Einigkeit und Recht und Freiheit

Alles ist erleuchtet.
Tatsächlich.

Lieber allein einsam als mit der Familie einsam dachte ich dann so,
bei Abendbrot und Tee.

Alles ist erleuchtet.
Tatsächlich.

Und das wird auch Mann A das erste Jahr in Freiheit sehen können und wer weiß, vielleicht wird er es ja versuchen, aber keine Chance, keine Chance.

Mann B – man ist sich noch unschlüssig. Jedoch sehr wahrscheinlich ist, dass Mann B zu spät zum Feste kommen wird, unter der großen Jacke für Alternative wird er möglicherweise ein Geschenk wissen, eins für die Schwester und nur für diese. Leise wird er es mit den Spitzen seiner Finger in ihre Richtung über den Tisch aus Holz bewegen. Heimlich, und so, dass es keiner und doch wieder Jeder sieht. Denn eigentlich möchte er ja bewundert werden für seine Großzügigkeit. Mann B wird möglicherweise kurz an Frau denken, möglicherweise wird er ihr spät spät abends eine Nachricht zukommen lassen. Vieles wäre möglich.

Mann C wird mit den Händen gestützt seinen Kopf halten und in dieser Enklave brüten brüten brüten. Über Versäumnisse und Übertriebenheiten. Er wird kurz die Frage denken, die man ihm stellte, nämlich wie er fähig sein kann, so groß zu denken und so zögerlich nur zu sprechen. Aber dann wird er beschließen: alles Blödsinn! und sich fest vornehmen: Beim nächsten Mal, da werde ich es nicht so weit kommen lassen! Ich werde mir einen Platz in dem Leben der Frau erobern. Um siegreich mein noch begrenztes Land zu verlassen, werde ich dies nicht mit Hilfe großer Gedanken, sondern leise, vorsichtig, berechnend systematisch und zurückhaltend geschickt wie mein Sprechen vollziehen. Ich werde mich in das Leben der Frauen reden, nicht mehr dort herausdenken lassen. Jetzt werde ich es tun, ich werde!
Aber vorher, noch einmal vorher, muss ich wissen: Frau, sag, bist Du dir wirklich sicher, dass es uns nicht geben kann? Und bitte Frau, sag, bist Du sicher, dass wir nicht alles nur geträumt haben.

Frau wird in einem großen Bett erwachen, zu sehen werden mehr Haare als Hände sein. Frau wird einen Gedanken denken, der mit einem Oh nein beginnt.

Frau wird in die Zukunft gehen, Mauern einreißen und sometimes noch gegen solche rennen. Frau wird Zweifel haben und erhaben das Jetzt sehen und mit Kopfschütteln die Vergangenheit betrachten. Wann hört es auf, wird sie sich noch ab und zu fragen, aber mehr noch Wann fängt es an und wichtiger: Kommst Du mit Mann, kommst Du mit jetzt bitte!, das wird die wichtigste Frage für Jetzt und auch für das kommende Jahr sein. Kommst Du mit, ewig verehrter Mann, der noch nicht viel von seinem Glück weiß.

Der ewig verehrte Mann wird mit einem schelmischen Lächeln und mehr ruhig als laut an einem großen Tisch sitzen, mit vielen Schwestern und lustigen Eltern und einem Glas zwischen den zarten und schmalen Händen. Abwägende Denkerhände. Ein wenig wird er sich nähren, aber mehr noch wird er schweigen, staunen, lachen über viele Nichten und Neffen. Über die ganze Welt wird er kopfschüttelnd Thesen aufstellen und – ja, was?

Ähnlich wie Er durch ein Leben geht, nämlich vorsichtig, und doch beschwingt sowie entschlossen, leise und elegant, wie ein Wolf im Wald, wird Er sich weiter in das Leben einer Frau schleichen. Ein Stück näher gen Zentrum, vorerst fremd in einer für ihn unnatürlichen Umgebung, aber wer war zuerst da, hm? Wer war zuerst da.

Ähnlich wie Jemand, der schon alles weiß, nur das noch nicht, was weit im verbotenen Verborgenen liegt, wird er der Frau ab und zu Fragen stellen zu einem Zauber, an den er noch nicht glaubt, einfach, weil er ihn noch nie gesehen hat, einfach, weil er noch nie dort war, wie es so oft ist, und mehr noch ihr leise von der Ferne aus in die Augen sehen und sich in Anbetracht ihrer Existenz (sie lebt!) auch kaum merkbar verneigen, als ein Beweis der Anerkennung auf weiter Flur wird er ihr zulächeln, um dann den Blick wieder gen Boden zu legen, denn was nicht sein darf darf nicht sein. Wer wenn nicht Er wüsste das besser.

Eines Tages wird der ewig verehrte Mann von der Frau zu einem Tisch begleitet. Eines Tages wird der ewig verehrte Mann der Frau zu Gerechtigkeit verhelfen. Ganz leicht am Arm wird er sie dabei berühren. Wer wenn nicht eine Frau, die ihr Leben in Geschichten schreibt, wüsste das besser.

Sobald die Menschen wissen, dass ich Jurist bin, haben sie ein juristisches Problem, wird er sagen. Ja?, wird ein Richter fragen, der keiner ist, und dann: Interessant, inwiefern?, um sich damit wie selbstverständlich von der Regel ausgmzunehmen, sieht er sich als Normsprechender doch fast naturgesetzlich über den Dingen. Und die Art wie ein Selbsternannter das fragen würde, würde die Frau an einen anderen Dialog erinnern, der in der Vergangenheit liegt und dort auf Vergeltung wartet: Wir sind uns doch einig, sagte er, dass wenn ein normaler Mann Dein Leben betritt, – er kann sich doch nur umdrehen und gehen.

Einig?, fragte die Frau.

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The ballad of bird and fox

Ein Kind in meinen Armen in der Nacht, und während des Schaukelns zittern mir die Knie. Was, wenn ich es nicht schaffe, dieses Kind sowie mich zu beruhigen.
So, wie es auch nie jemand schaffte, sich oder wenigstens mich zu beruhigen.
Was dann.

-They say that we can’t do it.
Let’s prove them wrong tonight-

Es ist nicht nur ein wimmerndes Kind, es ist nicht nur ein wütendes Kind, es ist eine Bewährungsprobe. Wimmernd, das Kind, vielleicht aufgrund der Träume, die nachts durch einen viel fantasievolleren Geist jagen, als wir es uns je erträumen könnten. Wütend, weil eigentlich will es doch nichts anderes als: schlafen.

Peaceful is the bird in the morning
Grateful is the fox in the evening
Gotta wake ‘em up!
Gotta wake that bird up!
Gotta wake ‘em up!
Gotta wake that fox up!

