusammenfalten, das kann ich!“ (stolz)
Stille.
„Ich weiß, dass Du das kannst.“
[Teetasse zwischen Handflächen: warm]

Wenn ein normaler Mann bei Dir rein kommt, der kann sich ja nur umdrehen und gehen
Jacke über Stuhllehne / Gardinen auf Boden / Matratze ebenso.



„Ich will Dich nicht anhimmeln, aber es passiert(e). Einfach so.
Ich finde Dich so unfassbar spannend.“

Männer sind nicht gleich Männer, hier ist er doch, der erste Beweis.
Wieso glaubt der Kopf das nicht.

Nur kann ich auch nicht mehr unfassbar sein, es tut mir weh sogar.
Ich bin auf Spannung so sehr, was ich brauche ist in eine Nische legen, bestenfalls aus Mann bestehend.

Hast Du noch Fragen?
Ja, tausende.
Nein, Verzweiflungsgedanken hatte ich heute nicht.

Mann: Wachstum und Willenskraft. Verliebtheit und Verstand. Aggression und Aversion. In meinem Kopf fickt es sich gut.

Mädchen: Was ist denn an dir bitte crazy das würde ich gern mal wissen

Frau: Du lernst immer so Männer kennen.

Ich: Ja aber ich bin ja auch so eine Frau.

Konsequenzen ziehen.
Aber doch hoffentlich nicht vermischen, das Kind auf den Armen mit dem Kind aus den Erinnerungen, der Mann von damals mit dem Mann von heute. Von weiter weg sieht man besser, näher dran werden Dinge oft kleiner. Letzteres hast Du mir gesagt und damit Angst gemeint. Aber vielleicht war ich schon zu weit weg, unerreichbar liebend lachend zweifelnd leidend schmerzend auf einer Matratze liegend, mit der Schwester sprechend.

Hat irgendwer nach mir gefragt?
Nein Schwester, niemand.
[atmen, wirklich ruhig]
Es ist doch gut. Ich werde nicht vermisst. Es ist doch gut.
Ich werde keine Vermisstenanzeigen aufgeben müssen
Ich werde nicht gefunden werden müssen
Ich werde mich nicht mehr verstecken müssen. Die Wahrheit ist simpel

In meinem Leben stehe ich auf Zehenspitzen

Alles = ich. Ich = alles, was ich zu sein vermag. Ich = endlich. Endlich.

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59 – 65

59

Als ich ein Kind war, träumte ich immer wieder den gleichen Traum:
ein Hochhaus würde einstürzen, und mittendrin: ich.
Als ich ein Kind war, durchdachte ich immer wieder das gleiche Szenario:
Wo wäre die Chance, diese Katastrophe zu überleben, wohl am größten, in einem der oberen Stockwerke oder in einem der niedrigen Stockwerke?

Wie lang habe ich darüber gebrütet und konnte meinen eigenen Tod doch nicht entscheiden?
Mein Kindheitsrätsel.
Andere Kinder spielten Gesellschaftsspiele, ich spielte Überlebenskämpfe.

60

Heutzutage sind die Nächte Überlebenskämpfe. Und mittendrin: ich, wie Kafka und Schlaf und Fieber, mein Körper, wie er aufbegehrt, gegen sich selbst kämpft, sich nährt und gebärt, sich schüttelt und in Wallung gerät. Noch unkontrollierbar zwischen Sein und Nichtsein schwankt und sich dabei Haare, Nägel und Zähne ausreißt.

61

Manchmal, wenn ein Mann über Nacht zu Besuch ist, dann fühle ich mich, als wäre ich gänzlich hundertprozentig. Spirituell.

62

Ich habe eine Schwäche für Männeruhren.
Das Romantische an ihnen ist, wie gut sie über das Gemüt ihrer Träger Bescheid wissen. Ihnen entgeht kein Pulsschlag. Wie konstant in Korrespendenz sie dabei mit dem Objekt der Begierde sind. Innenpolitik.

Vielleicht ist es auch lediglich die Nähe. So nah wie all die Uhren wollte ich all den Männern auch immer sein. Selbst dem ewig verehrten Mann blicke ich immer mal wieder heimlich auf die Uhr. Und meistens seufze ich dann kurz. Vor Erleichterung, vor Spannungsabbau vor allem.

Der Unterschied zwischen Dir und dem ewig verehrten Mann ist, dass ich Dich bereits kennengelernt habe. Das ist es, was heute vieles in einem anderen Licht erscheinen lässt. Eine Garantie dafür, einen Traum zu zerstören, ist seine Erfüllung. Oder so ähnlich. Nachdenken darf ich darüber nicht. Aus dieser Verzweiflung käme ich nicht wieder lebend heraus.

[Dein Vater hat Dich vergöttert, sagen sie mir, am Küchentisch sitzend schwören sie das in ihre verzweifelten Hände hinein. Dein Vater hat Dich vergöttert. Bitte glaub uns das.
-Wer versteht wen oder was nicht?]

Für den Vorgang des Uhrausziehens hege ich ebenfalls Faszination, für den Vorgang des Legens: Metall auf Holz. Erstarrt bleiben dabei beobachtend dann all meine Herzen stehen, so ernst ist mir das.

Alles fiel mir auf, als Du noch in Meditation versunken und in Laken verhüllt saßst und ich von Morgenromantik umarmt vor dem Holztisch stehend aus das Werkzeug betrachtete, auf dem unsere Zeit (ab-)lief. Da nahm ich es in die kalten und zarten Hände und das Utensil war mein Gegenteil, nämlich warm, weich und schwer. Wie konnte das sein? Nachdenklich kippte ich Materie von einer auf die andere Handaußenseite. Dabei baute sie eine Brücke zwischen Dir und mir.

Verloren war ich, mehr noch als gestern, nur leiser, beim langsamen Entblößen einer Mandarine, beim Schälen all ihrer Häute, und ich meine: all ihrer Häute, bis nur noch Fischlaich übrig blieb, als Du neben mir liegend fordernd sprachst: Was findest Du so erotisch daran, sag es mir. Erzähl mir eine Geschichte, antwortete ich leise, so erschöpft wie ich war, und Du begannst, mir eine Geschichte zu erzählen, und noch eine und noch eine. Es geschahen Wunder für mich.

63

Sag mir, sagst Du, wie Du so plötzlich vor mir, Tisch und Uhr stehst, womit kann ich Dir eine Freude machen.

Stille // und wenig später nur schwebt Wasser aggregativ vielseitig durch Papier, sucht sich Wege, die nach Rom führen, extra fein gemahlen. Gestern noch hattest Du mir die Reifen meines Fahrrads aufgepumpt und den Backofen repariert. Gestern.

