Habitusstrukturkonflikt

Es gibt Menschen,
die waren noch nie im Museum. Und fast gehörte ich dazu.

Habitus!, nießt da jemand. 
Gesundheit!, antworte ich.
 

 
„Du Tante“, sagt das Kind, „ich hatte letztes Mal einen Gedanken.“
„Was war das für ein Gedanke, Kind, hm. Erzähl’ ihn mir.“
„Ich habe das erste Mal gedacht, dass wir arm sind“, sagt das Kind.
 
Habitus Hat-schi!

Hat hier jemand Habitus gesagt?
Hier hat doch jemand Habitus gesagt!
Komisch.
 
Gesundheit!, sage ich fast schon ganz nebenher.
 

 
Tür zu.
Tür auf.
 
Ha ha, hallo Habitus!
Da bist Du ja wieder. Na.
Hast Du dich heute mal wieder um einen Mann gelegt, hm? Den frage ich jetzt Na, wo bist Du die letzte Zeit gewesen und mit wem, hm? Was hast Du erlebt und was nicht.
Was, Angst? Vor Dir, vor mir? Ja, aber wird schon nicht so schlimm werden, wir passen ja beide auf, wir passen ja beide auf, wir beide, oder?
 

 
Rein?
Raus?
 
Ich finde, wer die Antwort weiß, der sollte sich melden. 
 

 
Es gibt Tage, da ist die Sehnsucht größer als die Vernunft. Größer vermutlich als der Besehnsuchte, wer kann das schon so genau wissen. So ein Tag ist jedenfalls heute, jedoch war er gestern genau so, davor auch und davor auch. Eigentlich war es doch immer schon so, denke ich getroffen, ich kann ruhig auch mal sagen wie es ist jetzt und Euch dabei erzählen, wie es war, damals. 
 

 
Charmant in den Weg legen, ich mich, hallo hier lieg ich!, so hatte ich mir das damals nämlich überlegt, ganz leise und ziemlich nebenbei. Damit dem verehrten Mann nichts anderes mehr würde übrig bleiben, als mir aufzuhelfen. Einfach über mich drüber steigen, über mich hinweg gehen, das würde selbst er nicht über sein Herz bringen, egal, wie groß seine Angst, beim Aufheben gesehen zu werden, auch sein würde. Das glaubte ich damals. Heute denke ich naja und meine, es wäre anders vielleicht besser gewesen. Er hätte sich bei meinem Wagnis nun einmal ein Bein brechen können, beispielsweise, und dann? Hallo hier lieg ich, hätte ich gesagt, und nun auch Du. Wie hätte ich das je wieder gutmachen können. Aber manchmal, denke ich, manchmal muss es auch einen Verschlimmerungsschmerz geben, damit es besser wird. Beruhigung. Beruhigung: Ich wäre ja da gewesen, mit all meinem Dasein, was grundsätzlich nicht unterschätzt werden sollte und nur manchmal ebendiese verdient. Und überhaupt, was ist schon ein Bein, wenn es sich doch eigentlich um zwei Herzen handelt. Herzenhandeln. Herzhandel. Ach. Ich jedenfalls wäre da gewesen, mit all meinem Dasein, um Herzen und Beine zu bandagieren. Mit warmem Wasser hätte ich uns ein Haus aus Bindemittel gebaut, Störung verbunden, und das Wasser wäre von meinen Händen zu Deinen Füßen gelaufen. 
 

 
Nicht nur Joseph Beuys war es, welcher mit einer kurzen Aneinanderreihung darauf aufmerksam machte, wie unabdinglich und selbstverständlich es für ein gelebtes Leben ist, Liebesbriefe zu schreiben.
 
Der Boy verdreht während der Autofahrt die Augen und ein kleines Lächeln umspielt auch seinen Mund. Girl, sagt er, meinst Du nicht, es könnte so sein, dass Mann über Dich denkt, Du seist leicht psy-cho. Boy, erwidere ich, mir fallen sehr plötzlich viele Dinge dazu ein, so lass mich sortieren. Erstens: 
Ich denke das so wenig, dass es eigentlich schon nicht mehr relevant ist. Zweitens: Mehr denke ich, dass eigentlich Du derjenige bist, der denkt, ich sei leicht psy-cho. Und da Du mein Freund bist, der Freund, mit dem ich bereits als Kind auf Schaukeln schaukelte, bei dem ich bereits damals meiner Motivations-Position gerecht wurde, indem ich Dich so sehr aufregte und anheizte, bis wir beide kurzzeitig Angst hatten, die Schaukel, die wir abwechselnd bedienten, könnte sich überschlagen, aber es war (mir) noch immer nicht genug, denn ich sagte: „Und jetzt spring!“, Du sprangst, und schlugst Dir beide Vorderzähne aus, glaube ich, dass Du es dir nur nicht eingestehen willst, dass eigentlich Du diesen Gedanken denkst. Drittens: Wäre es so, dass der Mann denken würde, ich sei leicht psy-cho, dann wäre er nicht der richtige Mann für mich. Das ist doch klar, das ist doch klar, es ist so einfach wie logisch! Auch hätte es dann viel mehr mit ihm, als mit mir zu tun. Du weißt, es war gemeint als ein Kompliment. Viertens, ich empfinde all das als eine Art gesellschaftspolitischen Auftrag, das Private ist politisch, das weißt Du ja. Denn eigentlich finde ich, dass diejenigen, die durch das Leben gehen, und sagen wir mal, (immer wieder) (einen) Menschen treffen, der etwas in ihnen auslöst, dass diese Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihre Gefühle zu äußern, mehr noch (als) zu ihnen zu stehen, ja, was soll ich sagen, ich finde, dass eigentlich diesen Menschen das Prädikat auffällig gebürt und zwar sehr viel stärker noch als mir. Ich möchte also auch die verkrustete, gutbürgerlich verklemmte Scheiße durchbrechen, sie vielleicht in etwas animalisch-lebendiges verwandeln. Es ist also, neben diesem persönlichen Drang und einem kleinen Teil des Nichtvereinbarenkönnens eines etwaigen Verlustes, einem kleinen Glauben, etwas verpassen zu können, verpasst zu haben, eine Notwendigkeit nicht nur für mich, sondern vielleicht sogar für die Gesellschaft und für Dich auch. Und fünftens: Eigentlich ist es das nicht, und eigentlich ist es das doch, neben ambivalent nämlich egal. Was soll, das wird, boy. Du weißt doch, dass es so ist. 
 
Ok girl, so gesehen, eigentlich, hast Du recht.  
 

 
Ein Mann, der nichts sagt, ist das ein Mann, frage ich mich heute, ganz leise und nebenbei. Wenn sich ein Mann von einem Tier unterscheidet, dann doch darin, dass der Mann spricht.
Währenddessen sehe ich Spülschaum von Tellern auf Böden tropfen.
 
Es müsste sich mal eine Wut einstellen, denke ich heute.
 

 
History is only a repetition, murmele ich so vor mich hin, auf dem Hocker in einer Küche sitzend, lehnend an einer Wand. Ein ewiges Trauma, stellt das Mädchen heute murmelnd fest, während es auf meinen Wunsch hin eine Suppe zubereitet. Es wird nie anders sein, befürchtet das Mädchen. Das Mädchen sitzt vor mir, es dreht und wendet Worte und Löffel, bis es nebenbei sagt: Ich weiß nicht, wofür ich meine Eltern gebrauchen soll. 
 
Es wird vorbei gehen, Mädchen, sage ich, die Zeiten werden anders sein. Wir werden anders sein. Nichts bleibt, wie es ist, es war schon immer so. 
 
Hier guck mal, sagt das Mädchen. Rote Bete Salat. 
Aber die Suppe, die braucht noch. 
Ja, Mädchen, ich weiß. Ich kenne Dich schon gut mittlerweile. 
So gut, dass wir auch miteinander warten können.


 
Mädchen heute Morgen ist was passiert!, sage ich plötzlich ganz aufgeregt. Er erinnert mich ja ein wenig an ihn, das sagte ich bereits. Und auch nur ganz wenig, keine Angst. Guten Morgen, sagte er jdf. heute, und dann sah er mich nochmals an und sagte: Ich grüße Sie! Mich?, habe ich mich dann schon kurz gefragt, aber dann auch direkt wieder selbst beantwortet weil ja klar mich, es stand ja niemand hinter mir. Naja und später, da ist mir mein Stift runter gefallen, Du weißt ja, oft spiele ich mit etwas in den Händen, ich ließ ihn jedenfalls liegen und dachte so: später, und wenige Minuten später, hat er dann meinen Stift aufgehoben. Zu meinen Knien hat er sich gebeugt und dann von dort aus gefragt – Ist das Ihrer.

Das Mädchen sieht mich an.

Ich verspreche, sage ich, ich steigere mich nicht rein, aber bemerkenswert ist es doch schon denke ich aber Mädchen, darum geht es gar nicht, denn was ich mich seither frage, ist: 

glaubst Du, ich habe auch mal jemanden an jemanden erinnert?

Like

Risotto mit Artischocke

Ich liege viel höher jetzt.
 

 
Bald bin ich hier weg.
Bald wäre zu definieren, weg auch.
 

 
Eine Umarmung. Noch eine. Und noch eine. „Hey, was soll das denn? Was ist los mit Dir?“, frage ich erstaunt und fast schon verärgert.

Es war wie eine dreimalige Entschuldigung, die noch nicht ausreichte. Wir wussten es doch beide. Ärgerlich also, dass wir Bezeugende dessen wurden.
 

 
Um 1 Schlüssel leichter.
So spielt es auch anders in meiner Manteltasche.
Um 1 Schlüssel leichter.
So, wie ich gehe, umspielt mich eine ganz neue Melodie.
 

 
Tage später. Oder sind es vielleicht sogar Wochen? Und waren wir es nicht, die sich einig darin waren: Immer, wenn wir uns verliebten, waren wir unglücklich.
 

 
1000 Schritte weiter. Bis mir alle Interpretationen im Weg stehen.
Nichts ahnend war ich nie. Das war ich morgens, in den Spiegel sehend. 
 

 
Alte, zynische Scheißmänner, die missbilligend lachen. Wo bin ich? Nicht so weit von Dir entfernt. Wieso bin ich hier und nicht bei Dir? Scheiß Journalisten, denke ich, verantwortlich für das Kultur-Ressort, wie sie, Beine übereinanderschlagend ihren scheiß Spiralschreibblock auf ihren scheiß zu schmalen Oberschenkeln liegend mit Blei beschweren. Ja hallo, ich bin verantwortlich für Kultur und deswegen wichtig hallo lassen Sie mich durch und wenn mir danach ist, zerreiße ich Sie und Ihre ganze Arbeit in ein paar Zeilen und damit meine ich Ihre Existenz ok denn hier steht’s, hier, und hier sitze ich, nämlich erste Reihe, und eigentlich geht es in diesem Theaterstück um mich, um mich, und jeder, der Ahnung hat, weiß das ok.

Scheiß Journalisten!
Das war ich abends, Menschen sehend.
 

 
Ich fahre jetzt zu Dir, ok.
Ich fahre jetzt zu Dir.
Ok?
Ich meine, ich bin ja eh schon da.
 

 
In welcher Situation war ich? In welcher Konstellation bin ich jetzt? Und wieso ist sie so anders als die gestrige. Wie schnell kann ein Leben sein?
 

 
Ein Abendessen.
Wie schön und reich wurde der Tisch gedeckt.
Sag, wie war es denn?, das möchtest Du wissen.
Nicht gut, sage ich, aber es ist nicht mehr schlimm.
Ach, sagt sie, die immer an meine Träume und all die verrückten Geschichten glaubt, vielleicht, weil sie selbst viele Träume und verrückte Geschichte in Erfüllung hat gehen sehen, na gut, aber ich hätte es Dir dennoch gewünscht. Danke, sage ich, aber mein Leben ist bereits ein anderes, lass uns einfach Wein trinken und Risotto essen ok?
 

 
Es war schön.
Ja, das war es.
Denk dran, sage ich. 
Ja, und denk auch Du dran: keine Angst!
Keine Angst!, wiederhole ich und balle die Hand zur Faust.
Und falls doch, sage ich, mache ich es wie Du, nämlich doch.
 
Keine Angst, denke ich, und schreibe: Wie geht’s denn so.
Ich bin gerade eine Tom Waits Coverband, sagst Du.
 
Aha ja gut, sage ich, wenn‘s hilft why not.

Likes

Eigentlich heute

Those thousand questions
[Und eine der Stimmen]
Which spread a bound
[Die Enge als Zeit
Es dreht sich um mich]
Bring in the end
[Unnütze Fakten spricht]
Those thousand questions
[Diese tausend Fragen
die sich verzweigen]
Which spread a bound
Bring in the end 
drunkenness
and madness
intoxication and madness

Those thousand questions
bring in the end
only intoxication
drunkenness and madness
madness and intoxication
 
[Keine Sachen machen, keine Worte denken. Grenzenlose Liebe wird mein Herz beschenken –

Diese tausend Fragen 
Die sich verzweigen
 

 
Ich finde Sie ein bisschen verrückt. (nicht heute)
Ich bitte Sie, wissen Sie denn nicht: Es interessiert mich nicht, was Sie finden. (heute)

Auch heute: Oh, guck mal! Ein Zitronenfalter! 
 
Nina, Nina, ich bin so stolz auf Dich.
Sieh Dich nur an, sieh Dich nur um! (heute)
Nein, denke ich, nein, zu lang habe ich mir die Hände vor das Gesicht geschlagen. Ich bin erblindet, erblindet ob der Schön- und Hässlichkeiten dieses Lebens.
Es ist etwas anderes, was ich sehe.
 
Ich sehe mich in allen Spiegeln.
Ich spiegel‘ mich in allen Scheiben.
Ich bin da! 
Wer bin ich, wenn mich niemand spiegelte?
 