Ich singe.
Und während ich singe, denke ich auch kurz an Dich, der mir stets zu sagen pflegte: Ich glaube schon, dass Du Musik kannst.

So singe ich vom Aufwachen und meine damit Einschlafen.
Diese Ambilvalenz, sie ist mir so bekannt, sie ist so voller nicht erstrebenswerter Eintönigkeit, Durchsichtigkeit, dass sie selbst das Kind in meinen Armen erst zum Gähnen und dann zum Einschlafen bringt.

Wie lange stand ich hier, auf diesem Boden, in meinem Leben, und habe mit einem Kind im Arm einen Kampf geführt. Kinder gehören nicht in den Krieg gezogen. Ich habe meine Waffen niedergelegt, und mich friedlich frei getanzt.

„Ich finde Dich logisch“
Bitte wie?

Es macht keinen Sinn
Augenränder bis zum Kinn
Mein Körper völlig am Ende doch mein Kopf will grade beginnen

Ein anderer Tag, eine andere Nacht.
Und da sehe ich mich um halb vier Uhr morgens lehnend an der Küchenzeile Knoblauch schälen. Und während ich mir immer wieder sage, dass es darin Sinn geben muss, alles passiert zum Besten, alles passiert zum Besten, denke ich auch: Frieden mit den Männern schließen heißt Frieden mit Männern schließen.
Was mache ich, wenn das stimmt.
Was dann.

Schuldgefühle, die mich in der Mitte auseinanderreißen
Manchmal möchte ich mir die Hände vor das Gesicht legen,
und so weiter leben for ever.

Es wird nie so sein, denke ich, dass Menschen verstehen, was sie nicht verstehen wollen.
Endlosschleife.
Durchgeschnitten.
Mir ein neues Leben eröffnet.

Knoblauch hacken, um viertel vor vier Uhr morgens. Teufelsaustreibung betreiben.
An Indien denken und dann an Dich.
Hold your body, not your breath, sagtest Du.
Hold your body, not your breath.

Ein Dialog

Ach du Schande, ach du Schande!
[Die Zuschreibungen der Anderen sind die Zuschreibungen der Anderen]
Wie, Schande? Wie kommst Du jetzt da-rauf?
Du kannst doch nicht ewig so weiter machen!
Ewig nicht, vermutlich hast Du recht… Aber – womit denn eigentlich?
Ja mit diesem Leben.
Meinst Du damit, dass ich irgendwann sterben muss? Meinst Du das?
Nein, ich meine, so wie Du lebst.
Wie, wie ich lebe?
Ja, so.
Wie, so. Lebst Du etwa – anders?
Ja, siehst Du doch.
Nicht so richtig irgendwie. Versteh ich auch grade nicht, was Du meinst. Versteh ich echt nicht! Erklär mal bitte.
Ja – also ir.gend.wann muss man ja mal fertig sein [Zähnezusammengebissensehrfest]
Fertig sein womit? – Und bist Du schon fertig? Davon abgesehen: Ich will überhaupt nicht fertig sein und bin es gleichzeitig ja leider doch, man, Du kannst Dir nicht vorstellen wie sehr, aber das ist eine andere Geschichte ha-ha naja.

„Ich habe dem dann gesagt „Sie wissen wohl nicht, mit wem Sie hier sprechen!“
Ja vielleicht wusste er wirklich nicht ich meine mit wem hat er denn gesprochen?
„Ich habe den sowas von zusammengefaltet das kannst Du dir nicht vorstellen. Und zusammenfalten, das kann ich!“ (stolz)
Stille.
„Ich weiß, dass Du das kannst.“
[Teetasse zwischen Handflächen: warm]

Wenn ein normaler Mann bei Dir rein kommt, der kann sich ja nur umdrehen und gehen
Jacke über Stuhllehne / Gardinen auf Boden / Matratze ebenso.



„Ich will Dich nicht anhimmeln, aber es passiert(e). Einfach so.
Ich finde Dich so unfassbar spannend.“

Männer sind nicht gleich Männer, hier ist er doch, der erste Beweis.
Wieso glaubt der Kopf das nicht.

Nur kann ich auch nicht mehr unfassbar sein, es tut mir weh sogar.
Ich bin auf Spannung so sehr, was ich brauche ist in eine Nische legen, bestenfalls aus Mann bestehend.

Hast Du noch Fragen?
Ja, tausende.
Nein, Verzweiflungsgedanken hatte ich heute nicht.

Mann: Wachstum und Willenskraft. Verliebtheit und Verstand. Aggression und Aversion. In meinem Kopf fickt es sich gut.

Mädchen: Was ist denn an dir bitte crazy das würde ich gern mal wissen

Frau: Du lernst immer so Männer kennen.

Ich: Ja aber ich bin ja auch so eine Frau.

Konsequenzen ziehen.
Aber doch hoffentlich nicht vermischen, das Kind auf den Armen mit dem Kind aus den Erinnerungen, der Mann von damals mit dem Mann von heute. Von weiter weg sieht man besser, näher dran werden Dinge oft kleiner. Letzteres hast Du mir gesagt und damit Angst gemeint. Aber vielleicht war ich schon zu weit weg, unerreichbar liebend lachend zweifelnd leidend schmerzend auf einer Matratze liegend, mit der Schwester sprechend.

Hat irgendwer nach mir gefragt?
Nein Schwester, niemand.
[atmen, wirklich ruhig]
Es ist doch gut. Ich werde nicht vermisst. Es ist doch gut.
Ich werde keine Vermisstenanzeigen aufgeben müssen
Ich werde nicht gefunden werden müssen
Ich werde mich nicht mehr verstecken müssen. Die Wahrheit ist simpel

In meinem Leben stehe ich auf Zehenspitzen

Alles = ich. Ich = alles, was ich zu sein vermag. Ich = endlich. Endlich.

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59 – 65

59

Als ich ein Kind war, träumte ich immer wieder den gleichen Traum:
ein Hochhaus würde einstürzen, und mittendrin: ich.
Als ich ein Kind war, durchdachte ich immer wieder das gleiche Szenario:
Wo wäre die Chance, diese Katastrophe zu überleben, wohl am größten, in einem der oberen Stockwerke oder in einem der niedrigen Stockwerke?

Wie lang habe ich darüber gebrütet und konnte meinen eigenen Tod doch nicht entscheiden?
Mein Kindheitsrätsel.
Andere Kinder spielten Gesellschaftsspiele, ich spielte Überlebenskämpfe.

60

Heutzutage sind die Nächte Überlebenskämpfe. Und mittendrin: ich, wie Kafka und Schlaf und Fieber, mein Körper, wie er aufbegehrt, gegen sich selbst kämpft, sich nährt und gebärt, sich schüttelt und in Wallung gerät. Noch unkontrollierbar zwischen Sein und Nichtsein schwankt und sich dabei Haare, Nägel und Zähne ausreißt.