Und plötzlich denke ich an Nebensächlichkeiten, daran, dass als es noch ein damals gab ich Dir immer nur Fragen stellte.
Wie schwer trägst Du, hm?
Geht es darum, Dinge zu tragen?, antwortetest Du, falls ja, dann 9.
Nein, darum geht es nicht.
Ach so, ok. Aber ich bleibe trotzdem bei 9. Ich bin schließlich auch groß.
Einmeterneunzig bin ich groß sagtest Du damals und ich war geschockt.
Was, wie groß bist Du, einmeterneunzig?
Ja.
Auch manche Deiner Worte, mögen sie noch so klein sein, irgendwie sind auch sie einmeterneunzig groß und als Du es sagtest, wusste ich plötzlich, warum ich stetig zusammenzuckte, sah ich Männer, die einmeternenunziggroß an mir vorbei gingen und sich bewegten, wie Du es tust.

Heute die Frage: Kann ich Dir je wieder entgegenkommen, ohne Vorsicht? Ohne mich zu erschrecken? Kann da je wieder Wärme zwischen uns entstehen?
Immerhin. Mein Bett konnte ich schon immer gut mit Dir teilen.
Erwachsenenrätsel.

Und dann erinnere ich mich an das erste Mal, und daran, dass wir wenig später gemeinsam an einem Tisch saßen und ich trug ein Kleid und darunter trug ich nichts, wusstest Du das. Aber ich fühlte und fühle mich nicht so, weißt Du das. Du strecktest damals die Arme in die Luft und alles legte sich mit kurzen Geräuschen wieder in Position. Das will ich auch können, habe ich dann zu Dir gesagt, fast habe ich es geflüstert, und Du antwortetest: Dann mach das doch einfach auch mal. Das war eine Metapher für mich. Eine Öffnung aller Kanäle. Und dann habe ich so vieles auch einfach mal gemacht. Mach das doch einfach auch mal, hast Du mir gesagt. Das implizierte Wachstum, für welches ich bereit war.

Irgendwann dann wurde alles Schöne verlässlich schlimm.
Als gäbe es uns nicht mehr.
Ich habe eine Frau getroffen, sagtest Du, die ich interessant finde.
Du meintest nicht mich.
Ich denke, sie ist zu intelligent für mich, sagtest Du.
Du meintest nicht mich.

Bist Du noch normal?

Und während ich so stehend an meinem neuen Backofen lehne, höre ich mich sprechen: Du hast mir bereits Freude gemacht, und denke dann weiter an was eigentlich und plötzlich da sehe ich wie der Wind dort draußen aus einem weißen Sonnenschirm ein weißes Gespenst macht, welches sich

Hallo träumst Du?

Was?
Nein!

Und schon möchte ich Dir in deinen wartenden Blick schauen, aber da stehst Du nicht mehr vor mir, schon bist Du woanders, aber immer noch bei mir, und beginnst meine Fenstervorsteher zu mustern. Alles hängt schief, alles hängt so schief, dass es vielleicht auch wieder gerade ist, und ich sage „Lass ruhig, lass ruhig, es ist nicht mehr reparabel und längst habe ich mich auch daran gewöhnt“, obwohl ich mich eigentlich nie daran gewöhnte, aber Du nimmst Dein Werkzeug, ein Taschenmesser in rot, und beginnst, Stahl zu schneiden, Kordel zu fädeln und Plastik zu formen und etwa eine Viertelstunde später stehe ich vor Parallelen und Du beginnst schweigend, das zweite Fenster zu richten und dann das dritte und plötzlich fällt Sonne auf meinen Lebensmittelpunkt. Aber das hat nichts mehr mit mir zu tun, denke ich. Danke, sage ich, und meine es so. Mein Herz tankt Licht und da fragst Du: Was kann ich noch tun, damit Du dich freust, und dann fallen mir Dinge ein und Du machst Dinge und immer wieder fragst Du: Hast Du denn noch eine halbe Stunde? Wenn Du noch eine halbe Stunde hast, sage ich. Wäre Dein Ego kleiner, würdest Du mich sogar noch länger aushalten, sagst Du und trägst das Lächeln, welches ich gerne habe. Und als wir uns verabschieden, da stehen wir erstmal da und als wir uns loslassen, da küsst Du mich auf die Wange, so, wie ich Dich auf die Wange geküsst hätte, aber Du bist mir zuvor gekommen.
Danke, sagst Du.
Ja, ich danke auch, sage ich.

64

An einem anderen Tag in einem Secondhandgeschäft hängen sie, große, schwere Herrenmantel.
Genau so, denke ich.
„Du siehst aus wie ein Anwalt“, sagt mir die fremde mich duzende Frau. „Anwältin“, korrigiere ich und denke natürlich an den ewig verehrten Mann. Ich will keine Frau Anwältin sein. Ich will eine Frau sein. Heute will ich eine Frau in einem Herrenmantel sein, denke ich.

Das hier ist ein ganz spezielles Soziotop, wirklich wahr, denn hier trifft sich Hinz mit Kunz und so treffe ich einen Mann, der „Wow“ sagt, als ich aus der Umkleidekabine trete, obwohl er mich nicht kennt. Und fast ist es mir peinlich, aber nach „Wow“ fügt er sachlich hinzu: „Schicker Mantel!, ist der nicht für Herren?“, was dann die schüchterne Sache rettet.
„Ich denke so nicht“, antworte ich und füge großzügig hinzu, „aber wenn es so gemeint war, kannst Du ihn gern auch einmal anprobieren.“ Der Mann sagt wirklich „Ok“ und so tauschen wir unsere Kleider und tatsächlich: er kauft zwar nicht diesen, aber so einen Herrenmantel, wie ich ihn zuvor trug. Der Mann trägt jetzt einen Damenmantel. „Danke“, sagt er, und geht wehend seines Weges. Wow, denke ich.

„Ba!“, sagt jemand anders, reißt mich aus dem Traum heraus und meint dabei mich.
„Sie sehen aus wie ein Grufti!“
Was, ich? Ich: was?

Was ich alles nach Meinung der anderen in einem Mantel bin: erstaunlich. Dabei urteilt doch jeder eigentlich nur aus seiner eigenen Kleidung heraus.

„Vielleicht bin ich ja ein Grufti“, lächle ich aus einem schwarzen Schmuckstück heraus.
„Grufti Grufti“ sagt jemand anders, während sie sich an mir vorbei schleicht, „Grufti Grufti!“

Gekauft, sage ich, und lege zwei Scheine auf den Tisch.
Durch Herrenmantelgravitation noch mehr erschwert schleife ich mich und meine Beute nach Hause. So warm kann nur ein Männermantel sein denke ich und dann verlasse ich die romantische Ebene und habe Wut auf die Welt, denn so warm im Winter war mir noch nie und ich denke Frauen sollen wohl systematisch frieren, damit sie Schutz suchen in den Mänteln (Armen) der Männer! Und wo gibt es schon Männermäntel ohne Männer, ha!, denke ich, Menschen emanzipieren sich, und dieser Mantel gehört jetzt mir, ich schütze mich selbst. Hallo.