Hör doch mal auf zu denken! (nicht heute)
Ein Wesen, das sich keine Gedanken macht, ist das ein Mensch oder ein Tier, frage ich. (heute)
 

 
Du bist wunderschön, ich schwör’s Dir!, ruft ein Mann der Frau hinterher. Sie aber geht weiter und dann flucht er. Doch die Worte, sie wurden gesagt, sie wurden gehört. Ich kann es versichern, das möchte ich dem fremden Mann tröstend in die Arme legen. Ich habe gehört, was Du sagtest. Die Worte waren da. Du bist da. Ich war da.
 

 
Frag Menschen, die Freude in Dir sahen! Frag Menschen, die Freude in Deinem Gesicht sahen, als Du dich mit jemandem austauschen konntest. Bei Jemandem, der sah, was Du einst sahst. 
Wie kann man es auch sonst erklären.  
 


Ihr seid vom Leben gezeichnet und ich werde vom Leben geschrieben. 
Ha! Und nun sagt mir, womit habe ich das verdient?
 

 
Du kannst Dich nicht trennen von Deinem Früher. Deine Art zu lieben ist in Deinen Fingerspitzen. Wie sie berühren und wie lang sie es halten, dort steht es, Deine Fingerspitzen, sie werden Dich verraten. 
 
Nein, denke ich, in Panik ergriffen, ich weiß es. Ich kann darüber gehen, ich weiß, wie ich liebe. Anders als ihr. 
 

 
Guck mal, ich habe ein Symbolbild meiner Kindheit gefunden.
Willst Du es sehen? (heute)
Ich frage das fast fröhlich, denn es ist wahrlich ein Grund zur Fröhlichkeit. 
Denn endlich, endlich ist er da, ein erster Beweis. 
Oh ja, antworten sie, so unbefangen und neugierig wie sie sind, wie Kinder, bis sie sehen, wo ich war.
 
Die Eine schlägt die Hand vor ihren Mund. Jetzt weiß ich auch, woher ich das habe, es ist ja natürlich. 
Die Andere beginnt spontan, die Erwachsene auf dem Bild zu beschimpfen.
 
Du hast meine Mutter beschimpft, sage ich atemlos.
Danke für die Anerkennung, sage ich anerkennend.
 
Zweifel: Kann das Heilung sein? 
 

 
Und dann fragte mich mal jemand, ob man von Zufall sprechen könne, wenn eine Tür zufalle. 
 

 
Power in the arms, flexibility in the mind 
Power in my arms, flexibility in my mind
 
„Wir mögen Dich so, wir mögen Dich so. Sieh Dich nur um. Look around!” (heute)
 

 
Ich habe Schuld übernommen und dann modifizierte sie sich. 
Denn es war ja anders. Du hast mir das angetan, und ich habe es benannt. „Nina, nein! Lass Dir das nicht sagen! Nur weil jemand sagt, dass es draußen regnet, hat er den Regen nicht gemacht.“ (heute) Ja, stimmt, denke ich, ja, stimmt. Das ist schlau. Also: Du hast es getan und ich habe es benannt. Du hast mir das angetan und ich habe es lediglich benannt. 
 

 
Wie Du dort gesessen hast, so friedlich. Und als wir wieder kamen, begannen Deine Schmerzen.
Aber ihr wart doch meine Eltern, Vater, das wart ihr doch, oder etwa nicht? (nicht heute)

Dann sage ich: so viele Glasflaschen hier. 
Ich seh‘ die Kindheit vor lauter Flaschen nicht mehr.
Bin ich noch da.
 
Anecken
Anecken
Man ist eben anders jetzt, im gleichen Raum noch.
Wie soll das gehen?
 

 
Ihr habt Schuld. Ihr habt Schuld. I see guilty people. (heute)
I – see guilty people.
Ist es nicht so? Ist es nicht so. 
 
Menschen lächeln mich an.
Wie werde ich mich je einem Mann erklären können?
Ich müsste krank sein.
 

 
Geh‘ nach Prag, girl. Geh nach Prag. Es ist schön dort, es wird Dir gefallen. Lass uns nach Marrakesch, girl, Lass uns nach Marrakesch, wir würden solch einen Spaß haben!
 
Deine Mutter wollte auch immer nach Prag. Wieso ausgerechnet Prag?
 
Berlin, Breslau, Cottbus 
Oppeln, Meissen, Dresden.
 
Meine Heimat ist da, wo ich Brot backe, behauptest Du.
Hör auf so einen Mist zu erzählen, wage ich zu denken, nervös die Hände vor den Mund legend. Du hast in Deinem Leben noch nicht ein einziges Mal ein Brot gebacken. 
 
Es mag Dinge geben, die sind auch in der Kunst nicht zu bewältigen
 

 
Perspektivwechsel
Wie anders die Stadt aussieht, wenn man sie beobachten kann.

Meine Heimat ist da, wo ich Brot backe.
 
Stiefel, Mantel, Mütze (heute)
Nina, denk daran, was Du alles geschafft hast. Sieh dich doch nur um. Look around! (heute)
Die Sonne, die Sonne. (heute)
 
Menschen lachen, ich lache.
Es gibt so eine Zeit, in der man von Glück sprechen kann. 
(eigentlich heute)

Likes

Auf einem Konzert

Hallo hier spricht Ich Ich muss sich krankmelden.


Ja ach Du Arme Ja klar das geht ja auch rum und ja kein Problem wir machen das schon gute Besserung.

Äh ja danke aber ich glaub, ihr habt nicht richtig verstanden es geht nie wieder vorbei meine ich es ist doch nicht zu übersehn.

Von Menschen überholt werden. So langsam nach Hause schleichen, dass die Anderen einen schon fragend ansehen. Guckt nicht so, denke ich, ich geh jetzt so! Ich hab’ Schmerzen. Ich hab’ Brüche. Ich hab’ Schwäche. Ok? Oh man ey. Naja.

Alle haben eine Mutter, nur ich habe keine. Alle haben eine Mutter, nur ich habe keine. Mantra vor mich hin. Nochmal Glück gehabt, unter diesen Umständen.


Endlich, endlich. Auf den Boden legen. Am Boden sein.

Und die Flasche, die vor mir steht, ist halb leer. Nicht halb voll. Halb leer ist sie. Ich seh das doch! 
Nicht! Halt! Voll!



Und dann ein Klingeln an der Tür. Gehört diese Tür zu mir? 

Ich gehe ja tagtäglich dadurch, das gebe ich hier zu, aber gehört sie wirklich mir, bin ich gemeint, meine ich, ich weiß nicht, vielleicht klingelt da ja nur jemand, der es mir nachmachen will, the best way out is through.

Hey! 
Hey!
Ein Lächeln. 
Hi.
Ich hab mich mit der Bahn vertan. Darf ich rein kommen, nur auf 1 Zigarette.

Ja sicher, hier, ein Lächeln.

Bitte. Rauch‘ doch in der Küche, bitte. Mir ist alles egal jetzt weil einsam grade ich kann nicht denken. 

Was redest Du denn, Du magst das doch gar nicht. Komm, wir gehen vor die Tür.

Welche Tür und wie viele davon habe ich. Welche kann ich passieren, welche ist begehbar.

Wer trägt mich.

Es scheint mir wie eine unüberwindbare Schwelle.



Guck mal!, rufe ich ganz erstaunt und fast fröhlich aus, da ist der Mond!, um dann festzustellen: Selbst der Mond ist halb voll. Mein G*tt, wann hört das auf. 


Ich muss mich setzen. Ich muss mich auf die Mauer setzen, an welcher Du rauchend lehnst. 

Schweigen erstmal. Es ist so schön.

Du bist nicht einsam, sagst Du. Nicht?, frage ich lächelnd, Was dann?

Es fühlt sich immer nach Einsamkeit an, weil man trotz aller Gedanken und dem Mitgefühl doch allein in und mit seinem Schmerz ist. Aber Du wirst geliebt und bist wertvoll für die Menschen. Und das bedeutet, dass Du nicht einsam bist.

Schweigen und dann

Danke. Morgen gehe ich übrigens auf ein Konzert. Ehrlich gesagt, ich wünsche mir bereits jetzt wäre schon morgen. Wünschst Du dir das eigentlich auch manchmal sag ehrlich Du kannst es mir sagen wirklich ich sag‘s auch Niemandem

SMS: Ich komm jetzt gleich, Mädchen, pünktlich wahrscheinlich. Mädchen, schreibe ich, ich fürchte ich bin ein bisschen aufgestylt aufgrund dessen mir ein Kleid hervorragend steht und mich im besten Licht erscheinen lässt und Mädchen, hast Du eine Sicherheitsnadel?


– Warte ich muss gucken.
Ja habe ich bis gleich

Bitte mach die Autotür vorsichtig auf, Mädchen, Du weißt es doch. Aber in den Händen hält es gefährliches Werkzeug, stolz zeigt mir das Mädchen sein gefährliches Werkzeug.

Mädchen!, sage ich fast ungläubig. Das sind doch keine Sicherheitsnadeln! Das sind Stecknadeln. Stecknadeln! Wo soll ich mir die denn hinstecken? Ich brauche Sicherheit, Sicherheit. Ach man scheiße, grade fühlt sich diese Kleinigkeit an wie das ganze Leben scheiße. scheiße. scheiße.

Oh ja tut mir leid und jetzt seh‘ ich auch grade dass sie vor lauter Schreck alle ausgekippt sind in meiner Tasche scheiße. scheiße. scheiße.

– – –

Ach es ist so schön Mädchen alles ist so schön ich freu mich auch so dass es Dir gefällt und alles hier funkelt und glitzert wie die Sicherheitsnadeln in Deiner Tasche Mädchen weiß Du noch und falls ja dann nimm die Hände jetzt hoch

– – –

In der Küche, wieder in der Küche, alles beginnt immer an einem Anfang, in den Hörer hinein sage ich es leise:

Du kannst Dir nicht vorstellen, wie schlimm es war, sage ich, den Kopf haltend. Und wirklich, alles was ich sage, ist wahr. 

– Ich kann Dir kaum zuhören, aber ich trage Deinen Schmerz, ich verstehe Deinen Schmerz. Ich liebe Dich wirklich so sehr. Wie kannst Du nur so gut geworden sein, wenn doch alles um Dich herum so schlecht war.

Oh it must be growth by dying.

Likes

Im Museum

Seit ein paar Stunden, eigentlich, seitdem ich wieder zu Hause bin, habe ich Angst, mir den Fußknöchel zu brechen.
 

 
So viele Regeln. Ist das der richtige Ort, gegen den Strom zu schwimmen? Gibt es etwas, zu dem man zurückkehren kann?
 
Die Vergangenheit ist nicht die Vergangenheit.
Ein Zuschauer ist ein Zuschauer.
Sag, was Du willst.
A walk (with the boy)
 
Und am Ende dann die wichtige Einbindung der Besuchenden in die Ausstellung. „Möchtest Du?“, frage ich den boy. „Ich weiß nicht“, sagt er. „Erstmal will ich nur wissen, wie schwer das Material ist.“ Und so gehen wir doch in ein Bad aus kleinen Einzelheiten, Aluminiumklötze. Menschen bauen Häuser und Straßen, legen Schienen und Grenzen. Auch wir sind part of the art, doch eher laufen und sichten, manchmal drehen wir einzelne Teile, nur, um zu sehen, dass darunter nicht sehr viel mehr ist. „Ich nehme Teil an dem Geschehen. Ich verändere die Gesellschaft“, sage ich dann, eher zu mir, und mit Blick auf die Anderen zu dem boy: „Es ist gut, dass Menschen das machen, dass sie wieder lernen, zu spielen“, während dessen lege ich Stein auf Stein, aber es langweilt mich auch ein wenig, ich gebe das zu und sage weiter „dass sie lernen, Dinge sinnfrei und nicht leistungsorientiert zu…“
„Girl ich hab irgendwie Lust, das alles zu zerstören“, sagt der boy unvermittelt mit Blick in das Geschehen. So, wie er da am Rand steht, mit verschränkten Armen, sieht er aus, als würde er sich einen Überblick verschaffen wollen, als wäre das alles im Kopf bereits ein Schlachtfeld. Ich bin so verwundert, es war wie heute Morgen, als der boy ausnahmsweise mal in mein Auto stieg und ich sagte: „Hey na wie geht’s, hier, das ist ein roter Smoothie, für Dich. Bitte sehr!“ „Ach, das gibt’s doch gar nicht“, sagte da der boy, und dann „Hier!, das ist der Smoothie, den ich eben für Dich gemacht habe. Er ist grün.“ 
 
„Boy das ist ja sehr interessant dass Du das sagst“, sage ich dann kniend vor Plastiken, „mich packt die gleiche Zerstörungswut. Seltsam. Aber ich glaube, das darf man nicht, obwohl es ja Kunst im eigentlichen Sinn wäre. Es wäre kraftvoll und produktiv, explosiv nicht implosiv. Es wäre ganz neu. Das ist es ja, was Kunst eigentlich auch will. Die Dinge neu machen und neu betrachten. Ok boy, lass und hier raus gehen bevor wir noch…“
„Ok. Aber erst trage ich mich jetzt ins Gästebuch ein. Ich lese auch, was die Anderen hier so…“
Ok ok, mach mal –

„Entschuldigung, ich habe eine Frage, und zwar, diese Steine, man soll mit ihnen arbeiten und sie verrücken, aber wir beide, wir hatten seltsamerweise die ganze Zeit Lust, das alles zerstören zu wollen, alles, was bisher gelegt wurde, zu zerstören. Alles neu machen, sozusagen. Dürfen wir das?“ Die Frau hinter dem Museumsempfang verliert wirklich ganz plötzlich das totale Lächeln, das war fast absurd und dann sieht sie aus, als wüsste sie weder, wovon ich, noch, wovon sie spricht, als sie sagt: „Eh nein! Sie sollen sich zwar einbringen, aber es geht darum, die Dinge anders zu legen und zu verschieben und nicht zu schmeißen. Die Steine sind recht schwer und es wäre zu laut, das geht nicht!“
„Ah ok danke“, sage ich und drehe mich um.
 
