we are not so few.

My friends and I often find ourselves stuck in discussions with topics like whether life is or isn’t fair, and how different our lives could have been had we grown up surrounded by better circumstances (or so-called “normal” circumstances, which is also worth a discussion, though in our definition, it means simple and genuinely natural things, like a mother and/or father who cares and was able to care.)

Most of my friends and I were confronted with hard stuff from the first years of our lives until now, from addiction, to suicide in our families or close circles of friends, to traumatised or sick family members and transgenerational transfer thereof, to mental illness found in our closest loved ones or in ourselves. And we are all kind of united through that, as well as in thinking that silence about all listed above is a further poison which does not make things undone or like they never happened, but quite the opposite.

What we also became aware of one day is that privilege means more than being white, heterosexual, or so called male sex, namely to have the necessary environment of being able to express yourself and evolve as you were meant to, and where you can do what a child wants and has to do, which is to develop into a healthy and stable grown-up.

Instead, we were busy doing the stuff our parents should have done, fixing family affairs, cutting ourselves loose while slyly watching our (class-) mates do their high school graduation, university, jobs, relationships, marriages family-building AND recognising our big and sometimes unbearable insecurities (and oftentimes undiagnosed mental disorders bc no one in our close enviroment ever took time to do this with and for us, which surely would have also prevented some of these insecurities) at once is that our lives aren’t and haven’t been easy, but we are alive and we do our best to live on, mind- and powerful, sometimes (often, from the outside ;)) chaotically but freely as well.

Because we’re familiar with fighting for our rights and for a life full of values from our first steps.

And we stay different than the majority, often burdened but still kool and full of charm and energy. And we wish that you show some respect and awareness that we are also here and that we’re not so few.

Likes

The ballad of bird and fox

Ein Kind in meinen Armen in der Nacht, und während des Schaukelns zittern mir die Knie. Was, wenn ich es nicht schaffe, dieses Kind sowie mich zu beruhigen.
So, wie es auch nie jemand schaffte, sich oder wenigstens mich zu beruhigen.
Was dann.

They say that we can’t do it.
Let’s prove them wrong tonight

Es ist nicht nur ein wimmerndes Kind, es ist nicht nur ein wütendes Kind, es ist eine Bewährungsprobe. Wimmernd, das Kind, vielleicht aufgrund der Träume, die nachts durch einen viel fantasievolleren Geist jagen, als wir es uns je erträumen könnten. Wütend, weil eigentlich will es doch nichts anderes als schlafen.

Peaceful is the bird in the morning
Grateful is the fox in the evening
Gotta wake ‘em up!
Gotta wake that bird up!
Gotta wake ‘em up!
Gotta wake that fox up!

Ich singe. Und während ich singe, denke ich auch kurz an Dich, der mir stets zu sagen pflegte: Ich glaube schon, dass Du Musik kannst.

So singe ich vom Aufwachen und meine damit Einschlafen. Diese Ambilvalenz, sie ist mir so bekannt, sie ist so voller nicht erstrebenswerter Eintönigkeit, Durchsichtigkeit, dass sie selbst das Kind in meinen Armen erst zum Gähnen und dann zum Einschlafen bringt.

Wie lange stand ich hier, auf diesem Boden, in meinem Leben, und habe mit einem Kind im Arm einen Kampf geführt. Kinder gehören nicht in den Krieg gezogen. Ich habe meine Waffen niedergelegt, und mich friedlich frei getanzt.

Es macht keinen Sinn
Augenränder bis zum Kinn
Mein Körper völlig am Ende doch mein Kopf will grade beginnen

Ein anderer Tag, eine andere Nacht.
Und da sehe ich mich um halb vier Uhr morgens lehnend an der Küchenzeile Knoblauch schälen. Und während ich mir immer wieder sage, dass es darin Sinn geben muss, alles passiert zum Besten, alles passiert zum Besten, denke ich auch: Frieden mit Männern schließen heißt Frieden mit den Männern schließen.
Was mache ich, wenn das stimmt.
Was dann.

Schuldgefühle, die mich in der Mitte auseinanderreißen. Manchmal möchte ich mir die Hände vor das Gesicht legen,
und so weiter leben for ever.

Es wird nie so sein, denke ich, dass Menschen verstehen, was sie nicht verstehen wollen. Endlosschleife. Durchgeschnitten. Mir ein neues Leben eröffnet.

Knoblauch hacken, um viertel vor vier Uhr morgens. Teufelsaustreibung betreiben.
An Indien denken und dann an Dich.
Hold your body, not your breath, sagtest Du. Hold your body, not your breath.

„Ich will Dich nicht anhimmeln, aber es passiert(e). Einfach so. Ich finde Dich so unfassbar spannend.“

Die Zuschreibungen der Anderen sind die Zuschreibungen der Anderen.

Männer sind nicht gleich Männer, hier ist er doch, der erste Beweis. Wieso glaubt der Kopf das nicht.

Nur kann ich auch nicht mehr unfassbar sein, es tut mir weh sogar. Ich bin auf Spannung so sehr, was ich brauche ist in eine Nische legen, bestenfalls aus Mann bestehend.

Hast Du noch Fragen?
Ja, tausende.
Nein, Verzweiflungsgedanken hatte ich heute nicht.

Mann: Wachstum und Willenskraft. Verliebtheit und Verstand. Aggression und Aversion. In meinem Kopf fickt es sich gut.

Mädchen: Was ist denn an dir bitte crazy das würde ich gern mal wissen

Frau: Du lernst immer so Männer kennen. Ich: Ja aber ich bin ja auch so eine Frau.

Konsequenzen ziehen.
Aber doch hoffentlich nicht vermischen, das Kind auf den Armen mit dem Kind aus den Erinnerungen, der Mann von damals mit dem Mann von heute. Von weiter weg sieht man besser, näher dran werden Dinge oft kleiner. Letzteres hast Du mir gesagt und damit Angst gemeint. Aber vielleicht war ich schon zu weit weg, unerreichbar liebend lachend zweifelnd leidend schmerzend auf einer Matratze liegend, mit der Schwester sprechend.

Hat irgendwer nach mir gefragt?
Nein Schwester, niemand.
[atmen, wirklich ruhig]
Es ist doch gut. Ich werde nicht vermisst. Es ist doch gut. Ich werde keine Vermisstenanzeigen aufgeben müssen.
Ich werde nicht gefunden und zurückgeführt werden müssen. Ich werde nicht vermisst. Ich werde mich nicht mehr verstecken müssen. Die Wahrheit ist simpel.

Likes

India.