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Manchmal, wenn ein Mann über Nacht zu Besuch ist, dann fühle ich mich, als wäre ich gänzlich hundertprozentig. Spirituell.

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Ich habe eine Schwäche für Männeruhren.
Das Romantische an ihnen ist, wie gut sie über das Gemüt ihrer Träger Bescheid wissen. Ihnen entgeht kein Pulsschlag. Wie konstant in Korrespendenz sie dabei mit dem Objekt der Begierde sind. Innenpolitik.

Vielleicht ist es auch lediglich die Nähe. So nah wie all die Uhren wollte ich all den Männern auch immer sein. Selbst dem ewig verehrten Mann blicke ich immer mal wieder heimlich auf die Uhr. Und meistens seufze ich dann kurz. Vor Erleichterung, vor Spannungsabbau vor allem.

Der Unterschied zwischen Dir und dem ewig verehrten Mann ist, dass ich Dich bereits kennengelernt habe. Das ist es, was heute vieles in einem anderen Licht erscheinen lässt. Eine Garantie dafür, einen Traum zu zerstören, ist seine Erfüllung. Oder so ähnlich. Nachdenken darf ich darüber nicht. Aus dieser Verzweiflung käme ich nicht wieder lebend heraus.

[Dein Vater hat Dich vergöttert, sagen sie mir, am Küchentisch sitzend schwören sie das in ihre verzweifelten Hände hinein. Dein Vater hat Dich vergöttert. Bitte glaub uns das.
-Wer versteht wen oder was nicht?]

Für den Vorgang des Uhrausziehens hege ich ebenfalls Faszination, für den Vorgang des Legens: Metall auf Holz. Erstarrt bleiben dabei beobachtend dann all meine Herzen stehen, so ernst ist mir das.

Alles fiel mir auf, als Du noch in Meditation versunken und in Laken verhüllt saßst und ich von Morgenromantik umarmt vor dem Holztisch stehend aus das Werkzeug betrachtete, auf dem unsere Zeit (ab-)lief. Da nahm ich es in die kalten und zarten Hände und das Utensil war mein Gegenteil, nämlich warm, weich und schwer. Wie konnte das sein? Nachdenklich kippte ich Materie von einer auf die andere Handaußenseite. Dabei baute sie eine Brücke zwischen Dir und mir.

Verloren war ich, mehr noch als gestern, nur leiser, beim langsamen Entblößen einer Mandarine, beim Schälen all ihrer Häute, und ich meine: all ihrer Häute, bis nur noch Fischlaich übrig blieb, als Du neben mir liegend fordernd sprachst: Was findest Du so erotisch daran, sag es mir. Erzähl mir eine Geschichte, antwortete ich leise, so erschöpft wie ich war, und Du begannst, mir eine Geschichte zu erzählen, und noch eine und noch eine. Es geschahen Wunder für mich.

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Sag mir, sagst Du, wie Du so plötzlich vor mir, Tisch und Uhr stehst, womit kann ich Dir eine Freude machen.

Stille // und wenig später nur schwebt Wasser aggregativ vielseitig durch Papier, sucht sich Wege, die nach Rom führen, extra fein gemahlen. Gestern noch hattest Du mir die Reifen meines Fahrrads aufgepumpt und den Backofen repariert. Gestern.

Und plötzlich denke ich an Nebensächlichkeiten, daran, dass als es noch ein damals gab ich Dir immer nur Fragen stellte.
Wie schwer trägst Du, hm?
Geht es darum, Dinge zu tragen?, antwortetest Du, falls ja, dann 9.
Nein, darum geht es nicht.
Ach so, ok. Aber ich bleibe trotzdem bei 9. Ich bin schließlich auch groß.
Einmeterneunzig bin ich groß sagtest Du damals und ich war geschockt.
Was, wie groß bist Du, einmeterneunzig?
Ja.
Auch manche Deiner Worte, mögen sie noch so klein sein, irgendwie sind auch sie einmeterneunzig groß und als Du es sagtest, wusste ich plötzlich, warum ich stetig zusammenzuckte, sah ich Männer, die einmeternenunziggroß an mir vorbei gingen und sich bewegten, wie Du es tust.

Heute die Frage: Kann ich Dir je wieder entgegenkommen, ohne Vorsicht? Ohne mich zu erschrecken? Kann da je wieder Wärme zwischen uns entstehen?
Immerhin. Mein Bett konnte ich schon immer gut mit Dir teilen.
Erwachsenenrätsel.

Und dann erinnere ich mich an das erste Mal, und daran, dass wir wenig später gemeinsam an einem Tisch saßen und ich trug ein Kleid und darunter trug ich nichts, wusstest Du das. Aber ich fühlte und fühle mich nicht so, weißt Du das. Du strecktest damals die Arme in die Luft und alles legte sich mit kurzen Geräuschen wieder in Position. Das will ich auch können, habe ich dann zu Dir gesagt, fast habe ich es geflüstert, und Du antwortetest: Dann mach das doch einfach auch mal. Das war eine Metapher für mich. Eine Öffnung aller Kanäle. Und dann habe ich so vieles auch einfach mal gemacht. Mach das doch einfach auch mal, hast Du mir gesagt. Das implizierte Wachstum, für welches ich bereit war.

Irgendwann dann wurde alles Schöne verlässlich schlimm.
Als gäbe es uns nicht mehr.
Ich habe eine Frau getroffen, sagtest Du, die ich interessant finde.
Du meintest nicht mich.
Ich denke, sie ist zu intelligent für mich, sagtest Du.
Du meintest nicht mich.

Bist Du noch normal?

Und während ich so stehend an meinem neuen Backofen lehne, höre ich mich sprechen: Du hast mir bereits Freude gemacht, und denke dann weiter an was eigentlich und plötzlich da sehe ich wie der Wind dort draußen aus einem weißen Sonnenschirm ein weißes Gespenst macht, welches sich

Hallo träumst Du?

Was?
Nein!