65

Und als hätte mich einer der guten Männer schimpfen gehört, so schreibt er Neuigkeiten, so gute Neuigkeiten, und ich überschütte ihn mit meiner Freude für ihn und meinem Lob und am Ende dann schreibt er Wie geht es Dir.

Es geht so, sage ich, verwirrt sitzend an einem zu kleinen Tisch, meine Geister, meine Geister, ein Kampf im Kopf. Aber es lohnt sich, ich weiß das. Das schreibe ich.

Hör mal, sagt eine ehemals große Liebe, ich glaube an Dich. Ich glaube an Dich, Du warst immer eine starke Frau und so wirst Du auch weiterhin sein.

Danke, sage ich, vielen Dank.

Immer habe ich Männer vermieden, und plötzlich sind sie alle da. Wie eine Familie, so langsam gebaren auch sie sich selbst in mein System.

Zuvor war es fast so: ab- und verkannt werden, zweifeln bis zum Existenzminimum, die Blutgruppe ändern, einen eigenen Weg finden und endlich, endlich: frei sein. Fast.

Die Männer, die nun zu meiner Familie gehören, haben mich eigentlich viel mehr geheilt als dass sie mir geschadet haben.

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Ein Tag, wie er war und wie er endete

Wir Menschen, wir Menschen, was sind wir nur für Menschen? Ich kann gar nicht beschreiben, was wir für Menschen sind. Wie wir uns töten und zum Schweigen bringen, schaden und zu selten nur noch die richtigen Fragen stellen, passende Antworten geben. Zeit und Raum finden und Sein lassen. Was ist passiert. Menschen sind die schlechteren Tiere.

Vielleicht so.

Manchmal, jetzt, möchte ich mich übergeben vor Erschöpfung.

Was machst Du da. Was machst Du denn da.
Und: wann hört es endlich auf.
Beliebter: Reicht es nicht langsam?

-Als hätte ich mir die Gewalt, die mich einst fand, selbst ausgesucht.
-Als hätte ich mir die Gewalt, die ihr mir antatet, selbst zugefügt.

So stehen sie da, mit skeptischem Blick.
Hände irgendwie so in Hüftgegend gestemmt, eingeknickt auch.
Arme und Ambitionen. Alles eingeknickt, nichts fließt.
Kein Wunder, kein Wunder.
Wir verstehen nicht, sagen sie so, was machst Du da.
Eine ewige Wiederholung. Langweilt sie Euch nicht?
Irgendwann werde ich das umdrehen, vielleicht.
Ich verstehe nicht, werde ich dann so sagen, was macht ihr da.

Ich emanzipiere mich, das mache und sage ich dann auch. Meistens leise und milde lächelnd auch, weil ihr es ja sehr wahrscheinlich doch nicht versteht. Ich sage das dann, vllt. mit etwas in der einen Hand spielend, sinnlich ich, verlegen sometimes, nicht jetzt.
Das zu erklären, mich zu erklären, kostet Kraft, die ich für das Vollstrecken brauche, restlos.
Ich weiß, bei Euch funktioniert das meist andersrum aber deswegen bin das hier ja auch ich und das da, das seid ihr. Oder so. Von den Narrativen emanzipiert erziehe ich mich, so, als wäre ich mein eigenes Kind, sage ich.

Nicht verstanden, ihr, die fragtet, oder.
Seltsam. Grade ihr, denen ich doch alles erklärte, versteht nicht. Vllt. aber auch logisch, weil, ja.

Ich erkläre mich nicht mehr.
Ich habe mich damit abgefunden könnt ihr das auch tun bitte danke.

Ich erkläre mich nicht mehr. Ich werde verstanden stattdessen.

Ständig irgendwas irgendwohin tragen. Immer nur tragen. Ich bin eine Tragende.

Plötzlich, plötzlich sind sie da.
So viele Kinder. Woher kommen sie. Bin ich denn dafür schon bereit, ängstlich, skeptisch, diesmal ich, einerseits. Ja, sagen die Erzeuger, sie sind sich sicher damit, denn es sind auch ihre Kinder, unsere Kinder.

-Erhol dich, sagst Du.

Derweil stumm im Wochenbett liegend: ich.

Ich kann Beziehungen mitgestalten.
Ein Satz und eine Möglichkeit, Dinge, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existieren.

Ich weiß nicht, woran soll ich mich erinnern.
Ich weiß nicht, woran kann ich mich erinnern.
Ich weiß nicht, woran will ich mich erinnern.

Manchmal fällt es mir schwer, raus zu gehen. Es ist mir noch peinlich, wie Menschen auf mich reagieren. So, als wären sie ständig erstaunt von mir. So extrem manchmal meine ich. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich selbst so viel weniger extrem geworden bin. So viel leichter und leiser, so viel selbstverständlicher. Einfach da jetzt.
Und dass die Menschen, viele Menschen, auch immer Fragen zu einem haben, deren Antworten ie nichts angehen, mitten auf der Straße, dem Flur, dem Campus stehend.

“War nichts Wichtiges. Habe gerade Pause und wollte mich nur melden und Dir nette Sachen sagen.
Deine Nachrichten klingen, als ob Du das gebrauchen könntest.“

Das Bett und ich und der Vorhang, der Vorhang, romantisch, wie er sich bewegt und mit jedem Windstoß zur Seite gleitet. Ich möchte ihn anfassen, denke ich, und schon schlage ich die Decke zur Seite und stehe, aber das Spiel, das Windspiel, dann wäre es vorbei. Vielleicht verstehen das viele Menschen nicht, behaupte ich, und meine damit nicht, dass ich es verstanden hätte. Man kann nicht einfach alles so anfassen. Beherrschen wollen. Außer sich selbst vielleicht. Aber das ist doch auch kein Leben. Dennoch stelle ich mich dahin, beherrsche mich und meine Materie für kurze Zeit, ansehen, eine Schale Müsli dazu wäre nicht schlecht, zusehen halt, ein Schleier umspielt mich. Augen zu. Man braucht keine Angst haben.

Stunden später, wieder und immer noch: liegend.

Ein Hemd über dem Türrahmen. Wie wäre es wohl, wenn das Dir gehörte?

progress, not perfection: Lena Dunham

Ständig irgendwas irgendwohin tragen. Immer nur tragen. Ich bin eine Tragende.
Ich bin eine tragende Komödie. Ich bin eine Tragödie.

Ich möchte jetzt ein Kleid anziehen und mich mit nackten Füßen auf die Straße stellen.
Es soll regnen, regnen, down on me. Und dann balle ich die Fäuste und schreie.

Aber dieses Kleid, das besitze ich nicht mehr und da draußen, da ist Trockenzeit. Ich brauche einen Monsun. Was mache ich nur.