Dienstag, 11. September 2018.
Tippe an und sage „Was bedeutet ambivalent?“

Wo bin ich.
Welcher Tag ist es. Ist dieser Tag überhaupt heute. Ist heute überhaupt ein Tag. 30 Stunden, soeben noch stand, ging, saß ich neben Dir.
Und auch neben Anderen, so vielen Anderen. 30 Stunden, ein Zug, ein Flug, ein Zimmer. 30 Stunden. Kurzer Schlaf mit langen Unterbrechungen. Good evening, good morning, excuse me, I don‘t know anymore. Ist das ein Tag heute? 30 Stunden. Langer Schlaf mit einer kurzen Unterbrechung.

Wo bin ich.

Nina, where are you.
I want you to come home save so please write me a message and I also want you to know that I’m sad, so sad and I walked down to the market today and I remembered how we walked there yesterday and I miss you a lot, I am sorry.

So sehr bin auch ich verletzt von innen und neben mir, dass ich beim Schreiben nicht einmal mehr das leise Rauschen, das Surren, das Flimmern der Stadt, um 5 Uhr morgens, wie laut kann es denn schon sein, ertragen kann. Alle Fenster zu. Stille.

Frauen in bunten Saris.
Frauen in koolen Jeans, mit kurzen Haaren und Rucksäcken auf Motorrädern. Frauen, die nackt auf den Straßen kauern. Frauen, die auf Toilettenböden sitzen.

Boys auf Motorrädern, die an roten Ampeln auf ihr Smartphone sehen.
Visier hoch, Blick runter.
Wehende Haare und Hemden. Indische Menschen haben so schöne Haare. Doch ich sehe nur die von schönen Männern.

Sowieso Männer.
Männer, die Zeitung lesen, während sie Auto fahren.
Männer, die sorgfältig gewickelte Turbane tragen, in weiß, rot, orange oder pink. Ich, wie ich ebendiese beneide, um die Freiheit, die sie haben, weil sie sie sich einfach nehmen. Einfach nicht nachdenken (müssen) über Kleider- und Haarlänge.

Männer, die lachen.
Männer, die zärtlich zueinander sind.

Manchmal denke ich, nirgendwo hat man mehr Angst vor Zärtlichkeit als in Deutschland.

Auf den Straßen: Menschen, die auf Asphalt liegen. Dort sowie hier.
Arbeiter, die während der Fahrt über die Schnellstraße auf dem Dach der Laster schlafen. Mütter, die ihre Kinder auf dem Schoß halten. Während der Fahrt im Auto, während der Fahrt zu fünft auf einem Motorroller. Kinder, die während der Fahrt auf ebendiesen schlafen. Kinder ohne Halt.

Wäscheleinen, die zwischen riesigen Strommästen gespannt sind.
Elektrokabel, welche die Sicht auf Besserung nehmen.

Autos, Autos, überall Autos. Müdigkeit aus allen Augen, aber niemand hier ist des hupens müde. Und doch finden sich einzelne Aufständische, die es mit einem Aufkleber versuchen, auf dem ein verzweifeltes „PLEASE“ steht, gefolgt von „Do not honk!“

Aber Delhi macht, was es will.

So stehe ich da, ungläubiges und stummes Staunen, und sehe auch den Mann, der über die Straße rennt. Ihm scheint alles egal zu sein. Vielleicht läuft er um sein Leben, um seine Liebe, denke ich, vielleicht ist es das.

„Nina.“ Ja, ich höre Dich, ich höre Dich. „Just go, don‘t you worry, nobody will harm you, you just have to go. Go with the flow.“
Okay, I said, and did so.

Eine Straße überquert und ein Blick auf den Mittelstreifen. Menschen, die da liegen. Kinder, die mit Müll spielen. Nichts (an)habend als winzige Unterhosen. Ein Kleinkind, ein Kleinkind. Soeben erst sitzen und doch schon strahlend lachen können, beim Spiel mit einer leeren Plastikdose. Nudity, dirt, waste, traffic.
Die Mutter, wo ist die Mutter, auch sie liegt und der Blick des Kindes geht zurück zu mir und wie soll ich Dich jetzt zurück ansehen, hm? Sag mir wie. Du siehst älter aus als ich, deswegen frage ich das.
„Nina, I said you should go.“

Zähne mit Mineralwasser putzen.
Schwitzend ins Bett legen, schwitzend einschlafen, schwitzend wach werden, schwitzend wieder aufstehen. Fenster auf: Hitze, Gestank, Autos. Delhi ist so eine Überforderung und dennoch: Ich bin ein wenig verliebt.

Den Ganges überqueren bei Nacht. Eine kurze Pause am Straßenrand. Das Leben hier geht bereits um 5 Uhr morgens wieder los. Oder hat es zuvor gar nicht erst aufgehört?

Hunde streicheln. Frauen, die mir mit Sorge in den Augen zuwinken und Gesten machen, die aussehen wie: Nicht anfassen, diese Hunde beißen. I don‘t think so, I replied, don‘t worry.

Einsteigen, weiterfahren, aussteigen.
Tragen, schwitzen, atmen.
Während Menschen, darunter auch Ich, auf einen Zug warten, holt die Frau neben mir nasse Wäsche aus einer Plastiktüte und wringt Kleidungsstück um Kleidungsstück auf dem Bahnsteig aus. Und sitzt da wirklich ein Affe auf dem Dach eines Zuges und isst Naan-Brot? Was habe ich heute eigentlich gegessen?

Ein Zug, endlich, und eine Fahrt durch verwunschene Landschaften. Raus aus dem Lärm. Rein in die Stille. Und auch hier wieder: das unbedingte Bedürfnis, mich in einen See oder auf ein Feld fallen zu lassen. Stattdessen: ankommen.
Wollte ich das?

What is your name?
My name is Nina.
Oh, Nina.
Nina is actually an Indian name.
Did you know this?
There is a main charakter in a popular online game, and she is called Nina.

What is your name?
My name is Nina.
Oh, Nina.
Nina is actually an Indian name.
Did you know this?
We have an actor here in India. She is very successful and her name is Nina.

What is your name?
My name is Nina.
Oh, Nina.
Nina is actually an Indian name.
Did you know this?
Currently it‘s not that popular, but in my father’s generation it is very much.

Oh, Nina.

„Many women which came here were abused by their stepfathers“, she said.
But I never had any stepfather, hadn‘t I?

Diese Hitze wird immer schlimmer. Der eigene Schweiß immer unerträglicher.
Wo soll ich hin?

Allein sein, allein sein.
Ängste haben. Ängste aushalten. Ängste auskotzen, ausschwitzen.
Wissen, dass auch das vorüber geht.

Nichts, Nichts, Nichts.