Und schon möchte ich Dir in deinen wartenden Blick schauen, aber da stehst Du nicht mehr vor mir, schon bist Du woanders, aber immer noch bei mir, und beginnst meine Fenstervorsteher zu mustern. Alles hängt schief, alles hängt so schief, dass es vielleicht auch wieder gerade ist, und ich sage „Lass ruhig, lass ruhig, es ist nicht mehr reparabel und längst habe ich mich auch daran gewöhnt“, obwohl ich mich eigentlich nie daran gewöhnte, aber Du nimmst Dein Werkzeug, ein Taschenmesser in rot, und beginnst, Stahl zu schneiden, Kordel zu fädeln und Plastik zu formen und etwa eine Viertelstunde später stehe ich vor Parallelen und Du beginnst schweigend, das zweite Fenster zu richten und dann das dritte und plötzlich fällt Sonne auf meinen Lebensmittelpunkt. Aber das hat nichts mehr mit mir zu tun, denke ich. Danke, sage ich, und meine es so. Mein Herz tankt Licht und da fragst Du: Was kann ich noch tun, damit Du dich freust, und dann fallen mir Dinge ein und Du machst Dinge und immer wieder fragst Du: Hast Du denn noch eine halbe Stunde? Wenn Du noch eine halbe Stunde hast, sage ich. Wäre Dein Ego kleiner, würdest Du mich sogar noch länger aushalten, sagst Du und trägst das Lächeln, welches ich gerne habe. Und als wir uns verabschieden, da stehen wir erstmal da und als wir uns loslassen, da küsst Du mich auf die Wange, so, wie ich Dich auf die Wange geküsst hätte, aber Du bist mir zuvor gekommen.
Danke, sagst Du.
Ja, ich danke auch, sage ich.

64

An einem anderen Tag in einem Secondhandgeschäft hängen sie, große, schwere Herrenmantel.
Genau so, denke ich.
„Du siehst aus wie ein Anwalt“, sagt mir die fremde mich duzende Frau. „Anwältin“, korrigiere ich und denke natürlich an den ewig verehrten Mann. Ich will keine Frau Anwältin sein. Ich will eine Frau sein. Heute will ich eine Frau in einem Herrenmantel sein, denke ich.

Das hier ist ein ganz spezielles Soziotop, wirklich wahr, denn hier trifft sich Hinz mit Kunz und so treffe ich einen Mann, der „Wow“ sagt, als ich aus der Umkleidekabine trete, obwohl er mich nicht kennt. Und fast ist es mir peinlich, aber nach „Wow“ fügt er sachlich hinzu: „Schicker Mantel!, ist der nicht für Herren?“, was dann die schüchterne Sache rettet.
„Ich denke so nicht“, antworte ich und füge großzügig hinzu, „aber wenn es so gemeint war, kannst Du ihn gern auch einmal anprobieren.“ Der Mann sagt wirklich „Ok“ und so tauschen wir unsere Kleider und tatsächlich: er kauft zwar nicht diesen, aber so einen Herrenmantel, wie ich ihn zuvor trug. Der Mann trägt jetzt einen Damenmantel. „Danke“, sagt er, und geht wehend seines Weges. Wow, denke ich.

„Ba!“, sagt jemand anders, reißt mich aus dem Traum heraus und meint dabei mich.
„Sie sehen aus wie ein Grufti!“
Was, ich? Ich: was?

Was ich alles nach Meinung der anderen in einem Mantel bin: erstaunlich. Dabei urteilt doch jeder eigentlich nur aus seiner eigenen Kleidung heraus.

„Vielleicht bin ich ja ein Grufti“, lächle ich aus einem schwarzen Schmuckstück heraus.
„Grufti Grufti“ sagt jemand anders, während sie sich an mir vorbei schleicht, „Grufti Grufti!“

Gekauft, sage ich, und lege zwei Scheine auf den Tisch.
Durch Herrenmantelgravitation noch mehr erschwert schleife ich mich und meine Beute nach Hause. So warm kann nur ein Männermantel sein denke ich und dann verlasse ich die romantische Ebene und habe Wut auf die Welt, denn so warm im Winter war mir noch nie und ich denke Frauen sollen wohl systematisch frieren, damit sie Schutz suchen in den Mänteln (Armen) der Männer! Und wo gibt es schon Männermäntel ohne Männer, ha!, denke ich, Menschen emanzipieren sich, und dieser Mantel gehört jetzt mir, ich schütze mich selbst. Hallo.

65

Und als hätte mich einer der guten Männer schimpfen gehört, so schreibt er Neuigkeiten, so gute Neuigkeiten, und ich überschütte ihn mit meiner Freude für ihn und meinem Lob und am Ende dann schreibt er Wie geht es Dir.

Es geht so, sage ich, verwirrt sitzend an einem zu kleinen Tisch, meine Geister, meine Geister, ein Kampf im Kopf. Aber es lohnt sich, ich weiß das. Das schreibe ich.

Hör mal, sagt eine ehemals große Liebe, ich glaube an Dich. Ich glaube an Dich, Du warst immer eine starke Frau und so wirst Du auch weiterhin sein.

Danke, sage ich, vielen Dank.

Immer habe ich Männer vermieden, und plötzlich sind sie alle da. Wie eine Familie, so langsam gebaren auch sie sich selbst in mein System.

Zuvor war es fast so: ab- und verkannt werden, zweifeln bis zum Existenzminimum, die Blutgruppe ändern, einen eigenen Weg finden und endlich, endlich: frei sein. Fast.

Die Männer, die nun zu meiner Familie gehören, haben mich eigentlich viel mehr geheilt als dass sie mir geschadet haben.

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911

Eine Tomatensuppe, nur eine heiße Tomatensuppe, denke ich, und dann schnell wieder zurück in das Bett, welches dort auf mich wartet. So laufe ich, eine dampfende Schüssel in meiner Art Mitte, ich wäre auch gern in meiner Mitte, eingewickelt in einem Tuch, und ihr könnt es Euch vielleicht gar nicht vorstellen, aber es ist, als würde das Kind erfrieren. So laufe ich, schnell, schnell und der bedrohte Inhalt, wie eine Ladung Ozean, schwappt er doch über sein Ufer, Nein!, und Spritzer dann aus Blut auf dem Boden aus Holz und ich wurde erinnert. Nein!, ein Schrei. Und wenn ich könnte, ich hätte meine Hände auf die Seiten der Wangen gelegt und Deine Hände dann vor meine Augen.

Ähnlich damals, da legtest Du mir meine Hände auf die eigenen Augen. Was sollte das wohl heißen. Sollte es was bedeuten? War es ein Zeichen, und war ich es, die das nicht deuten konnte?

-Und wenn ich könnte, ich hätte meine Hände auf die Seiten der Wangen gelegt und Deine Hände dann vor meine Augen.

Aber Du bist nicht da und meine Hände sind nicht frei.
Frei machen, frei machen, ablegen, abgeben. Auf den Tisch.

Boy, sag mal, damals, schreibe ich fast atemlos, als hätte ich was zu vergessen, damals hast Du mir wenige Stunden danach die Haare geschnitten, es war mein Wunsch und als ich meine Haare wusch, da sahen wir es, wie da plötzlich überall Blut war, und Du hast es einfach weg gewischt, so erinnere ich das, erinnere ich das richtig?

Ja, ich erinnere es genau so. Ich habe Dir einen Zopf gebunden und genau darüber abgeschnitten. Aber es warst nicht Du, die blutete. Vergiss nicht, dass es nicht Du warst, die blutete. Ich habe das trotzdem alles aufgewischt. Ich werde das nie vergessen.