Ich möchte frisch gepressten Granatapfelsaft. Wer presst mir einen Granatapfel, wenn ich es nicht selbst mache.
So liege ich da und warte. Schwach, weil was habe ich heute zu mir genommen.

Der Nachbar singt iranische Lieder. Vor Menschen, die singen, braucht man keine Angst haben, oder so, vielleicht sollte ich den Nachbar fragen. Knock knock knockin on neighbours door. Hi äh. Hi. Also. Hast Du, hast Du vllt. zufällig einen Granatapfel, momentan ist Saison, deswegen frag ich, falls ja, würdest Du, könntest Du, also wenn man ihn durchschneidet, den Granatapfel, in der Mitte, und in die Hand nimmt, dafür braucht man jedoch große Hände, zeig mal Deine erstmal – oh. Hm nee, reichen nicht aus denke ich, nachher gibt das noch eine riesige Sauerei und kostet nur Kraft und übrig bleibt keine Energie und ach. Egal. Ok ciao.

Mir doch egal was die Nachbarn hier denken.

Ich habe angefangen zu bluten jetzt auch. Vllt sollte ich mein eigenes Wasser trinken.
Wieder dahin zurückgehen, mich selbst zu nähren, doch genau das ist der Fehler in einem System, denke ich.
Man war schon immer zu zweit, man war noch nie allein, von der Empfängnis zum Sterbebett.
Immer ist man mindestens zu zweit. Man ist ein Gemisch. Wann habe ich angefangen, etwas anderes zu glauben.

Es soll Nacht mit Dir an einem See sein und ich möchte mich ausziehen, denn es soll eine Mutprobe sein.
Aber nicht mutig, weil ausziehen, sondern mutig, weil in einen See hinein gehen.
Und das ausziehen, das gehört dazu, wenn man sich der Angst stellt. Alles legt man ab, man geht ohne Ausrüstung.
Weil Ängste sind nur eine Illusion und man bekämpft keine Illusionen, jeder Schlag geht ins Nichts, das kostet Kraft, so werden wir also mit Nichts in diesem See sein und der Mond ist vielleicht auch da, wie letztes Mal, und langsam, langsam,
so wie Kreise, die aus unseren Bewegungen heraus am Ufer ihr Ende finden, so langsam, so langsam,
verliert auch die Angst ihr Interesse an mir.

Es gibt so viel, was du noch nicht über mich weißt. Es gibt so viele Tränen, die noch nicht in unsere Hände fielen.

Es ist ein Ankommen auf Zeit
Zeit ist ein dehnbarer Begriff.

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9 – 18

09

Frühdienst und leise leise durch den frühen Morgen fahren.
Fahrrad fahren.
Niemand atmet die Luft, die ich atme.
Ich bin einzigatmig.
In den Zug steigen. Sitzend Fahrrad ansehen.
Fahrrad einsam und angekettet in einem Zug stehen sehen. So fehlplatziert. Die Zeit zur Seite legen.
Melancholisch werden. Und plötzlich Einfall: Fahrrad, Du bist Metapher für mich. Denn genau so, wie Du da stehst, fühle ich mich manchmal auch. Einsam und angekettet und fehlplatziert.
Fahrrad, ich hab feelings for you.

10

Aussteigen und da sind sie. Männer mit dunkel grauen melierten Haaren und roten Hemden. Männer, die auf ihr Smartphone starren und den Kopf schütteln aufgrund von Fassungslosigkeit aufgrund von was frage ich mich aber nehme nur die Frage ohne Antwort mit. Frauen, die ihre jugendlichen Söhne an der Kapuze zurückhalten weil Zug fährt ein und Sorge Sorge Sorge. Ein ehemals großes Begehren personifiziert auf einer großen Straße treffen und nicht wissen, was zu sagen, also nur ein bisschen rote Wangen haben und schweigen und Luft anhalten auch. Kaffee to go in die eigentlich fremde Hand drücken, weil selbst das für diesen Moment zu schwer in der Eigenen geworden ist. Halt doch mal kurz bitte, damit ich Dich fassen und mich halten kann. Ein unendliches Lächeln dafür bekommen, weil es erinnert, an was nur? Eigentlich an nichts, denn alles nur im Kopf stattgefunden. Ansehen. Und jetzt? Ich habe noch einen halben Tag vor mir und einmal, einmal den Kaffee bitte, den hätt ich gern zurück. Jetzt. Danke.

11

Die Kontrolle über seinen body verlieren, sich selbst in die Mitte eines Raumes stellen und einmal einen ganzen Eimer Scheiße darüber auskippen. Schande, Schande, Schande. Scham, Scham, Scham. Hass, Hass, Hass. Irgendwo, unter all dem, bin ich. Bin ich doch, oder?

Nach fünf Jahren Psychoanalyse ein neues Thema auf die Tagesordnung setzen.
„Ja, hi, ich würde gerne über Selbsthass reden.“
„Oh – oh -, ja, das ist, also ja, wirklich ein großes Thema.“
Dann: Können wir es nicht erstmal umbenennen in fehlende Selbstliebe? Das macht auch was im Kopf.
Und ich so ja ok meinetwegen.

– Ist das jetzt diese Psychoanalyse?

Während dieser fünf Jahre gab es immer wieder Phasen, in denen ich wusste, mir kann niemand mehr was erzählen. Schon gar nicht mehr über mich selbst. In so kleine Scheibchen habe ich mich selbst zer-legt und wieder ge-legt. In die richtige Position, in die meinige. Diese Phasen enden, wenn ich bereit bin alles zu glauben, was man(n) mir erzählt.

Endkonditionierung denke ich und atme mich in Ruhe. Endkonditionierung is the key.

Später, sortierter, ehrlicher gesagter. Immer ist es zu viel. Und immer denke ich, ich schaffe zu wenig.
Manchmal auch nichts, aber meistens eher zu wenig.
Das bin ich, in der Mitte auseinandergerissen, von nie genug, aber immer zu viel,
nackt und breitbeinig wie eine geschälte Mandarine, wenn ich sie schäle.
Ich denke an die Worte des Mädchens: Akzeptier das endlich, dass Du so bist!
Und dann denke ich daran, dass das Mädchen sagte: Das hat auch was mit einer besonderen Ebene der Intelligenz zu tun. Und dann denke ich daran, dass da letztlich jemand neben mir saß, der ganz unprätentiös sagte:
Ich glaube das auch.

Leben. Eigentlich voll anstrengend.
Leben. Eigentlich voll schön so.

12

Ich bin mit einem Mann in einem Supermarkt, weil ich spontan fragte: Musst Du vielleicht auch einkaufen? Ja, er musste. Und plötzlich, zwischen all den Regalen, fiel es mir ein, des Mädchens weiterer Rat an mich: Du musst es zulassen, sagte sie, mit Männern auch positive Erfahrungen zu machen. Lass Dich fallen, sagte sie. Here we are.