Nach so vielen Tagen Nichts ist es an der Zeit, zurück zu Dir zu kehren, beschließe ich, zurück in die Stadt, in der Du wohnst, und Du hasst es doch so sehr, hier zu sein. „Nina, please let me know, when you’re arrived. I’ll meet you there.“

Der letzte Tag ist angebrochen und eben diesen verbringe ich nur noch mit Dir. Hast Du keine Angst, dass man Dich mit mir sieht, frage ich. Nein Nina, habe ich nicht.

Bist Du sicher, dass Du es machen willst, F. Du musst das nicht.
Ja, bin ich.
Bist Du sicher, dass Du es niemandem verraten wirst, Nina?
Ja, bin ich.

Okay, so let’s go.

Ein Markt und Menschen und Schweiß und Geschrei, wunderschöne Farben und alles berührt sich und so etwas habe ich noch nie gesehen. Bist Du sicher, dass Du dahin willst, das hast Du mich zuvor mehrmals gefragt. Ja natürlich, habe ich gesagt. Natürlich bin ich sicher. Und da stehe ich und bin ein Mensch voller Erstaunen und Glück und Du siehst mich an und lachst: „I can’t believe that you are so happy at this place Nina, so happy. I can’t believe it.“

Alle Menschen hier sind herber, aber auch gleichzeitig angstfreier zueinander. So schiebst Du jeden beiseite, der uns im Weg steht. Ich sehe Dich an und Du sagst: „Was. Ich habe ihn nicht geschubst, nur zur Seite geschoben“ und so, wie Du die Menschen berührst, so berührst Du auch mich. Selbstbewusst, zärtlich, leicht und warm.

Ich muss sehr viel Geld verdienen, es ist wirklich sehr wichtig. Geld zu haben ist hier sehr wichtig, sagst Du.
– Du F., sag mal, was ist denn, wenn Du nicht mehr arbeiten kannst, weil du krank bist zum Beispiel.
Dann ist es so, dass Dir Deine Familie some support gibt und falls nicht, stirbst Du eben. Nobody cares.

War ich die Frau, die noch vor kurzem lapidar sagte, Geld sei nicht wichtig?
Das war doch ich, oder?

Mein Kosmos.

Come on, Nina. Don’t you want to drink a cup of Chai with my family. I’d be so pleased.
– I don’t know F., I don’t know. Actually I’m not that good in hanging around with families but that is a long story u know.
Okay, okay, no pressure, no pressure.

Eine leise Rikshah und da sagst Du einen Satz: „You are, but I am not that handsome.“
Das stimmt überhaupt nicht, sage ich, und meine es so.

Am Ende dann eine Umarmung und so viele warme Worte.

Ruhe, Ruhe, zwei Stunden, was soll ich tun. Was sind schon zwei Stunden, gefüllt mit Kummer und Ratlosigkeit. Es sind vier Minusstunden. Stunden, die einen trotz Ruhe nur noch müder machen.

Aufstehen, aufstehen. Wie konnte alles so schnell gehen. Eben stand ich doch noch unter einer warmen Regendecke and thought about you and all those messages, full of love in one of it’s diverse performances you were sending to me and btw what does this weather do to my hair.

Oh my.

Maybe this is also the reason why there is love over love in your letter?
Das Wetter macht meine Haare schön.

Ja, ja, ich komme ja schon, keine Sorge. Bitte, Danke. Ja. Danke sehr.

Und dann der erste Schritt raus auf diese Straße, immer noch ist es Nacht, oder ist es wieder Nacht? Ich weiß es nicht. Was ich jedoch ganz genau weiß, ist, dass Du erstmalig nicht wie sonst immer und sogar wenige Stunden zuvor noch genau dort auf mich wartetest. Heimlich und immer dann, als sich unsere Blicke trafen, kehrtest Du mir für kurze Minuten den Rücken zu, und ich folgte Dir, bis wir uns in ein Netz aus Anonymität fallen ließen.

All those streets that we‘re walking are empty now. Empty streets, full of waste. Only cats and dogs were searching for a tiny piece of luck, however that may look like. Was this the place we left behind?

Ich erinnere mich an den ersten Moment, als wir uns sahen. Wie Du dort standest, als hättest Du nur auf mich gewartet, und das hast Du ja auch.
– I wish you’d be the one who‘d bring me to the airport, I type.

Nina, Nina.
Where are you now. I couldn‘t get some sleep. I think I should come to the airport now.
No, please not, please not.
Please don’t stop me.
Please don’t come. Please not, please not.

Okay Nina, okay. Whatever you want, I will accept it.

Let’s play a lovegame, play a lovegame, cause we like it so much.

Wieder mal ankommen, ohne da zu sein. Der letzte Tag ist fast vorüber, und da stehe ich also, mit allen Anderen, und trage ein Geheimnis mit mir herum. Keiner sieht es, nur ich fühle die Vibration, message for message. Love and appreciation too. Ich lache in mich hinein, füttere das Geheimnis, welches in mir wächst. Menschen lächeln mich an. Indische Menschen haben so schöne Haare.

Where are you now. I couldn‘t get some sleep. I think I should come to the airport now.
No, please not, please not.

Einsteigen, Platz nehmen.
Da ist kein Weg mehr zurück.

Ich erinnere mich an den Hinflug. Ich, chipsessend auf boarding wartend. Ich, wie ich beim Aufziehen meines Rucksacks fast den gesamten Inhalt auf dem Boden verteile. Do you need help, a friendly looking woman asked. No, I replied, I only look like this. Ein Flugbegleiter, der beide Daumen nach oben hält und „Super“ sagt, als ich auf die Frage „Angeschnallt?“ mit „Ja“ antworte und mein Gefühl daraufhin: kindlicher Stolz. Ich habe so viel nachzuholen. Ein Sitznachbar und Ingenieur, der zur Begrüßung „Na, Sie haben ja Glück“ sagt und damit meinen Sitzplatz meint, den ich mir zuvor selbst aussuchte. Mein Gefühl daraufhin: kindlicher Stolz. Ich habe so viel nachzuholen. Der Ingenieur erzählt mir viel über das Land, welchem wir uns gemeinsam nähern und welches er alle drei Monate bereist. Später wird er fast fürsorglich fragen: „Konnten Sie etwas schlafen?“

Der Rückflug: Ein Rumms und da sitzen Sie. „I think that’s your’s.“ Ich nicke und sage: Oh. Thanks. Auch sagen Sie: Man man man und man ey und Sie atmen schwer, so schwer. Ich sehe Sie an aber Sie sehen auf den Boden. „Endlich nach Hause“, sagen Sie zu Ihrem Mitreisenden. „Endlich wieder Fleisch essen. Endlich wieder normale Menschen sehen.“ Und am Ende sagen Sie: „Guck mal, wie schön, die Sonne in Deutschland. Meine Sonne.“

Wissen Sie denn nicht, dass es nur eine Sonne gibt? Wissen Sie es vielleicht wirklich nicht? Wir alle leben nur von einer Sonne. Dies ist eine Metapher gegen alles rechts von mir.