Ok danke ich auch nicht.
Essen wir zusammen zu Mittag vllt?
Ich arbeite girl es tut mir leid.
Ach so.

Moment mal, da ist ja noch Suppe.
Moment mal, Suppe, sage ich so und nehme Dich in Deiner Schüssel in die Hände,
ich bin der Fluß, und Du bist das Floß ja. Ich bin der Fluß und Du bist das Floß ok.
Also bitte also wirklich come on.

Nicht künstlich sein. Kunst machen, Kunst sein. Mit meinen Händen, mit meinem Körper.
Mein Körper soll die Farben dieser Welt tragen & then I see my true colours. Finally & endgültig und finally. Nackt, wie ich bin, nicht metaphorisch, denn nach einem langen Tag ist alles zu viel, also ausziehen-ausziehen-ausziehen. Und wenn ich dann nackt und bunt auch bin so, lege ich mich auf den Boden und rudere mit den Armen und drehe meine Haare und forme Fäuste mit meinen Händen. Alles dann voll farbig und Hand-, Mund- und Brustabdrücke, alles nur von mir auf diesem Boden.
PVC.
Ich traue mich das nicht.

Ich muss mir Möglichkeiten schaffen.
Ich muss mir neue Räume schaffen.
Wer hat einen Kunstraum für mich.
Ich bleib hier liegen. Egal, was passiert oder wer was sagt. Ich bleib hier liegen.

Du bist edel, sagst Du.
Auch die Wünsche, die Du hast. Edel.
Ich habe Angst, sage ich.
Du bist edel, sagst Du.
So von innen heraus.
Ich habe Angst, sagst Du.

Dieses Gespräch und eine letzte Idee ausgetauscht, aber das ist nicht zu verstehen als ein Fazit weil wir keinen Schlussstrich unter unsere Thesen ziehen.

Die Idee: „Tja, so schnell geht’s von einem wilden, lauten und übermütigen ‘Wir haben doch nichts zu verlieren’ zu einem leisen und zurückhaltenden ‘Vorsicht, Mensch, Vorsicht’“. Ich habe das gesagt und Du hast zugestimmt, beide Male, und es sogar selbst verwendet und mit immer neuen Kontexten versehen. Auch ich mache das, aber meine Idee, während ich hier sitze: So schnell geht’s von ‘Nichts zu verlieren’ zu ‘Wir haben verloren, wir haben verloren. Was ist, wenn wir verloren haben. Was ist, wenn nicht?’. Meine Idee ist das also während ich hier sitze und mir den Kopf halte, während ich allein mit ihr bin, mit der Idee, und das ist meist nicht gut, denn das Alte gewinnt, nicht das Wilde, die Idee, sie kriegt Kinder oder baut sich einen Strick daraus und ich kann es nicht mehr vom Kessel nehmen.

Ein Ergebnis, welches für Minuten gilt: Ich denke mal, das wars. Ich denke mal, das, was wir sind, sind wir nicht mehr. Das habe ich in der Nacht vor Tag 0 gedacht. Im fiebrigen Halbschlaf. Immer der zitternde Wimpernkranz.

Und gerade jetzt, als wir dann sprechen und uns schnell atmend fragen: sollen wir doch nochmal, nur auf ein schnelles Glas Tee, zwischen gepackten Koffern und Arbeit, Arbeit, Arbeit? Macht es all das nicht schlimmer. Weil wer weiß, welches Bild wir dann mit uns nehmen, wir Verstörten, wenn wir verreisen. Und ich liege doch hier schon so, so nackt und so erschöpft, dass ich nicht mal mehr Unterwäsche tragen kann, aber das sage ich Dir nicht. Nein, entscheiden wir irgendwie gemeinsam, lassen wir es besser sein. Und kurz bevor die Wochen beginnen, Tag 0, möchte ich heulen vor Verzweiflung. Warum eigentlich? Vor Verzweiflung, ja ja, schon klar, aber warum denn eigentlich? Schau doch, girl, nichts ist, wie Du es denkst. Ja und? meint Ich, Ich heult jetzt, beschließt Ich – ich heule jetzt, beschließt wer? aber dann – dann bringst Du mich mit Deiner Maßlosigkeit so zum laut lachen, dass ich das schon wieder vergaß und erst heulte, als wir auflegten und uns kurz zuvor auf ein großes Wiedersehen für danach einigten. – Ich bin nicht wie meine Mutter. Und wer weiß, ob wir das durchhalten. Wer weiß, ob wir uns festhalten. Wer weiß, ob ich das festhalte, wer weiß, ob ich mich vor lauter Angst und Schmerz nicht frei schwimme. Ich bin gut darin, mich frei zu schwimmen.

Es gab Zeiten, da lief ich durch Räume, und dann roch es nach Feuer. Und als ich meine Hände wusch, dann stieg aus mir heraus Rauch auf und es roch nach Feuer. Fielen mir die Haare über das Gesicht – es roch nach Feuer dabei. „Mensch, wonach riechst Du denn?“ wurde ich zu dieser Zeit, sie ist nicht so lang her, immer wieder gefragt, immer fordernd, so tendenziell mit skeptischem Blick, weil so wie ich, so roch keine, und so wie ich damals roch, so roch ich auch noch nie zuvor, Menschen erkannten mich nicht mehr. Aber ich antwortete genau darauf dann immer mit besonders viel pride: „Ich?“, fragte ich, „Ich rieche nach Feuer!“
Jemand, der Du immer noch bist, hat stets Zündstoff dabei, und manchmal Feuer für sich und mich gemacht, immer mal wieder. Neben einer Skateranlage, auf einem Balkon, an einem Fluss, und ich habe es lange Zeit mit nach Haus genommen, obwohl man das eigentlich nicht darf, aber es war so schön und danach dann war alles erleuchtet.

Das Feuer hatte mich gesucht,
nicht ich das Feuer.

Feuerwehr 112. Hallo hilfe ich bins. Feuer, deswegen rufe ich an. Hi.

Und da sagen sie es schon, nun, da draußen und drinnen diese Trockenheit herrscht und selbst die tapfersten Geschöpfe gezwungen sind loszulassen:
Das hätten Sie doch vorher wissen müssen. Es hätte Ihnen doch klar sein müssen!

Ja vielleicht, aber was ist ein Leben ohne Risiko?

Ein Waldbrand!, ein Waldbrand kann entstehen!, das rufen sie, weil sie sind grade so glücklich, überhaupt etwas sagen zu können: Menschen.

Das Feuer, es könnte einen Waldbrand auslösen, so tönt es aus allen Lautsprechern, weißt Du das denn nicht. Mach es aus jetzt, mach es aus, jeder sagt es Dir. Ich halte mir die Handflächen an den Kopf, schon wieder, aber Fehler, schon wieder, weil diese Warnungen die kommen auch von innen. Es hilft also nicht, das mit den Händen. Mach es aus, es ist doch so einfach.