„Boy, hast Du gehört, was die Frau gesagt hat?“
„Ja, habe ich. Lass uns gehen.“
„Boy, ich hab zwar Zerstörungswut, krasse Aggression grade in mir, ich weiß nicht, woher das kommt, aber ich hab auch die ganze Zeit während ich da drin war aufgehört zu denken. Seltsam oder“
„Jaja. Ich auch girl, ich auch girl.“
 

 
Ich gehe über das Leben in das Leben, über das Leben in die Existenzberechtigung. Nicht über den Erwerb und auch nicht über die Gebärmutter meiner Mutter.

Likes

Man, Mann, Männer. Ein Gedicht.

Ich lerne Männer kennen
Ich lerne, Männer zu kennen
Sag mal Mann, kenn ich Dich?

Der Mann sagt nichts.

Ist sich wohl unschlüssig oder unangenehm aufgrund des intensiven Interesses an ihm nur ihm doch sowohl nur als auch als Mensch. Mann wird sehen.

Ist vielleicht verlegen oder hat die Worte verlegt, als er in den Wald verschwand.
Ich bin weg jetzt, sagte er.
Ja ok sagte ich. Bis bald dann.

Ich lerne Männer kennen
Ich lerne, Männer zu kennen
Sag mal Mann, kennen wir uns?

Likes

India.

Dienstag, 11. September 2018.
Tippe an und sage „Was bedeutet ambivalent?“

Wo bin ich.
Welcher Tag ist es. Ist dieser Tag überhaupt heute. Ist heute überhaupt ein Tag. 30 Stunden, soeben noch stand, ging, saß ich neben Dir.
Und auch neben Anderen, so vielen Anderen. 30 Stunden, ein Zug, ein Flug, ein Zimmer. 30 Stunden. Kurzer Schlaf mit langen Unterbrechungen. Good evening, good morning, excuse me, I don‘t know anymore. Ist das ein Tag heute? 30 Stunden. Langer Schlaf mit einer kurzen Unterbrechung.

Wo bin ich.

Nina, where are you.
I want you to come home save so please write me a message and I also want you to know that I’m sad, so sad and I walked down to the market today and I remembered how we walked there yesterday and I miss you a lot, I am sorry.

So sehr bin auch ich verletzt von innen und neben mir, dass ich beim Schreiben nicht einmal mehr das leise Rauschen, das Surren, das Flimmern der Stadt, um 5 Uhr morgens, wie laut kann es denn schon sein, ertragen kann. Alle Fenster zu. Stille.

Frauen in bunten Saris.
Frauen in koolen Jeans, mit kurzen Haaren und Rucksäcken auf Motorrädern. Frauen, die nackt auf den Straßen kauern. Frauen, die auf Toilettenböden sitzen.

Boys auf Motorrädern, die an roten Ampeln auf ihr Smartphone sehen.
Visier hoch, Blick runter.
Wehende Haare und Hemden. Indische Menschen haben so schöne Haare. Doch ich sehe nur die von schönen Männern.

Sowieso Männer.
Männer, die Zeitung lesen, während sie Auto fahren.
Männer, die sorgfältig gewickelte Turbane tragen, in weiß, rot, orange oder pink. Ich, wie ich ebendiese beneide, um die Freiheit, die sie haben, weil sie sie sich einfach nehmen. Einfach nicht nachdenken (müssen) über Kleider- und Haarlänge.

Männer, die lachen.
Männer, die zärtlich zueinander sind.

Manchmal denke ich, nirgendwo hat man mehr Angst vor Zärtlichkeit als in Deutschland.

Auf den Straßen: Menschen, die auf Asphalt liegen. Dort sowie hier.
Arbeiter, die während der Fahrt über die Schnellstraße auf dem Dach der Laster schlafen. Mütter, die ihre Kinder auf dem Schoß halten. Während der Fahrt im Auto, während der Fahrt zu fünft auf einem Motorroller. Kinder, die während der Fahrt auf ebendiesen schlafen. Kinder ohne Halt.

Wäscheleinen, die zwischen riesigen Strommästen gespannt sind.
Elektrokabel, welche die Sicht auf Besserung nehmen.

Autos, Autos, überall Autos. Müdigkeit aus allen Augen, aber niemand hier ist des hupens müde. Und doch finden sich einzelne Aufständische, die es mit einem Aufkleber versuchen, auf dem ein verzweifeltes „PLEASE“ steht, gefolgt von „Do not honk!“

Aber Delhi macht, was es will.

So stehe ich da, ungläubiges und stummes Staunen, und sehe auch den Mann, der über die Straße rennt. Ihm scheint alles egal zu sein. Vielleicht läuft er um sein Leben, um seine Liebe, denke ich, vielleicht ist es das.

„Nina.“ Ja, ich höre Dich, ich höre Dich. „Just go, don‘t you worry, nobody will harm you, you just have to go. Go with the flow.“
Okay, I said, and did so.

Eine Straße überquert und ein Blick auf den Mittelstreifen. Menschen, die da liegen. Kinder, die mit Müll spielen. Nichts (an)habend als winzige Unterhosen. Ein Kleinkind, ein Kleinkind. Soeben erst sitzen und doch schon strahlend lachen können, beim Spiel mit einer leeren Plastikdose. Nudity, dirt, waste, traffic.
Die Mutter, wo ist die Mutter, auch sie liegt und der Blick des Kindes geht zurück zu mir und wie soll ich Dich jetzt zurück ansehen, hm? Sag mir wie. Du siehst älter aus als ich, deswegen frage ich das.
„Nina, I said you should go.“

Zähne mit Mineralwasser putzen.
Schwitzend ins Bett legen, schwitzend einschlafen, schwitzend wach werden, schwitzend wieder aufstehen. Fenster auf: Hitze, Gestank, Autos. Delhi ist so eine Überforderung und dennoch: Ich bin ein wenig verliebt.

Den Ganges überqueren bei Nacht. Eine kurze Pause am Straßenrand. Das Leben hier geht bereits um 5 Uhr morgens wieder los. Oder hat es zuvor gar nicht erst aufgehört?

Hunde streicheln. Frauen, die mir mit Sorge in den Augen zuwinken und Gesten machen, die aussehen wie: Nicht anfassen, diese Hunde beißen. I don‘t think so, I replied, don‘t worry.

Einsteigen, weiterfahren, aussteigen.
Tragen, schwitzen, atmen.
Während Menschen, darunter auch Ich, auf einen Zug warten, holt die Frau neben mir nasse Wäsche aus einer Plastiktüte und wringt Kleidungsstück um Kleidungsstück auf dem Bahnsteig aus. Und sitzt da wirklich ein Affe auf dem Dach eines Zuges und isst Naan-Brot? Was habe ich heute eigentlich gegessen?

Ein Zug, endlich, und eine Fahrt durch verwunschene Landschaften. Raus aus dem Lärm. Rein in die Stille. Und auch hier wieder: das unbedingte Bedürfnis, mich in einen See oder auf ein Feld fallen zu lassen. Stattdessen: ankommen.
Wollte ich das?

What is your name?
My name is Nina.
Oh, Nina.
Nina is actually an Indian name.
Did you know this?
There is a main charakter in a popular online game, and she is called Nina.

What is your name?
My name is Nina.
Oh, Nina.
Nina is actually an Indian name.
Did you know this?
We have an actor here in India. She is very successful and her name is Nina.

What is your name?
My name is Nina.
Oh, Nina.
Nina is actually an Indian name.
Did you know this?
Currently it‘s not that popular, but in my father’s generation it is very much.

Oh, Nina.

„Many women which came here were abused by their stepfathers“, she said.
But I never had any stepfather, hadn‘t I?

Diese Hitze wird immer schlimmer. Der eigene Schweiß immer unerträglicher.
Wo soll ich hin?

Allein sein, allein sein.
Ängste haben. Ängste aushalten. Ängste auskotzen, ausschwitzen.
Wissen, dass auch das vorüber geht.

Nichts, Nichts, Nichts.

Nach so vielen Tagen Nichts ist es an der Zeit, zurück zu Dir zu kehren, beschließe ich, zurück in die Stadt, in der Du wohnst, und Du hasst es doch so sehr, hier zu sein. „Nina, please let me know, when you’re arrived. I’ll meet you there.“

Der letzte Tag ist angebrochen und eben diesen verbringe ich nur noch mit Dir. Hast Du keine Angst, dass man Dich mit mir sieht, frage ich. Nein Nina, habe ich nicht.

Bist Du sicher, dass Du es machen willst, F. Du musst das nicht.
Ja, bin ich.
Bist Du sicher, dass Du es niemandem verraten wirst, Nina?
Ja, bin ich.

Okay, so let’s go.

Ein Markt und Menschen und Schweiß und Geschrei, wunderschöne Farben und alles berührt sich und so etwas habe ich noch nie gesehen. Bist Du sicher, dass Du dahin willst, das hast Du mich zuvor mehrmals gefragt. Ja natürlich, habe ich gesagt. Natürlich bin ich sicher. Und da stehe ich und bin ein Mensch voller Erstaunen und Glück und Du siehst mich an und lachst: „I can’t believe that you are so happy at this place Nina, so happy. I can’t believe it.“

Alle Menschen hier sind herber, aber auch gleichzeitig angstfreier zueinander. So schiebst Du jeden beiseite, der uns im Weg steht. Ich sehe Dich an und Du sagst: „Was. Ich habe ihn nicht geschubst, nur zur Seite geschoben“ und so, wie Du die Menschen berührst, so berührst Du auch mich. Selbstbewusst, zärtlich, leicht und warm.

Ich muss sehr viel Geld verdienen, es ist wirklich sehr wichtig. Geld zu haben ist hier sehr wichtig, sagst Du.
– Du F., sag mal, was ist denn, wenn Du nicht mehr arbeiten kannst, weil du krank bist zum Beispiel.
Dann ist es so, dass Dir Deine Familie some support gibt und falls nicht, stirbst Du eben. Nobody cares.

War ich die Frau, die noch vor kurzem lapidar sagte, Geld sei nicht wichtig?
Das war doch ich, oder?

Mein Kosmos.

Come on, Nina. Don’t you want to drink a cup of Chai with my family. I’d be so pleased.
– I don’t know F., I don’t know. Actually I’m not that good in hanging around with families but that is a long story u know.
Okay, okay, no pressure, no pressure.

Eine leise Rikshah und da sagst Du einen Satz: „You are, but I am not that handsome.“
Das stimmt überhaupt nicht, sage ich, und meine es so.

Am Ende dann eine Umarmung und so viele warme Worte.

Ruhe, Ruhe, zwei Stunden, was soll ich tun. Was sind schon zwei Stunden, gefüllt mit Kummer und Ratlosigkeit. Es sind vier Minusstunden. Stunden, die einen trotz Ruhe nur noch müder machen.

Aufstehen, aufstehen. Wie konnte alles so schnell gehen. Eben stand ich doch noch unter einer warmen Regendecke and thought about you and all those messages, full of love in one of it’s diverse performances you were sending to me and btw what does this weather do to my hair.

Oh my.

Maybe this is also the reason why there is love over love in your letter?
Das Wetter macht meine Haare schön.

Ja, ja, ich komme ja schon, keine Sorge. Bitte, Danke. Ja. Danke sehr.

Und dann der erste Schritt raus auf diese Straße, immer noch ist es Nacht, oder ist es wieder Nacht? Ich weiß es nicht. Was ich jedoch ganz genau weiß, ist, dass Du erstmalig nicht wie sonst immer und sogar wenige Stunden zuvor noch genau dort auf mich wartetest. Heimlich und immer dann, als sich unsere Blicke trafen, kehrtest Du mir für kurze Minuten den Rücken zu, und ich folgte Dir, bis wir uns in ein Netz aus Anonymität fallen ließen.

All those streets that we‘re walking are empty now. Empty streets, full of waste. Only cats and dogs were searching for a tiny piece of luck, however that may look like. Was this the place we left behind?

Ich erinnere mich an den ersten Moment, als wir uns sahen. Wie Du dort standest, als hättest Du nur auf mich gewartet, und das hast Du ja auch.
– I wish you’d be the one who‘d bring me to the airport, I type.

Nina, Nina.
Where are you now. I couldn‘t get some sleep. I think I should come to the airport now.
No, please not, please not.
Please don’t stop me.
Please don’t come. Please not, please not.

Okay Nina, okay. Whatever you want, I will accept it.

Let’s play a lovegame, play a lovegame, cause we like it so much.

Wieder mal ankommen, ohne da zu sein. Der letzte Tag ist fast vorüber, und da stehe ich also, mit allen Anderen, und trage ein Geheimnis mit mir herum. Keiner sieht es, nur ich fühle die Vibration, message for message. Love and appreciation too. Ich lache in mich hinein, füttere das Geheimnis, welches in mir wächst. Menschen lächeln mich an. Indische Menschen haben so schöne Haare.

Where are you now. I couldn‘t get some sleep. I think I should come to the airport now.
No, please not, please not.

Einsteigen, Platz nehmen.
Da ist kein Weg mehr zurück.