So viele Reisemöglichkeiten, wie viele Rikshas, Autos, Bahnsteige, Flugplätze habe ich heute gesehen? Kann man von heute sprechen, wenn ein Unterwegssein länger als einen Tag dauert? Menschen, Menschen, die aus einer Tür herauskommen. Und eine Frau, die im Rahmen stehen bleibt, mit ihrem großen Koffer und viel Ratlosigkeit in den schwachen Armen. Mit einem beherzten Griff packt die vor mir stehende Frau den Koffer, aber die alte Dame hält fest. „Sie müssen loslassen!, Sie müssen loslassen!“, rufen die Menschen der älteren Dame zu. Ja, genau, loslassen, denke ich, aber diese lässt nicht los. So zieht man sie eben gemeinsam mit dem Gepäck aus dem Zug heraus. Halleluja. Festhalten hilft nicht.

Nina, where are you. I want you to come home save so please write me a message and I also want you to know that I’m sad, so sad. I walked down to the market today and I remember how we walked there yesterday and I miss you a lot, I am sorry.

-Don’t you remember, F., we spent so many hours at the market, in Riskhas and cars, drank tea und ate candies, don’t you remember and don’t you forget. That was a present to you and to me, we should appreciate.

I know, I know, it will get better in a few days, I know.

Die Absicht bzgl. India war auch die, etwas dort zu lassen.
Die Absicht bzgl. India war auch die, etwas mitzunehmen.

Was denn jetzt, Frau.

Thank you, thank you, India

Likes

Du hast mir so viel gezeigt. Und ich mir erst: 50 – 58

50

Meine Beine, nackt, wie sie sind. Vernarbt und ein wenig verliebt und nicht sehr straff, ein wenig nur, auch das. Diese Beine umarmen Dein Äußeres. Bist Du mehr als das? Bist Du (noch) da? Wirklich? Und manchmal, glaube ich, lege ich kurz das Kinn auf meine Hände, die widerum auf Deinen Schultern ruhen. Das erste Mal also, seitdem ich mit Dir zusammen bin, kann ich meine Nähe fließen lassen. Fast, fast. Ich weiß nicht mehr, was es dabei berührt. Aber Moment, das ist ja fast das Ende einer Geschichte. Als hätte ich es bereits vorher gewusst, begann ich mit dem Ende dieser Geschichte.

51

Ok, lass uns ein Stück laufen, ok? Ein Stück, vielleicht zu dem Fluss, mit Proviant?
Gut, meine ich.
Welches Proviant magst Du. Ich würde sagen, wir besorgen dort etwas. Und ich sehe nicht, wohin Dein Finger zeigt, aber es ist auch nicht wichtig, denn: Ich weiß nicht, sage ich, mir ist alles zu viel.
Ok, sagst Du, wir laufen einfach, and I ask myself: Sind wir nicht genug Proviant?
Müssen wir weit laufen?, frage ich, warum frage ich das. Laufen kommt meinem Zustand entgegen.
Ich würde vorschlagen, wir nehmen diesen Bus hier, sagst Du, als der Mann, der oft gute Lösungen hat.
Ich weiß nicht, mir ist alles zu viel, antworte ich.
Ok, schon gut, wir laufen, sagst Du, als der Mann, der oft simples Verständnis hat.

Eine Brücke, eine Straße, was ist denn. Wenn ich könnte, aber ich kann noch nicht, denn noch lerne ich, aber wenn ich schon könnte, so hätte ich dich kurz am Arm gefasst und das Tempo raus genommen und gefragt „Was ist denn?“, aber eventuell war das auch nur ich, die nicht wusste, was war.

Ein Schluck Wasser.
Darf ich auch einen Schluck.
Ja, natürlich
Oh, Du hast Durst, sage ich.
Du siehst mir zu, während Du trinkst. Und ich wünschte, ich könnte das genau so, Dir zusehen und wichtiger noch: mich ansehen lassen. Bin ich verwirrt oder verlegen oder nur schüchtern wie es heißt

„Ich kann kaum sprechen“, sagst Du
„Ja, das verstehe ich“, sage ich und dann: “Du hättest absagen können, ich hätte es sehr verstanden. Aber jetzt, jetzt bin ich hier und ich habe viel zu sagen und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Willst Du vielleicht beginnen?“
„Nein, nein“, sagst Du, „red‘ bitte weiter.“
Und so rede ich weiter.
Vielleicht habe ich zu klar gesprochen, aber aufhalten konntest Du mich auch nicht mehr.
So weit weg warst Du bereits, vielleicht schon in anderen Armen.
„Nein, nein“, sagst Du wieder, „so ist es nicht.“
„Ok, aber wie dann.“

Ich verstehe nicht, was Du sagst. Wer von uns beiden hat sich was vorgemacht?
Du weichst mir aus, Du weichst Dir aus. Das ist es. Oder bin ich nur überheblich und eigentlich diejenige, die ausweicht, Dir und mir. Du kannst Dich nicht so für mich entscheiden, wie ich mich für Dich entscheiden könnte, und ich meine damit nur einen Moment, wer kann schon wissen, wo wir morgen sind, aber Du scheinst es nicht zu verstehen, und ich scheine es ebenso nicht zu verstehen. Gut, sage ich, dann beschließe ich mich eben: Das ist mir nicht genug.

Dann war Stille und die Sonne schien und alle anderen gingen mit Proviant in einen Park und alle anderen waren glücklich, nur wir nicht. Oder vielleicht waren wir es doch?

So stand ich da, broken heart disease ganz plötzlich, erstickt an meinen eigenen Worten, alle sind glücklich, nur wir nicht, alle sind glücklich, nur wir nicht, merkte ich es dann selbst: „Ich kriege keine Luft mehr“, sagte ich, und streckte die Hände in Richtung Himmel, „ich bin kurzatmig jetzt.”

Du bist so couragiert, sagst Du. Wenig später wird das Mädchen zu mir sagen: Das hat noch nie ein Mann zu mir gesagt.