Mich macht alles traurig, schreibe ich. Someone please call 911. Das tut mir so leid, schreibst Du.

„Sie haben eben einen unsicheren Bindungsstil“, sagt meine Therapeutin und will mich wohl beruhigen. „Was denn schwierig, Beziehungen eingehen oder halten?“ fragt mein Therapeut und will mich wohl provozieren. Ich komme darauf, weil er mich so ansah und lächelte dabei. Oder war ich es, die zuerst lächelte? Ich komme darauf, weil er fragte Warum lachen sie denn so und ich sagte Weil ich immer schon die komischsten Dinge witzig fand.

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Entschuldung, hallo, darf ich, darf ich vielleicht da sitzen? Ich zeige mit dem Finger auf einen Sitz, auf dem ein Rucksack liegt und die Männer verstummen und ich nutze diese Lücke, diese entsetzliche Lücke: „Ich muss unbedingt nach draußen sehen und diese Scheibe”, ich zeige auf ein ergrautes Stück Grau, “die ist beschlagen, aber das war nicht ich, das war vorher schon so“, sage ich erklärend. „Oh, ja klar“, so einer der beiden Männer, als er sich wieder fand. Und der Andere hebt seine Tasche ebenfalls und sagt: „Möchten Sie in Fahrtrichtung oder eher anders sitzen?“ Ich zeige mit dem Finger noch immer auf die gleiche Stelle und glaube, nicht ernst genommen zu werden und sage: “Da möchte ich gerne sitzen.” Sehe ich etwa aus wie eine Frau die nicht weiß was sie will oder was.

„Setzen Sie sich“, sagen beide Männer gleichzeitig. Männer haben laute Stimmen. Ich setze mich. Das ist so nett, danke, sage ich und denke: Entspann Dich mal Frau Du bist auch nett.

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Heute Morgen noch, als ich aufwachte, und kurze Zeit später das Handtuch über die Heizung legte, dachte ich es das erste Mal in diesem Jahr. Ich habe Sehnsucht nach einem Wetter, welches nach Heizung verlangt. Und dann das Auffälligste: Ich bewege mich zu wenig. Ich bin steif geworden. Vor Angst, mich falsch zu bewegen, was heißen würde, von Dir weg, spanne ich alles an und die Schultern sind schmal und angespannt und ich kenne mich, demnach weiß ich, was das heißt.

Diese zwei Wochen, beschließe ich, die lebe ich nun nur für mich. Ich gehe in der Nacht spazieren, ich koche eine große Schüssel Nudelsalat, nur für mich. Ich werde auf meinem Bett sitzen und staunen. Ich höre auf, Obst für zwei zu kaufen. Wieso verlerne ich so schnell für mich allein zu sorgen und stattdessen immer für den anderen mit, sobald jemand mit mir ist und falls es dafür einen Grund gibt, ist das ein guter?

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Ich bin ein Mensch, dem entgegengekommen werden sollte.

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Eine kurze Geschichte von einem Mädchen, mehreren Frauen und vielen Tauben

Ein großer Platz. Tauben, viele. Menschen, viele.
Ein Mädchen, eine Freundin, Kinder und Erzählerin. Das Mädchen wird begleitet von einer Gang.
Mädchen und Gang treten nach Tieren.
Erzählerin: Hey girl. Mach das mal besser nicht so. Denke mal, das tut den Tauben weh und Dir eigentlich auch, ok?
Mädchen: Ok.
Frau 1: Ja richtig! Wie fühlst Du dich denn, wenn jemand nach Dir tritt, hm? Wie fühlst Du dich dann? Soll mal jemand nach Dir treten? //

Frau 1 geht weiter, bevor Mädchen hätte antworten können:
Nein, nach mir soll auch keiner treten. (for example)
Erzählerin: Hör mal Kind, es ist nicht schlimm, dass Du das getan hast, nur vllt. für später mal einfach anders, ok? Also alles gut. Bis bald.

Eine Freundin, Kinder und Erzählerin:
Sonne, Pommes, keine Angst und Zufriedenheit. Alle und keiner von uns. 1,1,2,1.
Da kommt das Mädchen mit der Gang und in seinen Händen hält es Brot. Wie es lacht, das Kind, und dabei Tauben füttert. Die Tauben-Traube wird immer größer und alle lachen und fast alle halten sich die Hände vor die Münder, so war es doch. Oder?

Alle lachen, bis Frau 2 kommt, sich nur wenig zu dem Kind beugt und mit strenger Stimme sagt:
Hey Du da! Tauben darf man nicht füttern. Weißt Du das denn nicht.

Ende.

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Erwachsene Menschen sind die allerschlimmsten Menschen, die es gibt. Stellt Euch mal vor, es gäbe eine Welt nur mit Kindern und Tauben, und das Ergebnis wäre Frieden und Tauben aber ich meine nicht Friedenstauben.

Ende.

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42 – 49

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Vor vierzehn Tagen noch. Ausgebreitet wie die Hälfte einer geschälten Mandarine, alles muss raus, denke ich, alles alles muss raus, auf dem Rücken liegen, atmen. Die Schenkel weit geöffnet, weit auseinanderstehende Schenkel, wie ein Frosch so weit denke ich. Oder wie die Flügel eines Schmetterlings. Nur, dass dieser grad nicht fliegen, sondern nur noch fallen kann. Hände auf dem Bauch, Herz aus dem Hals heraus. Alle Gefühle entfesselt, ich schlucke und schwitze und heule auch. Dieses Mal, da war die Angst so schlimm, dass ich mich besser hinlegte auf eine Matratze dachte ich, weil wer weiß, how long can I still stand this und nicht, dass ich nachher noch auf den Kopf falle. Ich sorge mich ja um mich, weil ich mich eigentlich auch lieb hab so. Naja.

Also ich dann. Wie eine Ergebene. Ich denke an kalten Orangensaft, ein Glas nur, das würde vielleicht helfen. Die Farbe. Und ich bin mutig, so mutig, das denke ich auch, während ich so daliege und mich ergebe, fast auch übergebe, (wem?) und auch denke ich kurz mal lachend über den Übermut der Angst von wegen Über-Ich: Nimm doch was Du willst, das Wichtigste bekommst Du nicht. Denn wie Du weißt, ich habe das jetzt schon mehrmals gesagt und das heißt, dass ich es genau so meine, ich habe den Kampf eröffnet, deswegen nochmal rebellieren und Grenzen testen jetzt, schon klar, so ein letzter Akt der Verzweiflung. Und natürlich auch nochmal aufbegehren, weil ich mich nicht mehr aufhalten lasse von Dir, tust Du so groß, aber ich gehe trotzdem weiter. Du weißt, ich habe Recht und eines Tages wirst Du dich mit Deinen eigenen Waffen schlagen und wenn hier jemand Existenzberechtigung im Körper dieser Frau hat, heutzutage, dann bin das ich. Aber ok, bitte, you scared rebel you, do what you need to do. Ich ergebe mich derweil und spare mir die Kräfte. Ich kämpfe nicht mehr gegen Dich, ich kämpfe für mein Leben jetzt. Augen zu.