Ich erinnere mich an den Hinflug. Ich, chipsessend auf boarding wartend. Ich, wie ich beim Aufziehen meines Rucksacks fast den gesamten Inhalt auf dem Boden verteile. Do you need help, a friendly looking woman asked. No, I replied, I only look like this. Ein Flugbegleiter, der beide Daumen nach oben hält und „Super“ sagt, als ich auf die Frage „Angeschnallt?“ mit „Ja“ antworte und mein Gefühl daraufhin: kindlicher Stolz. Ich habe so viel nachzuholen. Ein Sitznachbar und Ingenieur, der zur Begrüßung „Na, Sie haben ja Glück“ sagt und damit meinen Sitzplatz meint, den ich mir zuvor selbst aussuchte. Mein Gefühl daraufhin: kindlicher Stolz. Ich habe so viel nachzuholen. Der Ingenieur erzählt mir viel über das Land, welchem wir uns gemeinsam nähern und welches er alle drei Monate bereist. Später wird er fast fürsorglich fragen: „Konnten Sie etwas schlafen?“

Der Rückflug: Ein Rumms und da sitzen Sie. „I think that’s your’s.“ Ich nicke und sage: Oh. Thanks. Auch sagen Sie: Man man man und man ey und Sie atmen schwer, so schwer. Ich sehe Sie an aber Sie sehen auf den Boden. „Endlich nach Hause“, sagen Sie zu Ihrem Mitreisenden. „Endlich wieder Fleisch essen. Endlich wieder normale Menschen sehen.“ Und am Ende sagen Sie: „Guck mal, wie schön, die Sonne in Deutschland. Meine Sonne.“

Wissen Sie denn nicht, dass es nur eine Sonne gibt? Wissen Sie es vielleicht wirklich nicht? Wir alle leben nur von einer Sonne. Dies ist eine Metapher gegen alles rechts von mir.

So viele Reisemöglichkeiten, wie viele Rikshas, Autos, Bahnsteige, Flugplätze habe ich heute gesehen? Kann man von heute sprechen, wenn ein Unterwegssein länger als einen Tag dauert? Menschen, Menschen, die aus einer Tür herauskommen. Und eine Frau, die im Rahmen stehen bleibt, mit ihrem großen Koffer und viel Ratlosigkeit in den schwachen Armen. Mit einem beherzten Griff packt die vor mir stehende Frau den Koffer, aber die alte Dame hält fest. „Sie müssen loslassen!, Sie müssen loslassen!“, rufen die Menschen der älteren Dame zu. Ja, genau, loslassen, denke ich, aber diese lässt nicht los. So zieht man sie eben gemeinsam mit dem Gepäck aus dem Zug heraus. Halleluja. Festhalten hilft nicht.

Nina, where are you. I want you to come home save so please write me a message and I also want you to know that I’m sad, so sad. I walked down to the market today and I remember how we walked there yesterday and I miss you a lot, I am sorry.

-Don’t you remember, F., we spent so many hours at the market, in Riskhas and cars, drank tea und ate candies, don’t you remember and don’t you forget. That was a present to you and to me, we should appreciate.

I know, I know, it will get better in a few days, I know.

Die Absicht bzgl. India war auch die, etwas dort zu lassen.
Die Absicht bzgl. India war auch die, etwas mitzunehmen.

Was denn jetzt, Frau.

Thank you, thank you, India

Likes

911

Eine Tomatensuppe, nur eine heiße Tomatensuppe, denke ich, und dann schnell wieder zurück in das Bett, welches dort auf mich wartet. So laufe ich, eine dampfende Schüssel in meiner Art Mitte, ich wäre auch gern in meiner Mitte, eingewickelt in einem Tuch, und ihr könnt es Euch vielleicht gar nicht vorstellen, aber es ist, als würde das Kind erfrieren. So laufe ich, schnell, schnell und der bedrohte Inhalt, wie eine Ladung Ozean, schwappt er doch über sein Ufer, Nein!, und Spritzer dann aus Blut auf dem Boden aus Holz und ich wurde erinnert. Nein!, ein Schrei. Und wenn ich könnte, ich hätte meine Hände auf die Seiten der Wangen gelegt und Deine Hände dann vor meine Augen.

Ähnlich damals, da legtest Du mir meine Hände auf die eigenen Augen. Was sollte das wohl heißen. Sollte es was bedeuten? War es ein Zeichen, und war ich es, die das nicht deuten konnte?

-Und wenn ich könnte, ich hätte meine Hände auf die Seiten der Wangen gelegt und Deine Hände dann vor meine Augen.

Aber Du bist nicht da und meine Hände sind nicht frei.
Frei machen, frei machen, ablegen, abgeben. Auf den Tisch.

Boy, sag mal, damals, schreibe ich fast atemlos, als hätte ich was zu vergessen, damals hast Du mir wenige Stunden danach die Haare geschnitten, es war mein Wunsch und als ich meine Haare wusch, da sahen wir es, wie da plötzlich überall Blut war, und Du hast es einfach weg gewischt, so erinnere ich das, erinnere ich das richtig?

Ja, ich erinnere es genau so. Ich habe Dir einen Zopf gebunden und genau darüber abgeschnitten. Aber es warst nicht Du, die blutete. Vergiss nicht, dass es nicht Du warst, die blutete. Ich habe das trotzdem alles aufgewischt. Ich werde das nie vergessen.

Ok danke ich auch nicht.
Essen wir zusammen zu Mittag vllt?
Ich arbeite girl es tut mir leid.
Ach so.

Moment mal, da ist ja noch Suppe.
Moment mal, Suppe, sage ich so und nehme Dich in Deiner Schüssel in die Hände,
ich bin der Fluß, und Du bist das Floß ja. Ich bin der Fluß und Du bist das Floß ok.
Also bitte also wirklich come on.

Nicht künstlich sein. Kunst machen, Kunst sein. Mit meinen Händen, mit meinem Körper.
Mein Körper soll die Farben dieser Welt tragen & then I see my true colours. Finally & endgültig und finally. Nackt, wie ich bin, nicht metaphorisch, denn nach einem langen Tag ist alles zu viel, also ausziehen-ausziehen-ausziehen. Und wenn ich dann nackt und bunt auch bin so, lege ich mich auf den Boden und rudere mit den Armen und drehe meine Haare und forme Fäuste mit meinen Händen. Alles dann voll farbig und Hand-, Mund- und Brustabdrücke, alles nur von mir auf diesem Boden.
PVC.
Ich traue mich das nicht.

Ich muss mir Möglichkeiten schaffen.
Ich muss mir neue Räume schaffen.
Wer hat einen Kunstraum für mich.
Ich bleib hier liegen. Egal, was passiert oder wer was sagt. Ich bleib hier liegen.

Du bist edel, sagst Du.
Auch die Wünsche, die Du hast. Edel.
Ich habe Angst, sage ich.
Du bist edel, sagst Du.
So von innen heraus.
Ich habe Angst, sagst Du.

Dieses Gespräch und eine letzte Idee ausgetauscht, aber das ist nicht zu verstehen als ein Fazit weil wir keinen Schlussstrich unter unsere Thesen ziehen.

Die Idee: „Tja, so schnell geht’s von einem wilden, lauten und übermütigen ‘Wir haben doch nichts zu verlieren’ zu einem leisen und zurückhaltenden ‘Vorsicht, Mensch, Vorsicht’“. Ich habe das gesagt und Du hast zugestimmt, beide Male, und es sogar selbst verwendet und mit immer neuen Kontexten versehen. Auch ich mache das, aber meine Idee, während ich hier sitze: So schnell geht’s von ‘Nichts zu verlieren’ zu ‘Wir haben verloren, wir haben verloren. Was ist, wenn wir verloren haben. Was ist, wenn nicht?’. Meine Idee ist das also während ich hier sitze und mir den Kopf halte, während ich allein mit ihr bin, mit der Idee, und das ist meist nicht gut, denn das Alte gewinnt, nicht das Wilde, die Idee, sie kriegt Kinder oder baut sich einen Strick daraus und ich kann es nicht mehr vom Kessel nehmen.

Ein Ergebnis, welches für Minuten gilt: Ich denke mal, das wars. Ich denke mal, das, was wir sind, sind wir nicht mehr. Das habe ich in der Nacht vor Tag 0 gedacht. Im fiebrigen Halbschlaf. Immer der zitternde Wimpernkranz.

Und gerade jetzt, als wir dann sprechen und uns schnell atmend fragen: sollen wir doch nochmal, nur auf ein schnelles Glas Tee, zwischen gepackten Koffern und Arbeit, Arbeit, Arbeit? Macht es all das nicht schlimmer. Weil wer weiß, welches Bild wir dann mit uns nehmen, wir Verstörten, wenn wir verreisen. Und ich liege doch hier schon so, so nackt und so erschöpft, dass ich nicht mal mehr Unterwäsche tragen kann, aber das sage ich Dir nicht. Nein, entscheiden wir irgendwie gemeinsam, lassen wir es besser sein. Und kurz bevor die Wochen beginnen, Tag 0, möchte ich heulen vor Verzweiflung. Warum eigentlich? Vor Verzweiflung, ja ja, schon klar, aber warum denn eigentlich? Schau doch, girl, nichts ist, wie Du es denkst. Ja und? meint Ich, Ich heult jetzt, beschließt Ich – ich heule jetzt, beschließt wer? aber dann – dann bringst Du mich mit Deiner Maßlosigkeit so zum laut lachen, dass ich das schon wieder vergaß und erst heulte, als wir auflegten und uns kurz zuvor auf ein großes Wiedersehen für danach einigten. – Ich bin nicht wie meine Mutter. Und wer weiß, ob wir das durchhalten. Wer weiß, ob wir uns festhalten. Wer weiß, ob ich das festhalte, wer weiß, ob ich mich vor lauter Angst und Schmerz nicht frei schwimme. Ich bin gut darin, mich frei zu schwimmen.

Es gab Zeiten, da lief ich durch Räume, und dann roch es nach Feuer. Und als ich meine Hände wusch, dann stieg aus mir heraus Rauch auf und es roch nach Feuer. Fielen mir die Haare über das Gesicht – es roch nach Feuer dabei. „Mensch, wonach riechst Du denn?“ wurde ich zu dieser Zeit, sie ist nicht so lang her, immer wieder gefragt, immer fordernd, so tendenziell mit skeptischem Blick, weil so wie ich, so roch keine, und so wie ich damals roch, so roch ich auch noch nie zuvor, Menschen erkannten mich nicht mehr. Aber ich antwortete genau darauf dann immer mit besonders viel pride: „Ich?“, fragte ich, „Ich rieche nach Feuer!“
Jemand, der Du immer noch bist, hat stets Zündstoff dabei, und manchmal Feuer für sich und mich gemacht, immer mal wieder. Neben einer Skateranlage, auf einem Balkon, an einem Fluss, und ich habe es lange Zeit mit nach Haus genommen, obwohl man das eigentlich nicht darf, aber es war so schön und danach dann war alles erleuchtet.

Das Feuer hatte mich gesucht,
nicht ich das Feuer.

Feuerwehr 112. Hallo hilfe ich bins. Feuer, deswegen rufe ich an. Hi.

Und da sagen sie es schon, nun, da draußen und drinnen diese Trockenheit herrscht und selbst die tapfersten Geschöpfe gezwungen sind loszulassen:
Das hätten Sie doch vorher wissen müssen. Es hätte Ihnen doch klar sein müssen!

Ja vielleicht, aber was ist ein Leben ohne Risiko?

Ein Waldbrand!, ein Waldbrand kann entstehen!, das rufen sie, weil sie sind grade so glücklich, überhaupt etwas sagen zu können: Menschen.

Das Feuer, es könnte einen Waldbrand auslösen, so tönt es aus allen Lautsprechern, weißt Du das denn nicht. Mach es aus jetzt, mach es aus, jeder sagt es Dir. Ich halte mir die Handflächen an den Kopf, schon wieder, aber Fehler, schon wieder, weil diese Warnungen die kommen auch von innen. Es hilft also nicht, das mit den Händen. Mach es aus, es ist doch so einfach.

Mich macht alles traurig, schreibe ich. Someone please call 911. Das tut mir so leid, schreibst Du.

„Sie haben eben einen unsicheren Bindungsstil“, sagt meine Therapeutin und will mich wohl beruhigen. „Was denn schwierig, Beziehungen eingehen oder halten?“ fragt mein Therapeut und will mich wohl provozieren. Ich komme darauf, weil er mich so ansah und lächelte dabei. Oder war ich es, die zuerst lächelte? Ich komme darauf, weil er fragte Warum lachen sie denn so und ich sagte Weil ich immer schon die komischsten Dinge witzig fand.

0

Entschuldung, hallo, darf ich, darf ich vielleicht da sitzen? Ich zeige mit dem Finger auf einen Sitz, auf dem ein Rucksack liegt und die Männer verstummen und ich nutze diese Lücke, diese entsetzliche Lücke: „Ich muss unbedingt nach draußen sehen und diese Scheibe”, ich zeige auf ein ergrautes Stück Grau, “die ist beschlagen, aber das war nicht ich, das war vorher schon so“, sage ich erklärend. „Oh, ja klar“, so einer der beiden Männer, als er sich wieder fand. Und der Andere hebt seine Tasche ebenfalls und sagt: „Möchten Sie in Fahrtrichtung oder eher anders sitzen?“ Ich zeige mit dem Finger noch immer auf die gleiche Stelle und glaube, nicht ernst genommen zu werden und sage: “Da möchte ich gerne sitzen.” Sehe ich etwa aus wie eine Frau die nicht weiß was sie will oder was.

„Setzen Sie sich“, sagen beide Männer gleichzeitig. Männer haben laute Stimmen. Ich setze mich. Das ist so nett, danke, sage ich und denke: Entspann Dich mal Frau Du bist auch nett.

0

Heute Morgen noch, als ich aufwachte, und kurze Zeit später das Handtuch über die Heizung legte, dachte ich es das erste Mal in diesem Jahr. Ich habe Sehnsucht nach einem Wetter, welches nach Heizung verlangt. Und dann das Auffälligste: Ich bewege mich zu wenig. Ich bin steif geworden. Vor Angst, mich falsch zu bewegen, was heißen würde, von Dir weg, spanne ich alles an und die Schultern sind schmal und angespannt und ich kenne mich, demnach weiß ich, was das heißt.