Brauchst Du einen Rucksack für Deine Reise?, fragst Du. Was soll das heißen, einen Rucksack, Ich so zu mir. Ich trage doch einen Rucksack. Siehst Du ihn nicht.
Ich habe einen, in den einige Kilogramm passen. Du musst wissen, was Deine Prioritäten sind, sagst Du.
Ist das eine Metapher, frage ich mich. Brauchst Du einen kleinen Koffer, antwortest Du, so einen habe ich auch. Du kannst ihn Dir gleich ansehen. Ich kriege so schlecht Luft. Sag mir, wie kann ich atmen.

So!, sagst Du, und zählst mit mir beim Einatmen 1 2 3 4 und beim Ausatmen 1 2 3 4 5 6.

Dann ist es wie immer eine Grenze, die es zu überwinden gilt, und ich kann gut klettern, aber nicht in Sandalen, die kein Profil haben. Und wie damals gingst Du vor und ich ließ mich einfach auf Deine Haut fallen, weil es ja auch keine Alternative gab und die Sandalen rutschten zuverlässig, im Supermarkt mit Einkaufswagen macht das besonders viel Spaß, aber das hier, das war kein Einkauf und Du, Du warst zwar stabil, aber nicht aus Stahl und auch nicht direkt kalt, eher lebendig und flexibel aber nein, Du warst kein Fels, an dem ich lehnte. Und ich lachte ganz, ganz leise in mich hinein, während ich mir beim Boden verlieren zusah, ich mag es, wenn das Schicksal seine Größe zeigt. Aber eigentlich war ich mehr ruhig und Du warst es auch. Es war wie damals.

Und irgendwann sind wir da. Und ich weiß gar nicht: Ergibt es noch Sinn, hier zu sein. Vielleicht denkst Du das Gleiche, denke ich, und Du beginnst zu laufen und zu sammeln und ich beginne zu sitzen und auszupacken. Sind wir ein Klischee am Fluss? Ich will es auch noch nicht wahrhaben, es ist vielleicht das letzte Mal, dass Du Feuer machst und ich Dir dabei zusehe. Ich lege mich, ich lege mich, ich kann Dir dabei nicht zusehen, solch ein Trauerspiel, aber am Ende, da kann ich auch nicht widerstehen. So, als hätte mich eine Panik ergriffen, so setze ich mich und beginne mit der Genauigkeit, die ich durch einen anderen Mann lernte, zu beobachten. Jedes Sandkorn, jeden Handgriff und jeden Atemstoß sehe ich. Ich sehe, wie Du alles zusammenlegst, auch die großen Baumstämme und es sieht elegant aus für mich und es ist auch souverän, wie Du diese nur ein einziges Mal und langsam und kraftvoll zugleich auf die Felsen schlägst, die vor Dir Platz nahmen. Und als ob das Holz Deine Sprache spräche, zerfällt es in zwei gleiche Teile, lässt es sich spalten, ohne Gegenwehr, fast, als wäre es Dir dafür noch dankbar, lässt es sich in Dein Nest tragen, welches doch Eliminierung bedeutet. Eliminierung. Wieso bist Du dabei so souverän. Seht ihr es denn nicht, möchte ich fast warnend flüstern, aber ich sitze wie gebannt in der Beobachtung, einer Lähmung verfallen. Und ihr wollt mir erzählen, telepathiere ich, ihr hättet Jahreszeit um Jahreszeit Naturgewalten standgehalten, dem Wind, dem Regen, der gnadenlosen Hitze? Und einmal fallt ihr in sanfte Hände und gebt nach. Ich weiß, wovon ich rede, denn auch ich kenne Naturgewalten und auch ich bin in sanfte Hände gefallen, und doch gab ich so schnell nicht nach. Ich habe wenigstens noch um mein Leben gekämpft und mich zu beherrschen versucht. Es ist ein Verrat, beschließe ich. Ihr seid verräterisch und dafür werdet ihr jetzt brennen.

„Feuer?“ fragst Du.
„Feuer“, sage und reiche ich. Ich kann auch souverän sein, denke ich. Seit wann machst Du Feuer mit einem herkömmlichen Anzünder. So nachlässig, wo sind Deine Kräfte hin. Bist Du wirklich so ausgemergelt. Und nur so schnell, wie ich auch sehen konnte, ergaben Feuer und Feuer Feuer. Und so schnell saßen wir vor unserem Kind und bestaunten es. Und es leuchtete und wärmte auch. Wir waren zu Eltern geworden und ich weinte weil der Rauch.

“Erzähl doch mal“, sagst Du. Ich weiß nicht, antworte ich, es ist nicht die spannendste Geschichte der letzten vier Wochen. „Doch, ist sie“, sagst Du, und ich verstehe schon, das hätte mich verführen können, wäre es die Wahrheit gewesen, aber vielleicht verstehst Du nicht: Ich bin anspruchsvoller als Du glaubst, ich säße sonst nicht mit Dir hier, Metaebene, und auch bin ich nicht mehr die Frau, die Nein sagt und Ja meint. Und hättest Du gewusst, welches die spannendste Geschichte der letzten vier Wochen gewesen ist, es hätte Dich bestimmt beeindruckt und gereizt und auseinandergezogen, aber wahrscheinlich hätte es Dir auch nur noch mehr Angst gemacht. Und so erzähle ich Dir nicht die spannendste Geschichte, sondern die, welche Du für die Spannendste hältst und um welche Du batst.

Ich will Dir nicht zu nahe treten, so beginnst Du Deinen Ratschlag kundzutun, oder ist es vielleicht auch nur eine Meinung, weißt Du, sagst Du, wenn Kinder plötzlich die Rolle der Eltern übernehmen und die Eltern sie so behandeln, beispielsweise, als wären sie Erwachsene, stell Dir vor, sogar so, als wären es ihre Partner, sind es dennoch Kinder. Sie werden immer Kinder bleiben, so sehr Du dir auch wünschst, dass sie Erwachsene wären, aber das sind sie nicht. Sie bleiben Kinder. Sie bleiben Kinder. Es ist so.“

52

Meine Schwester, meine Schwester, sage ich nur einen Tag später, sitzend auf dem Boden, woanders kann ich nicht bestehen, versteh es doch. Sie werden immer Kinder bleiben, so sehr Du dir auch wünschst, dass sie Erwachsene wären, aber das sind sie nicht. Sie bleiben Kinder. Sie bleiben Kinder, es ist so. Lass ruhen den Stein, er trifft Dein eigenes Haupt, und während ich das singe, fange ich an zu weinen, in das Telefon hinein. Es wird kaputt gehen, es wird ertrinken, denke ich, so, wie wir bereits ertrunken sind. Schwester, Schwester, sagst Du, wieso weinst Du denn. Es ist nicht meine Idee sage ich, die Idee, sie ist von ihm. Sie hat mich gelöst. Es war seine letzte Idee für mich. Sie war nicht schlecht. Es tut mir so leid, sagt die Schwester. Ja, mir auch für Dich, sage ich.