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-Hallo ich wollte fragen ob Du Lust hast, dass wir uns bald zusammen irgendwohin legen, auf eine Wiese zum Beispiel.
-Sehr gerne
-Kool.
-Bzgl. Hinlegen vllt. wenn nicht heute wann dann?
-Ja, Du hast Recht. Ok, ich komme.
-Also kool. Dann bis gleich.

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Bäume, Bäume. Diese Bäume, so habe ich sie noch nie gesehen. Ok, komm, lass uns hierhin legen und wie eigentlich immer erzählst Du mir dann eine Geschichte und oft lachst Du am Ende, weißt Du das? Vielleicht über die Ironie einer Sache oder ich weiß es nicht. Ich jedenfalls, ich sage oft nichts, weil so Geschichten, die finde ich iwie groß weil universell. Ja, Zeit denke ich mal. Weiter liegen, Kirschen essen.

Und irgendwann dann zeigst Du mir etwas, das Du kannst und ich bin so vergnügt dass ich mir die Hände vor den Mund halte und wäre ich weniger müde dann wäre ich sicher noch vergnügter gewesen. Wie amüsierend muss es sein, sich ein ganzes Leben lang zu amüsieren? Das habe ich mal in einem Theaterstück gehört.

Als Du dann so neben mir sitzt und auf einmal meine Hand nimmst und dazu auch noch meinen Arm und ich kurz zurück ziehe weil nicht dass Du mir was brichst, Du aber sanft fest hieltst und mich dehntest um mir zu zeigen, wie Du gern eingerenkt werden würdest, und ich mich fallen ließ, als Du das getan hast, und das fiel mir erst Tage später ein, obwohl irgendwas daran besonders war, hab ich irgendwas gefühlt, aber auch das erst Tage später. Seltsam.

Kurz noch challengen im Unterarmstütz, Du hast gewonnen.
Ok, lass mal gehen jetzt.
Ich bin müde, ich bin so müde, und kognitiv so überlastet,
dass ich Angst hab, zusammenzubrechen wenn ich jetzt aufstehe.

Guck mal, sagst Du, als wir aufgestanden und schon ein Stück gegangen sind, Du bist gar nicht zusammengebrochen. Ja, stimmt, hey!, kurz freue ich mich und dann sage ich; Erinner‘ mich nicht daran, denn sonst wird es doch noch passieren.

Hereinspaziert! steht da. Warum auch nicht. Ok dann. Komm einfach. Hereinspaziert! Warum auch nicht?

Dich in meiner Küche stehen sehen, mein Musikinstrument lehnt an Deinem, denke mal, das braucht es vorerst auch so.

  • Tauschen?

Und dann, kurz als Du gar nicht siehst was ich sehe und Du was liest, da stehst Du da, als hättest Du kurz geträumt von Wundern, die Du nicht verstehst, dabei bist Du doch eigentlich das Wunder in here.

Ich weiß gar nicht recht, denke ich – wohin mit Dir? In Armbeuge? Kopf? Herz? – In meine Mitte? Zwischen die Schenkel?
Aber dann, wenn ich Dich so beobachte, denke ich auch: Eigentlich bist Du ein Mann, von dem man niemals zu träumen wagen könnte. Hab ich aber trotzdem schon gemacht.

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Mir ist, als wäre mir schlecht vor Liebe, schlecht vor Angst, schlecht vor allem, was mir entgleiten könnte. Als hielte das innere Kind fest, was doch die erwachsene Frau schon längst begriffen und losgelassen hat. Hallo hallo, you dont need this anymore.

Aha ja ja so so.
Na gut, dann weitermachen mit Leben, weil is schön iwie auch.

Im Leben beeindruckende Frauen treffen, immer wieder. Beeindruckende Frauen treffen, die erfolgreich sind und dennoch, mit einer Hand an ihrem Ring der anderen Hand drehend, mit sich und dem Leben hadern und immer und immer wieder einen Schluck Wasser trinken. Ja, so wird sie vielleicht aussehen, eine Art der Zukunft.

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Ich sehe das schon in Deinem Blick, er ist ehrlich, auch das sehe ich, aber hey, möchte ich sagen, es sind über zehn Jahre vergangen seither und es war ja auch nur ein Treffen glaube ich. „Mehr“, sagst Du so, als hättest Du gezählt, die Jahre. „Ich habe ein Foto gefunden, als Du damals…“ „Ja, ja, ich weiß, aber ich war jung, tut mir leid, ich war jung.“ Ok dann – sage ich und nehme die Hand des Patenkindes, wir müssen jetzt echt los, wir müssen zu einem Spielplatz jetzt, es war ihr ausdrücklicher Wunsch, ciao dann.

Du wirst es wohl nicht gewusst haben, aber während ich mit Dir sprach, hätte doch der Mann, dessen Sein ich derzeit einerseits verstehe und auch nicht verstehe, weil was habe ich damit zu tun und andererseits bedenke und begehre, das habe ich damit zu tun, direkt aus mir heraus kommen müssen. Ich bin besetzt von etwas, werde geliebt und gewertschätzt grade für das, was ich bin fühle ich. Siehst Du das echt nicht? Also ich schon, deswegen frag ich. Weiß ich ja auch generell grad nicht, wie die Anderen mich sehen. Und Du hast es wohl echt nicht bemerkt,
bemerkenswert.
Wie konntest Du nicht wissen, dass ich derzeit mit einem anderen Mann Tee trinke, so, wie man ihn in Palästina trinkt? Oder auch so, wie man ihn aus dem Ayurvedischen kennt, wenn nichts anderes mehr hilft. Je nachdem. Ich versteh das nicht. Wie konntest Du nicht wissen, dass da derzeit auch nichts heran kommen kann, dass ich derzeit unantastbar bin? Ich meine: hello from the other side.

Denn später, später, als hättest Du auf mich gewartet, klopfst Du an eine Scheibe, hinter der ich sitze, und sprichst schon mit einer aufgeregten, aber doch erwachsenen Stimme: „Entschuldige, entschuldige, ich wollte Dich nicht erschrecken. Ich wollte, ich wollte nur fragen, ob… ob vielleicht… ob Du Lust hättest, nächste Woche oder auch jetzt bald schon einen Kaffee oder ein Bier oder was Du willst also…“ Ich schüttle den Kopf, „Nein“, sage ich, „nein, tut mir leid.“ „Ok“, sagst Du, „ok, ich verstehe.“ Ok ciao.