Diese zwei Wochen, beschließe ich, die lebe ich nun nur für mich. Ich gehe in der Nacht spazieren, ich koche eine große Schüssel Nudelsalat, nur für mich. Ich werde auf meinem Bett sitzen und staunen. Ich höre auf, Obst für zwei zu kaufen. Wieso verlerne ich so schnell für mich allein zu sorgen und stattdessen immer für den anderen mit, sobald jemand mit mir ist und falls es dafür einen Grund gibt, ist das ein guter?

0

Ich bin ein Mensch, dem entgegengekommen werden sollte.

0

Eine kurze Geschichte von einem Mädchen, mehreren Frauen und vielen Tauben

Ein großer Platz. Tauben, viele. Menschen, viele.
Ein Mädchen, eine Freundin, Kinder und Erzählerin. Das Mädchen wird begleitet von einer Gang.
Mädchen und Gang treten nach Tieren.
Erzählerin: Hey girl. Mach das mal besser nicht so. Denke mal, das tut den Tauben weh und Dir eigentlich auch, ok?
Mädchen: Ok.
Frau 1: Ja richtig! Wie fühlst Du dich denn, wenn jemand nach Dir tritt, hm? Wie fühlst Du dich dann? Soll mal jemand nach Dir treten? //

Frau 1 geht weiter, bevor Mädchen hätte antworten können:
Nein, nach mir soll auch keiner treten. (for example)
Erzählerin: Hör mal Kind, es ist nicht schlimm, dass Du das getan hast, nur vllt. für später mal einfach anders, ok? Also alles gut. Bis bald.

Eine Freundin, Kinder und Erzählerin:
Sonne, Pommes, keine Angst und Zufriedenheit. Alle und keiner von uns. 1,1,2,1.
Da kommt das Mädchen mit der Gang und in seinen Händen hält es Brot. Wie es lacht, das Kind, und dabei Tauben füttert. Die Tauben-Traube wird immer größer und alle lachen und fast alle halten sich die Hände vor die Münder, so war es doch. Oder?

Alle lachen, bis Frau 2 kommt, sich nur wenig zu dem Kind beugt und mit strenger Stimme sagt:
Hey Du da! Tauben darf man nicht füttern. Weißt Du das denn nicht.

Ende.

0

Erwachsene Menschen sind die allerschlimmsten Menschen, die es gibt. Stellt Euch mal vor, es gäbe eine Welt nur mit Kindern und Tauben, und das Ergebnis wäre Frieden und Tauben aber ich meine nicht Friedenstauben.

Ende.

Likes

Ein Tag, wie er war und wie er endete

Wir Menschen, wir Menschen, was sind wir nur für Menschen? Ich kann gar nicht beschreiben, was wir für Menschen sind. Wie wir uns töten und zum Schweigen bringen, schaden und zu selten nur noch die richtigen Fragen stellen, passende Antworten geben. Zeit und Raum finden und Sein lassen. Was ist passiert. Menschen sind die schlechteren Tiere.

Vielleicht so.

Manchmal, jetzt, möchte ich mich übergeben vor Erschöpfung.

Was machst Du da. Was machst Du denn da.
Und: wann hört es endlich auf.
Beliebter: Reicht es nicht langsam?

-Als hätte ich mir die Gewalt, die mich einst fand, selbst ausgesucht.
-Als hätte ich mir die Gewalt, die ihr mir antatet, selbst zugefügt.

So stehen sie da, mit skeptischem Blick.
Hände irgendwie so in Hüftgegend gestemmt, eingeknickt auch.
Arme und Ambitionen. Alles eingeknickt, nichts fließt.
Kein Wunder, kein Wunder.
Wir verstehen nicht, sagen sie so, was machst Du da.
Eine ewige Wiederholung. Langweilt sie Euch nicht?
Irgendwann werde ich das umdrehen, vielleicht.
Ich verstehe nicht, werde ich dann so sagen, was macht ihr da.

Ich emanzipiere mich, das mache und sage ich dann auch. Meistens leise und milde lächelnd auch, weil ihr es ja sehr wahrscheinlich doch nicht versteht. Ich sage das dann, vllt. mit etwas in der einen Hand spielend, sinnlich ich, verlegen sometimes, nicht jetzt.
Das zu erklären, mich zu erklären, kostet Kraft, die ich für das Vollstrecken brauche, restlos.
Ich weiß, bei Euch funktioniert das meist andersrum aber deswegen bin das hier ja auch ich und das da, das seid ihr. Oder so. Von den Narrativen emanzipiert erziehe ich mich, so, als wäre ich mein eigenes Kind, sage ich.

Nicht verstanden, ihr, die fragtet, oder.
Seltsam. Grade ihr, denen ich doch alles erklärte, versteht nicht. Vllt. aber auch logisch, weil, ja.

Ich erkläre mich nicht mehr.
Ich habe mich damit abgefunden könnt ihr das auch tun bitte danke.

Ich erkläre mich nicht mehr. Ich werde verstanden stattdessen.

Ständig irgendwas irgendwohin tragen. Immer nur tragen. Ich bin eine Tragende.

Plötzlich, plötzlich sind sie da.
So viele Kinder. Woher kommen sie. Bin ich denn dafür schon bereit, ängstlich, skeptisch, diesmal ich, einerseits. Ja, sagen die Erzeuger, sie sind sich sicher damit, denn es sind auch ihre Kinder, unsere Kinder.

-Erhol dich, sagst Du.

Derweil stumm im Wochenbett liegend: ich.

Ich kann Beziehungen mitgestalten.
Ein Satz und eine Möglichkeit, Dinge, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existieren.

Ich weiß nicht, woran soll ich mich erinnern.
Ich weiß nicht, woran kann ich mich erinnern.
Ich weiß nicht, woran will ich mich erinnern.

Manchmal fällt es mir schwer, raus zu gehen. Es ist mir noch peinlich, wie Menschen auf mich reagieren. So, als wären sie ständig erstaunt von mir. So extrem manchmal meine ich. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich selbst so viel weniger extrem geworden bin. So viel leichter und leiser, so viel selbstverständlicher. Einfach da jetzt.
Und dass die Menschen, viele Menschen, auch immer Fragen zu einem haben, deren Antworten ie nichts angehen, mitten auf der Straße, dem Flur, dem Campus stehend.

“War nichts Wichtiges. Habe gerade Pause und wollte mich nur melden und Dir nette Sachen sagen.
Deine Nachrichten klingen, als ob Du das gebrauchen könntest.“

Das Bett und ich und der Vorhang, der Vorhang, romantisch, wie er sich bewegt und mit jedem Windstoß zur Seite gleitet. Ich möchte ihn anfassen, denke ich, und schon schlage ich die Decke zur Seite und stehe, aber das Spiel, das Windspiel, dann wäre es vorbei. Vielleicht verstehen das viele Menschen nicht, behaupte ich, und meine damit nicht, dass ich es verstanden hätte. Man kann nicht einfach alles so anfassen. Beherrschen wollen. Außer sich selbst vielleicht. Aber das ist doch auch kein Leben. Dennoch stelle ich mich dahin, beherrsche mich und meine Materie für kurze Zeit, ansehen, eine Schale Müsli dazu wäre nicht schlecht, zusehen halt, ein Schleier umspielt mich. Augen zu. Man braucht keine Angst haben.

Stunden später, wieder und immer noch: liegend.

Ein Hemd über dem Türrahmen. Wie wäre es wohl, wenn das Dir gehörte?

progress, not perfection: Lena Dunham

Ständig irgendwas irgendwohin tragen. Immer nur tragen. Ich bin eine Tragende.
Ich bin eine tragende Komödie. Ich bin eine Tragödie.

Ich möchte jetzt ein Kleid anziehen und mich mit nackten Füßen auf die Straße stellen.
Es soll regnen, regnen, down on me. Und dann balle ich die Fäuste und schreie.

Aber dieses Kleid, das besitze ich nicht mehr und da draußen, da ist Trockenzeit. Ich brauche einen Monsun. Was mache ich nur.

Ich möchte frisch gepressten Granatapfelsaft. Wer presst mir einen Granatapfel, wenn ich es nicht selbst mache.
So liege ich da und warte. Schwach, weil was habe ich heute zu mir genommen.

Der Nachbar singt iranische Lieder. Vor Menschen, die singen, braucht man keine Angst haben, oder so, vielleicht sollte ich den Nachbar fragen. Knock knock knockin on neighbours door. Hi äh. Hi. Also. Hast Du, hast Du vllt. zufällig einen Granatapfel, momentan ist Saison, deswegen frag ich, falls ja, würdest Du, könntest Du, also wenn man ihn durchschneidet, den Granatapfel, in der Mitte, und in die Hand nimmt, dafür braucht man jedoch große Hände, zeig mal Deine erstmal – oh. Hm nee, reichen nicht aus denke ich, nachher gibt das noch eine riesige Sauerei und kostet nur Kraft und übrig bleibt keine Energie und ach. Egal. Ok ciao.

Mir doch egal was die Nachbarn hier denken.

Ich habe angefangen zu bluten jetzt auch. Vllt sollte ich mein eigenes Wasser trinken.
Wieder dahin zurückgehen, mich selbst zu nähren, doch genau das ist der Fehler in einem System, denke ich.
Man war schon immer zu zweit, man war noch nie allein, von der Empfängnis zum Sterbebett.
Immer ist man mindestens zu zweit. Man ist ein Gemisch. Wann habe ich angefangen, etwas anderes zu glauben.

Es soll Nacht mit Dir an einem See sein und ich möchte mich ausziehen, denn es soll eine Mutprobe sein.
Aber nicht mutig, weil ausziehen, sondern mutig, weil in einen See hinein gehen.
Und das ausziehen, das gehört dazu, wenn man sich der Angst stellt. Alles legt man ab, man geht ohne Ausrüstung.
Weil Ängste sind nur eine Illusion und man bekämpft keine Illusionen, jeder Schlag geht ins Nichts, das kostet Kraft, so werden wir also mit Nichts in diesem See sein und der Mond ist vielleicht auch da, wie letztes Mal, und langsam, langsam,
so wie Kreise, die aus unseren Bewegungen heraus am Ufer ihr Ende finden, so langsam, so langsam,
verliert auch die Angst ihr Interesse an mir.

Es gibt so viel, was du noch nicht über mich weißt. Es gibt so viele Tränen, die noch nicht in unsere Hände fielen.

Es ist ein Ankommen auf Zeit
Zeit ist ein dehnbarer Begriff.

Likes

9 – 18

09

Frühdienst und leise leise durch den frühen Morgen fahren.
Fahrrad fahren.
Niemand atmet die Luft, die ich atme.
Ich bin einzigatmig.
In den Zug steigen. Sitzend Fahrrad ansehen.
Fahrrad einsam und angekettet in einem Zug stehen sehen. So fehlplatziert. Die Zeit zur Seite legen.
Melancholisch werden. Und plötzlich Einfall: Fahrrad, Du bist Metapher für mich. Denn genau so, wie Du da stehst, fühle ich mich manchmal auch. Einsam und angekettet und fehlplatziert.
Fahrrad, ich hab feelings for you.

10

Aussteigen und da sind sie. Männer mit dunkel grauen melierten Haaren und roten Hemden. Männer, die auf ihr Smartphone starren und den Kopf schütteln aufgrund von Fassungslosigkeit aufgrund von was frage ich mich aber nehme nur die Frage ohne Antwort mit. Frauen, die ihre jugendlichen Söhne an der Kapuze zurückhalten weil Zug fährt ein und Sorge Sorge Sorge. Ein ehemals großes Begehren personifiziert auf einer großen Straße treffen und nicht wissen, was zu sagen, also nur ein bisschen rote Wangen haben und schweigen und Luft anhalten auch. Kaffee to go in die eigentlich fremde Hand drücken, weil selbst das für diesen Moment zu schwer in der Eigenen geworden ist. Halt doch mal kurz bitte, damit ich Dich fassen und mich halten kann. Ein unendliches Lächeln dafür bekommen, weil es erinnert, an was nur? Eigentlich an nichts, denn alles nur im Kopf stattgefunden. Ansehen. Und jetzt? Ich habe noch einen halben Tag vor mir und einmal, einmal den Kaffee bitte, den hätt ich gern zurück. Jetzt. Danke.

11

Die Kontrolle über seinen body verlieren, sich selbst in die Mitte eines Raumes stellen und einmal einen ganzen Eimer Scheiße darüber auskippen. Schande, Schande, Schande. Scham, Scham, Scham. Hass, Hass, Hass. Irgendwo, unter all dem, bin ich. Bin ich doch, oder?

Nach fünf Jahren Psychoanalyse ein neues Thema auf die Tagesordnung setzen.
„Ja, hi, ich würde gerne über Selbsthass reden.“
„Oh – oh -, ja, das ist, also ja, wirklich ein großes Thema.“
Dann: Können wir es nicht erstmal umbenennen in fehlende Selbstliebe? Das macht auch was im Kopf.
Und ich so ja ok meinetwegen.

– Ist das jetzt diese Psychoanalyse?

Während dieser fünf Jahre gab es immer wieder Phasen, in denen ich wusste, mir kann niemand mehr was erzählen. Schon gar nicht mehr über mich selbst. In so kleine Scheibchen habe ich mich selbst zer-legt und wieder ge-legt. In die richtige Position, in die meinige. Diese Phasen enden, wenn ich bereit bin alles zu glauben, was man(n) mir erzählt.

Endkonditionierung denke ich und atme mich in Ruhe. Endkonditionierung is the key.