53

Wir laufen, wir laufen. Und plötzlich ist da dieser Hund und er knurrt und er bellt. Was will er uns sagen. Will er uns aufhalten. Laufen wir in verkehrte Richtungen? Was machen wir falsch, so sag es doch. Normalerweise, das heißt, wenn Du nicht bei mir gewesen wärst, ich hätte mich zu dem Hund gelegt und ich bin sicher, er hätte sich von mir beruhigen lassen. Ich kann bellende Hunde beruhigen. Ich kann ihnen über den Kopf streicheln, auch, wenn sie bellen. Aber ich war ja selbst so aufgelöst. Ich war ja selbst so unsicher. Ich hätte mit einem Kniefall alles nur noch schlimmer gemacht und nicht mal mehr der Hund hätte mich verstanden. Ich hätte alles nur noch schlimmer gemacht, denn dann hättest Du gesehen, dass ich nichtmal mehr das kann.

54

SMS-Verlauf

Ich weiß, ich weiß. Aber immer vage, Hauptsache vage. Angst ist das. Vielleicht habe ich es aber auch nur nicht verstanden. Was denkst Du, verstehe ich Dinge nicht? –
Ja, alles passiert zum Besten, ich weiß. Wer nicht bleiben will, muss gehen gelassen werden.

55

Wir kannst Du nur so sein, möchte ich wissen. Hast Du es erlernt, möchte ich wissen. Hat man dir so die Liebe gezeigt. Ja, sagst Du, aber das war früher. In die Stille hinein denke ich es: Nein, es ist heute, siehst Du es nicht. Und wäre der Raum für Dich möglich gewesen, ich hätte meine Hände vor das Gesicht geschlagen und Deine Tränen geweint.
Aber ich wollte Dir nicht zu nahe treten.

Eine Fahrt durch die Stadt und ich glaube, Du lachst. Ich kann Dich mit meinen Armen berühren, wieso kann ich das plötzlich. Und dann sind wir da, endlich und auch unglücklicherweise.

Du bist wie manchmal nur schneller mit allem.

„Hier“, sagst Du, als ob Du wüsstest, was es für mich als Linkshänderin bedeutet, einen Helm zu öffnen, der für die Mehrheit gemacht ist. Du siehst mich an und hilfst mir nicht wie beim letzten Mal. Du siehst mich nur an und sagst mit einer ruhigen Stimme, die mir neu und so vertraut auch ist: Es gibt eine Art Gurt, daran musst Du ziehen. Ich mache das genau so, wie Du es sagst, und bin frei. Isn‘t it ironic.

It is and it is not, all at once.
For it isn‘t just because I trust in practical things you say. You are one of few men who can manage an aspiring daily life. Who can start and put out a fire at the same time? That‘s why I was lying without fear in the field, while the fire took slowly over the place. „Do you have control over it?“, I asked. „I have“, you replied and I lay down again, and neither my backpack or my feet didn‘t asked What if all the people are right and as soon as you can even understand something everything will burn and with everything you‘ll burn. And it‘s meant as an image, at least regarding the sentence before the second last. However. It was you who showed me how to put out a safety helmet. However.

56

So schleppe ich mich selbst neben Dir und zähle die Stunden, die ich bereits wach bin. Es sind zu viele. „Ich muss jetzt hier hoch“, sage ich und zeige auf ein Schild mit der Nummer 5. Habe ich ein Deja vu? „Ich möchte da allein hoch gehen“, sage ich. Ich habe ein Deja vu.
„Was ist, wenn ich Dich einfach nach oben begleite?“
„Ich bitte Dich, das zu respektieren“, sage ich.
„Ok, ok, gut“, sagst Du.
Und da breite ich meine Arme aus oder warst es Du, der sagte: Muss das sein?
Beides würde passen, zu Dir, zu mir.
Meine Bereitwilligkeit, die vielen Arme um Dich und Deinen Körper zu legen und Deine Bereitwilligkeit, ein Ja und Nein aus einem Mund gleichzeitig heraus zu sprechen. Muss das sein. Ja, sage ich, und umarme Dich mit der letzten Kraft, die ich noch habe. Sie ist nicht sehr stark, aber sie ist da.

Under normal circumstances, ich hätte meine Hände vielleicht kurz in Deinen Nacken gelegt. Denn jetzt, als es irgendwie vorbei war, fühlte ich mich freier. Als bräuchte ich mich nicht mehr zurückhalten, weil ich es ja sagte: Keine Angst, ich lasse Dich gehen. Vielleicht, wäre die Kraft nur ein wenig mehr da gewesen, hätte ich auch noch Deine Arme angefasst. Deine Arme. Ich weiß gar nicht, wie ist sie, Deine Haut. Kalt oder warm. Ich weiß es nicht. Dabei hattest Du es mir noch angeboten. Oder hattest Du es eigentlich nur Dir angeboten? Und ganz, ganz eventuell, wenn das mit den Armen in Ordnung gewesen wäre, hätte ich beide Hände an Deine Wange Wange gelegt, ich hätte gesagt. Danke sehr, danke sehr, ich konnte wachsen, ich konnte reifen, danke sehr, mit Dir als Medium konnte ich so viel über mich selbst lernen, einen Vorgeschmack konnte ich erhalten, auf das, zu was ich fähig bin, wenn da nur jemand sitzt, der ebenso fähig und bereit ist. Danke sehr, auch wenn ich nicht lieben konnte, ich konnte wachsen, ich konnte reifen und ist das nicht irgendwie das Gleiche wie lieben. Danke sehr.

Und leider weiß ich gar nicht mehr, was wir wirklich sagten, während wir da so kurz umarmt standen, so sehr hatte ich schon einen Schutzwall gebaut, ich habe nichts mehr gehört und gesehen und vor allem nicht gerochen oder gefühlt, aber ich glaube, irgendwas sagten wir. Ich erinnere nur noch deine letzten Worte zum Abschied, wie immer ein wenig charmant und ironisch. Aber da sehe ich mich schon gehen. Zwei Stufen auf einmal, als könnte ich nicht schnell genug von Dir weg kommen. Ich habe mich nicht umgedreht, ich habe das noch nie gemacht.

Was ist mit Dir, bist Du stehengeblieben. Ich werde es nie mehr wissen. Aber ich kann leben damit. Es hätte ja nichts geändert. Noch mehr Schritte auf Dich zumachen, während Du stehen bleibst, ich hätte das wohl nicht verkraftet.