Hoffentlich war ich dem Patenkind jetzt ein gutes Vorbild, denke ich, während wir fahren. „Bist Du angeschnallt?“ frage ich. Hoffentlich konnte ich ihr subtil, also ohne Vorschrift, weil sie soll selbst denken weil sie kann das, klar machen, dass man immer Nein sagen kann. Erziehung bringt ja nichts, Kinder machen einem eh alles nach. Erziehung bringt ja nichts, Kinder machen einem eh alles nach. Hoffentlich habe ich das jetzt richtig gemacht für sie. Hoffentlich. Naja.

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Manchmal möchte ich, dass mich jeder versteht.

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Wenige Tage später auf dem Weg zurück sein und auf diesem Weg zurück, wird mir klar, dass mit mir etwas passiert ist. Ich merke schon, wie ich die Dinge anders ansehe, wie ich plötzlich auch größer sehe. Mein Blick ist weiter, geht das? Wie alles plötzlich ein differenziertes Bild ergibt, als hätte es auch gleichzeitig nichts mehr mit der Frau zu tun, die ich zuvor war. Dinge fügen sich, es ist ein Bild, es hat mehr Farbe, es ist eine Performance, es hat mehr Flexibilität.

Von Dir zu kommen heißt in Frieden zu gehen schreibe ich in mein Notizbuch.
– Wer schreibt da?

Menschen gucken mich an.
So lang sie mich nicht erkennen, ist alles gut.
Ich möchte allein auf dieser Welt sein.
Vielleicht.
Christoph Schlingensief hat sich das auch mal gewünscht, damit er heulen und schreien kann.

Warum bin ich so confident, wenn ich allein bin?
Warum fühle ich mich so wohl, wenn ich mit mir allein bin?
Warum laufe ich dann so furchtlos?

Das Musikinstrument, welches Du ausgebessert hast, ich halte es noch ungeschickt in den Händen, genau so aber ist es vielleicht auch mit Dir. Vielleicht, man wird sehen, passt Du zu mir, und wenn es da etwas geben sollte, repariere ich das, aber noch halte ich Dich ungeschickt in meinen Händen.

Jedenfalls – das Instrument, es schläft seitdem auch mit mir in meinem Bett, es ist jetzt ein Teil von mir geworden, weil ich immer auch daran denke, es zu Ausflügen mitzunehmen, wenn ich welche mache und wie es wohl wäre, es dabei zu haben und wie, wenn nicht. Und wie es wohl wird, wenn ich es spielen kann. Falls überhaupt.

Aber Du denkst, ich kann das. Und ich weiß wirklich nicht, ob Du das sagst, um mich zu komplementieren oder um mir Sicherheit zu geben oder weil Du dir vielleicht auch so sehr wünschst, dass ich eine Frau mit musikalischem Talent bin, aber das bin ich nicht, ich glaube wirklich, das bin ich nicht.

Doch, ich denke schon, dass Du es kannst, sagst Du.
Vielleicht kann ich es dann irgendwann auch nur, weil Du es von Anfang an glaubtest, denke ich.

Ich kenne diesen Mechanismus. So funktionierte mein ganzes Leben. Was habe ich nicht alles schon einfach gekonnt, weil ich glaubte, dass ich es kann? Mich selbst genährt, gehalten, erzogen. Was habe ich nicht schon alles einfach getan? Frag mich lieber, was ich alles noch nicht getan habe. Aber anders herum, so herum, habe ich das seltener kennengelernt. Das wäre bestimmt auch zu schön gewesen.

So schlendere ich also nach Hause, Friede ist mit mir, das erste Mal seit langem fühle ich mich sehr sicher und ich bitte darum, möge ich all meinen personifizierte Ängsten begegnen, jetzt, denn ich kann das. Aber nichts passiert! Das darf eigentlich echt nicht wahr sein.

Ich setze mich dann noch auf die Holzbank einer Gaststätte. Wie oft bin ich früher hier gewesen?

„Bist Du Musikerin?“ fragst Du mich, wie immer mit interessiertem Blick.
Ich finde Dich lustig, weil Du kellnerst, und ausgerechnet Deine größte Schwäche ist das Vergessen. Es passierte schon so oft, dass ich etwas bei Dir bestellte, und Du nochmals raus kamst und mit einem verlegenen Kratzen hinter dem Ohr sagtest: „Eh…“
„Nein“, sage ich, „aber vielleicht irgendwann mal.

Ich bin zu winzigen Teilen ein Wunder an der Bar. Wunderbar und wandelbar.

Wie sehr wünsche ich mir, dass Du mich mal so sehen könntest, wie ich bin, wenn ich mit mir bin. Wenn ich mir einfach sicher bin. Wenn die Nähe mich nicht vermeintlich angreifbar macht. Vermeintlich vermeintlich, bald hab ich’s.

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SMS-Verlauf 1

20:12: „Hiiii… Deine Freundin hält morgen einen Vortrag zum Thema Institutioneller Rassismus glaubst Du sie schafft das? Deine Freundin datet seit zwei Wochen den gleichen Mann, glaubst Du, das wird was? Deine Freundin ist morgen Abend in Deiner Nähe, glaubst Du, da passt was?“
23:12: „Nina hab das grad erst gelesen aber bin noch wach und habe Muffins im Ofen also könntest kommen“
07:00: „Meine heute“
14:34: „Ja geht auch“

SMS-Verlauf 2

„Hi. Findest Du, ich bin leicht zu lieben? Wenn man mich neu kennenlernt?“
„Ich denke, ganz am Anfang ja, mit viel Begeisterung usw., dann könnte ich mir vorstellen, dass eine Phase mit Hürden und sich finden kommt, und wenn man es in Phase 3 schafft, glaube ich mit sehr viel Tiefe und Kraft.“
„Kool danke.“

SMS-Verlauf 3

„Du hast vorgestern, als wir so da saßen, iwie meine Hand und meine Finger genommen, und dann hab ich glaube ich kurz weg gezogen, Reflex vllt, und Du hast dann Arm genommen und kurz gehalten und gestreckt so, um zu zeigen wie für Dich wenn einrenken. Und seltsam. Ich habe mich erst gestern Abend daran erinnert, obwohl irgendwas daran besonders war. Ich hab das nicht geträumt denke ich.“

Ein Anruf! Ein Anruf! Bist Du es? Ja Du bist es! Du bist es!

Du sagtest was von elektrischer Schock oder so
Ja
Ja ich hab das auch gefühlt
Ehrlich?
Ja klar.

Ich versteh halt nicht so viel von sowas bzw. eher so verstörend wenn jemand fühlt wie ich weil eher selten so deswegen sorryok bis dann.

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