Später, sortierter, ehrlicher gesagter. Immer ist es zu viel. Und immer denke ich, ich schaffe zu wenig.
Manchmal auch nichts, aber meistens eher zu wenig.
Das bin ich, in der Mitte auseinandergerissen, von nie genug, aber immer zu viel,
nackt und breitbeinig wie eine geschälte Mandarine, wenn ich sie schäle.
Ich denke an die Worte des Mädchens: Akzeptier das endlich, dass Du so bist!
Und dann denke ich daran, dass das Mädchen sagte: Das hat auch was mit einer besonderen Ebene der Intelligenz zu tun. Und dann denke ich daran, dass da letztlich jemand neben mir saß, der ganz unprätentiös sagte:
Ich glaube das auch.

Leben. Eigentlich voll anstrengend.
Leben. Eigentlich voll schön so.

12

Ich bin mit einem Mann in einem Supermarkt, weil ich spontan fragte: Musst Du vielleicht auch einkaufen? Ja, er musste. Und plötzlich, zwischen all den Regalen, fiel es mir ein, des Mädchens weiterer Rat an mich: Du musst es zulassen, sagte sie, mit Männern auch positive Erfahrungen zu machen. Lass Dich fallen, sagte sie. Here we are.

Ich weiß noch, wie ich damals mit dem Auto von einer Stadt in die nächste fuhr und mich kosmopolitisch fühlte.
Genau so ist das jetzt auch, nur anders.

13

Gewellte, lange Haare. Deine Haare, deine Haare, sagen die Anderen. Und eine sagt: wenn ich von Dir erzähle, dann erzähle ich Deine Haaren immer mit. Ich denke: Wenn ich mit mir ausgehe, dann nehme ich meine Ängste immer mit. Ich denke: mich endlich wieder raus trauen, endlich wieder unter Menschen sein. Endlich wieder selbst ein Mensch sein.
– So müsste das doch gehen, oder?

Geht so.
Also dann endlich mal wieder ein Mädchentreffen und ich mache mit.
Gleichberechtigung – eigentlich immer noch voll gescheitert. Und ich höre mich empören, dass das doch ein gesellschaftliches Problem ist. Und dann stehe ich wieder da.
Nämlich als eine von uns sagt: „Ok, formulier doch mal die Frage zu diesem Problem!“

Wie mein Thema, meinen Kosmos, mein Universum, in eine Frage packen? Hallo hallo, das ist eine von möglichen Metaphern meines Lebens, metastasiert. Denn ich kann nicht. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr implodiert meine Farbwolke, bildet dennoch Ableger, die letztlich explodieren, verschwimmen, zu Staub verfallen. Alles Kolorit, Staub, Husten, Husten. So ist das in meinem Kopf. Und dann soll ich – was? Hat hier grad jemand was gesagt?

Später genau davon träumen, dass der verehrte Mann, der heimlich geliebte Mann, in meinem Traum, in meiner Utopie, der wie nach dem Aufwachen noch, aber auch noch zu wenig, da ist, mit an dem Tisch sitzt und dann eine Wiederholung: Ok, formulier doch mal eine Frage zu diesem Problem! und ich kann, kann, kann nicht, weil ich alles immer so groß und laut und bunt denke, sodass es letztlich nirgendwo mehr herein passt. Einfach und echt nirgendwo bitte glaubt mir das. Aber auch der in meinem Kopf Geliebte denkt das geht so nicht, denn er denkt anders als ich, es muss doch möglich sein, würde er vielleicht sagen, strukturiert zu denken, und ich bin empört, stehe auf, bin krank und ängstlich zugleich, alles sitzt tief und schwer und atmen ist auch nicht mehr so wie zuvor und es ist wie immer: nicht verstanden.
Ich gehe jetzt, ich gehe, das sage ich, ich verlasse Euch jetzt. Habt ihr wenigstens das verstanden?
Aller Weltschmerz in mir versammelt. Ich werde nicht verstanden. Ich werde nicht verstanden.

14

Ich wachte auf und plötzlich saßst Du da. Wieder: wie erklären? Meine Hände formen Schalen, damit sich endlich auch die Antworten setzen, sanft wie Regentropfen sich an meine Hände schmiegen, aber nichts geschieht, nichts geschieht und alles bleibt leer. Was soll ich tun, wo soll ich hin. Wie losgehen?

15

Ich habe zu viele Stifte. Vielleicht ist es das?
Würde mir bitte einmal jemand die Stifte wegnehmen, vielleicht dann.

Beuys hören. Kafka lesen. Danach geht’s meistens wieder ein bisschen.

16

Klingeln an der Tür.
“Können Sie ein Paket für Ihren Nachbar annehmen?”
“Ja, eh, sicher” (Sie erwischen mich im verwirrten Modus)
“Super. Name?”
“NH”
“Handynummer?”
… “Eh. Was?”
Lächeln. Lächeln: „Handynummer!“
… “Eh. Was?“

17

Mit Kaffeetasse auf den unteren Türrahmen setzen. Ein Bein innen und eins draußen, auch das wie immer.
Sehnsüchtig das Wetter erwarten, Sturm, Regen, Wind. Endlich.
Der Zorn muss raus, die Selbstzweifel auch.
Was ich empfinde ist zu groß für mein Herz und für meinen Kopf auch, es passt ja noch nichtmal auf meine Zunge, zum Schlucken, in meinen Mund auch nicht, obwohl ich genau für die Prägung eben dessen auch immer mal wieder Komplimente bekomme oder anderes – je nach Selbstbewusstsein und je nach Rolle, die ich nach Meinung der Anderen gerade habe. Aber ich bin so nicht. Egal, was wer sagt, ich bin so nicht. Put me on your „topics I know nothing about“-list.

18

Ich bin eine Frau auf einem bike.
Ich bin keine Frau ohne Ideen.
Wenn ich nicht alles auf einmal haben kann, dann nehme ich lieber nichts. So?

– Draußen: Regen. Jetzt. Endlich. Wind auch. Endlich endlich. Der Tag ist vorbei.
Ich bin es nicht. Guten Abend.

Likes

chaoskopf.

vorher: ja mein Bett begrenzt mich halt! wie Dein Bett begrenzt dich wie meinst du das denn ja weil vorne und hinten da ist ja Schluss also grenze wieso verstehstn das nicht? Man ey alles muss ich dir erklären ich fahre jetzt nach hause! hey! jetzt sei doch nicht so! doch so bin ich aber ich habs dir doch schonmal erklärt nee hast du nicht doch wohl und alles was du kannst ist stress machen weil das jeder kann und mir ist das zu anstrengend jetzt ich fahre!

Ok dann 1730 und als ich da mit dem fahrrad eben über kopfstein fahre hat jeder ein wohnzimmer und aus jedem Wohnzimmer da kommen bunte lichter ich will so nicht sein um 1730 die nachrichten gucken weil es 1730 ist und tristesse tristesse und wieso wollt ihr das überhaupt habt ihr darüber überhaupt schon einmal nachgedacht frage ich mich und ich frage mich auch wie komme ich hier je wieder lebend raus.

mittendrin: so! sagt jemand, der du bist und dann: mein kopf ist so leer ich muss jetzt fahren. oh mein gott dein kopf ist leer? wow wie geht das denn das ist ja toll und interessant auch darf ich mal sehen? Ja darfst du und dann wuschel ich schon durch deine haare und deine blauen augen die sind so stechend und gerade ist da echt nichts drin in deinem kopf aber das liegt eigentlich bestimmt an deiner tiefe dass da grade nichts zu sehen ist also anders kann das ja gar nicht sein denn sonst wäre ich dir nie so nah gekommen auch vorher nicht was ja jetzt überhaupt dazu führte dass ich in deinen kopf hinein sehen darf.

später dann jemand anders und ok ich mach jetzt den anfang ich machs jetzt einfach also vielleicht so: vielleicht kannst du mir einfach sagen was du willst und dann kann ich ja sehen ob sich das mit dem was ich will übereinbringen lässt – so irgendwie? und dann sagst du gar nichts und siehst mich nur an mit deinen kleinen verletzten augen in blau und weil du nicht weißt was das jetzt heißen soll oder weil du auch denkst oh man das ist mir zu kompliziert und dann ich so hä wie jetzt kompliziert ich wollte doch nur dass sich deine Verliebtheit nicht von meiner Fleischeslust niederringen lässt und dann plötzlich da liegt und ausblutet und vorwürfe macht wie immer so nach dem motto ich habe doch gesagt von anfang an bei mir war das liebe und zwar große weil über monate fand ich keine worte für das gefühl und nur stumm in der beobachtungshaltung stand ich und bewegen konnte ich mich auch nicht vor lauter …schmerz und also was ich damit sagen will es ging doch jetzt nur um dich und wieso verwirrt dich das denn wenn es lediglich um dich geht hast du dich etwa noch nie im spiegel angesehen oder was? und davon mal abgesehen wer war es denn der da lässig in meinem türrahmen stand und sich da sogar auch anlehnte und mit herausforderndem Blick fragte: handynummer? und wer war es der mein nein in stift und papier verwandelte und etwas schrieb das wie ein name aussah und wie eine telefonnummer klang und wie kann es sein dass wenn ich dann frage ja also was willst du denn dass du darauf keine antwort weißt wie soll ich dir denn bereits jetzt schon sagen können ob ich dich liebe wenn du noch nichtmal weißt wer du bist und was du sagen sollst weil bis jetzt da kam wieder gar nichts naja dann mache ich jetzt halt einfach denke ich, dann mache ich jetzt halt einfach und das ist zu verstehen als eine warnung bist du dir darüber im klaren? Ich mach jetzt und komm danach nicht auf die idee wieder von wegen blutung und herz weil frauen sind es die bluten und nicht männer und wenn du willst dann kann ich das sogar beweisen merk dir das!

nachher: hm seltsam war fast alles nur interpretation hab ich grade festgestellt schade alles umsonst.

Likes

Das Mädchen: Flirten, Sex, Spazierengehen, Angst

Ha, wie schön!

Das Mädchen klatscht in die Hände und mit glänzenden Augen sieht es mich an. Genau so muss das sein! Genau so muss das sein! Ha!
Und: Zelebrieren sagt sie, man muss es zelebrieren, das Flirten, genau so, wie Du es beschrieben hast. Ja!, sagt sie, und ballt die Faust. Sehr gut!

Aber ja / aber nein, sage ich, denn in meinem Fall, da ist die Summe gleich Tragik. Und sowieso damit der Rest sage ich und lege meine Stirn auf den Tisch. Atmen. Atmen.
Sieht das denn echt niemand?, frage ich.

– Wen eigentlich?

Aber. Egal. Denn:
Mädchen geht es in diesem Fall nicht um den Ausgang einer Geschichte, sondern um mich und Mädchen findet mich lediglich, was ich nicht abwertend meine, gut. Da ich jedoch stets sehr viel finde, finde ich mich eher etwas peinlich und ich finde, es geht schon darum und ich finde auch, es gibt einen Unterschied, also sage ich das auch.

Es gibt einen Unterschied!, sage ich, zwischen gucken und gaffen. Das weißt Du doch! Ich zum Beispiel will nicht angegafft werden! Und Du willst das auch nicht! Und er will das sicher genauso wenig. Und ich will nicht, dass er sich zum Objekt degradiert fühlt, nur, weil ich nicht aufhören kann auf Mund, Schlüsselbein und Schoß zu starren. Manchmal kann ich gar nicht anders. Das ist doch…”, meine ich. Mädchen lacht.

Ich auch ganz kurz.
Weil unkontrollierbar und voller Hitze das eigene Begehren.

Das Mädchen und ich, das ist wie eine seltsame Symbiose, die perfekt passt, weil einerseits aus gleichem Material, andererseits mit ganz anderen Erfahrungen. Und beide akzeptieren den Aggregatzustand der Anderen. Und dann schmiegt sich das, wie Yin und Yang, wie Essig und Öl, und wird Vinaigrette.

“Wir sind ja schon nicht unsexy, Nina.“ Das sagt das Mädchen wenig später wie als wäre das eine Warnung an mich und das ganze Universum auch und mit offenen und stummen Augen kaue ich weiter auf einem Stück Artischocke um Mädchen zu signalisieren Fahr fort und sie sagt: Wir müssen auch aufpassen, darauf nicht reduziert zu werden. Und klar machen, dass man auch Intellekt hat und ein Mensch ist. “Das muss man den Männern ganz deutlich machen!”, sagt sie. Währenddessen quillt Polenta, backt Brot und zieht Aioli. In der ganzen Zeit, die wir nun bereits zusammen sind, durfte ich
– eine Avocado filetieren
– ‎Pilze schneiden
– ‎eine Zitrone auspressen

Es ist wie immer (zu wenig), stöhne ich gedanklich in mich hinein.
Nie darf ich hier was tun, währenddessen Geschirr auf der Spüle für alle sichtbar zu einem Keramikmassiv wird.

Pflanz‘ dich einfach hierhin und blätter‘ da rum, hat das Mädchen bestimmt und mir daraufhin ein Kochbuch vorgelegt. Wäre ich nicht so verzweifelt aufgrund meiner ausweglosen Liebessituation gewesen, ich hätte über die bescheuerte Wortwahl sicher sehr albern lachen müssen aber so…

Aber so weiß ich halt auch nicht.
Ok, dann eben nochmal zum Thema Sex und Orgasmus und: Ja, mag sein.
Nachdenken und dann lege ich mich sanft in einen Lachanfall und schlage erst eine flache Hand auf meine Oberschenkel, um mich kurz darauf hinter beiden Händen zu verstecken.