Und da bin ich schon. Menschen, Menschen, noch nicht, aber langsam, langsam, und ich bin müde, so müde, aber ein bisschen bin ich bei mir. Ein Foto habe ich dann von mir gemacht. Dieser Abend, meine Erschöpfung, meine Schwäche und meine Stärke, meine Sprachlosigkeit, alles soll mir in Erinnerung bleiben. So sehe ich aus, wenn ein Kampf vorbei ist, wenn etwas verloren und etwas gewonnen wurde.

Der Weg zurück dann auf den Beinen. Männer schauen mich an. Was denn.
Der Weg nach Haus ist so unglaublich lang. Relativitätstheorie. Einstein. Jüdisches Leben. Ist heute Schabbat. Ich weiß es nicht.

Ein guter Mann. So heißen Playlist, Ordner und Notizvorlagen zu Dir. Ein guter Mann. Gute Menschen lassen gute Menschen ziehen, wenn sie es nicht mehr gut meinen mit einem. Wenn Sie weiter ziehen wollen, müssen. Ein guter Mann geht seinen Weg, eine gute Frau geht ihren.

57

Slip inside the eye of your mind
Don’t you know you might find
A better place to play

58

Eine Playlist

1
2
3
4
5
6 Uhr, habe ich geschlafen. Bin ich ins Bett gekommen. 6 Uhr, ich kann es nicht fassen. Wie ich aufwache und das erste, was meine Sinne vernehmen, ist Feuer. Feuer in meinen Haaren, in meiner Unterwäsche, in meinen Händen. Selbst mein Bett, es brennt. Und als wäre das der rettende Instinkt, fällt Wasser aus den Augen auf all die Laken, wir löschen jetzt, sagt jemand. Aber es ist vergebens. Salzwasser, das hilft bei anderen Dingen, aber doch nicht bei einem Brand. Halt es zurück, es wird schlimmer.

Wie kann ich aufstehen. Wie kann ich aufstehen.

Du kannst aufstehen, weil Du weißt, es gibt Menschen, denen geht es so viel schlechter als Dir. So kannst Du aufstehen. Tür zu, Wasser, Wasser, wieder ein Löschzug.
Essen?
Es ist vielleicht unangemessen, aber zu arbeiten jetzt ist es ja auch. Nachrichten, Nachrichten. Auch hier: Es gibt Menschen, denen geht es so viel schlechter als Dir.

Wenige Stunden später, sitzend in einem Hausflur, finden Sie das komisch? „Und dann haben sie mich an der deutsch-niederländischen Grenze erwischt. Mit sieben Kilo K***. Und dann ging‘s bergab. Das war 1992.“

Wie sehr ist bergab, wenn es seit 1992 geht. Ich rechne.

„Ich verstehe“, sage ich dann und schweige erstmal. So sitzen wir da, im Hausflur einer Arztpraxis. Und immer, wenn neue Erkrankte kommen, fragen sie mit erstickten Gesichtern: Oh. Ist noch geschlossen?

Nein, eigentlich sitzen wir hier aufgrund einer Angststörung, ausnahmsweise mal nicht meiner eigenen. Denn jemand anders kann nicht mehr allein das Haus verlassen und im Wartezimmer mit anderen Menschen, das geht schonmal gar nicht, es sind schließlich Menschen. Ist doch klar, macht doch mal die Augen auf, denke ich. Jemand, der neben mir sitzt, sagt: „Nein, wir sitzen nur so hier / dort drinnen ist es mir zu voll, zu warm, zu viel. So gehen Sie doch bitte hinein.“ An mich gewandt sagt Jemand: „Ich wünschte, ich wäre unsichtbar.“ „Ja”, sage ich, “das verstehe ich sehr gut.”

10 Uhr und schon ist alles vorbei.

Was ist mit ihm los, was stimmt nicht mit ihm. Ich sehe es doch. Ist es die Unruhe, schon wieder? Von einem Raum zum nächsten, so stützen sich 91 Jahre von Raum zu Raum und suchen Halt. Ich bin 31 Jahre alt und suche Halt. Sind wir wirklich so unterschiedlich?

91 Jahre, langsam, langsam, aber entschlossen und immer wieder kehrend.
Du sprichst nicht klar, sagte ich zuvor. Wie kannst Du die anderen so abwerten, nur, weil sie nicht Deiner Meinung sind. „In meinem Leben habe ich dreimal mit nichts als einem Rucksack angefangen, nichts hatte ich mehr, nichts! Ich war Flüchtling, Kind. Und alles habe ich allein geschafft, vergiss das nicht!“, sagt er, als er mich ermahnt. Und ich denke: Was hat das ausgerechnet jetzt damit zu tun?, und gehe trotzdem auf Dich ein. „Meinst Du denn wirklich, Du wärst heute der Vater, der Du bist, hättest Du nicht die Frau, welche Dich und Deinen Rucksack in die Arme schloss.“ Und das Gespräch kann er gerade nicht weiter führen. Aber wieder kommt er, das hat er gesagt. Die Unruhe, immer diese Unruhe. Ist es Dein letzter Kampf. Und welchen Kampf führe ich hier. „Der läuft wieder weg“, sagst Du, welche die Mutter aller Mütter für mich ist, weil sie nie an wen anders als an ihre Kinder dachte. Eine Mutter. Vielleicht kämpfe ich ihren Kampf. Ich halte mir die Hände vor den Mund, wahrer wird’s heute nicht mehr. Ich sehe sie erst nur an und meine Blicke, sie sagen es. Sie sagen: Noch nie habe ich Dich so nachdrücklich sprechen hören. Was ist passiert.
Wovor denn, frage ich.
Vor allem und seit immer höre ich Dich sagen.

Dass ich mich nicht übergab an diesem Morgen, in die Keramikschüssel, in die ich den noch warmen Kaffeefilter legte und gleichzeitig meine Hände stützte, dass ich mich nicht übergab vor Erschöpfung und vor Offenbarung, das war fast ein Wunder.