Ich weiß noch, wie ich damals mit dem Auto von einer Stadt in die nächste fuhr und mich kosmopolitisch fühlte.
Genau so ist das jetzt auch, nur anders.

13

Gewellte, lange Haare. Deine Haare, deine Haare, sagen die Anderen. Und eine sagt: wenn ich von Dir erzähle, dann erzähle ich Deine Haaren immer mit. Ich denke: Wenn ich mit mir ausgehe, dann nehme ich meine Ängste immer mit. Ich denke: mich endlich wieder raus trauen, endlich wieder unter Menschen sein. Endlich wieder selbst ein Mensch sein.
– So müsste das doch gehen, oder?

Geht so.
Also dann endlich mal wieder ein Mädchentreffen und ich mache mit.
Gleichberechtigung – eigentlich immer noch voll gescheitert. Und ich höre mich empören, dass das doch ein gesellschaftliches Problem ist. Und dann stehe ich wieder da.
Nämlich als eine von uns sagt: „Ok, formulier doch mal die Frage zu diesem Problem!“

Wie mein Thema, meinen Kosmos, mein Universum, in eine Frage packen? Hallo hallo, das ist eine von möglichen Metaphern meines Lebens, metastasiert. Denn ich kann nicht. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr implodiert meine Farbwolke, bildet dennoch Ableger, die letztlich explodieren, verschwimmen, zu Staub verfallen. Alles Kolorit, Staub, Husten, Husten. So ist das in meinem Kopf. Und dann soll ich – was? Hat hier grad jemand was gesagt?

Später genau davon träumen, dass der verehrte Mann, der heimlich geliebte Mann, in meinem Traum, in meiner Utopie, der wie nach dem Aufwachen noch, aber auch noch zu wenig, da ist, mit an dem Tisch sitzt und dann eine Wiederholung: Ok, formulier doch mal eine Frage zu diesem Problem! und ich kann, kann, kann nicht, weil ich alles immer so groß und laut und bunt denke, sodass es letztlich nirgendwo mehr herein passt. Einfach und echt nirgendwo bitte glaubt mir das. Aber auch der in meinem Kopf Geliebte denkt das geht so nicht, denn er denkt anders als ich, es muss doch möglich sein, würde er vielleicht sagen, strukturiert zu denken, und ich bin empört, stehe auf, bin krank und ängstlich zugleich, alles sitzt tief und schwer und atmen ist auch nicht mehr so wie zuvor und es ist wie immer: nicht verstanden.
Ich gehe jetzt, ich gehe, das sage ich, ich verlasse Euch jetzt. Habt ihr wenigstens das verstanden?
Aller Weltschmerz in mir versammelt. Ich werde nicht verstanden. Ich werde nicht verstanden.

14

Ich wachte auf und plötzlich saßst Du da. Wieder: wie erklären? Meine Hände formen Schalen, damit sich endlich auch die Antworten setzen, sanft wie Regentropfen sich an meine Hände schmiegen, aber nichts geschieht, nichts geschieht und alles bleibt leer. Was soll ich tun, wo soll ich hin. Wie losgehen?

15

Ich habe zu viele Stifte. Vielleicht ist es das?
Würde mir bitte einmal jemand die Stifte wegnehmen, vielleicht dann.

Beuys hören. Kafka lesen. Danach geht’s meistens wieder ein bisschen.

16

Klingeln an der Tür.
“Können Sie ein Paket für Ihren Nachbar annehmen?”
“Ja, eh, sicher” (Sie erwischen mich im verwirrten Modus)
“Super. Name?”
“NH”
“Handynummer?”
… “Eh. Was?”
Lächeln. Lächeln: „Handynummer!“
… “Eh. Was?“

17

Mit Kaffeetasse auf den unteren Türrahmen setzen. Ein Bein innen und eins draußen, auch das wie immer.
Sehnsüchtig das Wetter erwarten, Sturm, Regen, Wind. Endlich.
Der Zorn muss raus, die Selbstzweifel auch.
Was ich empfinde ist zu groß für mein Herz und für meinen Kopf auch, es passt ja noch nichtmal auf meine Zunge, zum Schlucken, in meinen Mund auch nicht, obwohl ich genau für die Prägung eben dessen auch immer mal wieder Komplimente bekomme oder anderes – je nach Selbstbewusstsein und je nach Rolle, die ich nach Meinung der Anderen gerade habe. Aber ich bin so nicht. Egal, was wer sagt, ich bin so nicht. Put me on your „topics I know nothing about“-list.

18

Ich bin eine Frau auf einem bike.
Ich bin keine Frau ohne Ideen.
Wenn ich nicht alles auf einmal haben kann, dann nehme ich lieber nichts. So?

– Draußen: Regen. Jetzt. Endlich. Wind auch. Endlich endlich. Der Tag ist vorbei.
Ich bin es nicht. Guten Abend.

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chaoskopf.

vorher: ja mein Bett begrenzt mich halt! wie Dein Bett begrenzt dich wie meinst du das denn ja weil vorne und hinten da ist ja Schluss also grenze wieso verstehstn das nicht? Man ey alles muss ich dir erklären ich fahre jetzt nach hause! hey! jetzt sei doch nicht so! doch so bin ich aber ich habs dir doch schonmal erklärt nee hast du nicht doch wohl und alles was du kannst ist stress machen weil das jeder kann und mir ist das zu anstrengend jetzt ich fahre!

Ok dann 1730 und als ich da mit dem fahrrad eben über kopfstein fahre hat jeder ein wohnzimmer und aus jedem Wohnzimmer da kommen bunte lichter ich will so nicht sein um 1730 die nachrichten gucken weil es 1730 ist und tristesse tristesse und wieso wollt ihr das überhaupt habt ihr darüber überhaupt schon einmal nachgedacht frage ich mich und ich frage mich auch wie komme ich hier je wieder lebend raus.

mittendrin: so! sagt jemand, der du bist und dann: mein kopf ist so leer ich muss jetzt fahren. oh mein gott dein kopf ist leer? wow wie geht das denn das ist ja toll und interessant auch darf ich mal sehen? Ja darfst du und dann wuschel ich schon durch deine haare und deine blauen augen die sind so stechend und gerade ist da echt nichts drin in deinem kopf aber das liegt eigentlich bestimmt an deiner tiefe dass da grade nichts zu sehen ist also anders kann das ja gar nicht sein denn sonst wäre ich dir nie so nah gekommen auch vorher nicht was ja jetzt überhaupt dazu führte dass ich in deinen kopf hinein sehen darf.