Vielleicht,
vielleicht weiß ja das Unterbewusstsein bereits vorher,
welcher Mensch es wirklich … Also so wirklich vorher vorher.
Stell Dir mal vor, wie absurd das auf vielerlei Ebene wäre.
Ich lache und werde dann plötzlich, wie aus Schock, so plötzlich oder als hätte ich etwas Grundlegendes verstanden, ganz ernst und sage:

Glaubst du wirklich, das geht?
Mädchen. Glaubst Du das?

Verwirrung im Plenum.

Neue Gedanken.
Nachdenklichkeit.
Und dann: Zweifel, wie immer.
Es ist so vorhersehbar.

Stell Dir mal vor, das ginge und dann passiert es auch so, wie es ginge und wie besprochen, und dann ist es so schön und da es so schön ist, erleide ich einen Schock und dann sterbe ich.
Stell Dir das doch jetzt mal vor bitte!

Wäre das mehr Tragik oder mehr Komik was meinst Du wirklich?

Mädchen sagt “Nina”, wie man es sich nur wünschen kann und dann: “Deine Träume bereiten Dich doch vor.
Du stirbst also auf keinen Fall.”

Ach so meinst Du das.
Ok, das habe ich so noch nicht gesehen.

Irgendwann ist später und dunkel dann auch und es ist auch ein Spaziergang im Wald und da führt mich das Mädchen, während ich Texte rezitiere und dabei statt auf Erde auf Papier sehe (Vertrauensübung) und plötzlich sind wir wieder in der Stadt und vorbei gehen wir an der Tür einer verflossenen Liebe und ich weiß gar nicht, was mir angenehmer gewesen wäre: Die Liebe hätte da plötzlich gestanden oder einfach nicht. Mädchen sagt irgendwas Wertschätzendes diese Stadt, diese Stadt und ich denke früher, da habe ich das auch oft gesagt, aber mittlerweile ist dieser Wohnort eigentlich nur noch eine Wohnung und alles begrenzt und besetzt besetzt mit Erinnerungen.

Es ist das Mädchen, welches sagt: Ich habe festgestellt, dass ich jeden Tag mindestens einmal einen Moment habe, den ich als Krise beschreiben würde und auch festgestellt habe ich, dass ich jeden Tag einen Kampf führen muss.

Stille und dann: Also jeden Tag halt.

Ich bin stumm und Stille und erkenne mich wieder und trotzdem es sich dumm dabei vorkommt sagt mein lösungsorientiertes Ich erst nichts und dann:
Der Weg aus der Angst ist der Weg durch die Angst, das weißt Du doch.

Dennoch. Angst ist Angst. Das weißt Du doch antworten Mädchen und Ich. Wer weiß das jetzt eigentlich besser?

Likes

Ich

Was ist es denn?
Das das?

Das, was Ich Kopfschmerzen bereitet, immerzu nur Schmerzen im Kopf. Zittern auf der Haut, Kälte hinter der Stirn, schwebender Druck, Ich und ihren Weg begleitend. Mit dem Rad, zu Fuß, in der Bahn, egal.

Was ist es denn?
Das, was sich Leben nennt und Sterben meint. Sterben, immer wieder täglich, Sterben für alles Schöne, was Ich über das Herz und die Haut läuft, aber niemals stehen bleibt.

Was ist es denn?
Das, über welches Leute betreten schweigen, wenn sie höflich sind. Sind Sie es nicht (meistens), so prasseln Ratschläge auf das beschädigte Dach, verpackt in dem Nichtaushaltenkönnen einer objektbezogenen Unsicherheit. Dann wird mitgerissen, abgerissen, nicht die Unsicherheit, nein, viel gemeiner, denn das, wovon Ich sich kurz zuvor noch zu emanzipieren versucht hatte. Was bleibt denn da und wie kann Ich diese ewige Wiederholung aushalten.

Zeit, denkt Ich, Zeit.
Und Luft, Luft auch.
Raum. Okay.

Guckt mal!
Ich kann auf ihren Fingern stehen.
Finger, nicht Hände. Ha!

Ha ha habt
ihr so etwas schon einmal gesehen?
Und Ich redet jetzt nicht von Instagram.

Was ist es denn?
Fragt Ich.
Das das.

Das, was alle zur Verzweiflung und Ich zum Staunen bringt. Weil es eben kompliziert und damit so schön und scheiße zugleich ist. Kompliziert. Kommt das von Kompliment, fragte mal ein Mann mit fragendem Blick an Ich gerichtet. Kompliziert, weil es eben differenziert zu betrachten und nur mutig zu verstehen ist. Weil genau das eben Ichs Forderung ist. Genau wie die Forderung lautet, sich zu geben wie Ich ist, und zwar ohne das Wohlgefallen der Anderen damit zu provozieren. Müde sein, weil Ich eben müde ist. Schweigsam sein, weil Ich eben jetzt ruhig ist und weil Ich endlich mal etwas erzählt oder vorgelesen bekommem möchte. Etwas über Franz Kafka zum Beispiel. Etwas von Franz Kafka zum Beispiel.

Ich kennt auch jemanden, der ihr etwas vorspielen könnte, auf einem Instrument. Davon redet Ich.

Naja, was ist es denn?
Das, abgesehen von Verzweiflung und oben Genanntem, denn glücklich ist Ich ja auch, weil Ich es irgendwie auch schon immer war, trotz des ganzen Unglücks und niemand behauptet, dass Glück nicht auch in der Melancholie zu finden ist. Ja, das wäre dann wohl ein Ankommen, würde Ich es annehmen.

Aber damit vorbei wären dann auch die Wanderjahre, von denen Ich mal jemand während eines Mittagessens erzählte (bei dem Ich kaum aß, eher zusah) und von denen Ich bis dahin nicht gewusst hatte. Danach fühlte Ich sich weniger allein und war durch Teilhabe plötzlich satt so satt. Jemand hatte Ich etwas Interessantes erzählt und Ich hatte das einfach so gereicht.

Likes

1bis8

1

Man würde mich sicher wieder fragen, was es denn konkret sei, dass mich so bewege an Dir. Irgendwo las ich mal, wenn man auf (solche / weitere) Fragen keine Antworten wisse, dann sei da meist auch nicht so viel dran, also an der These, dem Gefühl oder der Erinnerung, demnach umso erfreulicher: Ich habe Antworten, viele davon.

Heute, als Du vor mir saßt, direkt vor mir, aus dieser Perspektive umrahmt von meinen Beinen, und ich gebe zu, ich verdrehte mich ein wenig, aber dabei heraus kam dieses unwiderstehlich schöne Bild, welches mich faszinierte und fassungslos machte in einem und welches Du leider nicht mit ansehen konntest weil Du warst ja Protagonist und das Bild plötzlich bewegt und damit real und mehr noch eine Tragödie, aber das war nicht so schlimm, denn in meinem Schoß, da waren wir eins und das war die Hauptsache und ich dachte da gar nichts, ich fragte mich nur atemlos

was –

was –

würde ich jetzt einfach tun was ich wollte –

was dann?

Denn dann hätte ich meine Beine aus dem Stück heraus um Deinen ganzen Körper geschlungen, sodass Du Dich geborgen gefühlt hättest. Und dann hätte ich Deine Haare angefasst, sodass Du dich begehrt gefühlt hättest und ich hätte meinen Mund in Deinen Nacken gelegt, sodass Du dich gemeint gefühlt hättest.

Während ich Dich beschreibe fehlen mir die Worte und ich benutze nur Hände und baue Mauern damit. Wie kann das sein. Wie kann eine Frau, welche Worte mehr liebt als Männer, an einer Beschreibung scheitern. Ich versuche, Dich zu erinnern und alles, was ich erhalte, ist ein Arm mit einer Hand als Kunstwerk, Blutgefäße wie Straßen und der Asphalt ist Gänsehaut und makellose Finger und Ruhe. Ich sehe die Ruhe. Und all das überträgt sich auf mich, Stille und dann sogar auch die Gänsehaut. Finger spreizen und ich sehe dem Geschehen fassungslos zu. Das ist Zauber, denke ich fasziniert, das ist Zauber! Einer, den man nicht erlernen kann, denn er ist gegeben. Und dann denke ich an mein Bild von Dir, wie Du Bleistift und Notizheft hältst und dann an Erotik, weil Logik.

„Verstehst Du“, wiederhole ich, „Erotik, auf die tiefste Art, die Du dir vorstellen kannst, Erotik bis auf das wunde Fleisch sozusagen, obwohl angezogen, deswegen vielleicht nicht frierend. Verstehst Du.“ Und der Zuhörer nickt zweifelnd.

Ich atme laut aus und halte mir die Stirn in beiden Händen und denke Ihr seid doch alle

2

Ich sehe Dich also an, wie Du so vor mir stehst und beobachte und bemerke und wäge ab und plötzlich fällt mir auf, dass ich alles von Dir wissen will, einfach so, beispielsweise, wie Deine Uhr, die immer mal wieder unter dem Hemdsärmel sichtbar wird, aussieht, und wie Deine Haut (es ist Winter). Was deine Werte sind, wie Du küsst und wie Du kommst. Womit Du deine freie Zeit verbringst und ob Du ein Festnetztelefon hast und ob Du abends mit Frauen auch außerhalb intrafamiliär telefonierst (hoffentlich nicht) und ob Du Oliven magst und worüber Du lachen kannst und ob man mit Dir stundenlang sitzen und reden könnte.

Wenn der Fokus vom Subjekt zum Objekt zoomt, ist das dann Liebe?

„Sie sehen mich so erwartungsvoll an. Haben Sie Fragen?“, unterbrichst Du Dich selbst beim Reden und meinst mit dieser Frage wirklich mich.
“Eh. Nein“, versichere ich schnell und sehe direkt daraufhin auf den Tisch vor mir und nehme einen Stift in meine Hand. Später fiel mir ein, ich hätte confident antworten sollen: “Ja, viele. Später, Du und Ich?” Aber das hätten dann andere auch gehört und ich hätte es nicht ertragen, ich hätte es nicht ertragen, wäre nur ein Jemand dabei gewesen, der dazu auch nur eine Frage gestellt hätte.

3

Ich sortiere mich selbst durch Zeit und Raum. Ich versuche zu denken, was ich fühle. Ergibt denn nichts mehr hier Sinn? Ich bin der Sinnlichkeit verfallen und kann auch nicht mehr arbeiten jetzt. Im Vorbeigehen sehe ich meine schmalen Brüste und meinen heute flachen Bauch und meine runden Po. Meine wilden Haare, mein erschöpftes Gesicht. So sehe ich also aus. Rote Linien durchziehen den weißen Hintergrund, welche das Bild erst interessant machen.

Ich denke, dass es einfach passieren soll. Das Kennenlernen, das Miteinanderschlafen, das Miteinanderkommen, -kochen und –essen. Das Sitzen und Schweigen, das Sehen und Denken, das Liegen und Biegen und Renken. Das Insbettreden und das Hinauskomplementieren. Das Grenzen testen und teilen, das Lachen, das Heulen, das Schreien, das Lieben. Dann lege ich mein Gesicht in beide Hände. Wie denn?

Schwamm auf Teller, Löffel auf Gabel, Wasser an Wasser und alles verschwimmt. Wie oft muss ich Dich noch flüstern. Wie lang muss ich Dich noch atmen. Wie sehr muss ich Dich noch begehren. Verrückt geworden bin ich doch schon.

4

Ich will anfangen, aber weiß nicht, wann. Jetzt?

Ich will anfangen, aber weiß nicht, womit.
Ich will losgehen jetzt, aber weiß nicht, wohin.
Ich will lernen, aber weiß nicht, was.
Ich will Austausch, aber weiß nicht, mit wem.
Ich will mich emanzipieren, aber weiß nicht, wovon.
Ich will lieben, aber weiß nicht, wen.
Ich will lieben, aber weiß nicht, wie.

Wenn man nicht mehr weiß, wo man anfangen soll, lässt man es dann einfach? Wenn man nicht mehr weiß, was man schreiben soll, liest man es dann einfach?

5

Wie soll ich denn das alles erklären?
Als heute die Tür hinter mir ins Schloss fiel, stellte ich fest, zwei Möglichkeiten zu haben, nämlich: Ok, endlich mal wieder heulen jetzt oder ok, endlich mal wieder kochen jetzt. Hab dann gemerkt, dass ich gar nicht heulen kann jetzt, weil alles noch total verkrampft vom Auskotzen davor ist. Hab dann gedacht mach dich mal locker jetzt und hab gekocht und gegessen auch und gedacht: Diese Woche mit Mann ist geschafft, glücklicherweise, beruhige Dich, beruhige Dich. Kein Mann ist Dein Vater, noch nicht einmal Deine Familie ist irgendein Mann. Und ja, auch, wenn es irgendwie peinlich war: Du hast es eben geschafft.

Was sagt man, wenn man verliebt ist? Wie spricht man, wer ist man? Doch nicht ernsthaft der gleiche Mensch, der man war, als es noch kurz vor Verfall war. Und wann fängt man wieder an zu essen, bevor sich eine Essstörung vollständig etablieren kann?

Ich kann vor Dir nicht reden, ich kann vor Dir nicht loslassen. Noch nicht einmal greifen und atmen kann ich vor Dir und dann pocht es mir plötzlich heiß gegen die Haut von innen, als würde da jemand wütend gegen die Türe schlagen: hallohallo! Und dann: bist Du verrückt geworden?, mach die Tür auf! Denn wenn du nicht langsam irgendetwas unternimmst, ersticke ich! (Das war Ich an Über-Ich, Es hat das beobachtet und war zwar stoned, aber anwesend.)