Und als ich das denke, stehst Du wieder da. „Ich finde es nicht richtig, dass Du allein verreist!“, sagst Du nun schon zum zweiten Mal, wie jedes Jahr. „Ja, ich weiß“, sage ich wie jedes Jahr und wenn Du könntest, würdest Du mich zurückhalten, ich weiß. „Ich bin so froh, wenn Du wieder zurück bist“, sagt sie wie jedes Jahr. „Ja“, sage ich, wie jedes Jahr. So sitzen wir da, und wie seit jeher messen wir unseren Blutdruck, immer der Reihe nach. Was für ein seltsames Ritual. 160 zu 121. „Das kann doch nicht“, sage ich an die Mutter aller Mütter gewandt. Denn ich war immer besonders stolz auf meinen konstant angemessenen Blutdruck. Kann es das Herz sein, welches brach, kann es das wirklich sein? Oder ist es die Rebellion in mir: Keiner von Euch nimmt mir mehr meine Freiheit. „Halt den Mund dabei“, sagen 91 Jahre und manchmal, nicht mehr oft, aber manchmal muss ich über die Art, wie Du sprichst, in mich hinein lachen. Ich weiß ja, wie Du es eigentlich meinst. Ich antworte also nicht und messe erneut und nehme nun auch den anderen Arm. 91 Jahre lassen sich fallen und sagen: Das Leben ist so kurz und trotzdem so lang. 121 zu 72.

57

Ich sage alles ab, wenn Du das willst
Ich bin so fertig, antworte ich, ich kann gar nichts mehr. Meine Augen fallen aus meinem Kopf heraus, so schwer sind sie. „Keine Panik“, sagt das Mädchen. Ich stehe auf, ich schäle mich heraus hier und sehe plötzlich mein eigenes Spiegelbild, es ist so viel schlimmer als am Abend zuvor. Aber auch irgendwie schön, weil es so echt dabei ist und denkt: Niemand kommt mich heute mehr besuchen.

Ich sage alles für Dich ab, das höre ich auch Dich sagen.
Nein, danke, wofür denn.
Ok, na gut. Aber Samstag, Samstag kommst Du? Alle freuen sich auf dich.
Samstag Samstag, wo ist da der Mann mit dem Feuer, in welcher Stadt, in welchem Land, wie auch immer, nicht da und egal ja eigentlich.
Mit „Alle“, meinst Du da Menschen?
Oh es tut mir so leid.
Und da weine ich.
Oh es tut mir so leid.
Ich weine nicht nur wegen mir, ich weine auch wegen ihm.
Ich weiß, sagst Du, ich weiß. Und: Ich bin schon auf Deiner Straße, ich kann es schon lesen, das Straßenschild. Da wohnst Du Frau, dort wohnst Du. Möchtest Du denn keinen Besuch.

Nein. Ich möchte keinen Besuch. Zitronenwasser. Überleben.
Morgen ist es vorbei. There is no static atom.

Sometimes I wish I could feel lighter.
But then I wouldn’t be a writer.

Likes

Das Mädchen: Planeten und Tomaten

Lohnt es sich, aufzustehen?, frage ich. Mädchen sei ehrlich, sage ich.
Ja, meint das Mädchen und ergänzt: Aber den Mars, den hab ich noch nicht entdeckt.
Ich stehe auf und sehe den verdeckten Mond und sage: Da ist er doch.
Wer. Na der Mars. Was. Ja. Wo. Na da. Komm mal zu mir rüber. Oh wow, da ist er, tatsächlich. Wow. Toll.

Stille gefüllt mit Staunen und Kaugeräuschen. Wie Tomaten klingen, wenn man sie zerbeißt.

Wie ist das denn jetzt nochmal, fragt das Mädchen, wenn die Erde und der Mond und die Sonne… Und ist die Erde oder die Sonne so groß wie der Mond oder spielt das keine Rolle weil ja eigentlich alles nur angestrahlt wird und Projektion ist wenn…
“Oh Mädchen nicht, alles ist so weit weg, ich komme da nicht mit jetzt, weiter als hier komme ich heute nicht.”

So lehne ich an einer warmen Hauswand, vor mir, auf dem Dachtisch, eine große Schüssel Tomatensalat. Seit wann esse ich so etwas? Seit es das Mädchen gibt?

„Denkst Du eigentlich daran, dass wenn Du A. morgen triffst, Du heute Knoblauch gegessen hast?“
Nee, meint das Mädchen, und nimmt den Blick nicht von der Linse.
Ok, sage ich, weil ich schon.

„Guck mal“, sagt das Mädchen und nimmt kurz den Blick vom Mond und sieht zu mir und meint mit einem schelmischen Lächeln und funkelnden Blick: „Guck mal wie spannend das sein kann, trotzdem es so langsam ist, ne?“

Dann lacht das Mädchen richtig herzlich und dann lachen wir beide richtig herzlich.
Diebische Freude. Wie schön wir sind.
Und obwohl ich alles verstanden habe frage ich mich doch: worüber lachen wir denn eigentlich?

Ach egal, denn die Hauptsache ist, wir lachen. Auf den Dächern dieser Stadt. Verführt von einer Sommernacht und Asphalt. Und aufgrund einer Metapher, wie sie im Buche steht, läuft mir vor lauter Lachen Vinaigrette aus dem Mund heraus. Kurz darauf hatten wir uns aber auch wieder beruhigt, keine Angst, wir sind nicht immer so laut, denke ich.

Dann dachte ich, ich möchte anfangen, Männern eine Chance zu geben und ich möchte anfangen, Tomaten zu essen und das Mädchen dachte, wieso kriege ich das Bild nicht so hin, wie ich es möchte, habe ich mich umsonst professionalisiert oder wie.

Echt lecker Mädchen, echt lecker, lobe ich, danke. Ja ja schon gut antwortet es und guckt und staunt und versucht wirklich alles, was da oben passiert, fotografisch einzufangen. Einfangen. Darf man das?

Guck mal!, sagt das Mädchen und zeigt mit dem Finger in den Himmel.
Ein Wetterlicht, ein Wetterlicht. Ein Wetterlicht? Was ist das denn?
Es ist orange! Orange!

Ja, da staune ich auch, das gebe ich zu.
Es ist wirklich sehr schön und kurz halte ich auch die Luft an.
Da sagt das Mädchen: Alles ist orange, das ist ja sehr verwirrend ne.

Meine Tomaten und dieser Sud übrigens, sind auch orange, antworte ich, wenn man es mal so betrachtet. Und das sehen wir so, wie es jetzt ist, auch niemals mehr im Leben. Also ich sage das nur so von wegen down to earth oder Kirche im Dorf it’s always a question of perception.
Naja.

Kurz zuvor saßen Mädchen und ich noch auf einer Couch, ich die Beine weit von allem gestreckt. Und das Mädchen, das war ganz aufgeregt bzgl. der anstehenden Sache regarding sky full of stars. Hin und her ging es, von Dach zu Küche zu Dach und ich war so überfordert und aus der Balance, dass ich nicht sicher war, ob ich 5 Minuten oder 5 Stunden bleiben könnte, auf das Dach steigen oder nur liegen bleiben könnte. Da jedenfalls sagte das Mädchen: „Ich kann mir einen Sommer ohne Tomaten nicht vorstellen.“

Likes