später dann jemand anders und ok ich mach jetzt den anfang ich machs jetzt einfach also vielleicht so: vielleicht kannst du mir einfach sagen was du willst und dann kann ich ja sehen ob sich das mit dem was ich will übereinbringen lässt – so irgendwie? und dann sagst du gar nichts und siehst mich nur an mit deinen kleinen verletzten augen in blau und weil du nicht weißt was das jetzt heißen soll oder weil du auch denkst oh man das ist mir zu kompliziert und dann ich so hä wie jetzt kompliziert ich wollte doch nur dass sich deine Verliebtheit nicht von meiner Fleischeslust niederringen lässt und dann plötzlich da liegt und ausblutet und vorwürfe macht wie immer so nach dem motto ich habe doch gesagt von anfang an bei mir war das liebe und zwar große weil über monate fand ich keine worte für das gefühl und nur stumm in der beobachtungshaltung stand ich und bewegen konnte ich mich auch nicht vor lauter …schmerz und also was ich damit sagen will es ging doch jetzt nur um dich und wieso verwirrt dich das denn wenn es lediglich um dich geht hast du dich etwa noch nie im spiegel angesehen oder was? und davon mal abgesehen wer war es denn der da lässig in meinem türrahmen stand und sich da sogar auch anlehnte und mit herausforderndem Blick fragte: handynummer? und wer war es der mein nein in stift und papier verwandelte und etwas schrieb das wie ein name aussah und wie eine telefonnummer klang und wie kann es sein dass wenn ich dann frage ja also was willst du denn dass du darauf keine antwort weißt wie soll ich dir denn bereits jetzt schon sagen können ob ich dich liebe wenn du noch nichtmal weißt wer du bist und was du sagen sollst weil bis jetzt da kam wieder gar nichts naja dann mache ich jetzt halt einfach denke ich, dann mache ich jetzt halt einfach und das ist zu verstehen als eine warnung bist du dir darüber im klaren? Ich mach jetzt und komm danach nicht auf die idee wieder von wegen blutung und herz weil frauen sind es die bluten und nicht männer und wenn du willst dann kann ich das sogar beweisen merk dir das!

nachher: hm seltsam war fast alles nur interpretation hab ich grade festgestellt schade alles umsonst.

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1bis8

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Man würde mich sicher wieder fragen, was es denn konkret sei, dass mich so bewege an Dir. Irgendwo las ich mal, wenn man auf (solche / weitere) Fragen keine Antworten wisse, dann sei da meist auch nicht so viel dran, also an der These, dem Gefühl oder der Erinnerung, demnach umso erfreulicher: Ich habe Antworten, viele davon.

Heute, als Du vor mir saßt, direkt vor mir, aus dieser Perspektive umrahmt von meinen Beinen, und ich gebe zu, ich verdrehte mich ein wenig, aber dabei heraus kam dieses unwiderstehlich schöne Bild, welches mich faszinierte und fassungslos machte in einem und welches Du leider nicht mit ansehen konntest weil Du warst ja Protagonist und das Bild plötzlich bewegt und damit real und mehr noch eine Tragödie, aber das war nicht so schlimm, denn in meinem Schoß, da waren wir eins und das war die Hauptsache und ich dachte da gar nichts, ich fragte mich nur atemlos

was –

was –

würde ich jetzt einfach tun was ich wollte –

was dann?

Denn dann hätte ich meine Beine aus dem Stück heraus um Deinen ganzen Körper geschlungen, sodass Du Dich geborgen gefühlt hättest. Und dann hätte ich Deine Haare angefasst, sodass Du dich begehrt gefühlt hättest und ich hätte meinen Mund in Deinen Nacken gelegt, sodass Du dich gemeint gefühlt hättest.

Während ich Dich beschreibe fehlen mir die Worte und ich benutze nur Hände und baue Mauern damit. Wie kann das sein. Wie kann eine Frau, welche Worte mehr liebt als Männer, an einer Beschreibung scheitern. Ich versuche, Dich zu erinnern und alles, was ich erhalte, ist ein Arm mit einer Hand als Kunstwerk, Blutgefäße wie Straßen und der Asphalt ist Gänsehaut und makellose Finger und Ruhe. Ich sehe die Ruhe. Und all das überträgt sich auf mich, Stille und dann sogar auch die Gänsehaut. Finger spreizen und ich sehe dem Geschehen fassungslos zu. Das ist Zauber, denke ich fasziniert, das ist Zauber! Einer, den man nicht erlernen kann, denn er ist gegeben. Und dann denke ich an mein Bild von Dir, wie Du Bleistift und Notizheft hältst und dann an Erotik, weil Logik.

„Verstehst Du“, wiederhole ich, „Erotik, auf die tiefste Art, die Du dir vorstellen kannst, Erotik bis auf das wunde Fleisch sozusagen, obwohl angezogen, deswegen vielleicht nicht frierend. Verstehst Du.“ Und der Zuhörer nickt zweifelnd.

Ich atme laut aus und halte mir die Stirn in beiden Händen und denke Ihr seid doch alle

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Ich sehe Dich also an, wie Du so vor mir stehst und beobachte und bemerke und wäge ab und plötzlich fällt mir auf, dass ich alles von Dir wissen will, einfach so, beispielsweise, wie Deine Uhr, die immer mal wieder unter dem Hemdsärmel sichtbar wird, aussieht, und wie Deine Haut (es ist Winter). Was deine Werte sind, wie Du küsst und wie Du kommst. Womit Du deine freie Zeit verbringst und ob Du ein Festnetztelefon hast und ob Du abends mit Frauen auch außerhalb intrafamiliär telefonierst (hoffentlich nicht) und ob Du Oliven magst und worüber Du lachen kannst und ob man mit Dir stundenlang sitzen und reden könnte.

Wenn der Fokus vom Subjekt zum Objekt zoomt, ist das dann Liebe?

„Sie sehen mich so erwartungsvoll an. Haben Sie Fragen?“, unterbrichst Du Dich selbst beim Reden und meinst mit dieser Frage wirklich mich.
“Eh. Nein“, versichere ich schnell und sehe direkt daraufhin auf den Tisch vor mir und nehme einen Stift in meine Hand. Später fiel mir ein, ich hätte confident antworten sollen: “Ja, viele. Später, Du und Ich?” Aber das hätten dann andere auch gehört und ich hätte es nicht ertragen, ich hätte es nicht ertragen, wäre nur ein Jemand dabei gewesen, der dazu auch nur eine Frage gestellt hätte.

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Ich sortiere mich selbst durch Zeit und Raum. Ich versuche zu denken, was ich fühle. Ergibt denn nichts mehr hier Sinn? Ich bin der Sinnlichkeit verfallen und kann auch nicht mehr arbeiten jetzt. Im Vorbeigehen sehe ich meine schmalen Brüste und meinen heute flachen Bauch und meine runden Po. Meine wilden Haare, mein erschöpftes Gesicht. So sehe ich also aus. Rote Linien durchziehen den weißen Hintergrund, welche das Bild erst interessant machen.

Ich denke, dass es einfach passieren soll. Das Kennenlernen, das Miteinanderschlafen, das Miteinanderkommen, -kochen und –essen. Das Sitzen und Schweigen, das Sehen und Denken, das Liegen und Biegen und Renken. Das Insbettreden und das Hinauskomplementieren. Das Grenzen testen und teilen, das Lachen, das Heulen, das Schreien, das Lieben. Dann lege ich mein Gesicht in beide Hände. Wie denn?