Donut Panic erinnere ich mich. Durchatmen jetzt, und überleg doch mal.
Und dann verlasse ich den Raum und weiß nicht, wie Vibration abbauen und wie überhaupt das jetzt einem Fremden erklären, denn mehr seid ihr für mich nicht und alle sehen sie mich an, als wäre ich irgendwie komisch. I‘m not that weird!, möchte ich dann den anderen mit meiner Handfläche in Richtung crowd, die Abstand signalisieren soll und einer hochgezogenen Augenbraue, die So what?! heißen soll, sagen. Es muss ein Trauma sein, möchte ich mich dann beruhigen. Es kann nur ein Trauma sein. Anders ist es nicht erklärbar. Es ist anders nicht erklärbar, das habe ich mir doch soeben erklärt und ausgerechnet Du, der es lösen könnte, entfacht das in mir. Das kann doch nur ein schlechter Scherz sein. Und bitte warum lache ich darüber?

Ich denke dann an übergriffige Männer, die, wenn man sagt, dass es sich so herum für einen selbst falsch anfühlt, meinen, man denke nur zu viel nach und solle sich einfach mal entspannen jetzt. Oder auch solche, die glauben, man brauche gar nichts finden, sondern einfach mitmachen. Oder an Männer, die einem immer wieder die eigenen Gefühle absprechen. Ich denke dann an mich, für die das viel zu lange Alltag war. Ich habe das nicht nur gemeint, sondern auch gesagt. Das habe ich doch. Oder?

Frau!, sage ich mir selbst stattdessen, ich bin sicher, dieser Mann, den Du magst, mag Dich genau so, wie Du bist. Ich weiß sogar, dass es so ist. Wieso kannst Du das nicht glauben? Und wie lang soll es noch gehen, bis Du das endlich glauben kannst. Frau!, mach das nicht, denke ich dann, wenn ich mir die Hände vor das Gesicht schlage. Frau zeig jetzt endlich allen, wer Du bist denke ich dann und frage einfach mal A.

A., frage ich, wie geht das? Mit einem Mann sein? Einfach so, ohne Angst und ohne Anstrengung auch. Einfach sein, weil man endlich auf Augenhöhe lieben möchte und sich selbst bei allergrößter Sehnsucht fürs unter Niveau ficken zu schön geworden ist.

A sagt ja, aber nicht, weil sie eine Antwort, sondern nur, weil sie die Frage verstanden hat. Weiß ich jetzt auch nicht ergänzt sie und dann wird mir die ganze Welt klar, denn auf A folgen B, C, D und E. Wie verrückt man selbst ist, wird einem immer erst im Kontext Mensch, und zwar nicht Lieblingsmensch, offenbart. Denn Letztere haben die gleichen Ängste und mit ihnen fühlte auch ich mich ewigkeitenlang weniger komisch. Ha!, das war ein Trick, und ich dachte, ich führe hiermit zuverlässig die ganze Welt an meiner Nase herum, aber eigentlich, eigentlich habe ich damit nur mich selbst ausgetrickst. Blöd, ne. Musste ich halt ein paar Jahre lang auf der Couch für liegen, aber auch ok, denn jetzt stehe ich auf.

6

Zwei Beweise dafür, dass Erotik auch einfach sein kann. Beweis 1:
Es war der gleiche Tag und der Tag war wohl der, an dem ich etwas Besonderes an mir hatte, denn ich rannte die Treppe hinauf, nahm manchmal sogar zwei Stufen mit einem Mal, um daraufhin dem Zug hinterhersehen zu können. Ich ballte die Fäuste und stampfte mit meinen Stiefeln auf Asphalt und dachte dann Was solls. Und dann setzte ich mich. Und dann saß ich da, auf einer Bank, Bahnsteig 4. Erschöpft, wartend und dann amüsiert. Denn ich nahm wahr, dass ich mich sehr nah neben Dich gesetzt hatte, obwohl alles neben uns noch frei war. Ich versteckte das Lachen hinter meinem Anorak und vermied es auch, Dich direkt anzusehen. Ich fühlte mich schüchtern und immer nur dann, als Du in die andere Richtung blicktest, konnte ich der Versuchung doch nicht widerstehen. Das ist doch Blödsinn, dachte ich, öffnete eine cloud und korrigierte einen Text, denn that’s my business und dann passierte etwas und ich wurde Zeugin. Ich sah, wie Dein Blick leise und langsam von meinem Fuß bis zu meinem Knie ging. Das war so erotisch. Und damit wurde mir klar, wie subtil Flirten ist.

7

Beweis 2: Es war der gleiche Tag und der Tag war wohl der, an dem ich etwas Besonderes an mir hatte, denn bereits als die Türen hinter Dir wütend zusammenfielen, sah ich Dich an, durch die Menschenmenge erkannte ich Dich und als ich Dich so ansah, erinnertest Du mich an jemanden, den ich mal gekannt hatte. Die Farbe Deiner Haare, die Größe Deiner Gestalt, die Form der Hände und der interessierte und selbstsichere Blick. Sogar hattest Du die gleichen Schuhe an, die der Mann damals trug und in denen er mich Tag für Tag durch mein Leben begleitete und auch bemüht war, Schritt zu halten.
All das ließ mich Dich kurz anlächeln, impulsive Menschen kennen keine Grenzen.
Und dann dachte ich, lass doch, Mädchen, lass doch, denn ich bin nicht bereit und falls doch, nur für den Einen. Also schlage ich wieder meine Zeitung auf und das blieb auch so, bis ich an meiner Haltestelle angekommen war.
Und während ich aussteige und noch während ich mich selbst in der Menschenmenge untergehen und Dich vor mir laufen sehe, muss ich bereits lachen, denn Du wirst plötzlich langsamer und steigst aus, verlässt den Strom an Menschen, wartest wie ein Raubtier am Ufer eben dieses Flusses, sodass ich nicht nur an Dir vorbei muss, sondern wir uns auch an der Verkehrsampel, die eben rot ist, als hättest Du sie nur für mich einmal in Farbe getaucht, wieder treffen. Und da stehen wir, Tier an Tier, Jäger nächst Trophäe, nicht über- oder hinter, nebeneinander, denn beide sind berechtigt. Und ich schwöre im Namen dieses Blogeintrages, ich habe nichts gesagt oder gemacht, höchstens habe ich in mich hinein gefeixt aber selbst das, wie jedes Jahr im Winter, hinter einer schwarzen Wand aus Anorak.
„Guten Tag“, sagst Du, neben mir stehend.
Ich nehme das Lied aus meinem Ohr und sage: „Guten Tag“, und lache dann.
„Ich heiße S. und wie heißt Du?“
„Ich heiße Nina“, sage ich, und weil ich weiß, was jetzt kommt, lache ich noch mehr.
„Schöner Name“, sagst Du, „er ist schön und einfach“, antworte ich.
Und so passiert es, das wir zusammen ein Stück gehen und wüssten wir beide nicht, unsere Geschichte hat noch nicht einmal begonnen, so könnte man meinen in Anbetracht unserer Symbiose, dass uns das Leben eine gemeinsame Geschichte zeichnete. Zusammen gingen wir also und dann fragtest Du mich, woher ich komme und dann erzähltest Du mir, woher Du kommst aber eigentlich, eigentlich kommst Du woanders her, so sagst Du das und dann: Damaskus.

Die Hauptstadt, sage ich. Die Hauptstadt, wiederholst Du.

Und ich habe wenig Zeit, dabei Dich anzusehen, denn wir gehen nebeneinander und seit wann begleitet ein Mann mich in meine Richtung frage ich mich und dabei hatte ich es doch zu eilig, um kurz mal Deinen Arm festzuhalten und zu sagen: „Hey, warte mal, lass uns mal kurz ansehen und schön finden jetzt“, obwohl ich dachte, Du wärst dafür bestimmt der richtige Typ Mensch gewesen.

Zusammen gehen wir in das Gebäude und es muss so gewesen sein, dass Du in dieser Geschichte plötzlich ganz fest zu dem Protagonist Begleiter wurdest, denn ich kannte mein Ziel und Du warst es, der einfach mitkam. Und dann sagte ich: „Ich muss jetzt hier hoch“, und zeigte auf das Schild, auf dem eine 5 stand.

„Können wir uns kennenlernen?“
fragtest Du mich und ich überlegte echt ganz kurz und als Antwort pochte es von innen gegen die Hitze und ich weiß das noch ganz genau, dass ich sehr schnell an den Stress, den ich im Kopf hatte, dachte, dass ich das niemandem antun kann und schon gar nicht mir selbst und sagte: „Das geht leider nicht, tut mir sehr leid.“ Dann sahen wir uns etwas länger an und ich sagte: „Alles Gute“ und reichte Dir meine Hand, „Ja, alles Gute“, sagtest Du und hieltest lange die meine oder vielleicht hielt ich auch Deine oder wir unsere und eigentlich damit unsere ganze Welt. Und noch während ich nicht losließ ging ich zwei Stufen nach oben und je weiter ich ging desto mehr bog sich meine Wirbelsäule in Deine Richtung und ich dachte dabei nicht an Dich, sondern an Yoga und hätte ich nicht auch das Geländer genau so fest gehalten, wie Dich in meiner Hand, ich wäre sicher in Deine Arme gefallen und hätte mich dann verfangen in einem Nest aus Wärme und Liebe und Leidenschaft, aber nein, und ich wiederholte „Alles Gute“ und ließ Dich los.

Ich war frei. Endlich wieder frei. Und beglückt erfasste ich wieder zwei Stufen auf einmal und atmete das Leben. Du bist frei Mädchen, dachte ich, genieß das mal. Du bist frei Mädchen, dachte ich, das erfordert Mut und den hast Du doch nicht umsonst aufgebracht.

8

Allen Menschen, die meinen, man wisse ja gar nicht mehr, was man denn nun noch sagen oder tun dürfe und so weiter, sei dieser Text gewidmet. Sagen darf man fast alles, man muss es nur auch richtig meinen. Hashtag youtoo. Bye.

Likes

Ein Schlüsselbein

Wo anfangen. Vielleicht bei der Wärme, die mir sofort von Schritt zu Fuß fiel und auch wieder zurück stieg. Die Wärme oder vielleicht auch die Hitze, die immer und erneut in den Schoß fand und dort groß wurde, schwer wurde, anatomisch wurde. Eine Wolke aus Teilchen und Energie. Fassungslosigkeit ob der Schönheit und Sinnlichkeit dieser, nein, Deiner Anatomie. Fassungslosigkeit, Zauber und natürlich auch Erregung, getrieben bis an den Rand einer Ohnmacht. Luft anhalten weil – eben keine Luft mehr und Menschen verstehen das so nicht. So.

Wie immer zu einer ganz bestimmten Zeit sitze und beobachte ich Dich. Mit einer Genauigkeit, die auch neu ist. Du hast mich des Beobachtens vertiefen gelehrt. Du hast mir eine besondere Tür geöffnet und von dort aus sah ich es, eine Symbiose aus Knochen und Haut. Ich konnte das alles sehen und fragte mich noch, ob das wirklich wahr sein konnte. Ein Stück Schlüsselbein von Dir, das war wie ein Stück Glück für mich. Ein Zufall, ein Zauber, wenn Parallelen bis auf die letzte zeitliche Perfektion plötzlich aufeinandertreffen weil wir uns der Gesetze entheben und plötzlich ein Prisma so bunt wie es nicht zu beschreiben ist – entsteht. Ein Schlüsselbein.

Aber ich sah auch noch anderes an diesem Tag, beispielsweise den dunklen Schatten als Überbleibsel Deiner stets makellos rasierten Haut, Wange und besonders Kinn. Ich stelle mir Dich dann vor, wie Du morgens dich selbst betrachtest, kurz bevor das Ritual beginnt. Was fühlst Du wohl, was siehst Du wohl, die Tiefe und die sanfte Verletzlichkeit, die kantige Perfektion, die ich sehe. Ich hoffe, dass Du das genauso siehst und noch mehr.

Auch dann noch, wenn ich diese Zeilen schreibe: übel vor Liebe, rasend vor Lust, erschöpft vor Ekstase, verzweifelt stehend vor den eigenen Grenzen und daran aber auch rüttelnd. Etwas weiß, dass all das noch nicht realitätskonform ist, aber nicht alle scheint das zu berühren, denn in meinem Kopf und in meinem Herz und in meinem Schoß geht es weiter und weiter und breitet sich aus.

Wie soll es nur werden, wenn ich Dich irgendwann ganz ansehen kann, wenn wir einen Raum gefunden haben, der sich der Gesellschaft entzieht, wo all das möglich ist, das Sehen und Fassen und Lieben, wenn mir doch schon ein winziges Stück von Dir den Schlaf, den Atem, den Verstand, raubt. Allein der Gedanke an Dich als der Mann irgendwann in meiner Hand, in meiner Haut, in meinem Schoß und in der Umarmung lässt mich starr und zugleich stumm zurück. Eine Sprachlosigkeit, die mich im Innern wachsen lässt. Ich würde Dich so gern beobachten. In all Deinen Leben. Nimm mich einfach mit und lass mich Dich beobachten, das größte Glück derzeit in einem utopischen Raum. Sitzen und sehen und staunen. Wem das genug ist, der hat große Fortschritte gemacht und Belohnung verdient. Ich verbleibe damit.

Likes

Wie es geht

Bevor man das Neue bekommt, muss man das Alte loslassen. Nackt sein und frieren und schwitzen und kotzen und heulen und schreien und greifen und strecken und doch.nicht.genügen. Sehnsucht haben. Nach allem und nichts. Unterträgliche, sich wie Kaugummi ziehende, verzweifelte, überlebensgroße Sehnsucht. Voll und auch leer sein. Haare raufen. Sich selbst ohrfeigen und wieder lieben. Im Sturm stehen und ste.hen. Aushalten. Und wenn das vorübergeht, wenn man mit den Füßen aufstampft und herausfordernd schauend immer noch steht, ausgehalten hat, dann, dann kann es los gehen.

Dann kann es los gehen.
Das Leben, welches Mut erfordert.

So, glaub ich, Leute, geht das.
Und ich bin damit auch noch nicht fertig. Hi!

Likes