Schwamm auf Teller, Löffel auf Gabel, Wasser an Wasser und alles verschwimmt. Wie oft muss ich Dich noch flüstern. Wie lang muss ich Dich noch atmen. Wie sehr muss ich Dich noch begehren. Verrückt geworden bin ich doch schon.

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Ich will anfangen, aber weiß nicht, wann. Jetzt?

Ich will anfangen, aber weiß nicht, womit.
Ich will losgehen jetzt, aber weiß nicht, wohin.
Ich will lernen, aber weiß nicht, was.
Ich will Austausch, aber weiß nicht, mit wem.
Ich will mich emanzipieren, aber weiß nicht, wovon.
Ich will lieben, aber weiß nicht, wen.
Ich will lieben, aber weiß nicht, wie.

Wenn man nicht mehr weiß, wo man anfangen soll, lässt man es dann einfach? Wenn man nicht mehr weiß, was man schreiben soll, liest man es dann einfach?

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Wie soll ich denn das alles erklären?
Als heute die Tür hinter mir ins Schloss fiel, stellte ich fest, zwei Möglichkeiten zu haben, nämlich: Ok, endlich mal wieder heulen jetzt oder ok, endlich mal wieder kochen jetzt. Hab dann gemerkt, dass ich gar nicht heulen kann jetzt, weil alles noch total verkrampft vom Auskotzen davor ist. Hab dann gedacht mach dich mal locker jetzt und hab gekocht und gegessen auch und gedacht: Diese Woche mit Mann ist geschafft, glücklicherweise, beruhige Dich, beruhige Dich. Kein Mann ist Dein Vater, noch nicht einmal Deine Familie ist irgendein Mann. Und ja, auch, wenn es irgendwie peinlich war: Du hast es eben geschafft.

Was sagt man, wenn man verliebt ist? Wie spricht man, wer ist man? Doch nicht ernsthaft der gleiche Mensch, der man war, als es noch kurz vor Verfall war. Und wann fängt man wieder an zu essen, bevor sich eine Essstörung vollständig etablieren kann?

Ich kann vor Dir nicht reden, ich kann vor Dir nicht loslassen. Noch nicht einmal greifen und atmen kann ich vor Dir und dann pocht es mir plötzlich heiß gegen die Haut von innen, als würde da jemand wütend gegen die Türe schlagen: hallohallo! Und dann: bist Du verrückt geworden?, mach die Tür auf! Denn wenn du nicht langsam irgendetwas unternimmst, ersticke ich! (Das war Ich an Über-Ich, Es hat das beobachtet und war zwar stoned, aber anwesend.)

Donut Panic erinnere ich mich. Durchatmen jetzt, und überleg doch mal.
Und dann verlasse ich den Raum und weiß nicht, wie Vibration abbauen und wie überhaupt das jetzt einem Fremden erklären, denn mehr seid ihr für mich nicht und alle sehen sie mich an, als wäre ich irgendwie komisch. I‘m not that weird!, möchte ich dann den anderen mit meiner Handfläche in Richtung crowd, die Abstand signalisieren soll und einer hochgezogenen Augenbraue, die So what?! heißen soll, sagen. Es muss ein Trauma sein, möchte ich mich dann beruhigen. Es kann nur ein Trauma sein. Anders ist es nicht erklärbar. Es ist anders nicht erklärbar, das habe ich mir doch soeben erklärt und ausgerechnet Du, der es lösen könnte, entfacht das in mir. Das kann doch nur ein schlechter Scherz sein. Und bitte warum lache ich darüber?

Ich denke dann an übergriffige Männer, die, wenn man sagt, dass es sich so herum für einen selbst falsch anfühlt, meinen, man denke nur zu viel nach und solle sich einfach mal entspannen jetzt. Oder auch solche, die glauben, man brauche gar nichts finden, sondern einfach mitmachen. Oder an Männer, die einem immer wieder die eigenen Gefühle absprechen. Ich denke dann an mich, für die das viel zu lange Alltag war. Ich habe das nicht nur gemeint, sondern auch gesagt. Das habe ich doch. Oder?

Frau!, sage ich mir selbst stattdessen, ich bin sicher, dieser Mann, den Du magst, mag Dich genau so, wie Du bist. Ich weiß sogar, dass es so ist. Wieso kannst Du das nicht glauben? Und wie lang soll es noch gehen, bis Du das endlich glauben kannst. Frau!, mach das nicht, denke ich dann, wenn ich mir die Hände vor das Gesicht schlage. Frau zeig jetzt endlich allen, wer Du bist denke ich dann und frage einfach mal A.

A., frage ich, wie geht das? Mit einem Mann sein? Einfach so, ohne Angst und ohne Anstrengung auch. Einfach sein, weil man endlich auf Augenhöhe lieben möchte und sich selbst bei allergrößter Sehnsucht fürs unter Niveau ficken zu schön geworden ist.

A sagt ja, aber nicht, weil sie eine Antwort, sondern nur, weil sie die Frage verstanden hat. Weiß ich jetzt auch nicht ergänzt sie und dann wird mir die ganze Welt klar, denn auf A folgen B, C, D und E. Wie verrückt man selbst ist, wird einem immer erst im Kontext Mensch, und zwar nicht Lieblingsmensch, offenbart. Denn Letztere haben die gleichen Ängste und mit ihnen fühlte auch ich mich ewigkeitenlang weniger komisch. Ha!, das war ein Trick, und ich dachte, ich führe hiermit zuverlässig die ganze Welt an meiner Nase herum, aber eigentlich, eigentlich habe ich damit nur mich selbst ausgetrickst. Blöd, ne. Musste ich halt ein paar Jahre lang auf der Couch für liegen, aber auch ok, denn jetzt stehe ich auf.

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Zwei Beweise dafür, dass Erotik auch einfach sein kann. Beweis 1:
Es war der gleiche Tag und der Tag war wohl der, an dem ich etwas Besonderes an mir hatte, denn ich rannte die Treppe hinauf, nahm manchmal sogar zwei Stufen mit einem Mal, um daraufhin dem Zug hinterhersehen zu können. Ich ballte die Fäuste und stampfte mit meinen Stiefeln auf Asphalt und dachte dann Was solls. Und dann setzte ich mich. Und dann saß ich da, auf einer Bank, Bahnsteig 4. Erschöpft, wartend und dann amüsiert. Denn ich nahm wahr, dass ich mich sehr nah neben Dich gesetzt hatte, obwohl alles neben uns noch frei war. Ich versteckte das Lachen hinter meinem Anorak und vermied es auch, Dich direkt anzusehen. Ich fühlte mich schüchtern und immer nur dann, als Du in die andere Richtung blicktest, konnte ich der Versuchung doch nicht widerstehen. Das ist doch Blödsinn, dachte ich, öffnete eine cloud und korrigierte einen Text, denn that’s my business und dann passierte etwas und ich wurde Zeugin. Ich sah, wie Dein Blick leise und langsam von meinem Fuß bis zu meinem Knie ging. Das war so erotisch. Und damit wurde mir klar, wie subtil Flirten ist.

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Beweis 2: Es war der gleiche Tag und der Tag war wohl der, an dem ich etwas Besonderes an mir hatte, denn bereits als die Türen hinter Dir wütend zusammenfielen, sah ich Dich an, durch die Menschenmenge erkannte ich Dich und als ich Dich so ansah, erinnertest Du mich an jemanden, den ich mal gekannt hatte. Die Farbe Deiner Haare, die Größe Deiner Gestalt, die Form der Hände und der interessierte und selbstsichere Blick. Sogar hattest Du die gleichen Schuhe an, die der Mann damals trug und in denen er mich Tag für Tag durch mein Leben begleitete und auch bemüht war, Schritt zu halten.
All das ließ mich Dich kurz anlächeln, impulsive Menschen kennen keine Grenzen.
Und dann dachte ich, lass doch, Mädchen, lass doch, denn ich bin nicht bereit und falls doch, nur für den Einen. Also schlage ich wieder meine Zeitung auf und das blieb auch so, bis ich an meiner Haltestelle angekommen war.
Und während ich aussteige und noch während ich mich selbst in der Menschenmenge untergehen und Dich vor mir laufen sehe, muss ich bereits lachen, denn Du wirst plötzlich langsamer und steigst aus, verlässt den Strom an Menschen, wartest wie ein Raubtier am Ufer eben dieses Flusses, sodass ich nicht nur an Dir vorbei muss, sondern wir uns auch an der Verkehrsampel, die eben rot ist, als hättest Du sie nur für mich einmal in Farbe getaucht, wieder treffen. Und da stehen wir, Tier an Tier, Jäger nächst Trophäe, nicht über- oder hinter, nebeneinander, denn beide sind berechtigt. Und ich schwöre im Namen dieses Blogeintrages, ich habe nichts gesagt oder gemacht, höchstens habe ich in mich hinein gefeixt aber selbst das, wie jedes Jahr im Winter, hinter einer schwarzen Wand aus Anorak.
„Guten Tag“, sagst Du, neben mir stehend.
Ich nehme das Lied aus meinem Ohr und sage: „Guten Tag“, und lache dann.
„Ich heiße S. und wie heißt Du?“
„Ich heiße Nina“, sage ich, und weil ich weiß, was jetzt kommt, lache ich noch mehr.
„Schöner Name“, sagst Du, „er ist schön und einfach“, antworte ich.
Und so passiert es, das wir zusammen ein Stück gehen und wüssten wir beide nicht, unsere Geschichte hat noch nicht einmal begonnen, so könnte man meinen in Anbetracht unserer Symbiose, dass uns das Leben eine gemeinsame Geschichte zeichnete. Zusammen gingen wir also und dann fragtest Du mich, woher ich komme und dann erzähltest Du mir, woher Du kommst aber eigentlich, eigentlich kommst Du woanders her, so sagst Du das und dann: Damaskus.

Die Hauptstadt, sage ich. Die Hauptstadt, wiederholst Du.

Und ich habe wenig Zeit, dabei Dich anzusehen, denn wir gehen nebeneinander und seit wann begleitet ein Mann mich in meine Richtung frage ich mich und dabei hatte ich es doch zu eilig, um kurz mal Deinen Arm festzuhalten und zu sagen: „Hey, warte mal, lass uns mal kurz ansehen und schön finden jetzt“, obwohl ich dachte, Du wärst dafür bestimmt der richtige Typ Mensch gewesen.

Zusammen gehen wir in das Gebäude und es muss so gewesen sein, dass Du in dieser Geschichte plötzlich ganz fest zu dem Protagonist Begleiter wurdest, denn ich kannte mein Ziel und Du warst es, der einfach mitkam. Und dann sagte ich: „Ich muss jetzt hier hoch“, und zeigte auf das Schild, auf dem eine 5 stand.

„Können wir uns kennenlernen?“
fragtest Du mich und ich überlegte echt ganz kurz und als Antwort pochte es von innen gegen die Hitze und ich weiß das noch ganz genau, dass ich sehr schnell an den Stress, den ich im Kopf hatte, dachte, dass ich das niemandem antun kann und schon gar nicht mir selbst und sagte: „Das geht leider nicht, tut mir sehr leid.“ Dann sahen wir uns etwas länger an und ich sagte: „Alles Gute“ und reichte Dir meine Hand, „Ja, alles Gute“, sagtest Du und hieltest lange die meine oder vielleicht hielt ich auch Deine oder wir unsere und eigentlich damit unsere ganze Welt. Und noch während ich nicht losließ ging ich zwei Stufen nach oben und je weiter ich ging desto mehr bog sich meine Wirbelsäule in Deine Richtung und ich dachte dabei nicht an Dich, sondern an Yoga und hätte ich nicht auch das Geländer genau so fest gehalten, wie Dich in meiner Hand, ich wäre sicher in Deine Arme gefallen und hätte mich dann verfangen in einem Nest aus Wärme und Liebe und Leidenschaft, aber nein, und ich wiederholte „Alles Gute“ und ließ Dich los.

Ich war frei. Endlich wieder frei. Und beglückt erfasste ich wieder zwei Stufen auf einmal und atmete das Leben. Du bist frei Mädchen, dachte ich, genieß das mal. Du bist frei Mädchen, dachte ich, das erfordert Mut und den hast Du doch nicht umsonst aufgebracht.

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Allen Menschen, die meinen, man wisse ja gar nicht mehr, was man denn nun noch sagen oder tun dürfe und so weiter, sei dieser Text gewidmet. Sagen darf man fast alles, man muss es nur auch richtig meinen. Hashtag youtoo. Bye.

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Wie es geht

Bevor man das Neue bekommt, muss man das Alte loslassen. Nackt sein und frieren und schwitzen und kotzen und heulen und schreien und greifen und strecken und doch.nicht.genügen. Sehnsucht haben. Nach allem und nichts. Unterträgliche, sich wie Kaugummi ziehende, verzweifelte, überlebensgroße Sehnsucht. Voll und auch leer sein. Haare raufen. Sich selbst ohrfeigen und wieder lieben. Im Sturm stehen und ste.hen. Aushalten. Und wenn das vorübergeht, wenn man mit den Füßen aufstampft und herausfordernd schauend immer noch steht, ausgehalten hat, dann, dann kann es los gehen.

Dann kann es los gehen.
Das Leben, welches Mut erfordert.

So, glaub ich, Leute, geht das.
Und ich bin damit auch noch nicht fertig. Hi!

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